Samstag, 13. Juli 2024
Velleius Paterculus der Mann der mehr wusste als er sagte und auch das Varusschlachtfeld kannte.
Er war die graue Eminenz der Varusschlacht der uns auf besondere Weise Einblick in den Schlachtenverlauf gewährte. Aber die Spur die er für die aufmerksame Nachwelt legte musste so lange im Verborgenen ruhen, bis sich unter Mithilfe seiner antiken Historikerkollegen die Umrisse der Schlacht in eine bislang unauffällige Landschaft projizieren ließen. Der Theorie nach befindet sich der Schlachtenkorridor östlich der Egge, wirkt vom Gebirge wie abgeschottet, nahezu getarnt und konnte sich daher lange den forschenden Blicken entziehen. So fristete er unbeleckt von der Römerforschung im Stillen über die Jahrhunderte betrachtet sein Dasein bis in unsere Tage. Eine Abgeschiedenheit von der die Region Abschied nehmen muss, da sie ihre Geheimnisse auch Dank Paterculus preis gab. Er kannte die Region zwischen Egge und Weser und war ein kritischer Begleiter jener epochalen Ereignisse auch wenn er in der dramatischen Phase die das Imperium dort erfahren musste nicht dabei war. Aber aus seinem Werk ging keine Silbe hervor, wo denn genau die drei Legionen aufgerieben wurden. So vermisst man bei ihm auch jegliche Angaben über den Verlauf der Schlacht, entdeckt weder einen Hinweis zur Örtlichkeit noch stößt man auf geographische Anhaltspunkte. Dafür bieten uns seine Informationen unerwartete Anhaltspunkte die uns wie Schleier erscheinen und sich erst abziehen lassen, wenn man den Inhalt seiner Schrift mit den Überlieferungen der anderen antiken Historiker abgleicht. Aufgrund seiner Ortskenntnisse wusste Paterculus wie kaum ein anderer wo und auf welche Weise die Germanen die Varusarmee zu Fall brachten und konnte sich den Hergang noch von den Lebenden beschreiben lassen. Dadurch kam er in den Besitz erstaunlicher Detailkenntnisse vermied es aber trotzdem die Landschaft identifizierbar zu machen. Vermutlich erfuhr man auch deswegen nichts von ihm weil er es in einer Zeit nieder schrieb als es noch zu viele Zeitzeugen gab die die Schauplätze bestens kannten und sie in zweifelhafter Erinnerung hatten. Dies machte es in jenen Tagen, als man den Ort noch nicht mystifiziert hatte überflüssig darauf einzugehen. Trotzdem ist man doch verwundert, denn gerade von einem Militaristen wie ihm hätte man erwartet, dass er im Zuge seiner strategischen Analysen und Aufarbeitungen die er über die Fehler des besagten Feldherrn anstellte auch Worte über die Örtlichkeiten zwischen Weser und Lippe hätte fallen lassen müssen. So konnte er vermutlich auch darauf verzichten seine Informanten nach den Details der Örtlichkeiten fragen, da sein Wissen ausreichte um sich den geographischen Schlachtverlauf vorstellbar zu machen. Etwa den Ort anzugeben wo man am Morgen noch nichts ahnend im Etappenlager aufbrach. Wo die ersten Lanzen flogen, auf welcher Anhöhe dann Varus irgendwo im unwirtlichen Germanien sein Lager am Abend des ersten Kampftages errichtete. Oder wo sich die widerwärtigen Sümpfe ausbreiteten in denen wie Florus später berichtete ein Bannerträger samt Legionsadler versank und die Bäume standen an denen man die Schädel der Tribunen nagelte. All dies war für ihn nebensächlich. Ob ihm schon der Name „Teutoburgiensi saltu“ bekannt war, den Tacitus später verwendete ist fraglich aber die Engstelle war für ihn ein Begriff denn ein derartiges Merkmal war in der Struktur der Egge einzigartig. Die römischen Namen die man den alten germanischen Siedlungsstätten wie Höxter, Brakel oder Warburg gab sollte er ebenfalls gekannt haben, hätte er sie uns allerdings überliefert, wäre eine Verortung für uns vermutlich genauso problematisch gewesen, wie das verschollene Aliso zu identifizieren. Da er auch verschwieg, dass Germanicus sechs Jahre später am Schlachtenende die Knochen bestattete könnte darauf hindeuten, dass ihn dies einen Militaristen nicht sonderlich berührte, ihn nicht interessierte oder er schon früh die tristen Stätten der peinlichen Niederlage in Vergessenheit geraten lassen wollte. Aber ungeachtet dessen lassen sich seinen Worten doch vielsagende Informationen entnehmen die für die Verlaufsanalyse im Sinne der Schlachtenforschung wertvoll sind. Fakten denen sich kein anderer antiker Historiker widmete da sich unter ihnen kein Militarist befand und sie keinen Kontakt mehr zu den Zeitzeugen hatten. Seine Sätze gleichen Anekdoten und wirken nur auf den ersten Blick wie die Aneinanderreihung zusammenhangloser schicksalhafter Begebenheiten einzelner römischer Legionäre die unter Varus dienten. Aber durch die neue Sichtweise auf die alten Geschehnisse werden sie zu einem zusätzlichen Bestandteil von dem die Forschungslandschaft profitieren kann. So tragen seine Worte aus dem Mund eines erfahrenen Militärs dazu bei den Verlauf zu erhärten, die Theorie zu bestätigen und sie abzusichern. Denn nun erst lassen sie sich zuordnen und mit ihrer Hilfe gelingt ein weiterer Schritt Ordnung und Aufhellung in das vermeintliche Labyrinth der Varusschlacht und seinen uns chaotisch erscheinenden Ablauf zu bringen. Seine Berichte stützen die Theorie die diesem Geschichtsprojekt zugrunde liegt, nämlich den Kern der Schlacht zwischen Brakel und Borlinghausen ansiedeln zu können und lassen sich mit der von Cassius Dio beschriebenen Mehrtagesschlacht in Einklang bringen. Die Besonderheit seiner Zeilen liegt darin, dass er als kampferfahrener Berufsoffizier und hochrangiger Soldat ein Militärexperte war, sodass man sich sowohl mit seiner Person als auch seiner Seriosität näher beschäftigen muss um die Qualität seiner Angaben bewerten und ihren Wert richtig einzuschätzen zu können. Er war ein Kind der Zeit, Kenner des germanischen Aufmarschgebietes und wusste wo einst alle Heerwege den neuen römischen Militärdistrikt Ostwestfalen durchkreuzten wie man ihn und die Weser erreichte, wo sich Furten über die Flüsse auftaten, Sümpfe umgehen ließen, wo die Pässe verliefen und sich die vielen schon genutzten und wieder aufgegebenen Marsch – und Standlager befanden. Ihm war bekannt wo Drusus in die Falle von Arbalo ging, wusste wohl auch ungefähr wo er sich zu Tode ritt und wie unbefriedigend die Feldzüge des Germanicus endeten auch ohne das er über sie berichtete. Er stand viele Jahre in nahezu staatstragend zu nennender Funktion und diente dem Imperium in dem er auf vielen Schlachtfeldern Roms präsent war. Ein Mann mit Verhandlungsgeschick den man heute zum Militärattaché befördern würde. Von ihm stammt die Aussage, dass es Rom beinahe gelungen wäre aus Germanien eine tributpflichtige Provinz zu machen, eine Bemerkung die für politische Weitsicht und Kenntnis über innere Strukturen spricht. Vier Jahre vor dem Ausbruch der Varusschlacht „an der Nethe“ hielt er sich noch in der Region auf, konnte aber an ihr selbst nicht teilnehmen, da er zur gleichen Zeit noch die Restgefechte gegen die Dalmater zu bestehen hatte. Aus seinen Informationen lässt sich heraus lesen, dass man ihm nicht nur den wesentlichen Schlachtenhergang, sondern auch diverse Details geschildert hatte. Diesen entnahm er einige Schlüsselereignisse da er sie für prägnant hielt weil sie symptomatisch für das Desaster waren. Da Paterculus wie man immer annehmen musste nur wenig zum Schlachtenverlauf beitragen konnte, stand er nicht wie Cassius Dio oder Cornelius Tacitus im Rampenlicht der Varusforschung und man bewertete ihn zurückhaltender. Und da sich seinen Ausführungen keine interpretationswürdigen Bezüge entlocken ließen, schienen seine Aufzeichnungen für die Schlachtfeldsuche unbrauchbar zu sein, sodass er in den Schatten geriet. Er war Zeitgenosse bedeutender Persönlichkeiten der römischen Kaiserzeit sowohl vor als auch nach der Jahrtausendwende und er wusste demzufolge auch viel über die Intrigen und Hintergründe im römischen Herrscherhaus und die Abläufe diverser römischer Schlachten, darunter auch jene die vor seiner Zeit geschlagen wurden und die, die keinen glücklichen Ausgang fanden. Infolgedessen war er auch über die Taten und somit auch das Fehlverhalten anderer römischer Feldherren bestens informiert aus denen er gelernt hatte und seine Schlüsse zog. Seine Vita offenbart uns eine heraus gehobene Stellung was die Wertigkeit seiner Aussagen unterstreicht. Velleius Paterculus entstammte einer in Kampanien ansässigen Familie des Ritterstandes. Sein Vater war Offizier und sein Großvater der noch unter dem römischen Senator Tiberius Claudius Nero diente war, wie man heute sagen würde Kommandant eines Pionierbatallions. Als Militärtribun, Legat, Ritter, Offizier und Reiterpräfekt konnte Paterculus auf eine stolze Bilanz zurück blicken und war da er auf Augenzeugenberichte zurück greifen also Schlachtenteilnehmer noch persönlich gekannt haben dürfte allen bekannten antiken Geschichtsschreibern voraus. Paterculus starb nach 30 + und obwohl seine Überlieferungen erst 1515 entdeckt wurden war er doch der Mann der zeitlich der Varusschlacht am nächsten stand. Zudem befand er sich in der komfortablen Lage es nicht nötig gehabt zu haben von anderen abschreiben zu müssen. Die Berichte von Tacitus, Florus und Dio waren schon weit vor dem Jahr 1515 bekannt, erreichen aber hinsichtlich ihrer Authentizität nicht die Aussagequalität der Paterculus Überlieferungen. Im Gegensatz zu Paterculus waren sie immer auf Wissen angewiesen, das zum Zeitpunkt der Niederschrift schon durch viele Hände gegangen war da ihnen im Gegensatz zu Paterculus weder Augen - noch Zeitzeugen Rede und Antwort leisten konnten. Paterculus war eine angesehene Größe im Staate, wusste sich als Autor zu artikulieren, hatte stets die Staatsräson im Auge und daher auch keine kritischen Blicke höherer Instanzen zu fürchten. Ungeachtet der Betroffenheit einstiger Schlachtenteilnehmer wie es von Tacitus im Vorfeld der Knochenbestattung dargestellt wird ist seine Schrift die einzig bekannte, die das individuelle Schicksal und die Begleitumstände einzelner Kämpfer zum Inhalt hat. So war er der erste und einzige der es auf den Punkt brachte was sich damals für bittere Schicksale an der ostwestfälischen Front und im unmittelbaren Schlachtengeschehen zutrugen und sie an Personen binden konnte deren Namen er hinterließ. Im Gegensatz zu Cassius Dio brauchte er dafür keine Senatsakten oder andere Vorlagen um zu erfahren was damals vor sich ging, konnte seine Eindrücke ungefiltert wieder geben und gab nahezu unverfälscht das weiter was ihm zu Ohren kam. Er beschönigte nichts schrieb es freimütig nieder und seine Darstellung erweckt nicht den Anschein als habe er sich einer Zensur beugen müssen. Paterculus konnte sich auch noch am Fundus dessen bedienen was in Rom in den Jahren nach der Schlacht die Runde machte und teilte noch nicht die Sorgen, die Cassius Dio rund 200 Jahre später quälten als der sich Gedanken über das im Vorliegende machte, da es ihm nicht glaubhaft und schlüssig erschien. Wobei Cassius Dio damit eher den Schlachtenverlauf meinte auf den Paterculus gar nicht eingegangen war. Man darf wieder spekulieren ob er mit Absicht darauf verzichtet hatte bzw. es umschiffte um zu vermeiden, dass ihm im Zuge seiner Schilderungen doch noch etwas über das Versagen der höheren Befehlsebene über die Lippen ging. Abläufe von denen er wusste, die aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Er ließ es sich nicht nehmen auf die Helden und gleichermaßen die Versager einzugehen trug dafür aber nichts zum Verlauf der Geschehnisse bei. So beschwor er stets den hohen Kampfeswillen der Armee und stellte die hohe Moral der Truppe in den Vordergrund, so dass es bei ihm ganz im Sinne des Imperiums vor Lob und Mannesmut nur so triefte. Damit erkaufte er sich letztlich die Freiheit etwas offener berichten zu dürfen. Aber seine Loyalität und militärische Disziplin die ihn mit dem Kaiserhaus verband ließ es nicht zu nach den wahren Schuldigen für das Desaster zu suchen oder es gar in sein Werk mit einzuflechten. Jene politisch Verantwortlichen die einem aus seiner Sicht unfähigen, phlegmatischen und wohl auch am Körper behinderten Administrator den Vorzug gaben und diesem dann noch zu allem Überfluss eine Truppendezimierung zuzumuten, statt im krisengeschüttelten Cheruskerland auf einen Mann mit militärischer Erfahrung zu setzen. So enthalten seine Schilderungen obwohl berechtigt keine Vorwürfe gegen jene Personen, die es so entschieden hatten, da sie die Lage in Germanien unterschätzt hatten. Aus berufenem Munde und Kraft seiner militärischen Autorität erteilte er dem in Ostwestfalen eingesetzten römischen Militär die kämpferische Absolution, besaß als Vertrauter des späteren Kaisers Tiberius dazu die erforderliche liberale Gesinnung und Eigenständigkeit und wirkte unantastbar. Trotzdem dürfte Paterculus der mehr einem Kriegsberichterstatter glich als einem Historiker bewusst gewesen sein, dass er auf schmalem politischen Grad wandelte, den richtigen Ton zu treffen und dies auch bei der Themenauswahl zu beachten hatte. So schmähte er ordnungsgemäß die Fahnenflüchtigen um Vala sowie den feigen Ceionius und schob dem Zeitgeist gehorchend und der Obrigkeit genehm Varus die Schuld zu den man schon zeitnah zum Bauernopfer erklärt hatte. Angesichts einer derartigen Niederlage den Germanen eine negative aber trotzdem ehrenvolle Gesinnung zu unterstellen und den Erzfeind Arminius dessen Begleiter er im Pannonienkrieg war für seine Leistungen zu loben in dem er fest stellte, dass man ihn zu Recht in den römischen Ritterstand hob und ihm das Bürgerrecht zu erkannte spricht für seinen Charakter und die aus militärischen Kreisen bekannte Fairness. So blieb er höflich, zurück haltend und gerecht und nannte den umstrittenen Segestes wohl nur deswegen treu und vornehm weil dieser mit Rom kooperierte. Und natürlich suchte auch er in den Naturgewalten und den höheren Mächten die bequemen Mitschuldigen für das Debakel. Allesamt Darstellungen die in ihm sowohl den Haudegen als auch den Diplomat erkennen lassen. So gelang ihm der Spagat  über eine Niederlage zu berichten ohne nach den augenscheinlichen Drahtziehern im Kaiserpalast zu fragen oder nach ihnen forschen zu wollen. Der weit gereiste Paterculus dachte weltoffen und trat schon in jungen Jahren in die Armee ein, diente als Militärtribun unter Publius Vinicius in Thrakien, Makedonien und Griechenland. Ob er sogar mit Kaiser Augustus zusammen traf ist nicht überliefert, aber nach Lage der Dinge könnten sie sich auch persönlich gekannt haben bzw. begegnet sein. Im Jahre 1 - diente er unter Gaius Caesar dem Adoptivsohn von Kaiser Augustus, wurde dann zum Reiterpräfekt ernannt und war acht Jahre in Germanien und Pannonien „legatus“ unter Tiberius. So nahm er ab dem Jahr 2 + am Krieg gegen die Cherusker und andere germanische Stämme teil der im Jahre 1 + begann und im Jahre 5 + endete und dem er Namen Immensum Bellum gab was sich vermutlich eher auf die Landmassen bezog die man damals durchquerte, als dass es mit gewaltigen Schlachten zu tun gehabt hätte. Paterculus dürfte aufgrund seines Ranges und seiner Erfahrung auch an den Vorbereitungen des später abgebrochenen Markomannenfeldzuges nicht nur beteiligt, sondern sich auch im Marschzug befunden haben als man diesen aufgrund der größeren Gefahrenlage ins pannonische Aufstandsgebiet umleitete. Dort nahm er wie sich schlussfolgern lässt gemeinsam mit Arminius an der Niederschlagung der Aufstände teil die von 5 + bis 9 + andauerten und aus denen Arminius vorzeitig nach Germanien zurück kehrte. In den unruhigsten Zeiten, die das Imperium an seiner germanischen Nordostflanke erleben musste, half er dem späteren Kaiser Tiberius in seinen Zeiten als Feldherr zwischen 9 + bis 11 + im römisch besetzten Germanien die Ordnung aufrecht zu halten und begleitete ihn auch wieder auf seinen ersten Vorstößen nach der Varusschlacht ins Rechtsrheinische. Zählt man die Zeiten von 2 – bis 5 + und von 9 + bis 11 + als volle Jahre, dann wäre er 9 Jahre in Germanien stationiert gewesen. Er war daher in Germanenfragen bestens bewandert, kannte ihre Mentalitäten und kein anderer Historiker erreichte die tiefgreifenden Kenntnisse dieses Mannes. Nach dem Paterculus bereits mit dem römischen Feldherrn Lollius ins Gericht ging, als dieser sich 16 - u.a. von den „schälen Sicambrern“ überrumpeln ließ, stand nun Varus für ihn im Mittelpunkt der Kritik den er erheblich diskreditierte sich aber trotzdem bemühte gerechte Erklärungen für sein Verhalten zu finden. Vielleicht spricht auch aus der Missbilligung seiner fehlerhaften Entscheidungen der stille Vorwurf, dass er sich bei der Entscheidung Varus zu beauftragen übergangen sah und sich für die bessere Alternative hielt. Seine strategischen Qualifikationen hätten es erwarten lassen, dass es mit ihm und das vielleicht auch nur in seinem Beraterstab eine Varusschlacht nicht gegeben hätte, man ihm zutrauen darf die Lage besser eingeschätzt zu haben oder das er sie im Katastrophenfall auf geeignete Weise stabilisiert hätte. Er kannte Arminius persönlich und dies wohl nicht nur aus den gemeinsamen Zeiten im Pannonienkrieg und wäre schon im Vorfeld imstande gewesen aus den unterschiedlichen Strömungen und Stimmungen im Lager der Germanen die angemessenen Schlüsse zu ziehen. Zu viel der Spekulation wäre es zu fragen, ob es diese vernichtende Schlacht auch bei seiner Teilnahme gegeben hätte und wie dann sein Bericht ausgesehen hätte. So wirkt er aus der Distanz zum Geschehen wie das legitime Sprachrohr gleich einem Presseoffizier der von höchster Stelle befugt schien, dass Schlachtengeschehen mit deutlichen Worten kommentieren und sich gleichzeitig auch positionieren zu dürfen. Und obwohl er seine Worte rund 20 Jahre nach der Varusschlacht zu Papier brachte da er 31 + verstarb, stellte sich danach über eine lange Zeit scheinbar niemand mehr die Frage oder wagte sich herausfinden zu wollen, wie es denn nun wirklich in Ostwestfalen zwischen Egge und Weser dazu kommen konnte. Vielleicht war sein Hinweis es der Nachwelt einmal in einem größeren Werk präsentieren zu wollen nur eine Vorsichtsmaßnahme die darauf abzielte nicht ins Detail gehen zu müssen, um nicht doch umfänglicher auf die eigentliche Schuldfrage näher eingehen zu müssen was für ihn zu Problemen hätte führen können. So können wir auch bei ihm zunächst nur heraus lesen, dass die Legionen von Wäldern und Sümpfen eingeschlossen in einen Hinterhalt gerieten wo sie den tückischen Attacken der Germanen ausgesetzt waren. Wir erfahren von ihm nicht, ob die Schlacht innerhalb oder außerhalb eines Lagers statt fand oder wie lange sie dauerte. Seine auf Personen bezogenen Informationen hören sich jedoch nur auf den ersten Blick wie die Schilderungen von Nebensächlichkeiten an. Kurze Episoden mit denen er vermeiden konnte auf das Wesentliche des eigentlichen Schlachtengeschehen eingehen zu müssen. Paterculus übermittelte uns keine geographischen Anhaltspunkte bezogen auf die Landschaft durch die die Legionen einst zogen, was sie sahen, ob sie Flüsse überquerten oder Anstiege zu bewältigen hatten. Wissen das wir, sofern man dieses Wort benutzen darf einzig Tacitus oder Dio verdanken, die unseren Augenmerk erst in die Region zwischen Lippe und Weser lenkten. Sie halfen uns zu verstehen, wo der Marschzug in den Untergang begann und wo er vermutlich an jenem Gebirgszug endete auf dem sich die Höhenbefestigungen der Einheimischen befanden durch den eine Passage führte die Tacitus Saltus nannte. Paterculus ging mit nur wenigen Worten auf das eigentliche Schlachtengeschehen ein in dem er mangels Wissen darüber in welch unberechenbarer Zwangslage Varus entscheiden musste schrieb:
“Da man ihm (dem römischen Heer) nicht einmal die ungehinderte Gelegenheit bot, zu kämpfen oder vorzurücken, wie sie es selbst gewollt hatten, ja einige wurden sogar empfindlich bestraft, weil sie römische Waffen und römische Gesinnung anwendeten, so wurde es eingeschlossen von Wäldern, Sümpfen und Hinterhalten und weder zum Kämpfen noch zum Ausbrechen bot sich ihnen, so sehnlich sie es sich auch wünschten ungehindert Gelegenheit, ja, einige mussten sogar schwer dafür büßen, dass sie als Römer ihre Waffen und ihren Kampfgeist eingesetzt hatten. Und Mann für Mann wurden von demselben Feind abgeschlachtet, den sie ihrerseits stets wie Vieh abgeschlachtet hatten - dessen Leben und Tod von ihrem Zorn, Mitleid oder Gnade abhängig gewesen war. Das tüchtigste aller Heere, das erste unter den römischen Soldaten an Zucht, Tapferkeit und Kriegserfahrung, wurde durch die Schlaffheit des Feldherrn, die Treulosigkeit des Feindes und die Missgunst des Schicksals hintergangen“.
So verdanken wir Paterculus viele wichtige Details darüber was sich im Zuge der Schlacht zutrug die außer ihm niemand erwähnt und so deutlich beschrieben hatte. Übertroffen wird der Wert seiner Informationen aber dadurch, dass sich seine Schilderungen nahezu exakt in den Verlauf dieser Schlacht einfügen lassen die nach nur zwei Kampftagen beendet war. Damit stützte er den Aufbau einer Chronologie mit der sich die Kämpfe so rekonstruieren lassen, wie sie uns Cassius Dio, aber auch Tacitus und Florus überliefert hatten. In den voraus gegangenen Kapitel aus dem Jahr 2020 unter dem Titel „Wollte Paterculus Statthalter in Germanien werden ? Teil 2. - und unter Bewertung der Textstellen 2.119 (1) bis 2.119 (5)“ wurde bereits darauf näher eingegangen aber im folgenden Kapitel werden seine wertvollen Hinweise dem Verlauf zugeordnet. (13.07.2024)

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Montag, 24. Juni 2024
Was für die Varusschlacht im Nethegau spricht.
Vor allem eines, dass mehr Argumente dafür als dagegen sprechen und diese Region zum Favoriten macht. Doch wer sich hier eine schnelle Antwort in Sachen Varusschlacht erhofft muss enttäuscht werden, denn ein 2.ooo Jahre alten Rätsel lässt sich nicht im Handumdrehen lüften. So mussten alle Register gezogen werden und der Ungeduldige sollte sich auf ein akribisches Vortasten quer durch alle bisher erschienenen Kapitel aber auch die unterschiedlichsten Forschungszweige einlassen. Aber dann darf er sich auf die Möglichkeit einstellen, dass die Schlacht parallel zur Nethe statt gefunden haben könnte. Ein Fluss der zum Schicksal der römischen Armee wurde und sie in den Untergang begleitete. Ein Fließgewässer das im vielleicht ruhigsten Winkel der Republik durch eine Region floss in der sich in Anspielung auf die Zerstörung der Irminsul die frühen Ereignisse die Hand gegeben haben könnten. Es ist eine Theorie auf deren Stichhaltigkeit in diesem Internet Buch seit 2017 in über 150 Beiträgen auf vielen hundert Seiten hin gearbeitet wurde. Wer sich nun ein näheres Bild verschaffen möchte und daher studieren will was bislang und zu welchem Themenkomplex abgehandelt wurde, der sollte sich wenn es ihm an Zeit mangelt das Kapitel seiner Wahl aufrufen. Dabei hilft die Möglichkeit der Suchleiste die der Blog bietet. Und desto präziser die Wortwahl ausfällt, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit also die Trefferquote möglichst schnell auf den gesuchten Abschnitt zu stoßen. Worte wie Tacitus tauchen zwangläufig häufiger auf und sollten daher vermieden werden. Wählt man aber einen Begriff wie etwa „Colonia“, dann bietet das System wie man selbst testen kann vier Kapitel an in denen dieser Name erscheint und es fällt leichter sich das Gesuchte aufzurufen. Bei dem Wort „Manilius“ wird es schon problematisch, denn auf diesen Geschichtsschreiber wurde in 14 Kapiteln näher eingegangen.

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Hilfestellung zur Vorgehensweise anhand des Suchsystems am Beispiel „Colonia“.

Obwohl erstrebenswert, so ist es aber unmöglich alle bisherigen Pfade der Recherche in einem einzigen Abschnitt zusammen zu fassen, sodass dieses Kapitel auch nur einen sehr groben Überblick zu allen harten und weichen Fakten vermitteln kann und daher für die Gesamtanalyse nur bedingt repräsentativ und hilfreich ist. Trotzdem soll hier zumindest der Versuch gemacht werden einen Überblick zu bieten, wie es damals abgelaufen sein könnte und der Geschichtsfreund kann sich dann darauf basierend nach belieben tiefer mit der Materie befassen. Zweifellos stehen die antiken Historiker am Anfang der Varusgeschichte aber dann geht der Sprung des Wissens über die Varusschlacht schnell zu den Corveyer Mönchen über die es sich im 9. Jhdt. im Lesesaal der Abtei anhand der Tacitus Annalen aneignen konnten. Ihnen war es noch anders als heute möglich den Inhalt der Schrift mit der sie umgebenden und noch unverbauten Landschaft abzugleichen und sie beherrschten zudem die alten Formen lateinischer Sprachweise besser als heutzutage. Ein Vorteil um den man sie beneiden könnte. Darüber hinaus gelangten sie noch in den Besitz heute längst verschollener Artefakte da sie ihnen von den Einheimischen zugetragen wurden, womit sie ihren Kenntnisstand vervollständigen konnten und die Zusammenhänge erkannten. Ebenfalls ein Umstand der sich 1100 Jahre später in unserer Zeit mit nichts mehr wett machen lässt. Die Mönche dürften in der Mehrzahl gebürtige Sachsen gewesen sein und wussten auch vieles von dem was der Volksmund noch wusste. So hielten sich bei ihnen die vielen Erinnerungen wach über die wir heute nur spekulieren können und sie trugen zur Erhellung bei. Taten und Begebenheiten die sich jenseits der mit der Christianisierung einher gehenden Strenge auf vielen Wegen verbreiten konnten und die Umbruchzeiten überlebt hatten. Schon die früheste Forschung erkannte die Verbindungen zwischen dem was die antike Welt schriftlich festhielt und dem was sich mangels Schreibkenntnis nur mündlich weiter geben ließ und sich Sage nennt. Dabei würden Sie allein bei der Begriffswahl „Drachentöter“ im zuvor erläuterten Suchsystem auf 14 Kapitel stoßen die sich mit diesem Teil der Forschung beschäftigen. Den Menschen im Nethegau war anhand der von ihnen gemachten Funde, denn wer will bezweifeln, dass sie auf ihren Äckern im 8. Jhdt. und den Zeiten davor nicht auf Schwerter, Dolche, Rüstungsteile und ähnliches gestoßen wären immer schon bewusst, dass sich in ihrer Region einst gewaltige aber unerklärbare kriegerische Ereignisse zugetragen hatten. Das die den Mönchen erst durch Tacitus bekannt gewordene Varusschlacht einst in ihrem Lebensumfeld dem Nethegau geschlagen wurde gehörte somit schon vor den Tagen der Existenz einer Abtei Corvey zum Wissen der Zeit als es noch nicht seine schriftliche Bestätigung gefunden hatte. Die Theorie die diesem Internetbuch zugrunde liegt kann jetzt die dazu gehörigen Details nachliefern. Was die Überlieferungen der antiken Historiker anbelangt, so hadert die Fachwelt schon seit Jahrhunderten mit den Jahrtausende alten Schriften und schwingt sich dabei oft zum Richter über wahr und unwahr, glaubhaft und unglaublich auf aber sie bilden das literarische Fundament für das Varusereignis. Im wesentlichen sind es nur vier Personen die in Sachen Varusschlacht weiter helfen können. Mitten im Fadenkreuz der Zweifler steht der „Senatsaktenabschreiber“ Cassius Dio der lange nach der Schlacht erst zu Beginn des 3. Jhdt. schrieb dafür aber den einzigen und zudem detailliertesten Bericht über ihren Verlauf hinterlassen hat. Angelastet wird ihm, dass er es wagte seine Vorlagen selbst infrage zu stellen, in dem er das einstige Kaiserhaus nicht nur der Fälschung verdächtigte, sondern auch die Ursachen die zur Schlacht führten unterdrückt glaubte bzw. vermutete, dass man sie verschwiegen haben könnte. So gab er freimütig zu sie selbst in einem uns unbekannten Ausmaß bearbeitet sprich angepasst oder verändert zu haben um sie verständlich zu machen. In späterer Zeit machte man sich nur wenig Gedanken über diese von ihm gemachte hilfreiche Bemerkung und warum er es getan haben könnte. Er gehörte dem Jahrgang 153/165 + an, so dass viele ihm die nötige Authentizität absprach, obwohl es gerade die Distanz ist, die man Positiv werten sollte. Florus dem „Schöngeist“ gibt die Forschung kaum Chancen ernst genommen zu werden, da man ihm die Fähigkeit schriftliche Leistungen auf historischer Basis zu vollbringen absprach bzw. es ihm nicht zutraute, während Tacitus dagegen allen wie die Glaubwürdigkeit in Person erscheint obwohl auch er nie in Germanien war. Paterculus hebt sich von allen ab. Er kannte als einziger Germanien und obwohl auch er die Schlacht nicht "life" erlebte so war nur er es der den Vorteil genoss ein Zeitgenosse der damaligen Protagonisten gewesen zu sein. Aufgrund seiner Stellung als Offizier, er kämpfte zum Zeitpunkt der Schlacht in Pannonien unterstellt man ihm den unschätzbaren militärischen Sachverstand. Er war Weggefährte des späteren Kaisers Tiberius und traf mit ihm schon zusammen als dieser noch Feldherr war und man darf ihm unterstellen auch Arminius aus nächster Nähe gekannt zu haben, während das Werk von Plinius dem Älteren dem fünften im Bunde leider verschollen ist. Damit schließt sich der Kreis jener von denen sich etwas über das Ereignis erfahren ließ. Man sollte erwarten, dass das was die antiken Historiker schrieben im wesentlichen auch identisch mit dem ist, was sie ihren Quellen entnahmen, was sich damals zutrug und es dann auch getreu so verarbeiteten. Da man jedoch ihre Quellen nicht kennt und sich bereits deren Glaubwürdigkeit nicht abschätzen lässt, sind diese ebenfalls kritisch zu sehen. Zudem lässt es sich nicht beurteilen inwieweit man untereinander also voneinander abgeschrieben haben könnte und dabei mögliche Irrtümer mit übertrug. So entlädt sich in der heutigen Zeit ein aus Verzweiflung und Unkenntnis gespeister Unmut über den Köpfen der antiken Historiker die sich dem nicht mehr erwehren können. Im Kern ist es wohl mehr der Verdruss darüber, dass sich ihren Überlieferungen so wenig Aussagekräftiges entnehmen lässt um sagen zu können wo denn einst die Schlacht statt fand. So lasen denn damals die sicherlich auch um sachliche Aufklärung bemühten antiken Geschichtsschreiber in ihren Quellen von einem äußerst arglistigen Feind, von halsbrecherischen und todesmutigen Ereignissen unter widrigsten Umständen und Bedingungen, von heraus ragenden und heroischen Leistungen einzelner Lagerkommandanten und vom desaströsen Versagen des Generalstabes samt Feldherrn. Sie wussten, dass sie über eine Schlacht schrieben die für Rom in der Katastrophe endete, waren sämtlich betrübt und verbittert zugleich und schwankten zwischen Beschönigen, in dem sie das Heldenhafte heraus stellten und Empörung wenn es um das Versagen des Statthalters ging. Aber all ihr an erlesenes Wissen woher auch immer sie es hatten reichte immer nur aus um ein schnelles Schlaglicht auf die kurzen Episoden und Phasen des Verlaufs zu werfen, während allen der Einblick in das "Großeganze" versagt blieb. Man schaute auf das Ereignis aus unterschiedlichen Perspektiven in späteren Zeiten aber immer auf das gleiche Geschehen, kommentierte es aber unter Zuhilfenahme eigener Vorstellungen und Visionen, sodass man es letztlich der Nachwelt überließ daraus einen Strang zu bilden um den Verlauf kompatibel zu machen. Da es aus vier verschiedenen Federn also Blickwinkeln stammte musste alles zwangsläufig so wirken, als ob man es mit divergierenden Berichten zu tun hat und so ist es verzeihlich, dass es den späteren Analysten schwer fiel das Verbindende heraus zu arbeiten. Dieses Dilemma darf man nun als überwunden betrachten, denn im Zuge dieses Internet Buches ließ sich begründen, dass alle vier antiken Historiker mit ihren Darstellungen richtig lagen und sich auf glaubhafte Weise ergänzten. Ihre Berichte auch wenn sie aus unterschiedlichen Sichtweisen abgefasst wurden und sie es unter Verwendung anderer Worte taten, so lassen sie sich doch einem bestimmten Abschnitt innerhalb des Schlachtengeschehens zuweisen. Über die Jahrhunderte betrachtet gerieten jedoch alle Versuche den möglichen Verlauf der Schlacht darzustellen zu Stückwerk und so beschrieb man das Szenario der Schlacht auf Gutdünken und unterschiedlichste Art und Weise in dem man mal dieses oder jenes Ereignis heraus griff, händeringend nach Zusammenhängen suchte bis wieder alles ins Stocken geriet da der Faden riss. Kein Jünger der Varusgeschichte konnte der kollektiven Forschergemeinde je Anfang und Ende präsentieren, sodass allen noch so gut gemeinten Vorschlägen Hand und Fuß fehlte, jegliche Plausibilität darunter litt und das Kapitel Varusschlacht in den Ruf geriet zum Spielball ehrgeiziger Forscher, Träumer und Heimatkundler zu werden. Dies führte oft dazu, dass die zeitgenössischen Historiker genügend Ansatzpunkte fanden um sich im Ringen um die glaubwürdigste Version gegenseitig zu reiben was sich auf die Stichhaltigkeit der Forschungsergebnisse negativ auswirkte und daher in der an der Geschichte interessierten Bevölkerung auf Unverständnis stoßen musste sie irritierte und oft abwenden ließ. Und es waren nicht wenige die ihren fragwürdigen literarischen Fußabdruck in Form der Internationalen Standardbuchnummer (ISBN) hinterließen und dafür oftmals sogar noch einen Kaufpreis verlangten, obwohl man darin das plausible Gesamtgerüst, dass durchgängig Fließende und die nötige Logik vermisst. Und blieben dann noch weiße Seiten übrig, so bediente man sich um sie zu füllen an der Belletristik des 20. Jhdt. oder stieg in die nationalsozialistische Gruselkammer hinab. So bekamen die Kämpfe des Jahres 9 + nie ein Gesicht, die antiken Quellen konnten nicht zueinander finden und das Resultat verkam zu Stückwerk. Oftmals krankte es daran, dass sich die Topographie und der landschaftliche Hintergrund dem Wunschverlauf partout nicht der Theorie unterordnen wollte oder es kam hinzu, dass die Analysen was den Zeitbedarf der Tagesmarschetappen ab Tag zwei anbetrifft Mängel aufwiesen, da man nicht ausreichend berücksichtigte, dass das Kampfgeschehen die Armee massiv am Fortkommen hinderte. Zudem verzerrten falsche Distanzannahmen zur Marschzuglänge das Gesamtbild da man die Legionsstärke überschätzte und dem Irrtum anhing Varus habe Frauen und Kindern der Gefahr ausgesetzt. So unterlag man der Fehlannahme, es habe sich hinter dem genannten Begriff der „Unbewaffneten“ um Frauen und Kinder gehandelt. Aber sie finden ab dem Zeitpunkt, als man in Brakel aufbrach keinerlei Erwähnung mehr. Natürlich leiden die Quellenanalysen auch darunter, dass die altgriechischen und altlateinischen Worte und Begriffe seit jeher eine Herausforderung für Philologen und Sprachforscher darstellen. Was die lateinische Sprache anbelangt, so sind die Schriften von Julius Cäsar unersetzbar, da die Worte die er verwendete aus der Epoche stammten und mit den Schriften der anderen Historiker abgeglichen werden können. Wortverwandtschaften und Übereinstimmungen bieten uns Basis und Hilfestellung. Anders ist es bei Cassius Dio. Er war Grieche stand den Dingen vermutlich neutraler und distanzierter gegenüber und hatte sein Werk in seiner Muttersprache abgefasst, die wir heute altgriechisch nennen. Eine vergleichende Analyse bedeutet daher immer vorher einen tiefen Blick in die möglichen Variationen und Auslegungen zu werfen die uns die diversen Übersetzungen gestatten. Aber in welcher Situation und warum entschied sich Cäsar dafür dieses und wann Tacitus jenes Wort zu verwenden, warum griffen sie in dem einen Fall nach einer Umschreibung für die sie nach unserem Verständnis und dafür halten eigentlich auf andere Begriffe hätten ausweichen müssen. Wollte man auch damals schon vermeiden sich im Text zu häufig zu wiederholen, traf man mangels Verständnis nicht das passende Wort oder übernahm man Worte anderer Historiker ohne sich der Hintergründe bewusst zu sein. Spielräume und Interpretationen die uns heute vor viele Rätsel stellen wie es sich gut am taciteischen Wort „Saltus“ fest machen lässt. Ein Wort für das es mehrere Übersetzungsmöglichkeiten gibt, für das sich aber nur eine Erklärung deutlich abzeichnet und mit der sich der Verlauf der Schlacht nachstellen lässt. Bekanntlich steckt dieser Teil der Römerforschung in einem in Jahrhunderten gewachsenen Dilemma was immer schon dazu verführte für die Geschehnisse nach neuen und teilweise gewagten Erklärungen zu suchen und Theorien aufzustellen die durch Fehlschlüsse auch schon mal im Schiffbruch endeten wie der Fall „Kalkriese = Varusschlacht“ offenbart. Überlegungen wie die hier vorgestellte die verblüffend wirkt, da sie der Wahrheit nahe zu kommen scheint irritieren zunächst gewinnen aber bei näherer Betrachtung an Plausibilität. Um es etwas „non chalance“ auszudrücken darf man sagen, dass es da eine Region im östlichsten Ostwestfalen gab, die bislang kein Freund der Varusschlachtforschung auf dem Schirm hatte bzw. die nächstliegenden Theorien erst den nördlichen Rand des Sauerlandes oder den Oberwälder Wald bei Reelsen umfassen. Das römische Legionen auch östlich der Egge operierten ließ sich jüngst wieder durch einen etwa drei Kilometer nordöstlich von Brakel entdeckten Militariafund untermauern den Experten als Teil einer kaiserzeitlichen Rüstung im Bereich der Schulter identifizierten. Im Focus dieser Forschungsarbeit steht die Annahme, dass Varus zunächst aus Richtung Xanten kommend die obere Lippe erreichte, dann über Paderborn den römischen Hellweg nach Osten nutzte wo er sich seinen Stützpunkt an der Weser im Raum Höxter/Corvey errichtete. Dies also weder Weser ab- noch Weseraufwärts tat. Von hier aus trat er auch den Rückzug im Herbst 9 + zum Rhein an, sodass auch an diesem Ort der Hauptstrang des Mehrtagesgefechtes seinen Ausgang nimmt. Die Eckpunkte, Schauplätze und Stationen lassen sich daran aufreihen bis die Varusschlacht vor der Eggewand im Raum Borlinghausen endet. Die Beweislast für die These durch die sich eine Kompatibiliät herstellen lässt gelingt am Vorteilhaftesten es an den jeweiligen Marsch – bzw. Kampftagen festzumachen auf die im weiteren Verlauf detaillierter und hoffentlich auf verständliche Weise eingegangen wird.

Zusammenfassung der Theorie:

Am Tag eins war von Schlacht noch keine Rede. Man brach nach dem gemeinsamen Gastmahl das am Vorabend statt fand am folgenden Morgen in der Region Höxter/Corvey auf und nutzte für den herbstlichen Rückzug zunächst den schon seit prähistorischen Zeiten existierenden, schon von den Legionen seit Ahenobarbus ausgebauten und häufig frequentierten Hellweg. Eine Straßenverbindung, dessen Namen man einem römischen Bauarchitekten namens Helvius verdankt haben könnte. Dazu erschien bereits das Kapitel „Die römische Straße über die Egge - Ein Beitrag zur Entschlüsselung ihres antiken Namens - Später nannte man sie Hellweg“ vom11.9.2022. Sie führte durch offenes Land aus dem Funde belegen, dass es bereits seit frühesten Zeiten bewirtschaftet wird. Aufgrund seiner überschaubaren offenen Topographie parallel zur Nethe zwischen Godelheim und Brakel war dieses Terrain für einen Hinterhalt artigen Überraschungsangriff vor allem aber aufgrund seiner Nähe, sprich der guten Erreichbarkeit des Ausgangs – als auch des Ziellager ungeeignet, sodass es an diesem Abschnitt zu keinen Kampfhandlungen kam. Mit dem historischen Wissen, dass Arminius anfangs noch mit den Legionen ritt, also nicht im Umfeld des Ausgangslagers angegriffen hatte, verging dieser erste Tag nachvollziehbar kampflos. Hierbei handelt es sich um eine wesentliche Erkenntnis womit sich begründen lässt, dass sich der Marschzug über vier Tage hinzog, so wie es Cassius Dio berichtete. Siehe „Die „zweite Offenbarung“ des C. Dio - Chronologie war nicht seine Stärke“ vom 31. März 2019. Es kam an diesem ersten Tag folglich zu keinen Kampfaktivitäten, wovon jedoch bislang die gesamte einschlägige Literatur mangels tiefgreifender Analyse ausging. Dadurch lässt sich der gesamte Ablauf der Schlacht erst chronologisch aufbauen. Die erste Routineetappe bis Brakel wofür auch noch die Teilnahme von Zivilpersonen verbrieft ist und wo man gegen Nachmittag eintraf um das erste Nachtlager zu beziehen entspricht einer typisch römischen Marschdistanz von etwa 25 Kilometern. Man darf sich einen entspannten Verlauf vorstellen an dem noch alle teil nahmen, das gesamte Heer des Varus, der umfängliche Tross mit den zahlreichen Zivilpersonen und anfänglich auch noch die Schar der Cherusker denen man vertraute. In den Abschnitten 19.(1) bis 19.(4) sowie 20.(2) berichtete Cassius Dio über diesen ersten Marschtag. Vermutlich in der zweiten Tageshälfte sonderten sich die Cherusker von der Marschkolonne ab und nahmen Kontakt zu ihren Stammesgenossen auf. Es war die entscheidende Wende deren Konsequenz und Tragweite sich den Vertretern Roms zu diesem Zeitpunkt nicht erschloss. Denn Arminius der sie als Freund verließ, sollte als Feind zurück kommen. In Abschnitt 19.(4) und 19.(5) berichtete Cassius Dio über diesen heiklen Moment der in den Quellen wie eine beiläufige Bemerkung wirkt. Die germanischen Kampfeinheiten lagerten nicht an einem zentralen Ort, rückten aufgrund ihrer verstreuten Siedlungsgebiete aus unterschiedlichen Richtungen an und wurden vermutlich erst im Verlauf des ersten Marschtages zusammen gezogen an dem Arminius noch in enger Verbindung zu seinem Vater stand. Angekommen im Etappenlager beriet sich Varus mit seinem Stab, ob man es riskieren sollte Zivilpersonen in die Region der Aufrührer mitzunehmen was völlig unüblich war. Man stellte sich zudem die Frage, wie es der Kaiser aufnehmen würde sollte es zu Opfern unter ihnen kommen oder ob aufgrund des Umweges für alle die Verpflegung reichen würde, bzw. mit wieviel zusätzlichen Marschlagern sie planen mussten und ob die Wege für die Trosskarren geeignet waren. So entschied man sich einem vielleicht von Arminius vorgebrachten Vorschlag zu folgen, den Marschzug ab Brakel aufzuteilen. Demnach verließen am Tag zwei zeitversetzt zwei Marschzüge getrennt voneinander das erste Nachtlager. Es war ein von Sümpfen umschlossenes Lager vermutlich nahe einer germanischen Siedlung, da es sich im vermuteten Brakel an einem überregional bedeutsamen Ost - West und Nord - Süd Drehkreuz in Flussnähe befand und bei dem es sich wohlweislich nicht um das „prima Vari castra“ handelte, da es bereits vor der Varusschlacht existierte. Und während sich die Bewaffneten aufmachten um für die anstehende Gerichtsverhandlung zu den Aufrührern zu ziehen, ermöglichte man es dem umfänglichen Tross mitsamt den zahlreichen Ochsenkarren sowie den Wert- und Gebrauchsgegenständen die man über die Sommermonate angehäuft hatte unter Geleitschutz den direkten Kurs via Hellweg über Schwaney zum Lippeoberlauf einschlagen zu dürfen. Jener Geleitschutz der ebenfalls zu vielen Irritationen führte und den Cassius Dio 19.(1) in der Gestalt interpretierte, als dass Varus seine Legionen im Feindesland nicht konzentriert hatte, da diese von den Germanen zu diversen Schutzzwecken angefordert wurden. Dann stößt man unter 20.(5) auch auf die Bezeichnung die „Unbewaffneten“. Ein historisch hinterlegter Name für einen Personenkreis, bei dem es sich nicht um Frauen und Kinder, sondern um die „assensi velati“ handelte. Männer die aus unterschiedlichen Gründen nur begrenzt zum Kämpfen geeignet waren. Dazu erschien am 5.8.2021 das erläuternde Kapitel „Wie konnte sich die Wahrheit nur solange verbergen“. Fazit: Varus nahm definitiv keine Frauen und Kinder mit ins Rebellengebiet“. So bewegte sich der zivile Marschzug nun nach Westen auf die Gradberg Engstelle zu während Varus nach Süden ins Aufrührer Gebiet zog. Varus nutzte dazu den ebenfalls schon seit prähistorischen Zeiten begangenen Weg der auf einem Höhenrücken östlich der Nethe verlief und wodurch man der sumpfigen Auenlandschaft ausweichen konnte. Heute nur noch als Feldweg genutzt trägt er aber immer noch den Namen Warburger Hellweg. Er beginnt an der alten Nethebrücke nahe dem Sudheimer Hof südlich von Brakel und führt geradewegs in Richtung eines vom Thalbach verursachten Sumpfgebietes, dem Schweckhauser Fahlenbruch. Siehe Kapitel „Sorglos verlassen drei Rumpflegionen das Brakeler Etappenlager“ vom 2. Oktober 2021. Arminius hatte unterdessen seine Männer beauftragt sich zunächst des zivilen Marschzuges zu bemächtigen und schloss danach zu Varus auf. Cassius Dio berichtete über diesen denkwürdigen Moment in Abschnitt 19.(5) und in Abschnitt 20.(4). So griff Arminius entweder schon in die bereits im Gang befindlichen Kampfhandlungen am zweiten Marschtag ein oder er löste sie erst im Augenblick seines Erscheinens aus nachdem sie zunächst in der Erwartung seines Eintreffens nur zaghaft begonnen hatten. Aufgrund der Anmarschwege die die Germanen zurück zu legen hatten sowie den logistischen Vorbereitungen im Zuge des morgendlichen Ausmarsches der Legionen und dem damit verbundenen jeweiligen Zeitbedarf begannen sich die Kämpfe erst um die Mittagszeit zur Schlacht hoch zu schaukeln. Zu diesem Zeitpunkt hätte sich bei normalem Marschverlauf die Vorhut bestehend aus der ersten Legion bereits jener Region annähern sollen, wo man in Kontakt mit den Aufrührern hätte kommen sollen, statt dessen wurde die Lage von Stunde zu Stunde unübersichtlicher. Arminius könnte in dieser Phase das Schlachtfeld erreicht haben wodurch sich die Ereignisse überschlugen und sich eine unvorhersehbare Dynamik entwickelte was in der römischen Marschformation eine massive Verwirrung auslöste. Der ursprüngliche Plan ein Tribunal artiges Standlager zu errichten wurde verworfen und es stellte sich eine Situation ein die Cassius Dio unter 21.(1) beschrieb, als er aufgrund der widrigen Umstände von der Errichtung eines notdürftigen Nachtlagers sprach für das sich in dem Waldgebirge nur schwerlich ein geeigneter Platz finden ließ. Damit endete die Strecke die man am zweiten Marschtag gedachte zurück legen zu können durch die ausbrechenden Kämpfe vorzeitig und zudem unter extrem desaströsen Bedingungen. Das Notlager konnte seine Strukturen bis heute bewahren und befindet sich auf Basis dieser Theorie nördlich von Schweckhausen im Fahlenbruch.




Eine Forschungsgruppe der Römerfreunde inspizierte bereits zu Beginn des 21. Jhdt. die bedeutsamen Wall- und Grabenreste im Fahlenbruch bei Schweckhausen. Rolf Bökemeier veröffentlichte dazu im August 2004 zwei Fotos denen sie sich entnehmen lassen. Auf dem einen Foto steht Gerhard Steinborn aus Marienmünster womit er die Tiefe des Grabens verdeutlicht. Das zweite Bild zeigt den Wallgraben inmitten eines Fichtenwaldes der heute nicht mehr sichtbar ist, da der Nadelholzbestand durch Windbruch umgeworfen wurde. Zum Zeitpunkt der Begehung im Juni 2022 waren die Stämme noch nicht abgeräumt die Gräben aber bereits nicht mehr erkennbar.

Tacitus nannte es in zutreffender Weise „prima Vari castra“ und es wurde zum Wendepunkt der Schlacht. Hier erkannte die Generalität aufgrund der hohen Verlustzahlen, einem weitgehend zerstörten Tross und der isolierten Lage inmitten des Feindesgebietes die Aussichtslosigkeit und trat nach der Materialverbrennung die Flucht nach Westen an. So orientierte man sich ab dem Morgen des 3. Tages in Richtung Borlinghausen wo nur noch der „Teutoburgiensi saltu“ eine Möglichkeit bot dem Inferno zu entkommen. In Schweckhausen am Nordrand der Warburger Börde kreuzte der aus Brakel kommende Warburger Hellweg den Oberen Bördenweg, die Westostroute. Auf die besondere Bedeutung des Oberen Bördenweges wird u.a. im Kapitel „Zur karolingischen Neuordnung der Gaulandschaft nahe dem „Teutoburgiensi saltu“ - Die Kartographie konservierte das Schlachtfeld“ vom 15. 12. 2022 gesondert eingegangen. Hier bot sich den Legionen ein freier Blick nach Süden ins Offenland der baumlosen Warburger Börde. Cassius Dio verarbeitete diese Phase des Geschehens ebenfalls im Abschnitt 21.(1) wobei dieser Theorie u.a. das Kapitel „Stand das Varusheer am Nordrand der Warburger Börde ? - Cassius Dio wusste wo die Varusschlacht tobte - ohne es zu wissen“ vom 7. 3. 2022 zugrunde liegt. Beim Abzug und im weiteren Verlauf wurden die „Rumpflegionen“ erneut in Kämpfe verwickelt und es kam im Raum Borlinghausen zu einer letzten Schlacht in der sich die bewaffneten Legionäre mit der eigenen Reiterei gegenseitig in Bedrängnis und folglich zu Fall brachten. Cassius Dio ging in Abschnitt 21. (2) darauf ein. Bis zum Abend des 3. Marschtages entbrannte die Schlacht. Varus hatte bis zu diesem Zeitpunkt bereits große Teile seiner Armee samt Fahrzeugen und Zugtieren verloren und man errichtete am Abend dieses Tages das zweite Notlager. Tacitus ging in seinem Kapitel 61. (2) darauf ein als er schrieb, dass Germanicus 15 + auf einen halb zerstörten Wall stieß, den er nach dieser Theorie im zweiten Notlager vorfand. Am 4. Tag setzte das Gemetzel ein auf das sich Cassius Dio im Abschnitt 21.(3), 21. (4) und 21.(5) bezog um dann im Abschnitt 22.(1). das Ende der Schlacht zu schildern. Unter Ausblendung der zahlreichen jedoch nicht zielführenden Hinweise auf die ungünstigen Wetterverhältnisse und ihre Auswirkungen war es um das Rätsel Varusschlacht anzugehen, geschweige denn es lösen zu wollen nicht nur nötig eine durchgängige Logik herzustellen, sondern es kam darauf an neben Vorstellungskraft und Einfühlungsvermögen auch Substanzielles vorweisen zu können. Ein Blick auf die geopolitische Lage der Zeit lässt erkennen, dass Tiberius gezwungen war Varus für den Markomannen Feldzug Truppenkontingente entziehen zu müssen und wegen dem anschließenden Pannonien Feldzug konnte er sie ihm auch nicht mehr wieder rechtzeitig zuführen was sich erheblich auf seine Kampfstärke auswirkte, sodass die Legionen weit von ihrer Sollstärke entfernt waren. Dieser Kräfteentzug machte Varus in allen Belangen von den Cheruskern und deren Feldherren abhängig was letztlich deren Sieg begünstigte. Dem Vorstoß von Varus nach Osten ging zwischen 1 + und 5 + der große Krieg von Paterculus „Immensum Bellum“ genannt voraus. Eine Erhebung germanischer Stämme gegen Rom an der was kaum vorstellbar ist und auch nur vermutet wird nahezu alle Stämme östlich des Rhein bis zur Elbe beteiligt gewesen sein sollen. Regionale Konfliktherde sind denkbar die aber letztlich für Rom keine nennenswerte Bedrohung darstellten, worin man aber einen ersten Probelauf für das sehen konnte was unter Germanicus 16 + auf das Imperium zu kommen sollte. Eine mit militärischen Mitteln erzwungene Befriedung der Stämme war aber eine Voraussetzung für den Aufbau einer neuen Provinz und man kann darin einen vorbereitenden Akt gleich einem Plan sehen dieses von langer Hand angehen zu wollen. So lassen sich im „Immensum Bellum“ die nötigen flankierenden Maßnahmen erkennen um jegliche germanischen Widerstände gegen die Absichten einer Provinzialisierung im Vorfeld auszuräumen. Aus strategischer Sicht war sicherzustellen, dass Varus keine Gefahren von Völkern aus den Weiten des heutigen Niedersachsens und des Elbevorlandes drohen konnten, sodass Tiberius die Empörungen und die Uneinigkeit der rebellierenden Stämme entgegen kam und ihm die Gelegenheit boten einzugreifen. Velleius Paterculus beschrieb die germanischen Erhebungen als gewaltig und stellte den Feldzug der sich mit der römischen Strategie deckte und für Varus eine günstigere Ausgangslage schuf als nötig dar. Im Fahrwasser dessen stellten sich auch die damit bezweckten ruhigen politische Verhältnisse ein die Varus halfen seinen Auftrag angehen zu können. Mit Dominanz und Stärke hatte man sich die nördlichen Völker auf Distanz gehalten und von chattischer Seite befürchtete man keine Widerstände. Im Zusammenhang mit diesen Kämpfen sprach Cassius Dio in unterschwelliger Weise jedoch nur von Unruhen innerhalb der germanischen Stämme und so gelangte er zu der Auffassung, dass damals „nichts Erinnerungswürdiges vollbracht wurde“. Es lässt sich so deuten, dass es seinerzeit zwar zu einer umfänglichen Zurschaustellung römischer Macht und Überlegenheit in weiten Gebieten Germaniens kam, aber Schlachtenerfolge im großem Maßstab ausblieben bzw. es möglicherweise gar nicht dazu kam. So könnten die germanischen Aufstände auch als Vorwand gedient haben in dem man die Lage bewusst überschätzt hatte um einen umfänglichen Unterdrückungsfeldzug zu begründen, zumal keine Bodenfunde oder sonstige historische Erwähnungen auf das Gegenteil hinweisen. Aber die Maßnahme verfehlte nicht ihre Wirkung und man erreichte das gesteckte Ziel in dem man es nun riskieren konnte Varus zu beauftragen ins Land der Cherusker und an die Weser zu ziehen. In ähnlicher Weise verdrehte die antike Geschichtsschreibung auch den Sachverhalt in dem sie Arminius unterstellte er bzw. die Cherusker hätten Varus in sein Land gelockt. Eine Argumentation die in die Zeit passte und mit der man ihn schon früh zum Rädelsführer machte bzw. ihn als solchen entlarven konnte. So etablierte sich die Vorstellung man könne Rom von der widerrechtlichen Okkupation frei sprechen, bzw. Varus eigentlich gar nicht die Absicht hatte das Land zu besetzen. Überzogen ausgedrückt, waren es die Cherusker letztlich selbst schuld in dem sie Varus in Ihr Stammesgebiet köderten bzw. einluden. So unterstellte man den Cherusker eine perfide Methodik schon 7 + den Plan gehabt zu haben Varus in der gleichnamigen Schlacht zwei Jahre später besiegen zu wollen und so ließ sich beim Leser der Eindruck erwecken, dass das „gutmütige“ Imperium letztlich nur Opfer von Vertrauen und Leichtgläubigkeit war und konnte ihm jegliches Aggressionsverhalten absprechen. Auch so ließen sich Argumente für eine bittere Niederlage finden und die Cherusker bekamen den ewigen Ruf ein Volk hinterhältiger Betrüger zu sein. Ein Image das an ihnen bis heute haften blieb und noch zum Gegenstand eines separaten Kapitels werden wird. Im Zuge des „Immensum bellum“ errichtete man vermutlich auch das 20.000 Legionäre umfassende Lager Wilkenburg an der alten Leine und sucht seit dem jedoch bislang vergeblich nach weiteren Lagern im Tagesmarschabstand. Außer Paterculus der diesen Krieg als außerordentlich voluminös darstellte und die relativierende Aussage von Cassius Dio gibt es nur noch die Minimalquelle von Suetonius der sich aber lediglich entnehmen lässt, dass Tiberius von Kaiser Augustus angewiesen wurde in dieser Zeit Germanien zu unterwerfen. Ebenfalls eine Formulierung die den „Immensum bellum“ nicht mehr so immense erscheinen lässt wie er in die Geschichtsschreibung „dank Paterculus“ eingegangen ist. Nach dem man also zu der Überzeugung gelangte mögliche Gefahrenherde im Norden unter Kontrolle gebracht zu haben, wurde die Freigabe für die „Mission Varus“ erteilt und er konnte in den mittleren Weserabschnitt vorstoßen um dort im Sinne einer neuen Verwaltungsstruktur selbstständig agieren zu können. Die Nordstämme ließ man eingeschüchtert zurück und Varus konnte mit sicherem Abstand zu ihnen mit den Cheruskern die ihn wohlweislich angelockt hatten den Knebelvertrag schließen da sich diese nun nicht mehr auf eine langobardisch elbgermanische Rückendeckung stützen konnten. Zu bedenken ist, dass eine versumpfte wirtschaftlich uninteressante und zudem wertstofffreie Region zu erobern auch nicht das eigentliche Ziel Roms war, denn letztlich hatte man die Erzlagerstätten im Visier, sodass sich im römischen Vorstoß in den Norden und bis zur Elbe um diese Zeit auch noch nicht die Strategie einer neuen Elbgrenze erkennen lässt. Zweifellos war der Macht - und Einflussbereich von Marbod in diesen Tagen dem Imperium bereits ein Dorn im Auge. Einem Gefahrenbereich dem man mit dem „Immensum Bellum“ und der Gründung einer römischen Provinz unter Varus im bedeutsamen Harzvorland immer näher kam. An diesem geostrategischen Ort im Raum Höxter an der Mittelweser offenbart sich der Kern augusteischer Machtpolitik, denn von hier aus war es möglich wenn es militärisch geraten schien den Harz sowohl nördlich als südlich zu umfassen. Eine Theorie die es ausschließt das Varuslager weiter nördlich zu vermuten. Wir schreiben das Jahr 7/8 + und mit jedem Kilometer mit dem man das Lager nach Norden in Richtung Hameln verschoben hätte wäre auch der Versorgungsabstand einer sozusagen überlebenswichtigen Logistikkette in die Länge gezogen worden. Damit wäre auch die Gefahr gewachsen, dass sich um diese Zeit ein noch unbesiegter Marbod mit dem Tiberius drei Jahre vor dem Ausbruch der Varusschlacht noch einen Zwangsfrieden schließen musste zu einem Gegenspieler entwickeln konnte und er sich hätte dazwischen schieben können. Varus hätte im Markomannenkönig der über ein schlagkräftiges und vollzähliges Heer verfügte eine ernst zunehmende Armee zum Gegner gehabt und wäre mit einem nördlicher gelegenen Lager erhebliche und unnötige Risiken eingegangen. Varus durfte die schnelle Anbindung via Hellweg zur Lippe aus strategischen Gründen nicht aufs Spiel setzen. Denn im möglichen Zusammenspiel mit anderen Stämmen wäre es für Marbod ein Leichtes gewesen einen Keil in die römische Lagerkette zu treiben um Varus samt Provinz zu isolieren. Das Imperium war ein Militärstaat und beherrschte in der Regel das Einmaleins der Kriegstaktik. Und neben dem von Tiberius angeordneten militärischen Aderlass als man Varus seine drei Legionen für den Markomannen Feldzug erheblich abgeschmolzen haben könnte, was er widerstandlos zu akzeptieren hatte kommen Gedankenabläufe dieser Art im provinzialrömischen Forschungszweig oft zu kurz. Abgestellte varianische Kontingente auf dem Weg in den Osten könnten sich möglicherweise auch mit den Marschlagern bei Hachelbich am Südharz in Verbindung bringen lassen. Die Zeiten eines im Sinne Roms geschlossenen Besatzungsvertrages hatten sich nun geändert nachdem die Legionäre nach dem abgebrochenen Markomannen Feldzug wegen des Pannonien Aufstandes nicht nach Ostwestfalen zurück kehren konnten, so dass sich Varus gezwungen sah, seinen cheruskischen Vertragspartnern mehr auf Augenhöhe begegnen zu müssen. Da die Cherusker als auch Varus in Marbod einen gemeinsamen Feind hatten dem sich Arminius erst 17 + entledigen konnte musste Varus ihren Empfehlungen und Vorschlägen folgen da er im Ernstfall auf ihre Unterstützung angewiesen war. Nach dem der Geopolitik das Augenmerk galt und sich auch der Zug des Varus in den Untergang abzeichnet bzw. nachzeichnen lässt, steht nun das innere Geschehen im Vordergrund. So kann nach Grundriss, Rohbau, Gerüst und Zuschnitt die Detailplanung folgen. Sind die Außenmauern also erst mal hoch gezogen und herrscht in den Räumen freie Sicht, dann kann sich der Hausbesitzer mit der Raumnutzung, Möblierung und Ausgestaltung beschäftigen, während sich der Historiker einem ganzen Landstrich gegenüber sieht in dem sich ein Geschehen widergespiegelt haben könnte, in das er nun die einzelnen Stationen einzuordnen hat. Es ist ein oft unterschätzter Analysefehler anzunehmen, dass es sich bei den Abständen zwischen dem Etappenlager Brakel und den folgenden zwei Notlagern um Tagesmarschetappen handelte, so wie man es sich unter Schönwetterbedingungen vorstellt. Dies trifft nur auf den ersten Marschtag zu an dem man sich problemlos und ungefährdet über die normale Distanz fortbewegen konnte, während die weiteren Tage von der militärischen Dynamik bestimmt und davon erheblich beeinflusst wurden. Denn ab dem Einsetzen des Schlachtgeschehens am zweiten Marschtag verringerte sich zwangsläufig auch das Tempo der Vorwärtsbewegung was bei unmittelbarem Feindkontakt auch zum völligen Stillstand führen konnte. Anhand des nun vorliegenden Ablaufplanes lässt sich der jeweilige Zeitbedarf auch unter Einbeziehung der hellen Tagesstunden ermessen. So wird die von Cassius Dio vorgegebene Gesamtdauer begründbar, die einzelnen Aktivitäten lassen sich zuweisen und das Gesamtbild füllt sich was der Plausibilität dient, da es den Aktionsradius deutlich macht in dem die Varusschlacht statt fand bzw. sich auswirkte. Ein Schlachtenspektakel, dass sich im Kern letztlich nur über 22 Kilometer etwa auf der Höhe von Hampenhausen beginnend bis Borlinghausen erstreckte. So gehörte ein sorgfältiges Maßnehmen unter herbstlichen Gesichtspunkten ebenso dazu wie das Bewerten der damals herrschenden Bedingungen und das auch unter humanen Aspekten. Dadurch wird deutlich wie wenig ein pauschales und nahezu verzweifelt wirkendes Hochrechnen der Marschzuglänge zur Erkenntnis beitragen und eine akribische Vorgehensweise nicht ersetzen kann. Darauf geht u.a. der Abschnitt „Der Tag an dem die Varusschlacht ausbrach“ vom 17.10. 2021 näher ein. So sind viele bislang angestellte Spekulationen beispielhaft für die Oberflächlichkeit mit der man sich häufig der Thematik widmete. Der große Rahmen muss ineinander greifen damit der Ablaufplan stimmig wird ohne den alles zusammenhanglos in der Luft schweben würde und man sich ohne Anfang und Ende zu kennen in unlogischen Kombinationen verirren würde. Nun aber liegen die wesentlichen Eckdaten vor und man kann sie ins Weichbild des Nethegau drücken, da wo sie ihren Platz haben. Es hat sich heraus gestellt, dass alle bisher im Boden entdeckten Artefakte so bedeutsam und zielführend sie auch scheinen nicht dabei helfen konnten dem Varusschlachtfeld auf die Spur zu kommen, so dass die Zeit für eine neue Herangehensweise gekommen war. Nur bei dieser Methodik und auf Basis der antiken Schriften und den darin gemachten geographischen Aussagen, den nachgewiesenen infrastrukturellen und fortifikatorischen Hinweisen sowie den vorhandenen Luftaufnahmen war es möglich das Kampfgebiet einzugrenzen und das Gesamtbild zu vervollständigen und abzurunden. Die von den Römerfreunden an der Weser entwickelte Theorie eines ab Paderborn nach Osten gerichteten Fächers war zwar hinweisgebend, aber letztlich nur halbherzig. Man ließ ihn ab Paderborn nur 45 Grad ausschlagen und nur 20 km nach Osten ausgreifen, wodurch es östlich von Schmechten keine Varusschlacht mehr geben durfte und man die Südegge einschließlich Willebadessen und Borlinghausen komplett ausklammerte. Was die Strategie anbelangt für die Schlacht einen Austragungsraum zu definieren liegen nach dem Verlaufsplan und der Lokalisierung weitere Eckpfeilern der Theorie zugrunde die uns die antiken Schriften, die Geographie und die Bodenstrukturen verraten.

Auf Basis historisch geographischer Hinweise

I.)
Cornelius Tacitus schreibt, dass Stertinius 15 + die Brukterer schlug und Germanicus danach auf seinem Weg zur Weser bis in deren entlegenste Wohngebiete vordrang worunter man sich die äußersten also östlichsten Grenzgebiete ihrer Siedlungen vorstellen kann. Zuvor hatte er noch das Gebiet zwischen Ems und Lippe verwüstet. In ihrem Namen Brukterer verbirgt sich der Hinweis, dass es sich bei ihnen um Bewohner des flachen Landes handelte und sie die Niederungen besiedelten die topographisch betrachtet bis in die sichelförmige Randlage von Paderborn an der östlichen Hochebene mit den heutigen Orten Buke und Altenbeken bzw. Schwaney unmittelbar am Hellweg reichen, sodass der Eggekamm die Grenzregion gebildet haben könnte. Von dort lag wie Tacitus überlieferte der „Teutoburgiensi saltu“ nicht weit entfernt. Um diese Distanz darzustellen benutzte er die Worte „haud procul“. Worte die er aufgrund umfangreicher Recherchen bei Entfernungen bzw. Abständen von 20 km verwendete. Es ist eine Distanzangabe die uns vom Ortszentrum Schwaney am Hellweg über den Eggekamm exakt bis zur Borlinghauser Eiche einem markanten Punkt im Kontext der Schlacht führt. Schauen wir darüber hinweg, dass Cassius Dio die Realitäten verschob in dem er schrieb die Cherusker hätten Varus an die Weser gelockt, dann fällt unweigerlich der Blick auf Höxter am Weserufer. Höxter liegt aber nicht nur vor dem Solling sondern auch im westlichen Schatten des Harzes von wo aus sich seine südlichen Ausläufer als auch die Nordkehre erreichen lässt um ihn zu umgehen. In Höxter liefert die Weserfurt am Ende des Hellwegs die durch Hangabrutschungen von den Rabenklippen in Verbindung mit dem Geschiebe der Nethe entstand eine Erklärung für die frühe Bedeutung der Region. Furten begünstigen seit jeher den Durchgangsverkehr was Städtegründungen förderte und findet seine Bestätigung darin, dass sich hier schon vor 1115 das erste feste Bauwerk befand, dass die Weser überbrückte. Eine Zeit als in Hameln und auch in Bremen noch keine Brücke existierte.

II.)
Cassius Dio schreibt, dass Varus am ersten Marschtag anfänglich noch von Arminius und den Seinen begleitet wurde. Was sich zunächst nach einem normalen Vorgang anhört lässt annehmen, das man sich entschied den Rückmarsch von der Mittelweser zur oberen Lippe über die Hauptverbindung anzutreten. Eine allen Zugteilnehmern bekannte Route da an diesem Tag keine Experimente auf der Agenda standen. Die Bedeutung dieser Strecke zeigt sich daran, dass sich an ihr auch das erst kürzlich entdeckte Marschlager Paderborn befand, dass schon unter Drusus errichtet worden sein könnte. Diese sowohl von den Legionen, als auch von den sie begleitenden Germanen ob fußläufig oder beritten, sowie vom umfänglichen Tross bestehend aus mehrachsigen Fahrzeugen genutzte Landstraße dürfte sich daher in einem geeigneten und angemessenen gut befahr - und begehbaren Zustand befunden haben. Kritische Steigungen und heikle Bachüberquerungen dürfte man entschärft haben und bildeten kein Hindernis mehr. Eine Infrastruktur die Rom im wesentlichen schon vorfand da die Region schon in vorgermanisch keltischen Zeiten dicht besiedelt war, Eine Strecke die man noch ausgebaut hatte und die für den Vorstoß nach Osten unabdingbar war. Eine Zuwegung die mit den Ausschlag dafür gegeben haben dürfte, dass man sich für ein Lager im Raum Höxter entschied.

III.)
Cassius Dio setzt im Zusammenhang mit dem ersten Notlager einen geographischen Bezugspunkt, den man mit Waldgebirge übersetzt hat. Ein wuchtiges Wort, dass er einer uns nicht bekannten Stelle seiner Quellen entnahm oder es in dieser Art eigeninterpretierte. Zweifellos wollte er damit die erschwerten Umstände und kritischen Bedingungen am Abend des ersten Kampftages zum Ausdruck bringen unter denen sich die Legionäre eine Bleibe für die Nacht schaffen mussten. Ostwestfalen kennt in dieser Region nur die schroffe Egge auf die sich diese Wortkombination anwenden ließe. Die Zugstrecke die die Legionen der Theorie folgend am ersten Tag bis Brakel und am zweiten Tag bis zum Erreichen des Notlagers zurück legten verlief jedoch durch relativ ebenes Gelände oder gewellte Landschaften. So trifft die Beschreibung wohl nur für das markant aufragende Eggegebirge zu, bis zu dessen Hangkante sie jedoch am zweiten Marschtag noch nicht vorgedrungen waren. Versucht man sich diesen Begriff zu erklären und in einen Zusammenhang zu bringen, dann könnte er sich nur auf dem Weg mündlicher Überlieferung über die Überlebenden der Schlacht in seine Vorlagen eingeschlichen haben, denn wer wusste schon außer ihnen, dass sich im Schlachtengebiet ein bewaldetes Gebirge befand. So könnten sie es auch gewesen sein, die diesen Hinweis aufbrachten, da für sie die Egge das prägende Element der Großregion war. Eine Vorstellung in Gestalt einer Formation die Cassius Dio selbst nie vor Augen hatte die er nicht zuordnen konnte und daher der Auffassung war er könne es auch auf das Umfeld des ersten Notlagers übertragen. Seine Annahme, das Notlager habe möglicherweise inmitten einer unzugänglichen und schluchtenreichen Bergwelt gelegen kann durch die Realität der Topographie vor Ort als überführt betrachtet werden. Hinter dem Notlager des Cassius Dio, dass am zweiten Marschtag, dem ersten Kampftages errichtet wurde verbarg sich das erste Varus Lager, bei dem es sich um das taciteische „prima Vari castra“ gehandelt haben dürfte bzw. um das worunter Florus das Gerichtslager verstand, da dies einst das Ziel der ganzen Aktion war. Ein Lager, dass sich jedoch auf einer mäßigen Anhöhe im Fahlenbruch unweit des Warburger Hellweges nahe Schweckhausen befand aber dort nie gesucht wurde, auch weil sich die Forschung durch das Wort Waldgebirge in die Irre führen ließ.

IV.)
Cassius Dio beschreibt einen äußerst bemerkenswerten Umstand der so gar nicht in einen Schlachtenbericht passen will. Denn er berichtet, dass sie am Morgen nach dem Abzug aus diesem Notlager „offenes“ Gelände erreichten. Man betrat infolgedessen eine Region ohne höheren Bewuchs folglich baumlos. Flächen mit hochwertigen Böden dienen seit jeher der Agrarwirtschaft und werden deswegen vegetationsfrei gehalten. Zu den ältesten Lößregionen in Deutschland gehört die Warburger Börde die sich unmittelbar südlich an den Schlachtenkorridor anlehnt. So könnte man sich am Morgen des dritten Marschtages auf der Anhöhe nördlich von Schweckhausen befunden haben, von wo aus sich auch heute noch ein weiter Blick zum dreizehn Kilometer Luftlinie entfernten Desenberg eröffnet.

V.)
Cornelius Tacitus geht auf die Stätten ein wo die Cherusker die Tribunen und die Zenturionen der höheren Ränge getötet hatten. Tacitus verwendet in seiner Überlieferung „lucis propinquis barbarae arae, apud quas tribunos ac primorum ordinum centuriones mactaverant“ übersetzt „nahe dem Licht des Barbarenaltars, wo sie die Tribunen und Zenturionen der ersten Ränge getötet hatten.“ das Wort „lucis“ und hob damit hervor wo es sich genau ereignete. Man kann es so deuten, dass man es in der Nähe eines im Licht stehenden Altars tat. Demnach hatte der Altar unter freiem Himmel gestanden aber getötet hatte man sie im Schatten dieser Lichtung. Man ist dazu übergegangen diese Stätte einen Hain, also eine lichte Waldung zu nennen und da sich dort ein „Arae“ also ein Altar befand unter dem man sich einen Steinblock vorstellen darf bekam der Hain den Zusatz „heilig“. Man tötete sie also nicht auf dem Altar, sondern in der Nähe davon, sodass es sich bei dem Altar um keine Hinrichtungsstätte handelte. So könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Cherusker die ihnen heiligen Altäre nicht mit dem getöteten Feind in Berührung bringen wollten. Da von Altären die Rede ist geht man davon aus darin trotzdem Ritualtötungen sehen zu können, es im engeren Sinne also Menschenopfer waren. Opfer brachte man grundsätzlich Ahnen und Göttern dar und der Ort wo dies statt gefunden haben könnte deckt sich mit der Recherche die diesem Internetbuch zugrunde liegt. Denn der Endkampf vollzog sich in einem Waldgebiet westlich von Borlinghausen in dem heute noch zahlreiche Hügelgräber oberirdisch sichtbar sind, da sie christlicher Einebnung entgehen konnten. Und wie es alle Völker mit ihren Grabstätten hielten ehrten die Germanen dort ihre prähistorischen Vorfahren. Es ist aber auch der Wald der heute außer dem Namen Struck – noch immer den Namen Twistholz trägt. Ein Wald auf den aus Richtung Helmern ein Feldweg zuläuft der sich daher Twistweg nennt. Abgeleitet von Tuisto dem erdgeborenen Gott der Germanen der sich auch im Namen Teuto erhalten haben soll, in die Nähe eines Kriegsgottes gerückt wird, aber auch eine Ähnlichkeit mit Tvashtri dem Schöpfergott hat, wie man ihn im altindischen Sanskrit der Sprache der Veden nannte.

VI.)
Cornelius Tacitus erwähnt den „Teutoburgiensi“, eine Bezeichnung die man vom Aufbau her mit dem Namen der „Tarragonensis“ einer Gebirgsregion in Spanien vergleichen kann. Tacitus stieß in seinen Quellen auf das Wort „Teutoburgiensi“, das ihm nicht geläufig war da es germanischen Ursprungs war und für das es keinen lateinischen Namen gab. Und während man hinter diesem Begriff aufgrund der prähistorischen Fliehburgen der Einheimischen den Eggekamm erkennen kann war in Spanien der Estragon namensgebend den man in Frankreich Tarragon nennt. Da man zu allen Zeiten nach einem griffigen Alleinstellungsmerkmal suchte um Regionen einen Wiedererkennungswert zu geben nutzte man das Naheliegende und was in beiden Fällen seit Urzeiten existierte, was sich dafür eignete, was man vorfand also antraf. Auch seine Quellen könnten das Wort von den Überlebenden der Schlacht aufgegriffen haben oder es war für die römischen Feldherren eine von den Einwohnern übernommene Orientierungshilfe wenn sie nach Osten ins Land der Volksburgen aufbrachen. Für Rom war es Wald und Gebirge zugleich eine riegelförmige Bergkette durch die eine Passage führte, die Tacitus „Saltu“ also Waldschlucht nennt. Das gesamte Eggegebirge ließ damals nur eine Passage zu auf die die Bezeichnung „Saltu“ anwendbar ist. Im Sinne dieser Analyse trifft sie nur auf das Hohlwegebündel zu dessen Hauptweg sich heute Burgweg nennt, der westlich von Borlinghausen zur „Alte Burg“ führt und das Ende des Schlachtenkorridors markiert. Der Altenbekener Aufstieg war vor 2000 Jahren noch kein karentauglicher Verkehrsweg und der Anstieg durch das Schwarzbachtal nahe Scherfede führte aus entgegen gesetzter südlicher Richtung von der Diemel kommend auf das Sintfeld. Der Weg durch die Externsteine war zwar auch eine prähistorische Landstraße aber auf alle bis auf den einen, lässt sich der Begriff "Saltus" nicht anwenden.


Auf Basis sichtbarer Bodenstrukturen:

I.)
Es ist die römische Stoßrichtung gewesen die auf die Weser gerichtet war. Der erste Bezugspunkt dazu wird in Anreppen deutlich, wo man eine römische Straße frei legte die in Richtung Osten führt. Sie wird in Paderborn wieder sichtbar wo die aktuellen Grabungsergebnisse im Stadtgebiet auf ein römisches Marschlager hinweisen. Der Fund einer Münze mit der Darstellung des römischen Kaisers Severus Alexander am Bauernhof unmittelbar am Hellweg 2.500 Meter westlich Schwaney weist darauf hin, dass der Hellweg auch noch später von römischen Truppen genutzt worden sein dürfte. Hinzu kommt die Entdeckung und Freilegung einer in auffälliger Weise mit Steinen befestigten Straße mit hangseitigem Entwässerungsgraben über die Egge östlich von Schwaney auf die ein Hohlwegebündel folgt. Detailliert geht darauf das Kapitel „Die Römerstraße von Schwaney zur Weser - Sie ist noch da“ ! Vom 2. August 2022 ein.

II.)
Zum vermuteten Sommerlagerkomplex im Weserbogen stehen Luftaufnahmen zur Verfügung die zwei ineinander greifende Wallstrukturen mit abgerundeten Ecken erkennen lassen. Entstanden sind sie unmittelbar östlich von Höxter zu einem Zeitpunkt als dieser Bereich noch nicht im Zuge der Gewerbegebietserschließung Höxter – Ost weitgehend überbaut war. Dazu gehört das Kapitel „Römische Lagerspuren mitten in Höxter ?“ vom 1. August 2018.

III.)
Weitere Hinweise ergeben sich aus der Baugeschichte der Abtei Corvey, den dort verwendeten Baumaterialien wie Ziegel und Bachtuff sowie der Architektonik, was auf einen römischen Stützpunkt schließen lässt. Siehe Kapitel „Die Inschriftentafel am Corveyer Westwerk - Römisch oder karolingisch“ ? vom 2. September 2022.


IV.)
Am Warburger Hellweg südlich von Frohnhausen im Waldgebiet „Fahlenbruch“ haben sich bislang undatierte Lagerreste erhalten, worunter man das taciteische „prima Vari castra“ bzw. das Dio`sche erste Notlager verstehen darf, das Florus für das Gerichtslager hielt. Ein Komplex bestehend aus heute noch erkennbaren Wällen und Gräben die hinsichtlich ihrer Dimension den Überlebenden des ersten Kampftages gedient haben könnten. Der Erosion ausgesetzte Aufwallungen die in der Höhe jenen des cäsarischen Lagers bei Hermeskeil gleichen. Siehe Kapitel „ Das "prima Vari castra" befand sich im Fahlenbruch“ vom 1. Februar 2022.


V.)
Im Aufstiegsbereich zur „Alte Burg“ westlich Borlinghausen existiert eine am Hang gelegene ebenfalls undatierte Wallgrabenstruktur in Form einer Wegesperre die dazu gedient haben könnte die Legionen am Aufstieg zu hindern. Siehe Kapitel “War es ein Sperrwerk aus Varuszeiten im vermeintlichen „Teutoburgiensi saltu“ ? Vom 16. April 2024.


Kartographische Hinweise in Form von Parzellenamen östlich von Borlinghausen deuten auf frühchristliche Kulttraditionen hin. Siehe Kapitel „Wo die Irminsul stand - Im Schriftgut der Region verbergen sich Bezüge zu den Ereignissen der Jahre 9 und 772“ vom 27. Januar 2023.

I.)
Der Parzellenname „Eskerke“ lässt an ein Kirchenbauwerk denken, also an eine „Kerke“ aus Eschenholz, die dort im Zuge der Christianisierung errichtet wurde und die möglicherweise von den Sachsen zerstört oder von den Franken aufgegeben wurde da sich die Karolinger für Löwen nahe der Taufnethe und am westlichen Rand der fruchtbaren Warburger Börde gelegen als missionarischen Hauptort entschieden.

II.)
Ein in unmittelbarer Nähe befindlicher Höhenweg durch die Feldflur trägt den Namen „Weißer Weg“ bei dem es sich um eine Bezeichnung handeln könnte die von den Gewänder der Täuflinge herrühren würde.

III.)
Eine andere Parzelle trägt den Namen „Kreuzhecke“ was vermutlich auf eine in Kreuzform angelegte Umfriedungsstruktur zurück geführt werden könnte. Ein Ort an dem einst ein weit sichtbares christliches Kreuzsymbol aufgestellt war.

Aus Kreuzhecke, Weißer Weg oder Eskerke lassen sich jedoch nur indirekte Bezüge zur Varusschlacht ableiten. Direkter werden sie erst dann, wenn sich an diesem Platz mittels weiterer Hinweise der Standort der Irminsul bestätigen ließe und man davon ausgeht, dass Armin für die Bewohner der Region im Namen Irmin weiterlebte. Aber auch die Nähe zu Marsberg und die Zugroute Karl des Großen macht Borlinghausen seit jeher zum Favorit. Siehe u.a. Kapitel „Den Standort der Irminsul kannten die Corveyer Mönche - Was wussten sie von der Varusschlacht“ vom 21. November 2023.

In Form einer unweit davon hinterlegten Parzelle die den Namen „Hakenei“ trägt, ergibt sich in diesem Zusammenhang ein weiterer seltsamer Bezug. Er ermöglicht einen Exkurs in die Parallelwelt alter Zeiten und bietet erstmals zur sprachlich dialektischen Nähe zwischen dem mythologischen Drachen und dem Feldherrn Varus auch eine räumliche Erklärung an. Das Wort „Hakenei“ war eine Bezeichnung die in altsächsischen früheren Jahrhunderten ihren Ursprung gehabt haben dürfte. Überliefert wurde sie in einer Schreibweise wie sie in Deutschland kein zweites Mal anzutreffen ist, dafür findet man sie aber mitten im Stadtkern von Alt - London wo sich einst die von Vortigern im 5. Jhdt. angeworbenen Sachsen und Falen niederließen und wo es im Wort Hack - ney überlebte, wo man die überlieferten Erinnerungen austauschte was auch das Vermächtnis des Varus bewahrte. Dazu erschien u.a. am 20.03.2023 das Kapitel „Der Drache der nie einer war“. Der Parzellenname „Hakenei“ ist ein Begriff der für die Aufzucht von Zugpferden steht. Pferde die entweder zu zweit oder viert vor Karren gespannt wurden oder Pflugscharen zu ziehen hatten. Möglicherweise ließ sich auch Varus kutschieren, da er Fußkrank war. Statt kutschieren könnte man aber auch tragen bzw. ziehen sagen. Anders gesagt bzw. in althochdeutsch ausgedrückt ließ er sich „tragan“. In altsächsischer Sprache lautete es „dragan“, ein Wort gleichbedeutend mit „ziehen“. Zudem ist es identisch mit dem germanischen Wort, dass ebenfalls als „dragan“ überliefert ist. In Latein nannte es sich „trahere“ und in altindisch „dhrajati“ und stand für dahin gleiten aber auch fliegen, womit es sich dem althochdeutschen Wort „trahho“ dem Urwort von Drachen annähert. Eine mögliche Spur wie sie die frühen Auswanderer aus Ostwestfalen gelegt haben könnten, die ihr noch vorhandenes Wissen auf der seinerzeit ebenfalls von Rom okkupierten Insel verbreiteten. Dort führte die Ähnlichkeit und der Gleichklang der Begriffe zu einer Verschmelzung und löste die Vorstellung aus man habe es bei Varus mit einem wahren Untier zu tun gehabt. Ein Mensch unter dem man sich ein widerwärtiges Monster vorzustellen hatte, dass begleitet von christlicher Symbolsprache im Mittelalter als Drachen nach Sachsen zurück kehrte.

Fazit:
So lassen sich den Überlieferungen von Cassius Dio jene aufschlussreichen Details entnehmen die erkennen lassen, dass es innerhalb des mehrtägigen Marschgeschehens zu Kampf - und kampflosen Phasen kam und es sich rekonstruieren lässt, dass der erste Marschtag ungestört, und ohne jegliche Kampfhandlungen verlief. Auf Basis der hellen Tagesstunden, den äußerst umfänglichen, unvermeidbaren und somit auch zeitintensiven logistischen Tätigkeiten und Vorbereitungen, sowie den ab dem zweiten Marschtag einsetzenden Kämpfen lassen sich die Stunden füllen die in der Summe erkennen lassen, dass sich der Varuszug über drei Tage erstreckte, Kämpfe aber nur an den Tagen zwei und drei statt fanden und es am vierten Tag nur noch zu kleineren Scharmützeln reichte. Grundsätzlich steht der neuzeitlichen Recherche die antike Literatur zur Verfügung worin man die Fakten wie eingemeißelt erkennen möchte bzw. muss, die Gegebenheiten der Landschaft und weniger die Bodenfunde um den Verlauf der Schlacht nachstellen zu können. Gewagt zu nennen ist es auf den Volksmund zu schauen, die nordischen Sagen und die einheimischen Legenden der nachfolgenden Generationen hinzuzuziehen, obwohl darin wertvolle Informationen enthalten sind die zur Auswertung genutzt wurden Aber erst nachdem sich die Theorie hinreichend mit Fakten gleichen Argumenten anreichern ließ, traten neue und unerwartete Sichtachsen zu Tage wodurch Abläufe deutlich wurden, die vorher nicht erkennbar waren. Erlösend einer Lösung gleich kommend erscheint uns die Varusschlacht nun wie ein überdimensionales Panoramagemälde, das sich zum „Puzzlebild“ komplettieren ließ, sodass man es sich schon fasst als „Varusschlacht Brettspiel“ patentieren lassen könnte. Angelehnt an den historischen Kenntnisstand und an eine Vielzahl zusätzlicher Hinweise stand in den letzten Kapiteln die Bemühung im Vordergrund einen authentischen Ablauf zu präsentieren um dabei zu versuchen hinter die Kulissen der Mehrtagesschlacht zu blicken. Bestehende Erklärungslücken konnten plausibel und nachvollziehbar geschlossen werden um ein in sich schlüssiges und überzeugungsfähiges Konzept zu präsentieren. In der Zusammenfassung musste hier hier auf vieles verzichtet werden wozu auch die Wiederholung jener Theorien zählt, wonach der ihn britische Volksmund im 5. Jhdt. Varus zum Drachen mutieren ließ, ihn personifizierte bzw. umgedeutet haben könnte. Das man dem isländischen Abt Nikulas im 12. Jhdt. genau dort auf den Drachen hinwies, wo Varus im Zuge dieser Theorie seinen Tod fand und sich begründen lässt. Das man die Irminsul da errichtete wo die Cherusker einst ihre Grabsitten pflegten und die Varusschlacht endete sieht nach vielen Zufällen gleichzeitig aus, wirkt zumindest irritierend und rechtfertigt es allemal weitere Untersuchungen anzustrengen. Aber die Aufarbeitungsgeschichte zur Varusschlacht ist noch nicht zu Ende und geht im nächsten Kapitel weiter. (24.06.2024)

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Sonntag, 19. Mai 2024
Varus - Was ihn unsterblich machte und wie man uns den Ort seiner Niederlage verriet.
Varus tötete sich in der Nähe des „teutoburgiensi saltu“ da wo auch ein großer Teil seiner Legionen unter ging und später auch die Knochen bestattet wurden. Aber in welche Zeiten müssen wir uns zurück bewegen, wenn wir uns bemühen nach seinen Ursprüngen besser gesagt seinem Lebensende zu forschen. Feldherren stand in allen Zeiten und das auch in besonders misslichen Kampfsituationen und Gefechtslagen bis zuletzt eine Sonderbehandlung zu. So dürften Varus seine Getreuen, also die noch lebenden Legionäre und jene Banner - also Adlerträgern, die Aquilifer die noch nicht geflüchtet waren, die ihm persönlich beistanden, unterstanden, oder beistehen mussten bis zu seinem unweigerlichen Ende begleitet haben. War der Anführer tot hatte in der Regel der Gegner die Schlacht gewonnen und so galt diesem letzten Aufgebot bestehend aus einer Gruppe unbekannter Personen, Anzahl und Zusammensetzung letztlich das Hauptaugenmerk der Germanen. Ob sie in den letzten Stunden des Kampfes wussten wo sich diese Schar aufhielt ist fraglich, aber alle Krieger und nicht nur die germanischen Fürsten sehnten den Moment herbei endlich dem Feldherrn persönlich gegenüber stehen und um ihm ihre Rache spüren lassen zu können. Der historische Hinweis, dass viele Legionäre ihre Waffen fort warfen, als sie vom Tot ihres Anführers erfuhren deutet darauf hin welche Auswirkung sein Tod hatte zeigt aber auch, dass nicht alle umgekommen waren, sich also noch einige bis zum letzten Atemzug verteidigt hatten und erst in diesem Moment erkannten das alles verloren war und sie kapitulieren mussten bzw. sich töteten. Sein Selbstmord geschah abseits vermutlich unspektakulär, wenig theatralisch und zweifellos wäre es den Germanen lieber gewesen ihn lebend als tot in die Hände zu bekommen, so aber kamen sie zu spät um ihn gefangen nehmen zu können. Man darf annehmen, dass er vor allem sich selbst und weniger den anderen die Schmach ersparen wollte, als er sich zum Letzten entschlossen hatte. Und während wir aus vielen Kriegen bis in die Neuzeit wissen, dass die obersten Generäle oder Kriegsherren oftmals unversehrt den Kriegsschauplatz verließen oder verlassen durften, später gegen Lösegeld ihre letzten Jahre auch teils im angenehmen Asyl verbringen konnten und vielleicht sogar darauf hoffen konnten noch mal in Würde zurück kehren zu können war das vor 2000 Jahren je nach Schlachtverlauf anders, denn da musste der Heerführer noch selbst die Waffe in die Hand nehmen. Varus war bekanntlich schon verletzt, wie stark darüber schweigen die Quellen. Auf Basis dieser Theorie gelangte Varus mit seiner Leibgarde wie auch immer nur bis an den Hang der Egge in den Quellbereich der Helmerte, aber den Anstieg zu erklimmen war ihm nicht mehr möglich. Die Helmerte, die „Schützende“ war und ist nahe Borlinghausen der einzige Bach und zugleich der Ort, wo sich sein Tod mit der Siegfriedssage in Verbindung bringen lässt und in dessen Nähe man dem isländischen Abt Nikulas im 12. Jhdt. vom Drachenkampf berichtet hatte, als er auf dem Frankfurter Weg von Paderborn über Lichtenau nach Marsberg unterwegs war und bis auf etwa 9 km an der Helmertequelle vorbei pilgerte. Die Germanen hatten zuvor nichts unversucht gelassen um noch rechtzeitig zur Stelle zu sein und während sie die noch lebenden Begleiter entwaffneten hatte sich der Feldherr bereits der Gefangennahme durch seinen Freitod entzogen. Es spricht für ein langwieriges sich dahin schleppendes Schlachtenende und es ist vorstellbar, dass es Varus gelang, sich noch mehrmals mit seinen Männern abzusetzen um dann doch wieder rasten zu müssen aber jedes mal Gefahr lief aufgespürt zu werden. Das er trotz Verletzung entkommen konnte spricht dafür, dass die germanischen Kämpfer Probleme hatten die sich angesichts der Gefahr verzweifelt wehrenden Legionäre einzuholen und er sich immer noch einen Vorsprung verschaffen konnte. Unter Adrenalin wächst der Mensch über sich hinaus und während die Germanen kein Verlangen verspürten sich noch unnötigen Risiken auszusetzen, könnte sich der letzte Kampftag noch länger als gedacht hingezogen haben. Solange ihr Kommandeur noch lebte hofften alle auf eine reelle Chance sich weiter kämpfend aus der misslichen Lage befreien zu können und erst nach dem sein Tod bekannt wurde verließ sie ihre Kampfmoral. Die Information, dass es seinem Geleitschutz sogar noch teilweise gelang seine sterblichen Überreste zu verbrennen deutet darauf hin, dass sie sogar noch dafür in der Schlussphase die nötige Zeit fanden, da die Germanen sie vermutlich aus dem Auge verloren hatten. Eine Verbrennung im Unterholz bereitet man nicht mit einer Hand am Schwert vor, sondern nutzt dafür die Gelegenheit einer Kampfpause. Was allerdings Fragen aufwirft sind die Gründe die dazu führten um in einer derartigen Situation noch eine aufwändige Verbrennung durchzuführen besser gesagt zu riskieren. Brennholz sollte dank der Informationen von Cassius Dio also aufgrund unseres historischen Hintergrundwissens um diese Zeit regennass gewesen sein, brannte demzufolge schlecht, sorgt aber für erhebliche Rauchentwicklung und lockt Germanen auch aus weiter Entfernung an. Aber trotz dieser Bedrohungslage bemühten sich seine Offiziere und Untergebenen immer noch ihn für damalige Verhältnisse rituell und ordnungsgemäß zu bestatten besser gesagt zu verscharren. Möglicherweise tat man es auch um ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen. Es war in jedem Fall ein Dienst mit dem sie sich nicht nur selbst in Gefahr brachten, sondern sich auch der Möglichkeit beraubten diese Zeit für die Flucht zu nutzen. Vermutlich befand sich dieser Schauplatz am Fuß der Egge und unter der Berücksichtigung, dass die Germanen den auch damals schon existenten Eggehöhenpfad kontrollierten, könnte ihnen dies jegliche Fluchtillusionen genommen haben. Aber nicht jeden Römer wird man am Boden liegend abgestochen haben und auch nicht jeder hatte sich selbst umgebracht und so werden doch noch einige die Schlacht überlebt haben. Wäre dies nicht so gewesen, hätten die römischen Chroniken auch nicht so verhältnismäßig umfangreich über die spätere Schlachtfeldbegehung berichten können und man hätte nicht das Verbot gegenüber den Überlebenden aussprechen brauchen in dem man ihnen die Heimkehr nach Italien untersagte. Und während Arminius zur Lichtgestalt aufstieg stand Varus in seinem Schatten und während man aus dem einstigen Imperium weiß wie man dort mit seinem Vermächtnis umging macht es den Anschein, als ob darüber in Germanen bis auf den Verbleib seines Kopfes, nichts bekannt geworden ist. In Italien ging die Varusschlacht als Staatskatastrophe in die Geschichte ein und man hielt die Erinnerung an sie bis heute wach in dem man weniger Varus als vielmehr der Getöteten gedachte, als man sich seine 17. Legion heraus griff und fortan die siebzehn im Gegensatz zu unserer 13 zur klassischen Unglückszahl erklärte. Der Glaube daran ging soweit, dass es in italienischen Flugzeugen keine 17. Sitzreihe, in manchen Hotels keine 17. Etage und die Firma Renault in Italien ihren R 17 unter der Bezeichnung R 177 verkaufen musste. Den Namen Varus haben uns nur die römischen Historiker überliefert aber es ist nicht bekannt geworden wie ihn die Germanen nannten. Da aber der Name Armin in der abgewandelten Form von Irmin die Zeiten überdauerte baute sich nach dieser Theorie eine eigenständige und langlebige Erinnerungskultur auf mit der man die Vergangenheit lebendig hielt und was in eine „Irminsulgedenkstätte“ mündete. Die Krönung seiner Leistungen die sich aufgrund seiner Erfolge bezogen auf die Varusschlacht, erst recht durch den Rückzug der Legionen 16 + und den Sieg über Marbod rechtfertigen lassen. Auf Varus bezogen kam es nicht in Frage in Germanien für ihn die Erinnerung in plastischer Form, so wie man es für Armin/Irmin tat am Leben zu halten und man wird mit ihm auf andere Weise umgegangen sein. Hier nahe Borlinghausen kreuzten sich die zwei denkwürdigen historischen Prozesse frühdeutscher Geschichte die im Tod des römischen Feldherrn vermutlich nahe der Helmertegrotte ihren Ursprung hatten und sich auch auf den Standort der Irminsul beziehen lassen den man dort ortsnah vermuten darf. So kann man sich fragen was im Norden aus dem Namen Varus wurde. Wir wissen, dass man germanischer Methodik folgend für Personen aber auch für das Unantastbare und Unbegreifliche Begriffe suchte mit denen man es aus Vorsicht vor dem Übermächtigen nur zu umschreiben wagte. Beinamen, Kenninge genannt was man heute Erkennungsmerkmale vielleicht auch Spitznamen nennen würde und auch für Odin sind dutzende von Kenningen überliefert. So könnten sie sich für Varus auch einen Kenning erdacht haben und griffen dafür auf den Namen seines Gefährt zurück in dem sie ihn hauptsächlich wahr nahmen. Ein Fahrzeug in dem er sich tragen bzw. ziehen ließ und man ihn daher im übertragenden Sinne einen „Trahho“ oder „Drago“ nannte. Ein Wort das dem Ursprung nach für trecken also ziehen bzw. tragen steht und sich daher nicht nur in den Worten Traktor oder Trage erhalten hat. Eine Bezeichnung die sich zum geflügelten Wort Drache umbildete und an ihn erinnern könnte. Er wäre es dann gewesen der damit eine Tradition anstieß die man auch mit der damaligen Mystik in Verbindung bringen kann und so wurde Varus über die Zeiten zum Inbegriff des Widerwärtigen und symbolisierte die Schreckensgestalt schlechthin. Varus neigte und wie man ihn auch beschrieb dazu eher für verwaltende Aufgaben geeignet zu sein und soll nach Paterculus ein Mann mit sanftem Wesen und ruhigem Charakter jedoch unbeweglich an Körper und noch mehr an Geist gewesen sein und das Lagerleben dem Kriegsdienst vorgezogen haben. Beschreibungen die dazu passen, dass er es vermied zu Fuß zu gehen, also ein Gefährt benutzte wann immer es ihm möglich war. Was sich dieser Charakterisierung nahtlos angleicht ist die Überlieferung, dass das Wort „Varus“ in lateinischer Sprache für krummbeinig im Volksmund auch „O beinig“ genannt steht. Eine Beinstellung die zu einer erheblichen Beeinträchtigung seiner Beweglichkeit führte, ihn zwang das Gehen möglichst zu vermeiden und ihn von Fortbewegungsmitteln abhängig machte. Dies macht verständlich warum er bei den Germanen auf diese Weise im Gedächtnis blieb. Aber schlimmer noch, denn die Verkrümmung hatte bei ihm noch zu einem weiteren körperlichen Gebrechen geführt. Es ist die „pes varo“ genannte Fehlstellung die so genannte Varusstellung. Eine Abknickung in Höhe des Fußgelenkes auch Klumpfuß genannt. Unbehandelt wovon man damals ausgehen darf konnte die angeborene Krankheit zu einer erheblichen Behinderung und starken Schmerzen führen. Dies macht es verständlich, dass man ihn damals außerhalb des Lagers nur im Reisewagen oder einer Kutsche der Birota oder einem Cisium sah und sein ganzes Erscheinungsbild damit verband. Eine Krankheit die es sogar fraglich erscheinen lässt inwieweit ihm der Auf - und Abstieg eines Pferdes gelang bzw. wie er mit dem Steigbügel umging. Im geselligen Umfeld vergaß er sein Leiden und so verwundert es auch nicht, dass Tacitus wert auf die Darstellung legte, dass man sich am Vorabend der Schlacht noch zum gemeinsamen Gastmahl traf um im besten Einvernehmen, in erhoffter Partnerschaftlichkeit und auf Basis gegenseitigen Vertrauens den Rückweg zu planen bzw. anzugehen. Insgesamt beschreibt man so weniger eine Kämpfernatur als vielmehr eine Person die die Bequemlichkeit vorzog bzw. ziehen musste und sich daher bevorzugt fahren oder tragen lässt. In diesem Zusammenhang könnten die Germanen ihn auch „Varen“ im Sinne von der „gefahren werdende“ bezeichnet haben. Die an Eiswinter und verregnete Sommermonate gewohnten Germanen hatten andere Vorstellungen von Komfort und Luxus als römische Feldherren die noch den syrischen Wüstenwind in Erinnerung hatten. So war er für sie im Gegensatz zu ihnen die sie einen Esel und bestenfalls ein Pferd nutzten ein Mensch den sie kaum gehend erlebten und für den ein Gefährt das übliche Fortbewegungsmittel war. Man deutete seinen Namen dazu passend und betitelte ihn entsprechend. Alle Namensvariationen der Fortbewegung in Verbindung mit seiner persönlichen Unbeweglichkeit ließen sich auf ihn anwenden und wurden zum allgemeinen Sprachgebrauch, aber jeder wusste immer wer gemeint war. Aber unter welchem Namen lebte Varus in Germanien weiter bzw. welcher könnte auf ihn zutreffen. Natürlich könnte man ebenso auch fragen was von Tiberius oder Germanicus im germanischen Sprachgebrauch übrig geblieben ist. Zu Drusus liegen Hinweise vor, wonach man ihn “eingedeutscht“ Drais oder Draiß genannt haben könnte. Namen von denen in Mainz das Dreisentor oder in Bingen das Dreisenloch bzw. der Dreisenbrunn herrühren. Da wir über keine konkreten Anhaltspunkte verfügen könnte man annehmen, dass sich unsere Vorfahren nicht für die Namen römischer Feldherren interessierten und sich lediglich der Name von Kaiser Augustus erhalten haben könnte. Aber nur dann, wenn man die Äußerung die der Zwerg Andvari im Reginsmal der Liederedda machte, in dem er den Schatz mit den Worten verfluchte, dass das Gold das „Gustr“ besaß, zwei Brüdern den Tod und acht Edle in Streit bringen würde, so auslegen möchte, dass man Kaiser Augustus darunter verstehen will. Unter „Gustr“ versteht die nordische Sprachforschung allerdings einen Windhauch bzw. feuchten Dunst oder Dampf. Damit das uns die Sagenwelt so einiges an Kombinationstalent abverlangt ist man vertraut und das man einem Luftzug keinen Reichtum zuschreiben kann, lässt es denkbar erscheinen. Seine Vornamen werden sie nicht gekannt haben aber seinen Nachnamen Varus verbanden sie mit einer weiteren auch in ihrem Wortschatz befindlichen Bezeichnung nämlich „varen“. Ein Begriff aus dem sich das heutige Worte „fahren“ entwickelte. Das Wort „varen“ hatte im mittelhochdeutschen aber noch eine zusätzliche Bedeutung, denn es stand für „feindlich gesinnt“ „nachstellen“ und „gefährden“. Aber auch für Hinterlist, Betrug, Täuschen, Strafen, Gefahr und Furcht stehen damit in Verbindung. Damit kommen wir einem Begriff näher, der im Verlauf dieses Internet Buches mehrfach fiel ohne das aber auf ihn näher eingegangen wurde. Es ist der Name einer 421 Meter hohen Erhebung keine 1000 Meter südlich der Saltuspassage wo er sein Leben ausgehaucht haben könnte. Ein Berg dem man irgendwann mal den Namen „Varenberg“ gegeben hatte. Ein Name von dem kein heutiger Heimatforscher in der Großregion noch sagen kann, seit wann er ihn trägt und warum er so heißt. Auf den amtlichen Kartenwerken hat man ihn unter diesem Namen eingezeichnet und ob aus ihm ein Bezug zu Pharos dem Namen des Leuchtturmes zu entnehmen ist oder ob er einen Grenzberg darstellte ist unklar. Rund 2 Kilometer westlich von Bonenburg gelegen ist er mit 415 Metern nur unwesentliche 9 Meter niedriger als der 464 Meter hohe Preußische Velmerstot, die höchste Erhebung im Eggegebirge. Viele Berge in Deutschland tragen Namen, die sowohl Herkunft als auch Ursprung verbergen und die Forschung rätseln lassen. Aber ihre Namen lassen erkennen wie weit ihre Namensgebung zurück liegt und wie ahnungslos ja sogar hilflos man ihrer Entstehungsgeschichte gegenüber steht wenn man sie enträtseln möchte und zeugt zudem auch von weit verbreiteter Unkenntnis selbst in Fachkreisen und bis in die höchsten Bildungseinrichtungen hinein. Bergnamen oder Flussnamen folgen in der Regel ältesten Traditionen und oft auch ausgestorbenen Sprachen um nur den Silingberg in Schlesien zu nennen, der bis auf die Vandalen bzw. Wandalen zurück reicht einen Stamm den die Griechen Uandaloi nannten. Man könnte sich also in guter alter Gesellschaft wähnen, wenn man auch dem Varenberg ein hohes Alter zuschreiben möchte. Passend zu einer Region in der die ältesten Sagen von den Asen samt Odin ihren Ursprung genommen haben könnten und sich im Namen „Osenegge“ erhielt. Worte die mit einem „V“ beginnen, wie etwa der Varenberg, lassen sich aus etymologischer Sicht betrachtet epochal schwer zuordnen. Das man in Germanien nördlich der Dialektlinie den lateinisch geprägten Anfangsbuchstaben „V“ beibehielt und für den Varenberg kein „F“ bzw. „W“ in Frage kommt ist etymologisch nachvollziehbar und ebenso wird man am zweiten Buchstaben „a“ hinsichtlich seiner Aussprache, denn schreiben konnte man damals nicht keine Änderungen vollzogen haben und so blieb noch die Zweitsilbe „rus“. Sowohl zur Aussprache unserer Altvorderen als auch in ihre Lebenswelt besser gesagt zu ihrer Zunge würde es passen, hätten sie „rus“ in „res“ umgewandelt und hätten Varus demzufolge „Vares“ genannt, was aber so nie zu Papier gebracht wurde. Varus, Varen oder Vares als man nichts mehr über seine Taten wusste und wer er überhaupt war musst im Dunklen der Geschichte bleiben. Man erkennt die Unsicherheit innerhalb der Sprachforschung auch daran, dass sich die einzelnen Phasen der Lautentwicklung nicht klar abgrenzen lassen. Runeninschriften standen am Anfang, der Sprache zwischen dem 5. und 8. Jhd. gab man den Kunstnamen Voralthochdeutsch, abgelöst wurde sie zwischen 750 und 1050 vom Althochdeutschen worauf das Mittelhochdeutsch folgte, das um 1350 endete. Um ihnen näher zu kommen bedarf es eines Blickes auf die Zeit als die „Dialekte das Schreiben lernten“. So lässt sich dem Sprachaufbau also der Etymologie entnehmen, dass die Forschung bis auf drei Worte die griechisch/germanischer, keltisch/germanischer oder oder lateinisch/keltisch/germanischer Herkunft sind und nur neun Worte kennt, die altgermanischen Ursprungs sind und die mit dem Buchstaben „V“ beginnen und als lateinischer Herkunft oder als von der lateinischen Sprache beeinflusst gelten oder sich zu erkennen geben. So darf man sagen, dass sich kein Wort mit dem Anfangsbuchstaben „V“ als eindeutig germanischen Ursprungs erweist. Ähnlich verhält es sich beim Altsächsischen für das es nur zwei Verdachtsfälle auf einen möglichen germanischen Ursprung gibt. Aber bei genauem Hinsehen darf auch für diese beiden eine lateinische Abkunft angenommen werden. Ebenso verhält es sich bei Worten die mit einem „V“ beginnen und aus dem Althochdeutschen überliefert sind, denn auch bei ihnen wird eine lateinisch/althochdeutsche Herkunft vermutet oder es gibt direkte Bezüge zum Anfangsbuchstaben „F“ und ist dann auf diesem Wege wieder lateinisch beeinflusst. Damit wird deutlich, dass nahezu alle Worte die sich bis 1050 und darüber hinaus zurück verfolgen lassen und mit einem „V“ beginnen als nicht germanischen also lateinischen Ursprungs anzusprechen sind. Gegen Ende des ersten nachchristlichen Jahrtausend begann man damit die germanischen Sprachen besser gesagt die Dialekte zu verschriften und für das was man früher nur hören konnte, suchte man nun nach den dazu passenden Buchstaben. Aber die lateinische Schrift und Sprache war über alle Jahrhunderte hinweg allgegenwärtig. Sie nutzte neben dem Buchstaben „F“ auch das „V“ während die germanische Zunge für die Aussprache daraus den Laut „F“ oder „W“ bildete und man das „V“ nur für die Schriftsprache nutzte. So lässt es sich auch bis heute nicht klar heraus hören, ob man es mit einem „F“ oder einem „V“ als Anfangsbuchstaben zu tun hat was oft zu Verwirrung führt. So fanden Worte aus der Geographie mit dem lateinischen Anfangsbuchstaben „V“ Eingang in die Schriftsprache wie es auch bei der Vechte der Fall gewesen sein dürfte. Schriftliche Verinselungsregionen sind bekannt in denen sich nach lateinischer Tradition auch noch das „V“ innerhalb von Personennamen erhalten konnte. Aber am Anfang unserer Schriftsprache stand immer das lateinische „V“ und man darf annehmen, dass sich Worte mit diesem Anfangsbuchstaben in Namengebungen frühester Schriftsprache wieder finden lassen und sich aus ältesten Zeiten erhalten haben. Man gab dem Berg in der Egge also nicht den Namen Farenberg oder Warenberg, sondern nannte vor allem aber schrieb man ihn Varenberg und da im alten Germanien und später die wenigsten das „Frühdeutsche“ Latein beherrschten lastet erneut der Verdacht auf jener Instanz die es damals schon beherrschte, sie war seit dem 9. Jhdt. in Corvey ansässig und dort wusste man dank der Tacitus Annalen auch wo sich der „Teutoburgiensi saltu“ befand. Da die Egge oberhalb des Sattels keine markante Anhöhe gebildet hat, griff man nach einem naheliegenden Bergkegel dem man dann den Namen Varenberg gab um die Region für die Nachwelt zu kennzeichnen. (19.05.2024)

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