... newer stories
Mittwoch, 25. April 2018
Wovon lebten die Weserlegionen
ulrich leyhe, 23:02h
Gleich ob römische Legionen militärisch operierten oder als Besatzungstruppen fungierten, ob sie ihre Aktivitäten in Gallien, in Germanien oder anderen Provinzen entfalteten, immer musste sicher gestellt werden, dass ihr Bedarf an Nahrungsmitteln und der ihrer Reit – und Tragtiere nicht Abriss. Besonders Feld- und Eroberungszüge in kriegerischer Absicht ins rechtsrheinische Landesinnere waren daher auch immer besondere logistische Herausforderungen. Die Landgüter, also die Villa Rusticae im gallischen Hinterland wurden in die Pflicht genommen und sie hatten daran sicherlich einen nicht unerheblichen Beitrag zu leisten. Nachschublieferungen aus rückwärtigen Bereichen konnten aber immer ins Stocken geraten, Horrea, also Vorratslager säumten wenn überhaupt auch nicht immer in wünschenswerten Abständen die Zugwege und der Feind empfing sie im Falle von Kampfhandlungen nicht mit gedeckten Tischen, so dass folglich die nötige Nahrung auch über mehrere Tage von ihnen mit geführt werden musste. Diese Maschinerie war sensibel und daher anfällig und manche uns heute rätselhaft erscheinenden Verhaltensweisen römischer Befehlshaber und Feldherren lassen sich möglicherweise mit Versorgungsengpässen erklären. Für uns heute unerklärliche vorzeitige und plötzliche Abbrüche von Feldzügen wie etwa die beiden Germanicus Vorstöße im Frühjahr und Sommer 15 + die uns mehr oder weniger erfolglos erscheinen, könnten auch damit in Zusammenhang gestanden haben. Und von Cäsar selbst wissen wir, dass er aus Furcht vor Getreidemangel den Sueben, die sich vor ihm in undurchdringliche Gebirgswälder geflüchtet hatten, deswegen nicht folgen wollte. Aber auch im Hintergrund stehende Meutereien aufgrund des Ausbleibens von Proviant könnten dafür ursächlich gewesen sein und strategische Auswirkungen gehabt haben. Organisierte germanische Überfälle auf Versorgungszüge wurden zwar nur indirekt überliefert, gehörten aber in Kriegszeiten sicherlich auch zum Repertoire und zur Verteidigungsstrategie einer nicht nur zahlenmäßig sondern auch waffentechnisch schwächeren germanischen Streitmacht. Man behinderte damit den römischen Vormarsch, konnte ihn damit verzögern und in ungünstige Jahreszeiten hinein ausdehnen. Ein unerwartet früher Wintereinbruch mit zugefrorenen Flussläufen, Hochwasser, aber auch Trockenheit machten vieles zunichte und mancher Feldzug wurde möglicherweise wegen derartiger Wetterverhältnisse oder aufgrund der fortschreitenden Jahreszeit erfolglos beendet. Aber davon wie von so vielem, berichteten die Historiker wenig und wir erfuhren es nicht. Jeder Legionär musste also im begrenzten und vorgegebenen Umfang alles nötige bei sich tragen, denn es konnte nicht sicher gestellt werden, dass die Versorgung aus dem Land heraus möglich war. Die Legionen mussten oftmals Wochen - oder monatelang in fremden bzw. unbekannten Regionen bzw. im Feindesland unterwegs sein, wo sie keine Versorgungskontakte zu ihren jeweiligen Winterstandorten bzw. Basis- und Nachschublagern aufrecht erhalten konnten. Aber sie waren dieses Leben letztlich gewohnt und sie konnten damit umgehen, auf sich allein gestellt zu sein. Ist in den Chroniken der antiken Historiker von Verheerungen fremder Landstriche die Rede, oder das man das Vieh der Einheimischen fort trieb, so war dies im Umkehrschluss auch immer ein Akt der Nahrungsmittelbeschaffung. Möglicherweise geschah es im Sommer 15 + schon mit voller Absicht, dass die Brukterer ihre Stammesgebiete rechtzeitig abbrannten, oder besser gesagt um Teile ihrer Ernte unbrauchbar zu machen, damit diese den Legionen nicht in die Hände fallen konnte. So stießen sie auf verbrannte Erde und Stertinius sah sich daraufhin erst gezwungen zur Aufbesserung der eigenen Versorgung später das Land zwischen Ems und Lippe zu verwüsten. Wobei unter dem Begriff “verwüsten” die Nahrungsbeschaffung zu verstehen war. Wir dürfen auch nicht verkennen, dass wir nur die Kriegsberichte der Sieger kennen. Einen weiteren Hinweis auf die Brisanz der Verproviantierung hinterließ uns C. Dio als er schrieb, dass römisches Militärpersonal angeblich wegen räuberischen Verhaltens zur Absicherung, also zum Schutz von Lebensmitteltransporten abgestellt werden musste. Sicherlich gehörte diese Methodik bereits zur germanischen Strategie noch bevor man sie von römischer Seite durchschaute. Man nennt es heute “Taktik der kleinen Nadelstiche”. Und auch ein Jahr zuvor “verwüstete” bereits Germanicus die Siedlungsgebiete der Marser, aber ohne nachhaltigen Erfolg, denn schon ein halbes Jahr später im Frühjahr 15 + konnte ihnen Caecina mit seinen vier niederrheinischen Legionen nur mit Glück entkommen. Der Nahrungsraub wurde in der damaligen Zeit groß geschrieben, zum einen bereicherte man sich selbst und zum anderen schwächte man den Gegner. So ließt sich alles gar so, als ob derartige Übergriffe auf Proviantkolonnen in der "neuen" Provinz Germania schon fasst der Normalzustand waren. Stand jedoch eine feste und längerfristige also ortsbezogene Stationierung bevor, so wird man sich darauf anders vorbereitet haben, dann stimmte die Versorgungslinie, sie war eingerichtet und bestückt, abgesichert und funktionierte auch für damalige Verhältnisse zuverlässig. Im Zuge der Besiedelung besser gesagt der Inbesitznahme der westlich liegenden - cheruskischen Stammesgebiete wird im Vorfeld auch die Nahrungs - und Güterversorgung gemeinsam mit den einheimischen Vertragspartnern ein Thema gewesen sein, das es im Rahmen der Bündnisverträge zu klären galt und was auch stattgefunden haben dürfte. An dieser Stelle zeigt sich, dass die weiter östlich liegenden cheruskischen Stammesterritorien nicht in dem Maße diesem römischen Zivilisations - Sog ausgesetzt waren, wie das unmittelbar betroffene Fürstenhaus des Segimer. Bereits im cheruskischen Leinetal oder erst recht noch in den Nordharzregionen konnte man anfänglich und darunter verstehe ich das Jahr 7 + noch relativ gelassen auf die Umbrüche an der Weser und das Anbrechen neuer Zeiten blicken. Bevor sich nun die römischen Truppen den versorgungstechnischen Herausforderungen stellten und sich für das letzte kritische Teilstück zu Lande vom Lippehafen Anreppen aus über das Kastell Aliso am Alme/Lippe Zusammenfluss an die Weser wappneten, wird man den Bedarf und sicherlich auch die beste Streckenführung auf vorhandenen keltischen Wegen mit den ortskundigen Cheruskern abgestimmt haben oder anders ausgedrückt, man hat ihnen nach damaliger Lesart im unterschwelligen Befehlston eine Bedarfsliste übergeben, was man so von ihnen an der Weser erwartete. Dies sollte garantieren, dass die Versorgung in den Übergangszeiten, bis sich die Legionäre dann über die Sommermonate weitgehend selbst versorgen konnten sichergestellt war. Man wird in dieser Phase auch den Aufbau von Landgütern angegangen haben, aber all das das brauchte seine Zeit. Wenn Fragen nach dem Nahrungsmittelbedarf römischer Verbände in besetzten und anfänglich noch unterversorgten, da noch nicht durch strukturierten Regionen aufgeworfen werden, so spornt dies manchen Logistiker und Mathematiker zu Höchstleistungen an. Im Vordergrund steht dann oftmals der Versuch zu begründen, dass sich die Mägen der Legionäre kaum, dass sich die Versorgung zu den Basislagern am Rhein als zu aufwändig und zeitraubend gestaltet, schon vor Hunger krümmen würden, eine Revolte greifbar scheint und das Projekt Osterweiterung allein dadurch schon nahezu zum Scheitern verurteilt sei. Sobald die schnelle Versorgungsschiene über den Wasserweg der Lippe hinter ihnen lag und man sie gegen den zähen Maultier - und Ochsenkarren Landweg eintauschen musste, überschlagen sich dann die Rechenbeispiele und es brachen nach der Vorstellung vieler moderner Logistiker kaum überbrückbare Notzeiten für die leidgeprüften Legionäre in den Weserlagern an. Von diesem Moment an war es für viele heutige Strategen unabdingbar und unerlässlich, dass jegliche Versorgung der zahlreichen Legionäre an der Weser, gleich an welchem Flussabschnitt sie stationiert waren, nur mit immensen und daher kaum zu leistenden Kraftanstrengungen gelingen konnte bzw. verbunden war. Damit war für viele Historiker die Diskussion um die Existenz eines römischen Sommerlagers an der Weser automatisch gestorben. Denn auf diesem beschwerlichen Wege über staubige oder sumpfige Trassen die erforderliche Tonnage an Nahrungsmitteln und anderen Gebrauchsgegenstände aus der rheinischen Heimat aufrecht zu erhalten, also kontinuierlich sicher zustellen und alles nötige heran zu schaffen, erscheint daher vielen Experten als Fantasiegebilde bzw. nahezu unmöglich aber zumindest doch äußerst fragwürdig. Also insgesamt ein gewichtiger Grund, um die Ostexpansion des Imperiums ab Anreppen, gleich ob in den Norden oder in den Osten in Frage zu stellen und auf dieser Basis anzuzweifeln. Da legt man sich natürlich richtig ins Zeug um den Nahrungsbedarf pro Mann und dann pro Legion hoch zu rechnen. Es werden auf der Grundlage einer möglichen Legionsstärke Kalkulationen angestellt und simuliert, die aber alle letztlich zum Ziel haben sollen zu beweisen, dass sich drei Legionen nie und nimmer ohne gut ausgebaute Versorgungswege und einen kaum abreißenden Strom vergleichbar mit einem ständigen Pendelverkehr artigen Nachschub an Nahrungsmitteln zur Grundversorgung über die Sommermonate am Leben halten konnten. So konnte man es als unmöglich und nicht realisierbar darstellen, dass sich je eine Provinzstadt an der Weser etablieren ließe. Man bedenkt bei alledem aber nicht genügend wie autark römische Legionäre nicht nur in der Aufbauphase agieren konnten. So wird uns natürlich vorgerechnet, dass Hunderte von Lasttieren demnach nahezu Tag und Nacht unterwegs gewesen sein mussten, um in einem steten Prozess und unter Zuhilfenahme zahlreicher Transportschiffe bei Anreppen sicherzustellen, dass die Landnahme erfolgreich umgesetzt werden kann. Um so weiter man sich also vom Haupthafen Anreppen in Richtung Osten aufmachte, um so magerer und karger würde demnach ihre Kost ausfallen um dann irgendwann zwangsläufig versiegen zu müssen. Es heißt zwar der Untergang einer Utopie bedeutet ihren Tod, aber hier in Corvey nahm eine scheinbare utopische Fiktion schon Gestalt an. Da mir keine napoleonischen Feldzugdaten bekannt sind, hier mal zum Vergleich der tägliche Bedarf an Nahrung für die drei Varuslegionen, der sich ohne Berücksichtigung von germanischen oder keltischen Hilfsverbänden in etwa mit der Stärke einer Infanteriedivision aus dem II. Weltkrieg, nämlich 17.900 Mann decken könnte. Demnach wog die Tagesration eines Legionärs etwa 2,2 – 2,5 kg und somit entspricht der tägliche Gesamtbedarf an Nahrung einem Gesamtgewicht von etwa 22 Tonnen. Die tägliche Futterration für ein Reitpferd wird mit etwa 10 kg und etwa 14,5 kg für schwere Zugpferde angesetzt. Das tägliche Gesamtgewicht der Futterrationen für alle Pferde, könnte man sie mit der Pferdeanzahl der Varuslegionen gleich setzen beträge demnach etwa 45 Tonnen. Nachdem ich den „Römerschnellweg“ von Xanten bis Anreppen über die Lippe auch dank der von Ahenobarbus ausgebauten Pontes Longi versorgungstechnisch für unproblematisch und logistisch ausgereift halte, kämen für die Transportkolonnen auf dem etwa 40 Kilometer langen mittleren Teilstück zwischen Anreppen und Brakel für das man etwa zwei Tagesmärsche veranschlagen kann, eine ungleich größere Herausforderung zu, die jedoch durch die günstige Topographie positiv beeinflusst wird, da die Egge ab Schwaney abfällt. So können die im Weserraum erwarteten Nutzlasten über die beladenen Karren bzw. Tragtiere jeweils den unbeschwerlicheren Abstieg vollziehen und den steilen Rückweg über Schwaney zum Anrepper Haupthafen später ohne Last durchführen, was den Transportaufwand erheblich erleichtert. Ab Brakel bietet die Nethe durch die natürlichen Voraussetzungen einer Gefälle bedingten West – Ost Fließrichtung abwärts zur Weser wieder Vorteile für das zu bewegende Transportgut. Denn ab einer angedachten Anlegestelle bei Brakel – Sudheim lassen sich die Lasten bequem auf kleinere Einheiten umladen, um diese dann auf Holzfloßen, Flachbooten oder dergleichen weiter bis Corvey zu treideln oder zu staken. Die Nethe ab Brakel auf mögliche Stauhaltungen zu untersuchen, wäre daher eine vielleicht lohnenswerte historische Aufgabe. Hinzu kommt noch, dass natürlich auch die aus dem Süden zuströmende Weser ebenfalls mit zur Nahrungsversorgung im Raum Corvey beigetragen haben dürfte. Um aber der grundsätzlichen Frage der Versorgung von Besatzungstruppen auf die Spur zu kommen, sollte man aber auch einmal versuchen die Anzahl der an der Weser schon lebenden Germanen zu ermitteln, denn diese Menschen wurde schließlich schon alle satt, noch bevor ein Römer seinen Fuß auf ihren Boden setzte. Der Betrachtungsraum des Kreises Höxter zwischen Höxter, Steinheim, Bad Driburg, Beverungen und Warburg umfasst etwa 1.200 qkm. Je nach Bodengüte, wobei natürlich Bördelandschaften höhere Erträge bringen als Waldgebiete, kann man einen für andere Regionen Germaniens zugrunde gelegten Ansatz übernehmen. Theoretische Hochrechnungen schwanken daher zwischen 8 - 10 Menschen die pro qkm lebten bzw. sich darin oder davon ernähren konnten, während völkerkundliche Untersuchungen für einfache Agrargesellschaften sogar etwa 50 – 60 Einwohner pro qkm nennen. Es ist also ein Unterfangen sich hier auf Größenordnungen festzulegen und selbst Mittelwerte sind trügerisch. Tief angesetzt könnte der Kreis Höxter vor 2.000 Jahren etwa 25 % landwirtschaftlich nutzbare Flächen geboten haben. Spekuliere ich mal als unterste Grenze mit 15 Menschen pro Quadratkilometer, hätten damals im Kreis Höxter auf 1200 qkm Fläche etwa 18.000 Menschen gelebt. Da der Nethegau im Bodenertrag einschließlich der Weserauen etwas über dem Schnitt liegen könnte, ließe sich die Bevölkerungsdichte noch mal höher als in reinen Waldgebieten einschätzen. Hier fließen auch jene Überlegungen mit hinein, die mit der möglichen Kampfkraft der germanischen Ansiedelungen einhergehen, die sich später gegen Varus stellen sollten bzw. wie viel Kämpfer die Germanen auch schon in der unmittelbaren Region also dem Kreis Höxter gegen Varus sammeln konnten. Denn die Frage nach den Männern im wehrfähigen Alter wird ebenso intensiv diskutiert wie jene nach dem Nahrungsbedarf. Die mit der römischen Zuwanderung samt Anhang zu versorgende Personenzahl könnte sich auf eine Fläche von 1.200 qkm verteilt über die sechs Monate der Anwesenheit also grob gesagt in etwa verdoppelt haben. Allerdings kann man von einer größeren Fläche und damit verbunden auch größeren Bevölkerung ausgehen, da ich die Regionen östlich der Weser und nördlich von Höxter nicht mit eingerechnet habe. Es mussten und konnten infolgedessen noch überall und in jeglicher Hinsicht zusätzliche Ressourcen erschlossen werden. Legionäre konnten und mussten zudem ihre Nahrungsmittelbeschaffung auch mit eigener Kraft sicher stellen und auch die Zubereitung zu übernehmen war für sie Teil des militärischen Alltags was anhand der vielen in römischen Lagern ausgegrabenen Backöfen und der Mühlsteine Bestätigung findet. Außerdem kann man davon ausgehen, dass die einheimische Bevölkerung auch nicht alle Möglichkeiten der Nahrungsmittelgewinnung ausgeschöpft hat und sich wenn erforderlich auch noch zusätzliches Brachland durch Rodungen oder Trockenlegungen erschließen bzw. kultivieren ließ. Also ein umfassendes Arbeitsbeschaffungsprogramm für unterforderte römische Legionäre. Man baute in Germanien bislang immer nur soviel an und erzeugte immer nur das, was man plus Sicherheitsbevorratung zur Eigenversorgung brauchte, denn die Nahrungsmittellagerung hatte zu allen Zeiten ihre Tücken und nicht umsonst verließen schließlich in den Anfangsjahren bis die Region winterfest gemacht sein sollte, die Legionen auch noch alljährlich im Herbst die Stammesgebiete der Germanen. In was sich allerdings unser heutiger von der Zivilisation geprägte und verwöhnte Geist und dazu unser von der Natur entwöhnte Magen nicht mehr hinein zu denken vermag, ist die Fähigkeit, die die Menschen noch vor 2.000 Jahren besaßen. Nämlich die, sich am Leben halten zu können und man möge staunen, sogar den Winter überleben konnten. Von Cassius Dio erfuhren wir und seit der Entdeckung der ersten römisch/germanischen und vor allem zivilen Römerstadt Waldgirmes wissen wir es auch noch genauer, dass es nämlich wie Dio schrieb in den römischen Kastellen oder Städten in Germanen bereits florierende Märkte gab, die von den Einheimischen besucht wurden und wo man begann, sich an römisches Leben zu gewöhnen. Und was sich bei Wetzlar noch im Aufbau befand und nur halb fertig wurde, wollte man in Corvey wiederholen, auch wenn die Anzahl der zehn Säulen im römischen Forum von Waldgirmes nicht mit der von Corvey deckungsgleich ist. Ein Handel war also in Gang gesetzt und Handel bedeutet immer, dass beide Seiten zufrieden aus ihm hervorgehen sollten und wollten. Es ließ sich für die Germanen also was verdienen und für wenige Silberplättchen zum Beispiel aus den Lagerstätten bei Goslar, konnte man auch schon einiges aus römischen Landen erwerben aber auch der einfache römische Legionär konnte im Gegenzug zusätzliche Nahrungsmittel einhandeln. Es sollte schließlich alles einen friedlichen Eindruck machen, so wie man es auch in Corvey plante. Wie Funde belegen, konnte man in Waldgirmes auch schon mit “Varusmünzen” seine Rechnung bezahlen, denn Münzen mit seiner “VAR” Gegenstempelung fanden sich im dortigen Grabungsgelände. Der immense Bedarf den die Legionen und ihr großer ziviler Anhang an allem und vielem hatte, dürfte sich nach dem Zuzug etwa im Jahre 7 + schnell herum gesprochen haben und auch die germanischen Sippen und deren Viehzüchter und Hirten aus der weiteren Umgebung haben bis zuletzt sicherlich mit dazu beigetragen die Versorgung der neuen Bewohner sicher zu stellen. Es kommt auch nicht von ungefähr und man kann daher davon ausgehen, dass es auch in den höheren Germanenkreisen und das nicht nur am Hofe des Segestes sehr wohl Befürworter, Nutznießer und Profiteure der römischen Besatzungsmacht gab, zumal auch die germanischen “Salzbarone” der damaligen Zeit sicherlich am Geschäft gut beteiligt gewesen sein dürften. Es war damals nicht anders als heute und der lateinischen Sprache halbwegs mächtige Germanen waren im Alltag unentbehrlich und waren wohl die heimlichen Herrscher der neuen kulturellen Annäherung. Aber auch Germanen waren gute Kaufleute, wie wir von den Angrivariern wissen, die sich mit der Rückgabe schiffbrüchiger Germanicus Legionäre noch etwas nebenbei verdienen konnten. Aber war denn die Nahrungsmittelversorgung für die neuen “Gäste” an der Weser wirklich so aufwändig, knapp, oder gar schlecht bzw. ungenügend sicher gestellt und logistisch grenzwertig, dass man damit eine ganze römische Erschließungsstrategie entlang der Weser in Frage stellen konnte. Wie man weiß sind viele Produkte aber auch Lebewesen die uns die Natur anbietet essbar. Es stellt sich immer nur die Frage, ob sie genießbar bzw. ungiftig sind oder schmecken. Es ist also alles nur eine Frage der Kenntnis und der richtigen Zubereitung von Nahrungsmitteln, die aber leider über die Jahrtausende vielfach verloren gegangen ist. Blicken wir nur rund 1.000 Jahre zurück auf den Speiseplan des Mittelalters, so begegnen uns immer wieder regelmäßig die wenig tief greifenden gleichen Worte der Literaten wie Wurzeln, Dinkel, Beeren, Emmer, Fisch und Wildfleisch. Aber das war beileibe nicht alles, bzw. trifft das Thema nur sehr oberflächlich. Denn diverse Nahrungsmittel deren Namen heutzutage schon für viele Zeitgenossen unaussprechlich klingen und Verwirrung stiften und deren Verzehr dann erst recht zu einer Herausforderung für unseren verwöhnten Gaumen wird, war für die damalige Bevölkerung die den grauen Alltag gewohnt war und die noch keinen Geschmacksverstärker oder gar ein Gourmetmenü kannte und die sogar imstande war, mal mehrere Tage hintereinander das Gleiche oder auch mal gar nichts zu essen nichts Ungewöhnliches. Und die Nulldiät brauchte sich der damalige Mensch auch nicht selbst verordnen die verpasste ihm schnell die nächste Missernte und so konnten und mussten auch Phasen ohne Nahrungsaufnahme überdauert werden. Die Menschen ließen vor Jahrhunderten zum einen keine noch irgendwie genießbaren Reste auf dem Tisch, denn alles wurde verwertet und man verzehrte zudem, wenn möglich auch alle tierischen Produkte sozusagen noch über Mark und Knochen hinaus. Was heute in der Mülltonne landet, war damals die begehrte fettreiche Ernährung und auch Fischgräten samt Kopf konnten noch einige Male für die Suppe bzw. das römische Garum genutzt worden sein, bevor es als Tierfutter endete. Auch die Innereien von Nutztieren wurden daher bis auf wenige ungenießbare Organe verspeist. Für die Flüsse und Bäche in Germanien traf damals noch die Bezeichnung fischreich zu und das in einem für uns heutzutage möglicherweise unvorstellbaren Ausmaß. Der Reusenfang war üblich, das Vorhandensein von Muscheln und Krebsen war überall gegeben, aber auch ein Angebot an wildem Wassergeflügel und auch an Singvögeln und beides besonders während der Zugzeiten war gegeben. Reptilien, Amphibien und kleine Säugetiere waren nutzbar. Und alles unter der Prämisse betrachtet, dass man schließlich jeden auch noch so kleinen Krümel irgendwie verwertete, sei es für Mensch oder Nutztier und das gibt schon einiges her bzw. es kam mehr an Nahrung zusammen als gedacht. Wir nennen diese kleinbäuerliche Lebensform heute eine sich selbst versorgende autarke Bevölkerung, die vielen Menschen in unseren Tagen Angst einflößt, aber auch schon wieder erstrebenswert erscheint. Ich erinnere bei dieser Gelegenheit an eine Episode der Nahrungsmittelversorgung der hiesigen Landeshauptstadt Saarbrücken um die Zeit von 1900. Suchte die höhere Gesellschaft Dienstmädchen, so nahmen diese die Stelle oftmals nur dann an, wenn ihnen die herrschaftliche Familie zusagte, dass es in der Fangzeit den Lachs “nur” an vier Tagen in der Woche geben dürfte und nicht mehr, da es ihnen sonst schlecht werden würde, wenn sie ständig Lachs essen müssten. Die Saar war um diese Zeit ein Fluss der vor Fischen nur gebrodelt haben dürfte. Ein anderes Beispiel stammt aus dem benachbarten Lothringen. Dort gab es noch im 19. Jhd. eine besondere Köstlichkeit und zwar den zwischen heißen Steinen gegarten oder gekochten Igel. Dazu wurden dann zur besonderen Würze bemooste Moselsteine zur Geschmacksverstärkung gleich mit gekocht bzw. gereicht. Würde man mal vor diesem Hintergrund die Transportmengen von Anreppen nach Corvey einer angemessenen Überprüfung unterziehen falls dies überhaupt möglich ist, so käme man unter Umständen auf ganz andere und natürlich reduzierte Tonnagen und alles erscheint nun etwas realistischer. Und damit bin ich noch lange nicht am Ende meiner Delikatessenaufzählung. Im Zuge der Christianisierung und im späteren Mittelalter standen die Sitten und Gebräuche vieler bis dato existierender “Naturvölker”, also unserer Vorfahren unter strengster religiöser Kontrolle. Nur kurz zum Stichwort “Fisch wird nur freitags gegessen”. was bekanntlich die Mönche geschickt zu umgehen wussten, in dem sie den Biber kurzerhand zum Fisch erklärten. Und all das wurde auch vor 2000 Jahren verzehrt. In den Zeiten wurde auch vieles an Wissen über die Nahrungsmittelgewinnung und Zubereitung vor allem, wenn Frauen unter Hexereiverdacht standen, man kennt ja noch die Bezeichnung „Kräuterhexe“ unwiederbringlich vernichtet. Aber es konnte sich auch dank Hildegard von Bingen und anderer noch einiges an Wissen erhalten bzw. wurde über die Haute Cuisine zu neuem Leben erweckt. Wer weiß zum Beispiel, dass es essbare Bäume gibt, dass man also die Blätter von Buchen, Linden oder Birken im Frühjahr zubereiten kann, wenn sie noch besonders mild schmecken und man sie pur oder als Salat essen kann. Beim “Selbstversuch” wird man zum Beispiel feststellen, dass ein derartiges „Blättermenü“ geschmacklich irgendwo zwischen Salat und Gemüse anzusiedeln ist und einen hohen Sättigungswert erreicht, da die Blätter „gebissen“ werden müssen, wenn man sie nicht zu Spinat verarbeitet. Vom Ahorn lassen sich die keimenden Samen und später auch die Früchte für die Küche verwenden und natürlich der Ahornsirup. Wer weiß heute schon, dass man sogar Fichtennadeln und nicht nur die Knospen der Fichten und auch die von anderen Bäumen essen kann, wenn man sie nur zuzubereiten weiß. Frische Triebe der Linde schmecken zum Beispiel sehr natürlich und angenehm mild. Aber damit noch nicht genug. Bucheckern können für viele Gerichte und das Backen von Brot genutzt werden. Viele Formen der Milchverarbeitung standen ebenso auf dem Programm und nicht zu vergessen das Fleisch der Haustiere von Huhn und Gans über Ziege bis zur Kuh. Und nicht zu vergessen, dass älteste domestizierte Haustier der Menschheit das Schaf. Wilde Beeren und wild wachsende Obstsorten in einer Fülle, wie sie unsere Natur durch die heutige Massenproduktion nicht mehr anbietet und sie von unserer Nahrungsmitteltechnikern auch nicht mehr gewünscht ist. Nicht nur viele alte Obst bzw. Apfel- und Birnensorten sind deswegen bereits ausgestorben oder stehen auf der „Roten Liste“. Pilze in vielerlei Formen so auch der schmackhafte Fliegenpilz, wenn man ihn nur richtig zuzubereiten weiß, also auf andere Weise abkocht um die Säuren unschädlich zu machen. Und nicht nur Weinbergschnecken auch vielleicht so manches eiweißreiche Insekt oder Made könnte damals auf dem Teller gelandet sein. Kamen Legionäre aus südlicher liegenden Mittelmeer Anrainer Ländern, wussten sie noch andere Möglichkeiten der Nahrungsversorgung zu nutzen. Auch der wilde Giersch war nicht zu verachten, der auch im Imperium bekannt und weit verbreitet war und in unseren Kriegs- und Hungerjahren genutzt wurde. Blätter, Samen, Früchte, Blüten alles lässt sich vom Giersch verspeisen nur nicht die giftige Wurzel. Brennnesseln, Brennnessel Samen, Bärlauch, Löwenzahn und viele Wurzelarten dürften nicht gefehlt haben und auch vom Sauerklee ließ sich, wie vom Löwenzahn alles verzehren von den Blüten, Wurzeln, Früchten bis zum Samen. Und natürlich der würzige Gundermann als Wildspinat, Sauerampfer, Vogelmiere, Walderdbeere, Himbeere, Brombeere, Heidelbeere, Holunderbeere, Johannisbeere und oftmals auch die Blätter davon, wie von der Erdbeere- oder Himbeere. Und nicht zu vergessen die essbaren Sorten der Kresse oder die essbaren Blüten der Ringelblume. Aber auch Eicheln, Nüsse, wilde Möhren oder Schwarzwurzeln fanden den Weg in den menschlichen Magen. Alles ließ sich gegen den Hunger nutzen. Dazu kamen natürlich auch die gezüchteten und angebauten Gemüsesorten wie Linsen, Erbsen, Bohnen (Pferdebohne), Wurzelgemüse, Kohl, und Runkelrüben, viele Getreidesorten samt der Gerste, aus deren Körnern Graupensuppe gemacht wurde.Mit dem Wissen um die Tatsache, dass die Menschen in der römischen Kaiserzeit unter Augustus von einer klimatisch äußerst günstigen Wärmephase profitieren konnten, war es um die Nahrungsbedingungen auch besser bestellt, die Ernten fielen reichhaltiger aus und es kamen Feld- und andere Früchte zum Anbau die aufgrund dessen besser gedeihen konnten. Da während dieses Klimaoptimum, dass bis 4oo + anhielt sogar in England Wein angebaut werden konnte, kann man sich vorstellen, dass das Leben auch in Germanien wesentlich angenehmer verlief als vermutet und unter einem römischen Winterlager hat man sich dann auch nicht unbedingt eine mit Eiszapfen verzierte Palisadenwand vorzustellen. Fleisch von größeren Wildtieren bis hin zum Elch, Bär und Wisent und natürlich immer wieder Honig. Wobei uns bekanntlich Cäsar in seiner "bello Gallico" persönlich die Elchfangmethode überliefert hat. Menschen sind von Natur aus Omnivoren also Alles (fr) esser die sich immer schon ausgewogen ernähren konnten bzw. mussten. Damit habe ich natürlich nicht ausgeschlossen, dass es zu keinen wie auch immer gearteten Nahrungsmittelversorgungen vom Rhein über die Lippeschiene an die Mittelweser kam. Da es in Westfalen besonders in Haltern auch Spuren gab, die auf die Existenz exotischer, südeuropäischer Nahrungsmittel wie Oliven hinweisen, ist es auch denkbar, dass die Lieferungen von Anreppen nach Corvey sehnlichst erwartet wurden. Aber vielleicht auch nur, weil sie aus Nahrungs - und Genussmitteln bestanden, die Germanien nicht zu bieten hatte. Ich habe damit nur klar stellen wollen, dass es sehr wohl möglich war, dass sich die Legionäre einen großen Teil ihres täglichen Nahrungsbedarfs nicht von der Lippe aus anliefern lassen mussten. Wenn es also wie zuvor dargestellt möglich war den täglichen Nahrungsbedarf der römischen Truppen an der Weser so mit absichern zu helfen, dann bedeutet das in der Konsequenz, dass man auch eine weitaus geringere Tonnage Schwelle an Versorgungsgütern von Anreppen aus zugrunde legen kann, als es rein rechnerisch denkbar wäre und alles erscheint uns plötzlich unter einem anderen Licht. Der von höchster Stelle an Varus ergangene Auftrag auch an der Weser eine Römerstadt zu begründen, erscheint somit auch vor unseren heutigen Augen nicht mehr so undenkbar wie eine Utopie. Und wenn auch immer Fragen offen bleiben werden, so muss diesem wichtigen Punkt der Versorgung die angemessene Aufmerksamkeit geschenkt werden, denn es vereinfacht und erleichtert auch viele andere damit verbundene Diskussionen. Denn wer wollte schon an der Weser Hunger leiden. Und das sich auch germanische Stämme aus der weiteren Umgebung gut und gern und vielleicht noch nicht einmal unter Druck oder Gewaltandrohung an der Versorgung der Legionen an der Weser beteiligten und das die Soldaten des Imperiums auch so manches Verzehrbare in der Region vorfanden um damit den täglichen Speiseplan zu ergänzen macht Sinn. Es war demnach meines Erachtens also relativ unproblematisch zeitlich befristet auch eine größere Bevölkerung satt zu bekommen, wenn es nicht zu unerwarteten Ereignissen bzw. zu Wetter bedingten Missernten kam. Aber selbst damit wäre man wohl fertig geworden. Und die Weiden und Wiesen an Weser und Nethe waren fett um auch die zahlreichen Pferde und die genügsameren Tragtiere mit ausreichend Futter versorgen zu können. Es gab also keinen Grund dafür anzunehmen, dass das Projekt der Provinzialisierung samt einem städtischen urbanen Vorläufer an der Mittelweser an der Versorgungslage hätte scheitern können. Zuletzt bearbeitet - 26.04.2018 - 17:24 Uhr.
... link
Dienstag, 17. April 2018
Das Varus Ereignis - Es sollte uns wie aus einem Guss erscheinen - Zwischenbericht -
ulrich leyhe, 01:24h
In einem ersten Schritt richten sich die an den Schlachtabläufen interessierten Forscheraugen oftmals auf das, was uns die maßgeblichen antiken Chronisten hinter ließen und studieren dazu die pro und kontra Thesen. Dann schauen sie sich die Kommentierungen zum bekannten Fundhorizont vor allem da an, wo er sich auffällig konzentriert und blicken dann auf die Forschungsergebnisse anderer Geschichtsfreunde seien es Experten oder Laien. Aber danach galt der Blick auch schon der geeigneten Topografie. Denn die Geologie ist immer ein wesentlicher Bestandteil und darf nie übersehen werden, da sich über sie viele Ausschlusskriterien definieren lassen. Ob Gebirge, Sumpflandschaften oder Gewässer alles kanalisiert und schränkt die Suchhorizonte ein. Erschwert wird dies zwangsläufig durch alle späteren Versiegelungs- also Bauaktivitäten und die Tatsache, dass wir kaum imstande sind uns unsere Landschaften so vorzustellen, wie sie vor 2000 Jahren ausgesehen haben könnten. Viele Geschichtsfreunde die, wenn sie ihre Recherchen beendet haben und dann zur Feder greifen, hinterlassen uns als Resultat all ihrer Mühsal leider zu oft nur Fragment artige Bruchstücke der Ereignisse, die wie heraus gerissene Schilderungen von Teilabschnitten, oder wie zusammenhanglose Einzelepisoden wirken, gleich ob man dahinter ein Zug Geschehen oder einen Lager Überfall sehen möchte. Aber den einen gelungenen Guss, oder den großen Wurf bzw. ein in sich schlüssiges Gesamtkonzept ließen bislang alle Berichte über die Varus Schlacht missen. Kaum ein davor, kein danach, selten was Überzeugendes, dafür aber viele Wissenslücken und Erklärungsnöte, die sich einfach nicht richtig deuten lassen wollen und die man der Not gehorchend dann offen lässt. Schließt man die Unmöglichkeiten aus, bleibt zwar das Mögliche übrig, aber noch lange nicht die Wahrheit. Ein Teufelskreis, denn desto tiefer man in die Problematik eintaucht, um so mehr neue Fragen tun sich auf. Bei vielen fand das Interesse dann auch an dieser Stelle schnell sein Ende und die Lust an weiterer Recherche versiegte, denn wollte man Historie, Fund und Topografie in Einklang bringen steht man beim Thema Varus Schlacht schnell am Rande der Verzweiflung. Von diesem Moment an ist aber eine offene vorurteilslose und unbeeinflusste Diskussionskultur vonnöten die keine Denkverbote und keine Tabubereiche kennt um in der Sache weiter zu kommen und um den Themen neue Impulse zu geben und zwar möglichst noch bevor wir wieder das große Glück haben uns auf neue Funde stürzen zu können. Geschichtswissenschaft ist zeitlos und große Historiker haben uns schon verlassen, deren Ansichten immer interessant und hilfreich bleiben und viele Geschichtswissenschaftler selbst aus dem 19. Jahrhunderts werden auch heute noch gerne zitiert. Die banale Feststellung, dass die Varus Schlacht nicht isoliert und alleine im Universum der Geschichte steht, gibt Hoffnung und es bleibt uns frei gestellt sich auch mal für die vielen anderen kleinen Überlieferungen und Randnotizen auch aus anderen Ländern und auch aus der oft belächelten Heimatforschung zu interessieren. Man kommt nicht daran vorbei viele Ereignisse vor und auch nach der Schlacht zu bewerten, denn auch sie geben uns viele Hinweise. Ein Kompendium artiges Gesamtwerk aus Expertenhand, das sich bemüht alle Facetten der Varus Schlacht aufzuarbeiten und zu beleuchten ist mir bislang leider noch nicht unter gekommen. Der Marsch beginn und der Endpunkt der Tragödie sind aber nun von mir grob fixiert, und die in den letzten etwa 30 Abschnitten vorgestellten Themen und Theorien lassen bereits eine Silhouette der möglichen Abläufe und Hintergründe, allerdings noch ohne die Details näher zu benennen, erkennen. Die bis hierhin gesetzten Eckpunkte haben meine Visionen aber sicherlich schon transparenter werden lassen und es lässt sich eine durchgängige Plausibilität erkennen. Aber Sie müssen sich jetzt noch auf etwas mehr oder weniger als 100 Abschnitte gefasst machen, in denen ich mich zu den unterschiedlichsten Sichtweisen und Abläufen der Schlacht äußere und mich damit auseinandersetze, um möglichst alle Gedankenketten zu schließen. Erst am Ende meiner Indizien Sammlung sollte sich dann das Ergebnis wie die Wahrheit anhören. Sie wissen ja selbst, es gab auch schon Todesurteile die auf Indizienprozessen beruhten. Keinen Hinweis mag er auch noch so unbedeutend erscheinen, möchte ich dabei auslassen, gleich ob er aus der Feder der Althistoriker oder aus anderen Quellen oder Niederschriften stammt. Um auf diese Weise mithilfe weiterer und bislang auch übersehener Argumente und Fakten den möglichen Sachverhalt zu verdichten und um ihn in das umfassende Weichbild einzufügen, habe ich mich auch diverser literarischer Hinterlassenschaften aus den unterschiedlichsten Disziplinen bedient. Werde mich aber auch weiterhin bei aller Vielseitigkeit meiner Herangehensweise immer bemühen den Kern der Grundstruktur, nämlich das Varus Ereignis nicht aus den Augen zu verlieren. Vielleicht gelingt es mir den einen oder anderen Leser auf den Gedanken zu bringen, mal die eine oder andere der von mir aufgeworfenen und angestoßenen Ideen und Hypothesen aufzugreifen und noch weiter zu vertiefen. So gehört es sich, dass ich in diesem Zusammenhang auch mal das im nächsten Abschnitt folgende interessante Thema mit einbeziehen bzw. zumindest aber mit anreißen möchte, da es sehr häufig Gegenstand und Mittelpunkt diverser strategischer Überlegungen und wissenschaftlicher Auseinandersetzungen ist.
Zuletzt bearbeitet: 16.4.2018 - 23:08 Uhr
Zuletzt bearbeitet: 16.4.2018 - 23:08 Uhr
... link
Donnerstag, 5. April 2018
Der "teuto burgiensi saltu" wie er heute aussieht
ulrich leyhe, 01:30h

... link
Wo befindet sich der lang gesuchte Saltus ? - Nichts leichter als das !
ulrich leyhe, 21:06h
Handschriftlich hinterließ uns Tacitus den folgenden Namenshinweis „teuto burgiensi saltu“. Nach dem ihn dann Altphilologen und Etymologen in der Mangel hatten, hieß er nur noch schlicht „Teutoburger Wald“. Heute wissen wir mehr. Aber bevor ich mich in einem der noch folgenden Abschnitte etwas ausführlicher den damit verbundenen historischen Fakten widme, möchte ich zuerst noch auf die infrastrukturelle und geologische Einbettung des gesuchten Saltus eingehen. Dieser Saltus ist seinem Charakter nach ein, mit einer Schlucht vergleichbarer Geländeeinschnitt, der in unserem Fall begehbar ist, also eine Durchgangsmöglichkeit bietet. Die Natur hat sein Entstehen in Form von Niederschlägen also aufgrund der Witterungseinflüsse geprägt bzw. begünstigt und die Nutzung durch Mensch und Tier hat über die Zeiten ihres zu seinem jetzigen Zustand beigetragen. So präsentiert sich heute der Saltus in der Mittelgebirgslandschaft der Südegge als ein gestaltendes und reliefartig eingekerbtes Element, dass sich kaum zugänglich unter dichter Bewaldung verbirgt. Selbst der Eggegebirgsverein hat den attraktiven Anstieg auf die Paderborner Hochebene vergessen und poetisch ausgedrückt dämmert er nun über jene Zeiten hinweg, als er längst vergessene Weltgeschichte schrieb. Aber die Verkehrsströme die ehedem durch ihn hindurch gingen, lassen für uns noch heute seine Bedeutung erfassen, denn darin liegt auch ein Schlüssel zur Lösung des „Saltus“ Rätsels verborgen. Tacitus hat es sehr kurz und in etwa so zum Ausdruck gebracht als er schrieb, man solle die bleichen Knochen dort suchen, wo sie noch heute im Saltus liegen würden. Er hatte es nicht für erforderlich gehalten, näher auf die Lage und genaue Örtlichkeit einzugehen oder diese zu beschreiben um den späteren Wiederfund zu erleichtern, denn jedes Kind um den Tivoli und erst recht in Germanien wusste damals als Tacitus lange Zeit nach der Schlacht berichtete, wo sich der Saltus befand. Seine Lage war kein Geheimnis, denn es war eine auffällige und unverwechselbare Landmarke die man gar nicht verfehlen konnte, denn „alle Wege“ führten letztlich zum und durch diesen Saltus. Die Germanen benötigten um diese Zeit noch kein Navi und nannten den Saltus in ihrer Sprache wohl eher die „Osnsluoht“ bzw. auf hochdeutsch die Asenschlucht. Der steile und beschwerliche durch mehrere Hohlwege zerfurchte Anstieg des alten Bördenweges zwischen Borlinghausen und Kleinenberg bis zur Saltus Passhöhe, der durch die besagte Eggeschlucht von Warburg in den Westen zum Haarstrang oder zur Lippe weiter führte, gehörte über die Jahrtausende betrachtet zu einem der bedeutendsten Fernwegenetze in Nordwestdeutschland. Und diese Verbindung inmitten von Ostwestfalen war für die Region mindestens so unverzichtbar für den Handel wie der Hellweg von Paderborn nach Höxter. Der Bördenweg der sich im ersten Teilstück aus Richtung Borlinghausen kommend auch Burgweg nennt, da er unmittelbar an der östlich liegenden äußeren Wallung einer Alten Wallburg vorbei führt, war das ältere Pendant zum Diemel nahen Fernweg durch das Tal des Schwarzbachs. Denn der „Saltus“ Burgweg war die kürzere und damit schnellere Verbindung vom Sintfeld und vom Soratgau in die Warburger Börde und zur Weser und dürfte daher sogar schon genutzt worden sein, als unsere frühesten Vorfahren noch keine stabilen Holzkarren besaßen und noch alle Wege zu Fuß, zu Pferde oder mit Lasttieren bewältigen mussten. Er wird vor tausenden von Jahren mehr einer Viehtrift oder einem Trampelpfad geglichen und erst mit den verbesserten Transportmöglichkeiten zunehmend an Karrentauglichkeit gewonnen haben. Das heute noch überall sichtbare eingekerbte Bündel parallel zueinander führender Hohlwege dürfte sich daher auch erst im Zuge der letzten 3ooo Jahre bis zum jetzigen Zustand ausgewaschen haben. Dieser „Bördenpad“ wird daher so alt gewesen sein wie die nacheiszeitliche Menschheitsgeschichte und so lässt sich die Frage wer ihn zuerst nutzte auch leicht beantworten, denn der erste Weg vor den anthropogenen Migrations- und Emigrationsbewegungen war nun mal der Viehtritt der wandernden Herden. Der südlich vom Bördenweg verlaufende und schleifenreiche Schwarzbachpfad bot dazu in späterer Zeit eine komfortablere zumindest aber gleichwertige Alternative, da man über ihn wegen der günstigeren Steigungsverhältnisse bereits umfangreichere und schwergewichtigere Transporte abwickeln konnte. Das im Winkel der Südegge liegende uralte Wegekreuz um die Alte Burg, dass schon in vorgeschichtlicher Zeit intensiv genutzt wurde, kann man daher ohne Übertreibung als ein frühes Drehkreuz der prähistorischen Bevölkerung in dieser Region bezeichnen. Nahe der Alten Burg einer früheren Flucht also Volksburg aus keltischen Zeiten und wohl schon früher mit bedeutsamer Kontrollfunktion der Wege und Grenzverläufe, also im besten Sinne des Wortes eine Teutoburg wie es auch die Worte Diot - oder Dietburg, bzw. Deit- oder Dietweg ausdrücken könnten, begegneten sich zwangsläufig viele Verbindungswege unserer Altvorderen. Dies waren aus dem Norden kommend der Eggekamm- oder Steigweg aus Richtung Altenbeken, der auch „Friesland – Thüringen“ Weg genannt wird und über den, wie die Regionen schon ausdrücken Distanzen von Hunderten von Kilometern überbrückt wurden. Auf diesen Weg stößt im Raum Altenbeken auch die Altstraße „Unter dem Walde“ die südlich des Teutoburger Waldes entlang führt bzw. ihn streift. Aus dem Nordwesten von Lichtenau und Kleinenberg und damit letztlich aus der Region der oberen Lippe wiederum traf der ab Kleinenberg Burgweg genannte Stieg auf das große Wegekreuz, wo sich heute eine kleine Wanderhütte befindet. Während von Westen aus den Rheinlanden der Bördenweg hinzu stieß. Auf dem Bördenweg erreichten dann auch die Menschen die Schnittstelle an der alten Burg, die vorher über den Herßweg oder dem Haarweg aus Richtung Westen kommend dem Wegekreuz nahe der alten Burg zustrebten. Von zusätzlicher Bedeutung war auch die in der Nähe von Nord nach Süd verlaufende Via Regia über die man von Bremen und Paderborn aus über den Obermarsberg bis Süddeutschland gelangte und die auch Frankfurter Weg genannt wird. Über diese stark frequentierte Überlandverbindung gelangte zusätzlicher Waren - und Personenverkehr auch in die Südegge, wodurch die dortigen Verkehrsachsen weitere Aufwertung erfuhren. Letztlich waren es aber alles Reisende, Händler oder Söldner die gezwungen waren fächerartig sowohl von Norden als auch von Westen kommend diesem Nadelöhr zuzustreben, wenn sie in den Südosten Deutschlands nach Thüringen oder Nordhessen gelangen wollten. Aber nicht nur der einfache Nahverkehr von Dorf zu Dorf nutzte diese Felsgasse, natürlich zwängten sich auch alle Heereszüge und später auch Karl der Große auf seinem Weg nach Herstelle durch dieses Nadelöhr. Und alles driftete danach wie auch in der Gegenrichtung wieder auseinander und verlor sich in alle Richtungen. Denn nach dem Abstieg vom Knotenpunkt an der Alten Burg verließ nach Osten wieder ein Bündel an Altstraßen und Hohlwegen die historische Eggeschlucht, nämlich der nördliche und der südliche Bördenweg in Richtung Höxter, oder Beverungen, Herstelle sowie auch der „Friesland – Thüringen“ Weg. Aber der wichtigere für meine Betrachtung war der so genannte nördlich abzweigende Ausläufer des Bördenweges von Borlinghausen in Richtung Peckelsheim. Diese auch Wään- also Wagen- Hellweg und später Poststraßen genannten Trassen, die sich mal als Hohlwege zeigten aber auch ebene Teilstücke aufwiesen, waren auch schon vor 2000 Jahren zu den Zeiten des Varus für die antiken Carrucas und später für die Wään geeignet. Hier an diesem markanten Orte der wegen der Engpaßlage daher zu allen Zeiten auch immer schon große strategische Bedeutung besaß, trafen die Fernreisenden aus allen Richtungen, man würde heute sagen aus aller Herren Länder aufeinander. Es ist daher gut vorstellbar, dass es hier im Raum Kleinenberg und schon vor dem Abstieg nach Borlinghausen auch Tavernen artige Rast- und Übernachtungsmöglichkeiten für die Reisenden zu allen Zeiten gegeben hat. Und es drängt sich nahezu auf, dass auch an solch magischen Plätzen nahe der für alle Reisende gefährlich abschüssigen Egge Hangkante immer schon heilige Haine, Altäre und Weihestätten vorhanden waren, wo den jeweiligen und bevorzugten Gottheiten Opfer jeder Art vor allem aber für jene Götter die man für eine gesunde Heimkehr benötigte, dargebracht wurden. Gerade derart beschwerliche An- und Abstiege waren zu allen Zeiten lebensbedrohlich für Mensch und Tier und hatten schon viele Opfer gefordert. Noch dazu waren es Verschleißfallen für die Achsen und Radnaben der alten Fahrzeuge und damit eine besondere Herausforderung für die frühe Technik. So bat man auch an solchen Orten an jedem Tag aufs Neue um göttlichen Beistand. Und an solchen Orten erkennt man auch wieder die wahre Bedeutung des Wortes Schmiergeld, dass dem Betrag entspricht, den man dem Wagenlenker für das möglichst häufige Fetten bzw. Schmieren der Achse zu geben gewohnt war. An vielen alten Stiegen, so auch im Saarland befinden sich noch heute die Reste uralter Felsreliefs, wie die so genannten „Drei Kapuziner“ nahe Wallerfangen die keltischen Ursprungs sein sollen, deren Tracht aber auch als römisch interpretiert werden kann und die an die große Bedeutung uralter aber vor allem gefährlicher und steiler Verbindungswege erinnern. Hier war es ein Teilabschnitt der alten Römerstraße von Metz nach Mainz. Steinformationen kleine Altäre und Menhire zeugen daher auch vielerorts in der Region um den alten Bördenweg von der Bedeutung dieser Landschaft, die ihre spirituelle Ausstrahlungskraft schon vor sehr langer Zeit verloren hat. Natürlich half die Natur etwas mit und verstreute dort schon vor Jahrtausenden einige für rituelle Zwecke gut geeignete und markante Felsblöcke die viele menschliche Bearbeitungsspuren zeigen. Sehr wichtig für meine Recherchen ist die Tatsache, dass es außer diesen vier wichtigen Wäänstiegen über die Egge zwischen den Externsteinen bei Horn und dem Diemeltal keine anderen Alternativen mehr gab, um die schroffe Egge mit Karren überwinden zu können. Und so lagen im entscheidenden Betrachtungsgebiet auf immerhin fasst 40 Kilometern reiner Luftlinie und ohne Hinzurechnung der Horner Passage auch nur drei seit altersher nutzbare Karrenwege. Diese Faktenlage lässt in der Tat nicht viele Möglichkeiten zu, wenn man sich wie Arminius, Räume für geeignete Hinterhalte suchen musste. Über die gut ausgebaute Hauptverbindung von Höxter nach Anreppen über Brakel hätte man Varus nicht in Bedrängnis bringen können, denn sie taugte nicht dazu gleichzeitig auch als Umweg oder gar noch als Hinterhalt bezeichnet bzw. genutzt zu werden. Dies war die römische Schnellverbindung schlechthin und der zu weit im Süden gelegene Weg an der Wüstung Blankenrode vorbei durch das Schwarzbachtal, beim von einigen Historikern vermuteten Arbalo, passt ebenfalls nicht in die Gesamtbetrachtung, da man für ihn zuerst ins Diemeltal absteigen müsste. Nur der besagte Börden - oder Burgweg der nahe um die heute noch gut im Wald erkennbare Wallanlage der Alten Burg einen Bogen schlägt, verdient sich den Namen Umweg, denn man verbindet mit ihm jene Vorstellungen die man sich vom Klischee her unter einem germanischen Hinterhalt auch plastisch gut vorstellen kann. Und über diese Verbindung erreichten die Römer später auch wieder jenen Fluß Lippe der später bei Vetera in den Rhein mündet und dort stieß man dann auch auf die Kette gut ausgebauter römischer Etappen- bzw. Marschlagerlager. Und möglicherweise auch in direkter Linie auf einen der vermeintlich großen römischen Lippehäfen nahe dem heutigen Lippstadt. Ein Weg der bekanntlich auch von vielen alten Hügelgräbern gesäumt ist. Und über diese Wegeverbindung hätte Varus seinen Zug später nach gewonnener Schlacht gut durch lotsen können, um dort seine ankernde Flotte zu erreichen. Die Römer kannten diese Passage durch den Saltus, ein Abzweig führte von dort auch zum Lager Knebelinghausen und sie war ihnen in etwa vertraut. Sie gehörte aber nicht zu den von ihnen bevorzugten und häufig genutzten Altstraßen. Im Zuge ihrer Fluchtbewegung zog sich ihr Marsch je nach Feindeinwirkung in die Länge oder er ballte sich unnötig zusammen, beides war für sie von Nachteil. Dazu kamen die Umstände enger Wegeverhältnisse, einer ungewohnten und ungeordneten Marschformation, zudem nicht ausgeruht zu sein, ohne trockene Waffen zum Kampf antreten zu müssen und die Tatsache sich einer unerwartet großen Anzahl germanischer Kämpfer sowie der ungünstigen Wetterlage gegenüber zu sehen. So dürften diese Argumente weit aus gravierender für das Debakel gewesen sein, als dass sie sich auf einer schlechteren, aber letztlich doch nutzbaren Wegstrecke in das Aufstandsgebiet hatten manövrieren lassen und es durch den Saltus eigentlich wieder unbeschadet verlassen wollten. Zuletzt bearbeitet am 4.4.18 - 23:46 Uhr.
... link
... older stories