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Donnerstag, 15. Februar 2018
Wer waren die namenlosen Rebellen mit denen man Varus köderte
ulrich leyhe, 14:54h
Es blieb schon immer keinem Historikern verborgen, dass sich Germanicus 14 + zuerst den Marsern widmete. Er erreichte sie vermutlich aus westlicher Sicht von den infrage kommenden Rheinkastellen Köln oder Neuss, das ich favorisiere. Da er sich den Marsern von der unwegsameren, waldreichen und zerklüfteten Südseite her näherte könnte er den Anmarschweg durch die bergischmärkische Region gewählt haben. Die Siedlungsgebiete der Marser erreichten die Legionen des Germanicus dort, wohin sie seinerzeit flüchteten um sich der römischen Zwangsdeportation zu entziehen und wo sie eine Siedlungsnische zwischen anderen Stämmen fanden. Germanicus griff sie noch vor den anderen drei an der Varusschlacht beteiligten Hauptstämmen an, die er 14 + noch unbehelligt ließ. Vermutlich siedelten die Marser gegenüber den anderen Stämmen immer noch dem Rhein zugewandter. Germanicus wollte damals wie man später erkannte, die germanischen Stämme von Westen her aufrollen und der Erstangriff auf die Marser wird allgemein als plausibler Hinweis dafür gewertet, dass sie 9 + zum Kern der römischen Gegner zählten. Im Rollenspiel des Arminius 5 Jahre zuvor könnten sie es nach meiner Theorie gewesen sein, die den Platz des ungehorsamen Stammes einzunehmen hatten und sie daher auch eine besondere Strafe zu erwarten hatten und daher die volle Wucht der ersten Rachemaßnahme des Germanicus zu spüren bekamen. Es könnte für diesen Erstschlag aber auch noch einen anderen Grund gegeben haben. Denn laut Strabon gelang es schließlich den Marsern sich immerhin mit ihrem ganzen Stamm 8 - in den Osten zu retten, also noch rechtzeitig bevor man sie gegen ihren Willen zum Umzug über den Rhein zwang. Sie konnten sich also 17 Jahre vor der Varusschlacht erstaunlicherweise und offensichtlich ohne Kenntnis und Zustimmung der Römer mit ihrem ganzen Volk der aufgezwungenen Umsiedelung durch eine frühe Absetzbewegung entziehen. Es war natürlich ein ungehöriges Verhalten sich römischen Plänen zu widersetzen und musste auf kurz oder lang gesühnt werden. Somit hätte Germanicus noch einen Gründe dafür gehabt sich auf die Marser zu stürzen. Die Umsiedelung die mehrere Stämme betraf, hatte den Hintergrund, dass von Seiten der rechtsrheinischen Germanen fortan keine Gefahr mehr für die römisch besetzten linksrheinischen und gerade erst den Kelten genommenen Gebiete ausgehen sollte. Bekanntlich kam es immer wieder zu Raubzügen, Unruhen und Übergriffen der freien Germanen. Die 8 - in Teilen umgesiedelten Sueben und Sugambrer als auch die später komplett geflüchteten Marser könnten demnach, noch bevor die Umsiedlungswellen begannen einen Streifen rechts des Rheins mit einer spekulativen Siedlungstiefe von etwa 40 – 50 km bewohnt haben. Der Hinweis von Strabon, dass es den Marsern erfolgreich gelang ihren Stamm vor der Umquartierung ins Keltenland zu bewahren weist also daraufhin, dass sie nach ihrer Flucht sicherlich nicht mehr in Rheinnähe gesiedelt haben dürften, sich also schon einige Tagesmärsche nach Osten zurück gezogen haben. Mit ihnen flüchteten damals auch noch Teile der Sugambrer mit nach Osten. Um sich dem Umsiedlungsdruck durch das Imperium auf Dauer zu entziehen und um nicht später nochmal in die Gefahr zu geraten einer möglicherweise zweiten Umsiedlungsaktion zum Opfer zu fallen, wird man sich also entsprechend weit vom Rhein abgesetzt haben. Aber was war in dieser Zeit schon „weit“ zu nennen. Den Diemelraum und den Oberlauf der Ruhr etwa 150 km östlich vom Rhein könnte man unter den damaligen Bedingungen schon als weit bezeichnen. Die Rache des Germanicus müsste sie dann demnach dort im Jahre 14 + bis ins Mark getroffen haben und Gnade war ihm in diesen Tagen ein Fremdwort. Germanicus kannte natürlich den noch nicht lange zurück liegenden wesentlichen Verlauf der Varusschlacht und das stellenweise vielleicht sogar bis ins ungeliebte Detail und alle Stämme und alle Fürsten die damals am Untergang des Varus beteiligt waren, gleich ob sie Mitwisser, Mitläufer oder Rom treu waren, dürften ihm namentlich oder sogar noch persönlich bekannt gewesen sein und er wusste daher auch sehr genau, welchen Beitrag bzw. besser ausgedrückt, welche Mitschuld jeder Stamm daran trug. Und die in den Osten geflüchteten Marser mussten daran einen schwerwiegenden Anteil gehabt haben. Als revoltierender Stamm hätte Arminius Varus gegenüber auch noch die entkommenen Reststämme der seinerzeit umgesiedelten Sugambrer präsentieren können, die sich ebenfalls im Osten nun nahe den Cheruskern und Chatten wieder fanden und gezwungen waren sich nach der Vertreibung die neuen Siedlungsgebiete untereinander teilen zu müssen. Man kann sich gut in die damalige Lage versetzen, wenn man durch die starke Hand Roms gezwungen wird, vielleicht sogar noch über Nacht gewohnte Umgebungen und noch dazu bei Nahrungsmittelknappheit verlassen zu müssen um sich zu Tausenden samt Frauen und Kindern neue Ackerböden bei anderen Stämmen zuzusagen erbetteln zu müssen, da alles Land möglicherweise schon besiedelt und vergeben war. So blieben ihnen, den neu Hinzugezogenen unter Umständen und für gewöhnlich auch nur die unwirtlicheren oder waldreichen Regionen übrig an denen sonst kein Interesse bestand. Das dadurch nicht gerade ein Rom freundliches Klima erzeugt wurde, wird die Konsequenz daraus gewesen sein. Arminius wird daher keinen Mangel daran gehabt haben genügend Gründe für einen Aufstand gegen Varus in der Diemelregion finden zu müssen. Die Diskussion ob Marser und Sugambrer auch zum großen Volk der Sueben zählten wie es Strabon aufgrund der Siedlungsgebiete der Sueben indirekt ausdrückt, lasse ich hier mal außen vor. Aufgrund der regionalen Bezüge, der Entfernungen und der Vorgeschichte sprechen die Argumente aber eher für die Marser als Aufrührerstamm, gleich welche Menschen sich letzten Endes auch immer hinter diesem Namen verborgen haben mögen. Dieser Überlegung folgend befand sich möglicherweise auch in diesem Überschneidungsraum, im etwa fünf bis sieben Marschtage vom Rhein und zwei bis drei Marschtage vom Sommerlager entfernten Siedlungsgebiet der Marser oder in deren Umfeld der gesuchte Varus - Hinterhalt. Als Varus sein Sommerlager verließ existierte für ihn natürlich kein Hinterhalt, er wollte in einer zügigen Strafmaßnahme die Aufrührer angreifen, ausschalten um dann schnell den Rhein zu erreichen. Diese Aufständischen spielten in der Strategie des Arminius den Köder. Um aber den Köder richtig auszulegen, musste er Varus und seinen Offizieren vorher einen militärisch plausiblen Operationsraum zur Orientierung aufgezeigt, ihnen also die Region einer möglichen Auseinandersetzung in den Sand geschrieben haben, den sie anzusteuern hatten und wo es galt diesen Germanenaufstand nieder zu schlagen. Hätte Varus auch nur ein Quentchen Menschenkenntnis besessen, hätte er ihm anmerken können, dass Arminius einen heimischen Nachbarstamm nicht ans römische Messer liefern würde. Varus vertraute aber offenbar mehr darauf, dass sich die germanischen Stämme auch untereinander oft feindlich gesinnt waren. Folglich muss er Arminius in diesem Fall für einen skrupellosen römischen Ritter gehalten haben, der sogar so weit ging und benachbarte Stämme verrät. Arminius kam offensichtlich aus der Sicht von Varus mit einer „sehr guten“ sprich skrupellosen Reputation aus Pannonien zurück, denn er traute ihm dieses Verhalten zu. Da Varus folglich keinerlei Skepsis zeigte, musste er ihm also blind vertraut haben. Was könnte also für Varus noch überzeugender gewesen sein, als dieses von Arminius gezeigte rüde Verhaltensmuster gegenüber den germanischen Stammesgenossen. Denn schließlich sollten mit seiner Duldung nun bald römische Waffen sogar gegen eigene Landsleute eingesetzt werden. Arminius war talentiert, muss ein sehr guter Mime und glänzender Rhetoriker gewesen sein und war für die damals verzweifelten und führungslosen Germanen in dieser Zeit sicherlich ein Segen. Es war schlicht bewundernswert, dass es damals ihm, als einem germanischen Patrioten gelingen konnte, seine wahren Absichten so lange zu verschleiern. Als Germanicus 14 + gegen die Marser die nach Lehrmeinung zwischen Ruhr und Lippe gesiedelt haben sollen vorging, soll er ein nicht genau lokalisierbares Tamfana - Heiligtum zerstört und einen Landraum von 50 römischen Meilen mit Feuer und Schwert völlig verwüstet und kein Geschlecht und kein Lebensalter verschont haben. Brutaler kann man einen Rachefeldzug kaum beschreiben. Da man diese Region an der mittleren Ruhr vermutet und Germanicus eine Strecke von 75 km gleich 50 römischen Meilen verwüstet haben soll, muss man sich die Frage stellen, was man nach der Übersetzung überhaupt unter einer Strecke verstand. Eine Strecke klingt eher danach, als dass man nach der überraschenden Blitzaktion auf das Tamfana Heiligtum von dort aus Strecken bzw. Abschnitte verwüstete an denen sich links und rechts die Siedlungsgebiete der Marser erstreckten bzw. ihre neuen Wohngebiete nach der kollektiven Abwanderung 8 - lagen. Man könnte sich räumlich sogar auch noch mit einem weiter östlich im sicheren Abstand zum Rhein gelegenen Tamfana Heiligtum auf dem Obermarsberg gut arrangieren. In Anspielung auf die Feierlichkeiten damals im Jahre 9 + könnte Germanicus die Festlichkeiten der Marser deren Zeitpunkt Germanicus gekannt hatte, bewusst genutzt haben um zu der verheerenden Niederlage des Varus einen weiteren Anknüpfpunkt zu finden. Germanicus wollte möglicherweise in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass auch noch diese alte Rechnung offen stand, die es zu begleichen galt. Man könnte also spekulieren, dass es die Römer den Germanen verübelten, dass sie die Varusschlacht in eine Zeitspanne gelegt hatten, die sehr nahe auf die Kultfeste folgte. Die römischen Götter hatten ihnen damals die Unterstützung versagt und man wollte sie nun beschwichtigen und ihnen einen Sieg schenken. Da ich das Siedlungsgebiet der Marser ab Scherfede der Diemel entlang und möglicherweise bis Arnsberg, Iserlohn lokalisiere, sie stark am Schlachtgeschehen beteiligt waren, später auch einen Legionsadler ihr eigen nennen konnten und der erste Angriff von Germanicus ihnen galt, definiere ich diesen Volksstamm wie schon vorher angedeutet als jenen, dem die Aufgabe zuteil wurde, als die literarisch namenlosen Aufständischen in die Geschichte einzugehen und ihnen schickte Arminius die Varus Legionen in ihre südöstlichsten Wohnsitze nahe der Diemelregion entgegen, wo sie ihn empfingen. Auch in diesem Fall könnte Arminius einen Blick zurück auf die gallischen Feldzüge von Cäsar geworfen haben. Denn auch zur Inszenierung des großen Aufstandes gegen Cäsar unter Vercingetorix war es nötig einen Stamm zu bestimmen, der mit dem Aufstand beginnen sollte. In Gallien waren es damals die Carnuten, die ihn in ihrer Hauptstadt Cenabum auslösten. Er trieb sie also in deren Arme um sie dann in deren Einzugsgebiet letztlich nieder zu werfen. Wie auch bei den Chatten oder Brukterern ist auch an keiner Stelle die Rede davon, dass Varus mit den Marsern einen Bündnisvertrag geschlossen hatte und das ist auch verständlich, denn von einem Volksstamm der noch einige Jahre vorher teile der vor den Römern geflüchteten Sugambrer auf nahm und einst sogar selbst vor den Römern flüchten musste, erwartete man keine Kooperation und erst recht keinen Bündnisvertrag so wie es ihnen mit den Cheruskern aufgrund einer anderen Vorgeschichte noch gelang. Zudem war das marsische Stammesgebiet aufgrund seiner Lage um das Jahr 9 + noch relativ uninteressant und Varus hatte dank der Vorarbeit von Ahenobarbus bei den Cheruskern schließlich schon den richtigen Fuß in der Tür. Einige Historiker vermuten, dass die Marser gar nicht eigenständig waren, sondern das es sich bei ihnen um eine abgespaltete Volksmasse der ehemaligen Sugambrer handelte, was sich aber aufgrund der unklaren Größenverhältnisse der Stämme und der ungenügenden Quellenlage nicht beurteilen lässt. So könnten die zugewanderten Sugambrer neue Siedlungsräume zum Beispiel in der westfälischen Bucht ausgeklammert haben, da diese schon römisch infiltriert waren oder es bot sich dort kein geeigneter Boden mehr zur Bewirtschaftung an und das gebirgige Sauerland war für sie deswegen für neue Siedlungsgründungen nur schwer zu nutzen. Aber die Übergangszone längst des Haarstranges bis an die Grenzen der Chatten bot nicht nur den Sugambrern sondern vielleicht auch den Marsern eine Nische bzw. einen schmalen Siedlungsstreifen. Woraus sich eine Lokalisierung ableiten ließe, dass sich ihre östlichsten Wohngebiete keilförmig dort befanden, wo sich die Diemel um die südliche Egge windet und sich in die Warburger Börde öffnet, ohne sicherlich die chattischen Grenzen anzutasten bzw. dort Unmut auszulösen. Allerdings ist uns aus der Varusschlacht nur der Name der Marser aber nicht der der Sugambrer überliefert, aber dafür hatte ich eine andere Erklärung gefunden. Es sei trotzdem noch mal daran erinnert, dass laut Strabon der Siedlungsraum der Sueben als enorm groß und bereits am Rhein beginnend beschrieben wird, sodass man Marser als auch Sugambrer auch noch als Teilstämme der Sueben betrachten könnte. Schließlich waren es mit dem Semnonen auch der Kernstamm der Sueben die damals mit Arminius gegen die Markomannen antraten. Marser und Sugambrer setzten sich 8 - nahezu zeitgleich in den Osten ab, was eine überzeugende Argumentation zuließe um sich gut vorstellen zu können, dass bei beiden Stämmen eine ausgeprägte Antipathie gegen Rom vorherrschte. Insgesamt betrachtet waren dies alles gleichzeitig auch gute und schlüssige Argumente für Arminius dem Feldherrn Varus gegenüber genau diese Region als Ausgangspunkt der Rebellion zu umschreiben. Varus waren die alten Verhältnisse die aus den Zwangsumsiedelungen herrührten bekannt und alles klang für ihn daher auch sehr plausibel. Aber es gab da für Varus noch einen möglicherweise viel gewichtigeren Grund genau dort in der Südegge einschreiten zu müssen und für Arminius gab es deswegen vielleicht auch kein leichteres Argument als dieses um Varus dorthin zu lotsen. Denn ich sehe hier aus der Sicht Roms und explizit seines Statthalters im Sinne der imperialen Bestrebungen nämlich der großräumigen Provinzialisierung Germaniens etwas viel Bedenklicheres und Bedrohlicheres am Horizont möglicherweise auf sie zukommen bzw. aufflammen. Denn gegenüber den vorherigen Schilderungen die bereits 17 Jahre zurück lagen und in den Zeiten von Tiberius statt fanden, gab es auch noch viel frischere Ereignisse die sich für Varus daher als weitaus kritischer und dramatischer auswirken und eskalieren konnten. Diese waren für ihn sehr konkret und mündeten in ein für ihn gut vorstellbares Szenario bis zum ultimativen Waffengang. Eine Lagezuspitzung vor dem ihn Arminius sicherlich auch gewarnt haben dürfte, denn es passte ausgezeichnet in seine Strategie. Eine von ihm daher bewusst überzogene und aufgebauschte Prophezeiung, fasst schon einer Emser Depesche gleich, mit der Arminius wohl einen durchschlagenden Erfolg bei Varus erzielt haben könnte. Und diese Schilderung wird bei Varus sicherlich sehr besorgte und ernste Blicke ausgelöst haben. Denn Arminius konnte ihm sehr plastisch vor Augen führen, dass sich nun in möglicher Wiederholung eines neuerlichen Flächenbrandes, wie dem gerade erst im Jahre 5 + beendeten Immensum Bellum nun auch die Südstämme erheben könnten bzw. würden oder es gar schon gärte. So hätte sich eine äußerst besorgniserregende Zuspitzung der gesamten militärischen Lage und der teilweise labilen Verhältnisse im Germanenland anbahnen können. Die, ich nenne sie mal Südstämme bestehend aus den Marsern, Chatten oder Sugambrer wurden im Zuge des mehr im Norden jedoch damals unter Einschluss der Cherusker ausgetragenen Immensum Bellum von den Althistorikern nicht erwähnt, sie waren demnach also daran auch nicht beteiligt bzw. davon betroffen gewesen. Das hätte sich nun wie Arminius andeutete schlagartig ändern können. Und hätte zu einer unberechenbaren Gefahr für das Imperium ausarten können. Diese von Arminius geschilderten Unruhen würden sie sich ausweiten, was sehr schnell passieren könnte, würden damit zum Auslöser für einen neu aufflackernden Immensum Bellum. Varus hätte als verantwortlicher Feldherr an der Weser inmitten der Geschehnisse gestanden und musste diese Glut sofort austreten. Er sollte und musste also derartiges unbedingt verhindern und im Keim ersticken, denn für alle daraus entstehenden weiteren Konflikte hätte man ihn persönlich verantwortlich gemacht. Und auch die Warnungen des Segestes wird er in dieser Phase im Hinterkopf gehabt haben und sie gegen die Argumente des Arminius abgewogen haben. Das Argument Immensum Bellum II war letztlich wohl ausschlaggebend für seine Entscheidung gewesen dem Plan des Arminius zu folgen. Dieses Szenario hätte zusätzlich noch den historischen Charme besessen, dass es sich sogar tatsächlich so zugetragen haben könnte und Arminius noch nicht einmal tief in die Trickkiste hätte greifen müssen. Aber was könnte Arminius und die anderen Stammesführer darüber hinaus noch bewogen haben genau in dieses instabile Wespennest den Hinterhalt zu legen um Varus aus der Zugrichtung von Corvey kommend in diese südwestliche Region durch das wellige Vorland zwischen Weser und Egge inmitten der geweiteten Weserlandschaft zu lenken. Die Antwort ist so einfach wie plausibel, denn sie liegt wie vorher schon angedeutet in der Möglichkeit verborgen, die die Egge in dieser Region bietet, um von hier aus noch einen karrentauglichen Aufstieg über den alten Egge Paß erreichen zu können um auf den Eggerücken zu gelangen und später zurück ins Lippetal. Wenn, ja wenn denn die „offene“ Feldschlacht gegen die Aufrührer siegreich abgeschlossen war. Arminius und seine Männer kannten jeden Hohlweg und jede Bachschleife. So war es umso unverdächtiger aber trotzdem für Varus abwegig im Sinne von unwegsam genug ihn vom Hellweg in Richtung Südwest zu steuern. Auch die Landschaft des südlichen Nethegau lag noch im römischen Kontrollbereich der Schwadronen quasi also noch vor der Haustür der Weser Legionen und lief dann langsam am Schwarzbach- und dem Diemeltal in den gebirgigeren Regionen aus. Diese fruchtbare Region der Warburger Börde war den Besatzern also noch bekannt, aber sie gehörte nicht mehr zum cheruskischen Stammesgebiet und noch nicht einmal mehr zu deren Einflusssphäre und wurde und musste daher vorerst auch noch von ihnen ausgeklammert werden. Es war wohl eine Zone wie sie uns Cassius Dio beschrieb als er sagte, die Römer hätten keine zusammenhängende Gebiete besessen, sondern nur willkürlich in jenen Regionen Fuß gefasst, die sie inselartig erobert hatten. Es war für sie noch eine vernachlässigte Region, was sich aber nach den Vorstellungen von Varus bald hätte ändern sollen, denn Hedemünden bildete bereits den zweiten Eckpunkt für die römische Südharzexpansion. Der Hinterhof der Warburger Börde sollte für die Landwirtschaft im Sinne römischer Versorgung erst noch erschlossen werden, denn es war eine ackerbaulich hochwertige Gegend was ihnen nicht verborgen geblieben war. Der Wegstrecke in den Hinterhalt kam eine besondere Bedeutung zu, denn die Römer kannten alle wichtigen Wegeverbindungen der Großregion. Es dürfte keine Wegeverbindung gegeben haben, die ihnen gänzlich unbekannt war, und sie durfte nicht auf dem berühmten Holzweg enden. Varus wäre nicht das Wagnis eingegangen einem Weg zu folgen, der in nahezu völliger Unpassierbarkeit geendet hätte. Auch wollte man es taktisch vermeiden aus dem Hinweg zu den Aufrührern nach dem erwarteten Sieg auch noch einen Rückweg durch den gleichen Schlamm machen zu müssen um dann wieder über den Hellweg ab Brakel nach Anreppen zu gelangen. Von einem Hin - und späteren Rückweg ist uns im übrigen auch von keinem der Althistoriker schriftliches Zeugnisse hinterlassen worden. Man drang also römischerseits in kein völlig fremdes Gebiet vor, denn dazu hatte er zu viele erfahrene Offiziere und Reiterschwadronen an seiner Seite, die den Kontakt auch zu den vielen verstreuten germanischen Dörfern hielten, auch wenn dies nicht regelmäßig statt fand und sie noch nicht alle Stämme in ihrem Sinne unterworfen hatten. Ungeachtet seiner überlieferten Sorglosigkeit, trug er letztlich doch die Verantwortung für seine Legionäre und möglicherweise für hunderte von Zivilisten samt Frauen und Kindern auf Ochsen- und Maultierkarren. Wenn er sie denn mitgenommen hätte, musste der Weg auch grundsätzlich unter den Römern als passierbar gegolten haben. Wesentlich für die Strategie von Arminius war aber seine viel zitierte Kenntnis zur geographischen Gesamtlage der Großregion Ostwestfalen. Zwischen dem Pass durch den Teutoburger Wald bei Horn im Norden nahe dem Velmerstot, und dem Schwarzbachtal durch die Egge im Süden bietet der schroffe Gebirgszug nur noch zwei Passagemöglichkeiten. Beide sind auch schon seit alters her bekannt und galten auch zu römischer Zeit für Troßfahrzeuge bzw. Karren als befahrbar. Es waren der besagte alte Hellweg über die Eggesteilstrecke vor Schwaney von Corvey über Brakel nach Anreppen und natürlich der südliche Wegestrang bzw. Knotenpunkt über den steilen Bördenweg durch die Egge von Warburg in den Westen zur Lippe.
(zuletzt am 15. Februar 2018 um 18:51 Uhr bearbeitet.)
(zuletzt am 15. Februar 2018 um 18:51 Uhr bearbeitet.)
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Die Gnitaheide 

ulrich leyhe, 13:09h
Geschichte vergeht - Landschaften überdauern
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Freitag, 2. Februar 2018
Arminius überzeugte Varus im Vieraugengespräch
ulrich leyhe, 00:27h
Auf die spezifische Philosophie die hinter einem jedem Hinterhalt steckt ging ich bereits ein. Aber damit allein ist es noch nicht getan. Da ein Hinterhalt nur die Methodik der Vorbereitung, so auch eines Waffeneinsatzes beschreibt, bestehen der zweite und dritte Schritt darin sicherzustellen, dass sich der Gegner auch in der gewünschten Formation, Umfang und Zielrichtung in den besagten Hinterhalt begibt und vor allem, dass sich in diesem Hinterhalt ein zwingender Grund verbirgt, der wie hier den Marsch dahin einem Köder gleich auch rechtfertigt, also nötig und sinnvoll erscheinen lässt. In diesem Kapitel widme ich mich daher dem Zwischenschritt und gehe erst im folgenden Kapitel auf die Frage des Köders näher ein. Wie positionierte sich Arminius also in Anbetracht der häufigen Warnungen die Segestes Varus gegenüber vortrug oder geriet er gar unter einen Druck sich rechtfertigen und verteidigen zu müssen. Aus den Quellen lässt sich erschließen, dass Segestes mehr oder weniger deutlich auch Arminius der Rädelsführerschaft mit bezichtigte. Wenn Segestes Varus im Vorfeld der Ereignisse aus taktischen Gründen sogar vorschlug, man möge doch auch ihn also Segestes selbst zusammen mit anderen führenden Germanen gefangen nehmen um so sicherzustellen, dass von diesen wohl wichtigsten Personen des Cheruskerclans somit keine Gefahr mehr für Varus ausgehen könne, so dürfte er auch Arminius darin mit eingeschlossen haben, da dieser nach seiner Rückkehr inzwischen eine Führungsfunktion im Fürstenhaus inne hatte. Offensichtlich vermied Segestes es aber Arminius direkt also im Beisein von Varus bloß zu stellen ihn, mit seinem Verdacht Aug in Aug zu konfrontieren bzw. zu brüskieren. Von den Plänen der Antiromfront hatte Segestes sicherlich Kenntnis gehabt. Diese Unsicherheit erzeugende und spannungsreiche Gemengelage vor dem Abzug der Legionen wird zwangsläufig die Polarisierung bzw. Spaltung der Lager in Warner und Beschwichtiger gefördert und angeheizt haben. Arminius andererseits wird aber auch von den Intrigen des Segestes gewusst haben. Ob er an dem letzten oder mehreren heiklen Gesprächen zwischen Segestes und Varus allerdings mit teilnahm wissen wir nicht. Es hat den Anschein, als ob dies immer nur Gespräche zwischen Segestes und Varus waren, denn es ist schlecht vorstellbar, dass Arminius, wäre er dabei gewesen dies alles Kritik- und Widerspruchslos hingenommen hätte oder um es deutlicher zu sagen, es wäre sicherlich nicht bei einer lediglich verbalen Auseinandersetzung zwischen Segestes und Arminius geblieben. Segestes wird dies daher vermieden haben. Aber auch Arminius wird es verstanden haben, sich bei Varus Gehör zu verschaffen um Segestes indirekt Lügen zu strafen. So wird auch Arminius das Zwiegespräch mit Varus gesucht haben, um seine Stärken auszuspielen sich als dekorierter römischer Ritter auf Basis seiner strategisch, rationalen Gesichtspunkte darzustellen um ihn von der Richtigkeit seiner Einschätzung überzeugen zu können. Aber wie konnte seine Bewertung ausgesehen haben. Er durfte im vertraulichen Gespräch Varus gegenüber den abseits siedelnden, abtrünnigen Rebellen gegen Rom zum Beispiel auf keinen Fall eine allzu große Stärke und Kampfkraft beigemessen bzw. zugebilligt haben, denn sonst hätte sich Varus nicht der überlieferten Sorglosigkeit hingegeben bzw. sich nicht anfänglich sogar wie überliefert im tiefsten Frieden gewähnt haben. Varus durfte keinen Verdacht schöpfen, dass hier was Größeres drohen könnte, aber er sollte trotzdem dazu gebracht werden mit all seinen Kräften in den Hinterhalt aufzubrechen. Der Kontrast dazu wäre der gewesen, dass Varus bei zu kritischer Schilderung und angeratener Vorsicht, was für den germanischen Angriff zweifellos von Nachteil gewesen wäre, zu diversen Maßnahmen wie einer stärkeren Absicherung des Marschzuges, einschließlich eines robust sondierenden Vorauskommandos etc. gegriffen hätte. Im für Arminius ungünstigsten Fall hätte er seine Legionen auch aufteilen, in Alarmstellung versetzen und den Tross auch noch sicher bewacht am Hellweg zurück lassen können. Oder er wäre vielleicht auch gar nicht erst persönlich mit ins Krisengebiet aufgebrochen. Möglicherweise hätte er sogar den vermutlich auch wertvollen Tross aus Sicherheitsgründen auf schnellstem Wege und ohne Umwege den direkten Weg an die Lippe nehmen lassen und hätte ihn gar nicht mit zu den Aufrührern genommen. Denkbar ist auch noch, dass er nur eine Strafexpedition bestehend aus eventuell zwei Legionen zum Eindämmen der Unruhen entsandt haben könnte, und auch in diesem Fall, ohne selbst mit daran teil zu nehmen. Er hätte sogar bei allzu übertriebener Gefahrendarstellung durch Arminius seinen ganzen Rückmarschplan umstellen, verändern oder zeitlich verschieben oder vorziehen können und unter Umständen sogar noch vorher die zwei Legionen des Asprenas hinzu gezogen um die Aufrührer in die Zange nehmen zu können. Eine Legion hätte er dann aus taktischen Gründen auch noch außerhalb der Kampfzone als Ersatzreserve zurück behalten können, so wie es sich für einen Feldherrn gehört und man es vom Imperium in Krisensituationen gewohnt ist. Hätte Arminius die Aufsässigen allerdings als zu harmlos und zu schwach erscheinen lassen und die Niederschlagung als zu unproblematisch geschildert, hätte Varus möglicherweise nur die verbündeten Auxiliareinheiten und mit einer Reiterschwadron gesichert, mit der Beendigung eines kleineren unwesentlichen Scharmützels beauftragt und sich dafür nicht die Mühe gemacht, seinen überdimensionierten Heerwurm einen Schwenk vollziehen zu lassen. Varus sollte sich mit all seinen Kämpfern zu den Abtrünnigen in die gestellte Falle begeben und Arminius suchte den ganzen Erfolg. Arminius musste also für Varus die richtige argumentative Mischung gefunden haben, um ihn mit einer ausgewogenen und überzeugenden Darstellung das Gefahrenpotenzial in seinem Sinne plausibel zu machen. Anders ausgedrückt muss Arminius damals eine geniale Meisterleistung in Sachen Simulation und Manipulation gelungen sein. Und dazu gehörte auch, dass Arminius während der ganzen Zeit über alle seine Schritte bestens informiert gewesen sein musste und Varus keine kurzfristigen Planänderungen anordnen durfte die seine Strategie durchkreuzt und damit gefährdet hätten. Die Eitelkeit von Varus sich die Germanen, die es wagten sich gegen ihn aufzulehnen, sich einmal persönlich anzusehen und bestrafen zu wollen, mag auch mit ein Antrieb gewesen sein um den Kurs vom Hauptweg abweichend zu verändern. Die Legionen unter Varus zogen im Herbst 9 + wie es auch schon in den Jahren 7 + und 8 + bzw. im Frühjahr 9 + also insgesamt 5 mal praktiziert wurde, jeweils problemlos im Herbst und Frühjahr über den allen bekannten Weg hin und zurück, das wusste jeder Germane. Denn der Weg vom Sommerlager zur Lippe und zurück war kein Geheimnis. Bislang verliefen die Märsche reibungslos und warnende Stimmen gab es in den Vorjahren nicht. Varus hatte in den drei Jahren bzw. den jeweiligen Sommermonaten an der Weser bereits sichtbare Strukturen hinterlassen, denn seine Legionäre waren nicht untätig, die er sich nicht mehr kaputt machen lassen wollte. Aber im Herbst 9 + sah er sich nun erstmals genötigt Entscheidungsreife zu zeigen um unter allen Umständen klare Verhältnisse an der Weser zu hinterlassen. Über die Wintermonate seiner Abwesenheit durfte in Ostwestfalen definitiv nichts anbrennen bzw. sich etwas substanziell Kritisches zusammen brauen, was sich bis zum Jahre 10 + hätte verschärfen und aufschaukeln können. Er musste unbedingt noch einmal gegenüber allen ein Exempel statuieren, Handlungsfähigkeit demonstrieren und sah sich daher förmlich gezwungen diesen Exkurs mit einzubauen. Der Umweg war für ihn daher im vollen Umfang „Alternativlos“ wie man heute sagen würde und auch selbst dann, wenn er ihn in seinem Inneren als unbedeutend eingestuft hatte. Zudem musste er unterstreichen, wer Herr im Lande war und wer Recht sprach nämlich er, der Statthalter und sonst niemand und so kam ihm die kleine Revolte vielleicht sogar noch gelegen, um sich Respekt zu verschaffen und um im nächsten Jahr auf eine umso friedlichere, gezähmte und willigere Bevölkerung zu stoßen. Nachdem ich in einem voraus gegangenen Kapitel die römische Hauptverkehrsader von Corvey nach Anreppen über die diversen Ausschlusskriterien und historischen Hinweise definiert habe und in diesem Zusammenhang über die Radiusmethode auch die Regionen ausgeschlossen habe, in denen der Hinterhalt nicht gelegen haben kann, nämlich nördlich der später Hellweg genannten Ost/West verlaufenden Verkehrsverbindung von Höxter nach Paderborn bzw. östlich der Weser verbleibt nur noch die Region die südlich des Hellweges lag. Eine abseitige Landschaft zwischen Egge und Weser die größtenteils von der Nethe entwässert wird und die bei Brakel ihre Richtung nach Osten ändert. Diese Landschaft wird nach Süden hin Warburger Börde bezeichnet und in dieser Region könnten sich die Ereignisse in groben Umrissen wie Arminius sie Varus gegenüber vorspielte hoch geschaukelt haben. Für diesen Teil Ostwestfalens sprechen zahlreiche Hinweise auf die ich im Verlauf meiner weiteren Überlegungen noch näher eingehen werde. Varus kannte die Gegend aus den Darstellungen seiner Ortskundigen und er wollte diese Region neben den strategischen Gesichtspunkten möglicherweise auch wegen der guten Böden ab dem Jahre 10 + sowieso stärker in seinen Machtbereich einverleiben und integrieren um nach und nach ganz Germanien aber zuerst von Corvey nach Süden schrittweise zu provinzialisieren und zwar solange bis das Land lückenlos Rom unterstand und alle rechtsfreien Räume beseitigt waren. Insbesondere die weiten Landstriche die zwischen den Cheruskern und den Chatten lagen galt es zu überbrücken und zu kontrollieren um die Klammerzange nach Süden hin in Richtung Eder und Hedemünden zu schließen. Die Anzahl der römischen Legionen ließ sich nicht mehr endlos aufstocken und die Erschließung Germaniens musste anders als Cäsar es noch in Gallien vollzog insgesamt langsamer angegangen werden, da die Räume ab Germanien nach Norden und Osten immer größer wurden und nahezu endlos erschienen. Corvey war der von ihm auserwählte Anker römischer Expansionspolitik im befreundeten Cheruskerland und somit der vorerst östlichste Fixpunkt dieser Strategie. Erst wenn die Landmasse zwischen Lippe, Weser und Main komplett eingegliedert und befriedet war, konnte man sich auch für die weniger wirtschaftlich ergiebigen Gebiete im Norden und bis zur Elbe interessieren. Und erst dann standen auch die bedeutsamen Erzregionen im und jenseits des Harzes, im Thüringer Becken und darüber hinaus im Focus um sich ihnen verstärkter widmen zu können, Regionen die den römischen Prospektoren schon nicht mehr unbekannt waren. Arminius wird den vorgetäuschten Aufstand rhetorisch und theatralisch verharmlost und so dargestellt haben, dass Varus letztlich immer in dem Glauben blieb, ihn sozusagen im Vorbeigehen aus dem Weg räumen zu können. In diesem Szenario ließe sich auch ein Grund für seine Unvorsichtigkeit sehen und dies würde auch zu den Überlieferungen passen, wie uns der Mensch Varus beschrieben wurde. Augustus hatte sich wohl für einen diesen Aufgaben gegenüber nicht gewachsenen Statthalter entschieden, dem das nötige Fingerspitzengefühl fehlte. Man verschätzte sich aber allgemein nach den erfolgreichen Eroberungszügen und Kriegen im milden und bereits zivilisatorisch weiter entwickelten Mittelmeerraum, dort wo die Mentalität eine völlig andere war und die Uhren anders schlugen, als im kühleren Barbaricum. (zuletzt bearbeitet - 01.02.2018 - 23:05 Uhr)
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Dienstag, 23. Januar 2018
Auch Pomponius Mela gab Denkanstöße zur Varusschlacht
ulrich leyhe, 23:54h
Nicht nur wegen der Ähnlichkeit der Namen Hermine, Irmina und weiteren zu einem anderen weiblichen Vorname nämlich Hermione, möchte ich an dieser Stelle einhaken und auch mal in eine Richtung blicken, die in letzter Zeit weniger im Focus der Forschung stand. Was aber nicht verwundert, da es sich mangels neuer Quellen in vielen Bereichen ?ausgeforscht? hat. Tacitus erwähnte in seinem Werk der Germania unter 2.2 die um das Jahr 98 + entstand den Namen Herminones bzw. Herminonen für eine Gruppe oder einen gemeinsamen Kulturraum germanischer Stämme. Das ist heute der allgemeine Wissensstand, wenn es um die früheste Definition germanischer Eigennamen und deren Ursprünge geht. Der Name Herminonen hat sich mit den anderen beiden germanischen Gruppen den Istväonen/Istwäonen und den Ingävonen/Ingwäonen einen festen Stammplatz in unseren Schulbüchern gesichert. Alle drei Gruppen sind im germanischen Götterhimmel mit Mannus dem gemeinsamen Stammvater der auf den Gott Tuisto zurück zu führen ist fest verankert. Aber letztlich alles was uns Tacitus über die germanische Götterwelt berichten konnte verbirgt sich in diesem einen Satz ?Manno tris filios assignant, e quorum nominibus proximi Oceano Ingaevones, medii Herminones, ceteri Istaevones vocentur? was mit ?dem Mannu schreiben sie drei Söhne zu, nach deren Namen die dem Ozean Nächsten Ingävonen, die in der Mitte Herminonen, die übrigen Istävonen genannt sein sollen? übersetzt wird. Dies berichtete ein Tacitus etwa 90 Jahre nach der Varusschlacht, der zwar nie Germanien mit eigenen Augen sah aber über viele Quellen verfügte. Darunter befanden sich auch die späthellenistischen Reiseberichte des griechischen Geschichtsschreibers Poseidonios ( 135 ? bis 51 ? ) bei dem viele römische Aristokraten studierten. Wahrscheinlich war Poseidonios auch der erste, der das Wort Germanen in der Literatur benutzte. Aber auch Plinius und Pomponius Mela werden auf seinem Wissen aufgebaut haben. Woher Tacitus seine Kenntnisse über die Mythologie der Germanen nahm ist nicht bekannt wir wissen aber, dass er der Verständlichkeit wegen vielen germanischen Göttern und Helden griechische Namen gab. Was aber nicht verwundert, da er hellenistisch erzogen wurde. Um auf die Begrifflichkeit des Wortes Hermionen zurück zu kommen, sei gesagt, dass Tacitus sie nicht nur latinisiert Herminones bzw. Herminonen nannte, sondern er verwendete für sie auch noch den Namen Hermiones. Den Namen Hermiones also nicht Herminones überlieferte noch vor Tacitus und damit als erster Historiker überhaupt der berühmte antike Geograph und Kosmograph Pomponius Mela, er schrieb um 43/44 + also über 5o Jahre vor der Veröffentlichung der taciteischen Germania und damit rund 14 Jahre noch bevor Tacitus geboren wurde. Darauf folgte zeitlich in etwa Plinius (um 23 oder 24 + bis 79 +) der sie dann aber wie Pomponius Mela auch Hermionen nannte und nicht Herminones. Erst danach folgten bei Tacitus (58 + bis um 120 +) beide Schreibweisen gleichzeitig, also sowohl der Name Hermionen, wie er allein von Pomponius Mela und Plinius überliefert ist, als auch in der latinisierten Version der Name Herminonen bzw. Herminones. Alle drei lebten in der römischen Kaiserzeit des 1. Jhd. Nur der zuletzt geborene dieser drei Historiker also Tacitus nannte sie sowohl Herminones als auch Hermiones, während uns die anderen zwei älteren Historiker beide nur den Namen Hermiones überlieferten und nicht Herminones. Die Form Hermiones wird mit einer Reihe von Erklärungen von wissenschaftlicher Seite jedoch als verderbt erklärt und man plädiert dafür statt Hermiones richtigerweise Herminones zu verwenden, indem man u.a. mit einer urgermanischen Sprache argumentiert. Diese Sprache ist allerdings im Vergleich zum Griechischen und Lateinischen nicht fassbar und sie kennt auch niemand. Die Experten stellen also schlicht und einfach die fasst 2000 Jahre alten Überlieferungen der antiken Autoren Pomponius Mela, Plinius und Tacitus als einen Übersetzungsirrtum dar. Der ?verderbte? Name Hermiones wie ihn alle drei antiken Historiker nieder geschrieben haben ist im Gegensatz dazu aber sehr wohl ein Begriff. Denn Hermione ist der Name einer ehemals bedeutenden antiken griechischen Stadt die heute den Namen Ermioni trägt. Der Name dieser Stadt geht auf Hermion den Sohn des Phoroneus zurück und die Stadt soll wie man aus Münzen mit Hermes Prägung ableitet, unter dem Schutz des griechischen Götterboten Hermes gestanden haben. Da Pomponius Mela und Plinius älter waren als Tacitus könnte die ?urform? also Hermiones statt Herminones die zutreffendere, also die richtige von beiden Bezeichnungen gewesen sein und wäre demnach kein ?Verderbnis?. Nimmt man diesen Faden auf, stellt sich die Frage von selbst, was diese beiden römischen Historiker die schon vor Tacitus lebten, dazu bewogen haben könnte, einer Gruppe westgermanischer Stämme im hohen Norden und damit weit ab vom milden Mittelmeerklima einen alten griechischen Namen zu verleihen. Nämlich den Namen der Stadt Hermion auf dem Peloponnes bzw. den Namen seiner Bewohner den Hermionen. Das Imperium orientierte sich in diesen Jahren immer noch sehr am alten Hellas, dem es viel zu verdanken hatte und griechische Namensbezeichnungen zu nutzen, passt daher auch noch gut in die Epoche der römischen Kaiserzeit. Den germanischen Stämmen der Sueben, Hermunduren, Chatten und Cherusker die Plinius alle aufzählte und damit im übertragenden Sinne auch Pomponius Mela, verliehen beide den Sammelnamen Hermionen und sie nannten sie nicht latinisiert Herminonen. Pomponius Mela erwähnte im Gegensatz zu Plinius den Namen Hermiones, zählte aber nicht die Namen der vier Stämme auf wie es nur Plinius tat. Sollte der Name Hermionen auf den griechischen Gott Hermes zurück geführt werden können, dem die antike griechische Stadt Hermione nahe stand, müssen sie dafür einen guten Grund gehabt haben. Da alle drei antiken Autoren zu Zeiten des Varus Ereignisses aber noch nicht geboren bzw. im Falle von Mela zu jung gewesen waren, begegnet uns der Name Hermiones in der Konsequenz auch erst rund 32 Jahre nach der Niederlage in Ostwestfalen. Die Varusschlacht könnte demzufolge den Ausschlag dafür gegeben haben, dass die antiken Historiker dem Verbund der vier Stämme den Namen Hermionen gaben. Diese vier Stämme die nur von Plinius vermutlich aus Basis der Informationen von Pompeius Mela unter dem Sammelbegriff Hermionen zusammen gefasst wurden bestanden aus den Sueben, Hermunduren, Chatten und Cheruskern. Von ihnen sind nur die Cherusker unter Arminius der einzig sicher überlieferte Stamm, der an der Varusschlacht offensiv beteiligt war. Die Teilnahme der Chatten, Marser und Brukterer an der Schlacht wird aber durch eine Reihe belastbarer historischer Hinweise bzw. schriftlicher Fakten ebenfalls untermauert. Während Plinius die Cherusker und Chatten neben den Sueben und Hermunduren in den Sammelbegriff der Hermionen mit aufnimmt, führt er aber die Marser und auch die Brukterer nicht mit auf obwohl sie gegen Varus dabei waren. Wie verhält es sich aber nun mit den von ihm genannten Sueben und den Hermunduren die uns aber nicht namentlich als Stämme überliefert sind, die mit an der Varusschlacht teilnahmen. Von Strabon (63 ? bis etwa 20 +) wissen wir allerdings, dass man die Sueben eigentlich schon gar nicht mehr als einen Stamm bezeichnen sollte. Auf sie trifft eher das Wort Volk zu, da sie sich über einen für damalige Verhältnisse gewaltigen Siedlungsraum ausdehnten. Der Begriff Stamm greift also bei Ihnen definitiv zu kurz. Hinzu kommt, dass die Sueben innerhalb der germanischen Völkergemeinschaft eine herausragende Position inne hatten, denn sie waren ein besonders stolzes Volk und viele germanische Stämme legten einen besonderen Wert darauf, als Sueben betrachtet zu werden. Und innerhalb der Sueben bildeten wiederum die Semnonen den Kern dieses Großvolkes. Nach Cassius Dio sollen sogar viele andere Stämme einen Anspruch darauf erhoben haben, auch als Sueben bezeichnet zu werden. Strabon zufolge sollen die Sueben zwischen dem Rhein und sogar über die Elbe hinaus gesiedelt, also eine beachtliche Landmasse bevölkert haben. Sueben befanden sich auch unter den überlieferten 40.000 Germanen die Tiberius 8 ? gemeinsam mit den Sugambrern wegen ihrer ständigen Rebellionen ins so genannte Keltenland umquartierte. Sie müssen also in der Tat schon relativ nahe am Rhein ihre ersten Siedlungsgebiete gehabt haben. Zahlreiche kleinere und größere Stämme gehörten zum Verbund der Sueben, so auch die Hermunduren, die von Plinius mit zum Bund der Hermionen gerechnet werden. Wenn uns basierend auf Strabon also Plinius die Sueben mehr als ein Volk statt eines Stammes überliefert, so ist es heute nicht mehr nachvollziehbar aus wie viel einzelnen Teilstämmen dieser schon quasi als germanische Nation genannte Stammesverbund bestanden haben könnte und wie umfangreich er war. Immerhin kämpften Sueben schon unter Ariovist im Jahre 58 ? gegen Cäsar und schlug in nur zehn Tagen eine Brücke zu ihnen über den Rhein um ihnen seine Möglichkeiten zu demonstrieren. Und schon vorher siedelte Ariovist die Stämme der Haruden, Vangionen, Triboker, Sedusier, Markomannen und Nemeter auf die die Sueben bereits Einfluss hatten bzw. es sich sogar schon um suebische Teilstämme handelte auf der linken Rheinseite an. Die Sueben waren also eine Macht in Germanien. Das Plinius trotzdem neben diesem gewaltigen Germanenvolk der Sueben noch die Kleinstämme der Cherusker und Chatten separat würdigt in dem er sie erwähnt zeigt aber, dass sich diese Stämme eine gewisse Selbstständigkeit und Besonderheit gegenüber den Sueben bewahrt haben. Auch Strabon bezeichnet diese beiden Stämme als kleine und damit als schwächere Stämme. Sowohl die Brukterer, als auch die Marser überliefert uns Plinius allerdings nicht im Hermionenbund, da er diese vermutlich auch als kleinere Stämme betrachtet und sie im Stammesverbund der Sueben aufgehen ließ. Betrachtet man den von Strabon umrissenen suebischen Siedlungsraum vom Rhein bis zu Elbe der auch noch die suebischen Langobarden und Markomannen mit einschloss, so ist es gut nachvollziehbar, dass sich Plinius nur auf die für ihn wesentlichen Stämme eben die Hauptprotagonisten also die Cherusker und die Chatten die an der Varusschlacht teilnahmen bezog. Unter dem Oberbegriff der Sueben erfasste er dann aber alle anderen Teilnehmerstämme an der Schlacht Denn es stehen bekanntlich noch zahlreiche andere Stämme in dem Verdacht an der Varusschlacht teilgenommen zu haben bzw. Kontingente dafür abgestellt zu haben die Plinius nicht alle aufzählen konnte. Unter dem Dach der Sueben könnten sich daher auch die bei Plinius vermissten Brukterer und Marser befunden haben, denen Plinius in der Konsequenz nicht die Bedeutung gab, wie dem Großvolk der allumfassenden Sueben. So hat Plinius demzufolge die Marser und Brukterer auch nicht mehr explizit erwähnt, obwohl wir wissen, dass diesen Stämmen im Zuge der Schlacht auch eine große Bedeutung zukam, ihnen je ein Legionsadler zustand und es Germanicus im Zuge seiner Rachefeldzüge auch besonders auf sie abgesehen hatte. Wir wissen von Strabon, dass sich die Marser im Zuge der großen Umsiedelungsaktion unter der Regide des Tiberius der Zwangsdeportation entziehen konnten, in dem sie ins Landesinnere entkamen. Da sie im Zuge der Varusschlacht als Teilnehmer erwähnt sind, müssen sie sich demzufolge bis in eggegebirgsnahe Räume zurück gezogen haben. Da es Teilstämme der Sueben waren, die ins Linksrheinische umgesiedelt wurden, während die Marser aber komplett in den Osten entweichen konnten stärkt meine Theorie, dass Plinius auch die Marser zu den Sueben rechnete. Was die Sugambrer anbelangt, so teilten sie mit den nicht näher definierten suebischen Teilstämmen in etwa das gleiche Schicksal, denn auch sie wurden durch die Zwangsdeportation geteilt in links - und rechtsrheinische Sugambrer. Möglicherweise könnte man auch noch die Sugambrer als einen Stamm innerhalb des großen Suebenvolkes bezeichnen und damit dem hermionischen Bund zurechnen. Die Sugambrer werden zwar nicht als ein Teilnehmerstamm der Varusschlacht genannt und fehlen auch in der Plinius Aufstellung, aber die umgesiedelten Sugambrer teilten sich sicherlich die Siedlungsräume gemeinsam mit den Marsern innerhalb des Suebenvolkes. Letzlich und noch vor der Varusschlacht verschwanden aber die Sugambrer vermutlich wegen ihrer geringeren Anzahl aus der Geschichte und den Chroniken und spielten nur noch eine untergeordnete Rolle. Damit schließt sich bis hierhin meine Theorie, dass der hermionische Bund mit den an der Varusschlacht beteiligten Stämmen identisch ist. Aber wie lassen sich die Brukterer außer der Grundannahme, dass es sich bei ihnen auch um einen Teilstamm der Sueben handelte noch in Einklang mit meiner Theorie bringen, da sie zwar an der Varusschlacht teilnahmen, aber von Plinius nicht als Einzelstamm innerhalb des hermionischen Bundes angeführt wurden. Als Plinius, genannt der Ältere uns die Namen des hermionischen Bundes ohne Nennung der Brukterer überlieferte, müsste er rein theoretisch gewusst haben, dass auch die Brukterer an der Varusschlacht teilgenommen hatten, führte sie aber in seiner Aufzählung nicht mit auf. Dafür wird er Gründe gehabt bzw. es mag sie gegeben haben. Pomponius Mela auf den die erste Kunde von den tapferen Hermionen zurück geht, könnte die Namen der germanischen Heldenstämme aus der Varusschlacht nicht alle im Detail gekannt haben und beschränkte sich daher auf seine Auswahl. Plinius übernahm diese später von ihm und hinterließ sie uns. Ursprünglich stammten die Namen aber von Mela. Möglicherweise erkannte Mela aber im Verhalten der Brukterer nicht das herausragende heldenhafte Tun, das er den Cheruskern und Chatten zuschrieb und verglich sie daher ebenso wie die Marser nicht mit den griechischen Hermionen. Als der in Südspanien lebende Mela berichtete, könnte er in dieser Region auch nicht über das Wissen, verfügt haben, dass auch die Brukterer und sinngemäß damit auch die Marser an der Varusschlacht beteiligt waren. Er wusste es also nicht besser und überlieferte sie daher auch nicht an Plinius. Als sich die Teilnehmerstämme an der Varusschlacht in den folgenden Jahren bis Rom herumgesprochen hatten, gelangten sie nach dieser Überlegung erst viele Jahre danach zu Mela nach Algeciras und er konnte sie textuell nicht mehr im Detail verarbeiten. Strabon dessen Endbericht spätestens ins Jahr 19 + fällt, verortete die kleinen Brukterer 600 Stadien östlich des Rheins an der Lippe und meinte damit sicherlich nicht die Luftlinie bei einem so stark mäandrierenden Fluss wie der Lippe vor 2000 Jahren. Er käme mit 600 Stadien allenfalls in die Region um Haltern. Und die großen Brukterer wurden nach seiner Überlieferung über den Flussverlauf der Ems angegriffen und besiegt. Im Zusammenhang mit der Erwähnung der Ems und deren möglicher Schiffbarkeit könnte Strabon also die Siedlungsgebiete der Brukterer noch nicht so weit östlich der Lippe verortet haben. Und auch bei Strabon ließt man nicht, dass die Brukterer an der Varusschlacht beteiligt waren. Ptolemäus war selbst um 150 + noch auf dem Wissenstand, dass die großen Brukterer zu den Sueben gezählt werden. In diesem Fall würde sich also bestätigen, dass auch noch die Brukterer unter dem Dach der Sueben zu finden sind. Und diese suebischen Brukterer wurden wiederum von Mela bzw. Plinius Hermionen genannt und wurden daher auch nicht extra als Einzelstamm erwähnt, zumal auch das Wissen um die Teilnahme der Brukterer an der Varusschlacht im Imperium noch sehr lange nicht durchgängig verbreitet gewesen sein dürfte. Interessant ist noch die Überlieferung von Plinius, dass er die Sueben zum hermionischen Bund rechnet, die Strabon vom Rhein bis zur Elbe verortet. Denn wir sind es heute gewohnt, einen räumlichen, archäologischen und sprachlichen Unterschied zwischen Elb- und Rheinwesergermanen zu machen. Plinius ließ damals aber diese Grenzen fallen. Auch in dieser raumgreifenden Dimension sehe ich einen Hinweis dafür, dass hier nicht ein gemeinsamer hermionischer Kultraum hinweisgebend bzw. das Maß der Dinge war, sondern der gemeinsame Bund im Abwehrkampf gegen die römischen Legionen ausschlaggebend war und uns Plinius bzw. Mela mit seiner Aufzählung darauf aufmerksam macht. Warum hätte auch Plinius uns andernfalls die von Strabon als schwache Stämme geschilderten Cherusker und Chatten also für einen gemeinsamen Kultraum so bedeutend herausstellen sollen. Resüme, es war eben kein Kultraum wie er uns heute immer vor Augen geführt wird, sondern die Keimzelle also der Bund bzw. Zusammenschluss eines Widerstandes. Und daran waren viele beteiligt denn die Allianz gegen Varus war umfangreicher als angenommen und sie brauchte auch einige Tage Zeit um mit dem römischen Koloss von drei Legionen fertig zu werden, denn die Schlacht war beileibe keine begrenzte Handstreichaktion. In der Schlussfolgerung könnte man sagen, dass die antiken drei Historiker Mela, Plinius und Tacitus in der von ihnen überlieferten Bezeichnung der kompletten Hermionen Gruppe eine Identizität zu den einstigen Widersachern des Varus hergestellt haben. Man könnte davon ausgehen, dass Pomponius Mela bzw. Plinius, da sie mit zeitlichem Abstand zur Varusschlacht berichteten, die Hermunduren also die Langobarden auch deswegen noch mit erwähnten, weil sie außer an der Varusschlacht auch als Widersacher von Germanicus in Erscheinung traten, sie in ihnen also auch Teilnehmerstämme an den Rachefeldzügen des Germanicus bei Idistaviso und am Angrivarierdamm erkannten. Tacitus bestätigt es indirekt in seinen Annalen II, 46 im Zusammenhang mit der Entscheidungsschlacht im Jahre 17 + gegen Marbod. Als Arminius vor dem Kampf den Siegeswillen seiner Streitmacht beschwor ritt er zu den einzelnen Verbänden und erinnerte sie daran, wie erfolgreich sie seinerzeit waren, als sie gegen die römischen Legionäre kämpften. Er erwähnte dabei auch die Stämme der "Semnones und Langobardi". Man könnte folglich daraus schließen, dass Arminius bei Idistaviso als auch am Angrivarierdamm die Unterstützung der Hermunduren, Semnonen und Langobarden besaß, was zweifellos plausibel ist. Denn ohne diese Kriegermassen wäre es im Jahre 16 + den Germanen nicht möglich gewesen Germanicus zurück zu weisen. Die "Altstämme" der Chatten, Marser und Brukterer des Jahres 9 + fanden im Schlachtenjahr 16 + keine Erwähnung mehr was man als ein Indiz dafür werten kann, dass sie auch nicht mehr daran beteiligt waren. Dieser Theorie nach geschah dies vermutlich aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen war die Front über sie hinweg gerollt und zum anderen lastete nun auf den Elbestämmen der Druck der Verantwortung sich der römischen Machtübernahme entziehen zu müssen, was sie bewog sich der Arminius Allianz anzuschließen. Die Stämme der Chatten, Marser und Brukterer hatten ihren Anteil am gemeinsamen Widerstand sieben Jahre zuvor geleistet, als die Varusschlacht quasi vor ihrer Haustür statt fand. Hinzu kommt, dass die Distanz die sie ausgehend von ihren Siedlungsräumen bis in die Regionen an Ith und Weser zu überwinden gehabt hätten nicht unerheblich war. Die Germanicus Ereignisse könnten indirekt ebenfalls von Pomponius Mela aufgearbeitet worden sein, da sein Bericht in der Mitte des 1. Jhd. erschien. Pomponius Mela könnte aber über die Hermionen auch einen Bezug zum Gott Hermes gesehen haben. Mela war der Älteste unter den drei Historikern der erstmals den Namen Hermionen einer germanischen Bevölkerungsgruppe gab. Er könnte zwischen dem Jahr Null und 15 + geboren worden sein und war noch Knabe als Varus umkam. In einer Zeit, in der man noch nicht einmal genau den Unterschied zwischen Kelten und Germanen kannte, soll man nach Ansicht moderner Historiker gewusst haben, welche Namen sich die Germanen untereinander gaben bzw. welche Namen sie sich für religiöse Stammeszusammenschlüsse gaben. Es scheint daher kaum vorstellbar zu sein, dass innergermanische Begrifflichkeiten im 1. Jhd. als selbst ein Claudius Ptolemäus noch nicht geboren war, bis zu Pomponius Mela nach Algeciras in Südspanien vorgedrungen sein sollen. Sowohl Mela als auch Plinius werden folglich keinen germanischen Namen für diesen Stammesverbund in der Mitte Germaniens gekannt haben und griffen daher auf einen Namen zurück der aus ihrem griechisch/römischen Kulturkreis stammte. Die gewaltigen Umbrüche im Zuge der Varusschlacht könnten Mela beeinflusst haben Parallelen in die antike Welt zu ziehen und sie dort zu suchen. Dort wurde Mela in der Stadt Hermione fündig und übertrug diesen Namen auf den Verbund der Varusgegner, der vor der Varusschlacht als Begriff gar nicht existierte. Mela bezieht sich in seinen Darstellungen hauptsächlich auf ältere griechische Quellen wie etwa Homers Ilias die ihn inspirierten und worin bereits der Name der antiken griechischen Stadt Hermione Erwähnung findet. Die Tatsache, dass Mela den germanischen Stämmen den Namen Hermionen in Ableitung von Hermione gab, kann mehrere Ursachen haben. Aber die besondere Faszination, die das antike Griechenland des Homer auf Pomponius Mela ausübte war auch ursächlich dafür und ist auch augenscheinlich, dass er passenderweise eine Verbindung zu Griechenland als Namensgeber für einen germanischen Stammesverbund knüpfte und sich daher auf die Taten der glorreichen Hermionen berief. Und auch die antiken Griechen kannten in Notzeiten das Rezept sich zusammen schließen zu müssen, so wie es der attische Seebund, von dem sicherlich auch Mela gehört hat zeigt. So könnte man sich natürlich auch die Frage stellen, welches der beiden Worte letztlich das verderbte ist und ich tippe da noch eher auf das Wort Herminones statt Hermione, oder hat unsere Wissenschaft da vielleicht etwas übersehen. Außerdem sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass uns nur zum Bund der Hermionen die vier möglichen ?varianischen? Teilnehmerstämme überliefert sind und wir keinen einzigen Teilstamm aus der Gruppe der Istävonen oder Ingävonen kennen. So fällt es leicht zu schlussfolgern, in dem man die Behauptung aufstellt, dass dies logisch sei. Denn die Teilstämme der Istävonen oder Ingävonen waren eben nicht an der Varusschlacht beteiligt. Hermione war mit seinen Bewohnern eine äußerst wehrhafte Stadt. Hermionen kämpften gegen die Perser und nahmen am peloponnesischen und trojanischen Krieg teil, waren mit Sparta verbündet und Mitglied im archäischen Bund. Die Hermionen waren infolgedessen der antike Inbegriff von Heldenmut und als solcher verglich Mela sie mit den Cheruskern und drückte den Germanen gegenüber auf diese Weise seinen Respekt aus, in dem er die germanische Volksgruppe nach den Hermionen benannte. Der Kampfesmut der Hermionen war in der antiken Welt bekannt und ihn könnte Mela mit dem starken Widerstandswillen der Germanen gegen Varus gleich gesetzt haben. Es bot sich ihm förmlich an, um die Leistung der germanischen Stämme trefflich abzubilden und zu würdigen. Mela war aber auch stark auf das alte Griechenland und dessen mythische Herkunft fixiert. Und auch Tacitus überliefert uns, dass es bei dem Namen Hermiones für den Bund unter den Westgermanen einen mythischen und damit vielleicht sogar griechischen Ursprung gab und die griechische Mythologie war ihm sicherlich nicht fremd. Aber auch der griechische Gott Hermes kann dafür Pate gestanden haben. Denn Ermionis bzw. Hermione soll prächtig bedeuten und damit den Namen des Gottes Hermes symbolisieren. Wofür stand der griechische Gott Hermes, obwohl er bei den Römern den Namen Mercurius trug und wie ließe sich auch noch seine Gestalt und sein Wirken auf jene Germanen übertragen, die den Römern diese historische Niederlage beibrachten, die Mela als Anhänger griechischer Kultur in dieser Dimension bislang nur aus der antiken Welt Griechenlands kannte, die römischen Erfolge beim Aufbau des Imperiums aber offensichtlich ausklammerte. Hermes war nach der griechischen Mythologie Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten, andererseits aber auch der Gott der Diebe, der Kunsthändler, der Redekunst und der Magie. Als Götterbote verkündete er die Beschlüsse des Zeus, führte aber auch die Seelen der Verstorbenen in die Unterwelt. Überträgt man seine Eigenschaften auf den oder die Varusbezwinger braucht es viel Phantasie. Hermes wird als Statue häufig mit einem geflügelten Helm dargestellt, wie er sich auch oft auf anderen antiken Darstellungen findet. Auch Roma, die Stadtgöttin Roms, trägt auf Münzen einen Flügelhelm. Helme mit Drachenflügeln wurden auch im römischen Reich in den meisten Fällen aber zu zeremoniellen Zwecken getragen, da sie für Kampfhandlungen ungeeignet waren. Arminius könnte im Fundus des Varus auf einen derartigen Helm gestoßen sein, nahm ihn an sich und der letzte Blick römischer Überlebender fiel auf einen Arminius mit eben jenem Hermes Flügelhelm auf dem Kopf wie er sie gerade verhöhnte. Da der Name Armin aus dem Indogermanischen stammen soll und damit eine Verbindung zu den griechischen Urvölkern abgeleitet werden kann, können sich die Erklärungen ermin oder irmin also groß, gewaltig, heldenhaft bzw. arm für Adler oder Adlertöter sprachhistorisch beim geflügelten Gott Hermes noch begegnet sein. Arminius erweckte gegenüber den neuen Machthabern anfänglich den Eindruck, sie alle mit offenen Armen empfangen zu wollen und dem Verkehr freie und sichere Durchfahrt zu garantieren. Er entpuppte sich dann aber als Gott der Diebe, verfügte über große schon magisch anmutende Redekünste gegenüber Varus und übergab dann doch alle getöteten und die Seelen der Römer der Unterwelt, aber mit Kunst hat er sicherlich nicht gehandelt. Ganz anders Varus, er liebte wohl die gepflegten Tischsitten, die Kultur und die Künste und er war auch Anhänger seiner Zeitgenossen Ovid und Vergil von deren Schaffenswerk er sich in Corvey Kopien anfertigen ließ. Auch Kaiser Augustus hatte ein besonderes Verhältnis zu Vergil und wohl auch zum römischen Dichter Ovid, zumindest solange bis er ihn im Jahre 8 + auf Lebenszeit in die Verbannung schickte. Als Augustus unumschränkt herrschte und er Varus nach Germanien entsandte stand die griechische Mythologie dank Augustus im ganzen Imperium und das nicht nur im ?römischen? Corvey hoch im Kurs und auch die Metamorphosen des Ovid gehörten dazu. So verwundert es auch nicht, dass man unter Varus in der noch teilweise auf dem Reißbrett entstehenden Römerstadt Corvey mit den Gestalten der Odyssee die Wände dekorierte und man in der Römerstadt Waldgirmes die übrigens nur 0,3 ha größer war als Corvey mit seinen 7,7 ha etwa 150 km südlich von Corvey und immerhin schon 70 km östlich des Rheins gelegen, eine Glasgemme mit der Darstellung aus dem Mythos der Niobe fand, mit deren Schicksal sich besonders Ovid in seinen Metamorphosen befasste. Gemmen waren in dieser Epoche beliebt wie auch die "Gemma Augustea" mit dem Ziegenbockfisch und dem Abbild mit Kaiser Augustus zeigt. In Ovids Metamorphosen wird Hermes unerkannt aufgenommen und die ganze antike Welt kannte vielleicht noch besser einen Hermes als einen Mercurius. Die Hermionen wurzelten sehr tief in der antiken griechischen Geschichte, denn es ist schon eine Hermione als Tochter des berühmten Königs Menelaos überliefert von der Homer um 850 ? schrieb und vereinzelt wird sie in der Ilias und der Odyssee erwähnt. Und auch noch im römischen Imperium des ersten Jahrhundert war Hermione ein verbreiteter weiblicher Vorname, denn eine Hermione die auch Hermina oder Hermine von Ephesos genannt wird und die 117 + in Ephesus verstarb bezeugt dies. Sie war eine frühchristliche Heilige und Tochter von Philippus, der neben Prochorus dem späteren Bischof von Nikomedia in Bithynien, einer der sieben griechischen Diakone der christlichen Urgemeinde Jerusalems war und die bis zum Beginn des Jüdischen Krieges im Jahres 66 + amtierten. Zufälligerweise stammte übrigens auch Cassius Dio aus Bithynien. Auf dieser Theorie ließe sich der Name Arminius auch noch mit der antiken Welt bzw. dem Gott Hermes verknüpfen. der germanische aber recht undefinierbare Gott Irmin wäre demnach mit dem griechischen Gott Hermes gleichzusetzen. Aber was kann uns Pomponius Mela in Verbindung mit Plinius letztlich vermitteln. Er schuf uns eine sprachliche Brücke von Hermes über die Hermionen zu Irmin und dem römischen Ritter Arminius. Er könnte uns aber auch den Hinweis gegeben haben, dass auch Sueben und Hermunduren mit an der Varusschlacht teilnahmen. Er zog einen unnachahmlichen Vergleich zum Kampfesmut der Hellenen zu dem der Germanen. Er könnte uns mit dem Namen der Hermionen auch die Tür in die griechisch antike Welt und nicht in die germanische des Nordens geöffnet und uns eine Erklärung angeboten haben, warum Varus einen besonderen Geschmack für die Odyssee entwickelte. Er könnte uns endlich erklärt haben, warum man Arminius so gerne mit Flügelhelm darstellt. Aber auch die weiblichen Vornamen Hermina und Hermine abgeleitet von Hermione einem Namen, der heute noch nicht nur in England in Gebrauch ist und den wir nun schon bis ins 1.Jhd. zurück verfolgen können gestattet neue Einblicke. Aber auch der Name Arminius abgeleitet von den Hermionen könnte noch zu einer anderen Herkunft verleiten. Denn er offenbart uns, dass die von Hermes/Irmin abgeleiteten Namen möglicherweise viel ältere Vorfahren hatten als geglaubt und auch Sigfrid, den die Römer Arminius nannten könnte dazu folglich einen Bezug gehabt haben. Bei allen Überlegungen sollte jedoch nicht vergessen werden, das der Hermelin in der englischen vom altsächsischen beeinflussten Sprache Ermine lautet. (22.04.2018/26.04.2021)
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