Sonntag, 7. Juni 2026
Der letzte Akt zur Herkunft des Wortes „Falen“
ulrich leyhe, 12:30h
Um den Faden wieder aufzunehmen wo die Cherusker abgeblieben sind muss der Blick tief in die "alfränkschen" Zeiten hinab gleiten. Die fränkischen Reichsannalen die „Annales regni Francorum” wurden von einem uns nicht bekannten Autoren verfasst. Im Zusammenhang mit einem sächsischen Aufstand bei Lübbecke “hlidbeki” im Jahre 775 erscheint erstmals die schriftliche Urform des Wortes „Westfalen“ in der germanisch/lateinischen Schreibweise bzw. Buchstabenfolge “Uuestfal – aos” = “Westfalaos”. In der Folge lautete der für die Forschung wesentliche Teil des Satzes: “.....iterum super Saxones cum exercitu irruens et non minorem stragem ex eis fecit et praedam multam conquisivit super Uuestfalaos .....”. Unter einer Eintragung des Jahres 784 die im Original nicht mehr vorliegt heißt es desweiteren “.....Carolum dimisisset una cum scara contra “WESTFALAOS“ bzw. “....WESTFALI vero voluerunt se congregare ad Lippiam.…“. Als die fränkischen Reichsannalen sich auf das antike Wort „Fallere“ in der Schreibweise „Falaos“ und „Falai“ bzw. „Fali“ stützend zeigt, dass es noch nicht in Vergessenheit geraten oder anders ausgedrückt immer noch eine in Gebrauch befindlich Bezeichnung war. Der Name für eine lokale Bevölkerung der sich zur Lokalisierung des Wohngebietes eines nachgermanischen Volkes eignet. Das Wort „Westfalaos“ fiel erstmals im Jahre 775 als es in der Nähe des Lidbaches zu einem Gefecht kam bei dem Karl der Große einem zuvor vom Hauptheer abgetrennten Kontingent zu Hilfe kommen musste, sodass die Schlacht siegreich beendet werden konnte. Die Quellen berichten, dass es zu einem erhebliches Gemetzel kam bei dem man wohlweislich unter den „Westfalaos“ reiche Beute machte und diese Geiseln stellen mussten. Und da war es, dass Wort „Westfalaos“, dass uns in diesem Kapitel noch mal besonders beschäftigen wird. Die Kampfhandlungen am Lidbach der damals „Hlidbeki“ genannt wurde und von dem die heutige Stadt Lübbecke ihren Namen haben soll, dürften sich im Umfeld des prähistorischen „Hellweg vor dem Sandforde“ ereignet haben dem heute die Bundesstraße 65 weitgehend folgt, da die Geographie der Landschaft in dieser Region andere Verbindungen schlecht zulässt. Da auch die aus Ostfalen anrückenden Heere der Franken diesen Hellweg nutzen mussten ist davon auszugehen, dass sich die Auseinandersetzung so wie auch überliefert am Hlidbach dem heutigen Roncevabach zugetragen haben könnte. Jener Bach der sich in älteren Aufzeichnungen Ronxavabach nannte, was nach fränkischem Ursprung klingt und im Kontext mit der Schlacht bei Roncesvalles gestanden haben könnte Von Minden kommend verlief der Hellweg in Richtung Preußisch - Oldendorf und führte durch den erstmals im 10. Jahrhundert erwähnten Lübbecker Ortsteil Blasheim am Mehner Bach. Ein Fließgewässer etwa fünf Kilometer westlich der Ronceva das sich südlich von Obermehnen etwa 4 Kilometer westlich Bastau Niederung befindet. Eine strategisch betrachtet auffällige Region in der Wiehensenke nahe der bedeutenden eisenzeitlichen vermutlich von Kelten erbauten Wallanlage „Babilonie“ die sich nur etwa drei Kilometer südlich von Blasheim befindet und in dieser Zeit als Verteidigungsanlage gedient haben dürfte. Zwei sowohl geographisch als auch historisch bedeutsame Landmarken am Hellweg die geeignet waren sie in militärische Konflikte einzubeziehen. So waren es nicht nur der markante Eggeaufstieg von Borlinghausen nahe der „Alteburg“ zum Sintfeld vor dem vermutlich das Varusheer letztlich geschlagen wurde und wo die Nachfahren mit der Irminsul jahrhundertelang an das Geschehene erinnerten, der markante Obermarsberg, oder die Furt unter der Brunsburg die gezeigt haben welche Bedeutung natürlich gewachsenen Strukturen seit Menschengedenken haben und so war auch die Hellweg Passage am Rande der Bastau Niederung seit jeher von hohem strategischen Wert. Denn in dieser Region wo sich Karl der Große nachweislich schlug, ließe sich auch der Angrivarierwall aus Germanicus Zeiten verorten. Wie sich das Zusammenleben von Engern und Falen vor dem Einfall der Franken gestaltete ist nicht bekannt. Die Angrivarier kamen aus den unwirtlichen Region nördlich des Wiehengebirges als ein Siedlungsland suchendes Volk in eine Region, die ihnen durch Abwanderungen Raum bot in der aber auch Stämme sesshaft geblieben waren mit denen sie sich zu arrangieren hatten. Wie sich ihr Verhältnis zueinander entwickelte lässt sich unterschiedlich bewerten und beinhaltete wohl bis man sich im Widerstand gegen einen gemeinsamen Gegner einig wurde bzw. werden musste alle Facetten von Ablehnung über Toleranz bis hin zur Akzeptanz. Aus den fränkischen Annalen lässt sich dieses Ungleichgewicht heraus lesen in dem nahezu ausnahmslos nur Angrivariern/Engern als Gegner Erwähnung finden während die Vorbevölkerung, als ob sie nicht existieren würde nicht in Erscheinung tritt. Die Angrivarier besiedelten einst die Sumpfregionen Norddeutschlands breiteten sich vermutlich ab dem 3.Jahrhundert in Wellen nach Süden aus und siedelten als Angarii südlich der Mittelgebirge unter den Westfalaos sowie den Ostfalaos, den Nachfahren jener keltisch – germanischen Mischbevölkerung, sodass die Völker abweichende Vorgeschichten hatten. Nahe Bückeburg stand bei Obernkirchen das „Castrum Bukkaburg“ die später Bückeburg genannte Befestigung die sich zweifellos in einer von Engern besiedelten Region befand und im Zuge der Kapitulation der Engern unter Bruno wahrscheinlich eine zentrale Rolle gespielt hat. Karl dem Großen dem es nach einem erfolgreichen Gefecht wie die Chronisten berichten gelang reiche Beute zu machen machte diese aber, obwohl er im Land der Engern kämpfte unter den „Westfalaos“. Ein Sachstand der irritiert und sich schwer erklären lässt. Es geschah in bzw. am „Hlidbeki“ folglich am „Hlid - Bach aus dem der Name Lidbach wurde der durch Lübbecke floss, dass ihm seinen Namen verdankt. Der Schilderung des Kampfverlaufs nach gelang es den „Westfalaos“ sich als Bauern verkleidet mit versteckten Waffen unter die fränkischen „Futterholer“ zu mischen wodurch dieses von der Hauptmacht abgetrennte fränkische Kontingent unter Druck geriet und Karl der Große herbei eilen musste und sie erfolgreich unterstützen konnte. Demnach waren hier nur wenig entfernt vom Ort der Kapitulation der Angarii eindeutig die „Westfalaos“ und nicht sie die Gegner der Franken wobei in diesem Zusammenhang erstmals das westliche Teilvolk der Falaos erwähnt wird. Das die Engern vermutlich nahe der Bukkaburg die sich im Besitz des engrischen Herrschers Brun befand kapitulierten, die Franken aber am unweit gelegenen Lidbach gegen die Westfalen kämpften muss nicht bedeuten, dass sich das „Lidbach – Gefecht“ schon im Stammensgebiet der Westfalaos ereignete. Fakt ist aber, dass die Westfalaos trotz der voraus gegangenen Kapitulation der Engern den Kampf fortsetzten jedoch unterlagen und ebenfalls Geiseln stellten. Diese als Zeichen der Unterwerfung dienende Handlung war oft der Schlussakt einer statt gefundene Schlacht, entsprach aber nicht unbedingt der Gesamtkapitulation eines Volkes. Grenzverläufe folgten zwar Gesetzmäßigkeiten die weit zurück reichten, die respektiert aber immer wieder neu definiert und den Gegebenheiten angepasst werden mussten. Auch aufgrund der Ungenauigkeit der fränkischen Chroniken finden diese keine Erwähnung, sodass auch nicht erkennbar wird, wo sie 775 zwischen „Angarii“ und „Falaos“ verliefen. Zu flächigen Landnahmen der Angarii im Zuge ihrer Ausbreitung wird es nicht gekommen und nach Süden werden sich Ausdünnungen ergeben haben, sodaß von Enklaven bzw. Siedlungsnester sowohl von Falaos als auch Angarii ausgegangen werden darf. Eine Bewertung der Ereignisse die Fragen aufwerfen wie sich das ursprünglich nördlich des Wiehengebirges siedelnde Volk der Angrivarier, dass die Franken Angarii nannten und später Engern genannt wurde in den Regionen zwischen dem südlichen Wiehengebirgsvorland bis zur Diemel faktisch und nicht nur politisch bemerkbar machte. Ein Volk, das 775 scheinbar kampflos kapitulierte da nichts dergleichen bekannt wurde, während die Westfalaos die Franken am Lidbach attackierten und danach weiter rebellierten bevor sie 779 bei Bocholt den Franken unterlagen. In welchem Ausmaß und Intensität sich die Engern in dem Vakuum etabliert hatten, das sich die durch das teilweise Abwandern von Brukterer nach Westen und das von Cherusker nach Osten auftat und welche Autorität und Einflussnahme ihnen gegenüber den Sessahft gebliebenen dadurch zuwuchs wird nur durch die Dominanz deutlich wie sie in den fränkischen Chroniken zum Ausdruck kommt, ob dies jedoch der damaligen Realität entsprach muss offen bleiben, könnte aber überzogen dargestellt worden sein. Anhand dieser Ereignisse lässt sich einschätzen wo sich die Westgrenze der engrischen Herrschaft befand. Die Angrivarier die sich intervallartig über einen größeren Zeitraum nach Süden ausdehnten um für sich neues Siedlungsgebiet zu erschließen in dem sie in die frei gewordenen Wohngebiete der West- und Ostfalaos eindrangen sollten nach unseren Vorstellungen auch ihre Sprachweise mit eingeführt haben, es aber nicht deutlich welcher oder welche Dialekte sich auf sie zurück führen lassen. Möchte man die Mundarten heran ziehen um sich über sie das Stammesgebiet der Engern von dem der Westfalaos und den Ostfalaos erschließen zu unterscheiden oder abzugrenzen so hat sich die Sprachforschung darauf verständigt ihnen ihr sprachlichen Durchsetzungsvermögen abzusprechen in dem sie den Dialektraum zwischen West – und Ostfalen nicht Engrisch und auch nicht „Westostfälisch“ nannte, sondern den Kunstnamen Ostwestfälisch vergab, da der Dialekt der Region stärker nach Westen als nach Osten tendierte. Da Ostwestfalen in etwa dem einstigen Stammesherzogtum Engern entsprach wurde noch die Bezeichnung Lippe angehangen um der dortigen Sprach- und Herrschaftstradition gerecht zu werden. In den sieben in Ostwestfalen gesprochen Dialektvarianten Ansätze eines angrivarischen bzw. „niedersächsischen Urdialekt“ ausfindig zu machen ist uns bis auf ähnlich klingende Mundarten in Grenznähe nicht mehr vergönnt. Somit könnte das Lidbach Gefecht auch schon im Stammesgebiet der Westfalaos westlich des engrisches Territorium stattgefunden haben und die Franken hätten demnach Engern bereits verlassen. Daraus ließe sich schließen, dass westlich Lübbecke etwa nahe Blasheim die Grenze zwischen Angarii und Westfalaos verlaufen sein könnte. Eine Grenz aber auch eine Sprachregion die auch in den folgenden Jahrhunderten diesen Charakter beibehielt und sich im Fürstentum Minden bzw. in der angrenzenden Grafschaft Ravensberg wieder finden ließe. Gerade mal 23 Jahre vor der Schlacht „am Hlidbeki“ um 751/752 endete in Soissons die Herrschaft der Merowinger. Die Wurzeln der ersten frühfränkischen Herrscherdynastie wurzelten auf beiden Seiten des Niederrhein reichten ins Salland und in die westfälische Bucht bis Ostwestfalen und profitierten von den römisch/antiken Gesellschaftsschichten in Norden Frankreichs deren Nachfolge sie antraten grenzte sich aber von Ripuarien, also auch der „schäle Sick“ ab. Man darf also davon ausgehen, dass schon für sie die Worte „Falaos“ und „Falai“ ein fester Begriff für die rechtsrheinische Bevölkerung waren und die Karolinger den Namen nicht zuerst anwendeten. Als der im 9. Jahrhundert lebende aber namentlich unbekannt gebliebene sächsische Dichter und Geschichtsschreiber aus Corvey dem man daher das Pseudonym „Poeto Saxo“ gab sich zu seiner Zeit auf das Jahr 772 beziehend die fränkischen Reichsannalen zitierte und einen Epos über das Leben Karls des Großen verfasste, nannte er die Regionen „Westfalahi und Ostfalahi“ und nicht „Westfalaos“. So könnte im ersten Fall die Region und im zweiten deren Bewohner gemeint gewesen sein. Bestätigung soll es durch die Analyse des Wortes „Uuestfalaos“ so wie in der Urhandschrift geschrieben steht, finden. In der Einzahl war es der „Uuestfal bzw. fale“ während es ab dem 8. Buchstaben zur Mehrzahl gleich „Uuestfalaos“ wurde. Es wurde zum Grundsteinnamen für eine Großregion für die sich später die Bezeichnung Falen durchsetzen sollte in der aber keine Völkerschaften Fuß gefasst hatten die ihren Ursprung in den Küsten nahen Gebieten hatten. Für die römischen Feldherren begann östlich des Rhein die „Germania Magna“ bzw. das „Barbaricum“ und in dieser Zeit fasste man die Stämme der Meeresanwohner unter dem Begriff Inwäonen zusammen, während man in der Spätantike dazu überging für die plündernden Seeräuber und Piraten unter ihnen die Sammelbezeichnung Saxones zu benutzen. Ein Name der sich von ihren Kurzschwertern den "Sahs" ableitete. Es war ein Exonym also eine Fremd - und keine Eigenbezeichnung hinter der sich vermutlich Chauken, Jüten, Friesen, Kimbern, Angrivarier, Teutonen oder Angeln verbargen. Zu Beginn des 2. Jahrhunderts unterteilte man politisch betrachtet die Stämme in jene die sich mehrheitlich neutral verhielten wie anfänglich die Angrivarier, jene die collaborativ auftraten wie etwa die Chauken oder Friesen und fasste die südlich der Mittelgebirgslinie siedelnden Stämme die sich ihnen kriegerisch verhielten nach dem Jahr 9 + bzw. 16 + unter der Bezeichnung „fides fallere“ im Sinne von, die Treue - bzw. die Verträge brechende zusammen oder nannte sie schlicht Betrüger. Die Franken übernahmen für alle ab dem 6. Jahrhundert den antiken Namen Sachsen als Dachbegriff als auch für die inländischen Völker die nicht an der Küste siedelten und andere Dialekte pflegten. So befand sich von Norden aus betrachtet ab der Region Hannover eine Grenzregion von wo an man ostfälisch aber keine Küstendialekte mehr sprach. So achtete auch die dort lebende Bevölkerung vielleicht um sich sich vom maritim geprägten Dialekt zu unterscheiden bis heute auf eine korrekte Aussprache, was möglicherweise vergleichbar mit dem französischen Nancy ist, wo man im Grenzgebiet zu Lothringen ebenfalls großen Wert auf sprachliche Neutralität legte. Ganz so wie es auch der isländische Mönch Nikulas Bergsson überlieferte als er sich in der Mitte des 12. Jahrhunderts ab Minden mit der westfälischen Zunge konfrontiert sah. Bis heute ist das zum Ostfälischen gerechnete Plattdeutsche des Calenberger und Schaumburger Landes bezeichnend für diese Übergangszone. So lässt sich noch am Dialekt die Ausbreitung der von Römern und Franken auch nicht unbegründet gefürchteten Sachsen nach Süden erkennen. Schon ab dem 3. Jahrhundert bedrohten die seeräuberischen Saxones die vom Imperium beanspruchten Küsten von Gallien und Britannien und siedelten sich im Zuge ihrer Piraterie sogar an der nordgallischen Küste in der heutigen Normandie und Bretagne an. Gegenüber den aufstrebenden Merowingern verhielten sie sich zunächst pragmatisch und arrangierten sich mit ihnen wurden dann aber für ihre Herrschaft zu eine Bedrohung und es kam im 5. Jahrhundert zu heftigen Kämpfen in dessen Folge sich die Sachsen unterwarfen. In der Folge machte man sie zu militärischen Helfern integrierte sie in das merowingische System in dem man sie als Söldner verpflichtete. Aus ihnen wurden Elitekämpfern und sogar ein stehendes Heer bildeten. Für ihre begrenzte kulturelle Eigenständigkeit mussten sie Treue schwören, Steuern zahlen und Kriegsdienst leisten, verschmolzen später mit der fränkisch-gallorömischen Mehrheitsgesellschaft und nahmen den christlichen Glauben an, sodass sie im Laufe des 7. Jahrhunderts zwar als eigenständige Gruppe im westlichen Teil des Frankenreiches unsichtbar wurden aber in ihrer Nachkommenschaft an der normannischen Eroberung Englands wohl nicht ganz unbeteiligt gewesen sein dürften. Die Erfahrungen der Merowinger mit den „gallischen Sachsen“ hatten weitreichende Folgen und man war sich der Tatsache bewusst, dass sich das ursprüngliche Kerngebiet dieses ungestümen und schwer zähmbaren Volkes einen breiten Streifen des Nordseeküstenbereich besiedelte. Und was für Rom die vertragsbrüchigen Cherusker waren, waren für die Franken die unberechenbaren Sachsen. Im Zuge der ab 531 + einsetzenden fränkischen Auseinandersetzungen die ab 772 ihren Höhepunkt erreichten entsann man sich der einst an den gallischen Küsten lebenden Sachsen und die Franken nutzten den Namen für die zusammen hängende Großregionen für die sich kein anderer Name anbot. So wird es verständlich warum Merowinger und Karolinger in ihnen die wesentlichen Gegenspieler sahen und sie es waren, die hinter dem Widerstand gegen sie standen. Dabei verkannten sie jedoch, dass sie es rechts des Rhein mit Stämmen aufzunehmen hatten die auf eine andere Entstehungsgeschichte zurück blickten und mit den Küstensachsen nicht vergleichbar waren. Es waren die Falen und die Engern die sich ihnen entgegen stellten wobei der Ursprung des Wortes Falen schon in der ersten Hälfte des 2. Jahrhundert seinen Ursprung hat, als die Saxones noch weit davon entfernt waren die gallische Küste zu verunsichern. Auch wenn man sich unter den fränkischen Machthabern des Ursprunges und der Bedeutung des Wortes „Falaos“ nicht mehr bewusst war, so kursierte diese einstige historische Bezeichnung und wurde im Zuge ihrer Eroberungszüge parallel angewendet und wieder publik in dem man ins „ Terra Fallatorum einfiel. Falen wurde nach den Germanenkriegen zur Bezeichnung für die betrügerischen Stämme die sich Rom widersetzten, die man schon in antiker Zeit herabwürdigend behandelte und ihnen möglicherweise Schimpfnamen wie „Fallatore“ gab. Und obwohl die Gefechte der fränkischen Heere zwischen Rhein und Weser bekanntermaßen nur gegen Westfalen, Ostfalen und Engern statt fanden warf man sie im Zuge der geschichtlichen Entwicklung pauschal mit den Sachsen in einen Topf warf. Die Neuzeit konnte nicht anders, übernahm die verallgemeinernde Gleichsetzung und nannte die Kämpfe seit dem 19. Jahrhundert „Sachsenkriege“, obwohl sie einen anderen Namen verdient hätten. Zweifelsfrei geht aus den fränkischen Geschichtsquellen mehrfach hervor, dass man gegen die Sachsen kämpfte trotzdem nannten sie es nie Sachsenkrieg, sondern bezeichneten es als Feldzüge, einzelne, aufeinanderfolgende Kriege oder militärische Unternehmungen. Der heutigen Sprachweise „Falen“ auch wenn sie in dieser Form nicht angewendet wird, ging in Italien die heute veraltete literarische Form „ Falsarii“ voraus mit der man in früherer Zeit Betrüger bezeichnete. Eine Region die zu Zeiten Roms umgangssprachlich für die abgefallenen und treulosen Vertragsbrecher gebrandmarkt wurde. Während sich in Italien die lateinische Bezeichnung „Fallatore“ verfestigte und die Zeiten des römischen Reiches somit überdauerte, fiel das Land der Falen westlich und östlich der Weser ab dem Jahre 16 + in die Bedeutungslosigkeit. Außerdem bestand für die dort lebenden Menschen in den folgenden Jahrhunderten keine Notwendigkeit mehr gegenüber einem Imperium Widerstand leisten zu müssen, das sich im Niedergang befand. Insbesondere wegen dem im Verb „fallere“ ruhenden tief sitzenden Synonym für Verwerflichkeit verselbstständigte sich der Begriff und erwies sich innerhalb der alten lateinischen Sprache als äußerst langlebig. So überlebte er etwa im Mittelniederländischen, dem Vorläufer der heutigen niederländischen Sprache wie sie etwa in der Zeit zwischen 1150 und 1500 gesprochen wurde in dem man für das Wort „Versagen oder Scheitern“ noch die unmissverständliche Bezeichnung „falen“ verwendete bzw. aus dem Altfranzösischen das Wort „faillir“ entlehnte und nutzte. Abgeleitet von „fallere“ sind uns aus dem Mittelhochdeutschen auch Worte wie „vaelen“ bzw. „velen“ bekannt. Etwa als „nicht den Erwartungen gerecht werdend“ bzw. „einen Fehler begehend“ und sich hauptsächlich auf die Cherusker bezog, der Stamm bezog der sich der römischen Kultur verweigerte wofür im Englischen die Bezeichnung „fallible“ = fehlbar steht. Der „Falaha Gau“ in Ostfalen dessen Bezeichnung korrekterweise „Hastfala Gau“ lautete da sie älteren Datums war, trug auch die Bezeichnungen Pagus Falhon, bzw. Valun oder Valon Gau was auf abweichende Formen der Verschriftung zurück zu führen sein dürfte als man noch der älteren Schreibweise mit „V“ den Vorzug gab. Etwas ausschweifend betrachtet könnte in einem kleinen verborgenen und beschaulichen Tal am Osthang der Egge durch das die Öse fließt und über die, nahe der Kluskappelle schon der prähistorische und spätere Hellweg von Schwaney nach Brakel führte ein Kern der Lösung ruhen. Jene antike Straßenverbindung die in ihrer östlichen Fortsetzung dem aus römischen Zeiten stammenden Hellweg in Belgien, dem „Helvius sive strata publica“ entsprach und den Namen Helvius von seinem Erbauer bekam. Folgt man ihrem Lauf dann passiert man in Fließrichtung links den Gradberg wo sich aufgrund seines relativ steilen Hanges eine Engstelle auftut die dem Flüsschen Öse seinen Namen gab. Es ist der einzige und klassisch zu nennende Engpass zwischen Paderborn und Höxter der sich aufgrund seiner besonderen geographischen Lage anbietet um darin der Theorie folgend den Untergang des zivilen Trosses verorten zu können, den die so genannten römischen Abstellungen begleiten sollten und den Varus nach dem Verlassen seines Sommerlagers vom militärischen Teil abgetrennt in Richtung Schwaney bzw. Paderborn voraus schicken wollte. Jene seltsame Wortwahl „Abstellungen“ die da unlogisch schon die antiken Historiker verwirrte, da schon damals keiner eine Erklärung dafür hatte, warum Varus im Feindesland auf dem Weg in ein Aufrührergebiet seine Armee nicht zusammen hielt und sich dies bis heute nicht geändert hat und zu fehl geleiteten Schlußfolgerungen führt. Es war der Transport der Wertsachen, die man verständlicherweise nicht auf dem Umweg zu den Rebellen mitnehmen wollte und auf die es die Germanen abgesehen hatten. Ein umfangreicher Tross der aus Sklaven bestand die es zu bewachen galt, sowie aus Kampfes untauglichen Personen aber auch Frauen und Kindern. Sie werden in diesem Zusammenhang letztmalig und einzig erwähnt während von ihnen im Verlauf der Schlacht keine Rede mehr war. Hier vollzog sich obwohl die Germanen auch an römischen Waffen und Rüstungen interessiert waren aus ihrer Sicht der lukrativere Teil der Varusschlacht und hier war die imperiale Enttäuschung über die vertragsbrüchigen Cherusker greifbar und nachvollziehbar. Hier verloren die Römer in der Gradberg Enge das, was noch zusätzlich schmerzte nämlich ihr wertvolles Hab und Gut. Es war ein Parallelgeschehen während die Kampflegionen die sich unterdessen einige Kilometer südöstlich befanden im Zuge eines mehrtägigen Zermürbungmarsches ihr Leben ließen. Da sich die Germanen auch am Reichtum vergriffen hatten sie sich umso mehr des „Fallacia“ schuldig gemacht und sich hier ebenfalls ihren Namen als die falschen und hinterlistigen Betrüger verdient, sodass sich Arminius als der perfekte „Fallaciloquus“ erwies. Insgesamt Ereignisse die im Zuge der Falenforschung nochmal in Erinnerung zu rufen sind. Ebenfalls abgeleitet von „fallere“ lassen sich lateinische Sprachrelikte im Altbayrischen finden, wo man Gauner „Falodn“ nannte aber auch in Österreich wo der Name „Falott“ umgangssprachlich für Halunke oder Lump steht. So war es folgerichtig auch die passende Bezeichnung für ein Volk von Gaunern und Betrügern, denen die Falschheit wie es Tacitus beschrieb schon ins Gesicht geschrieben stand und man wird auch die frappante Ähnlichkeit zwischen den bayrischen und österreichischen Schimpfwörtern „Falodn“ und „Falott“ in Bezug auf die Bewohnern im Osten von Nordrhein – Westfalen kaum übersehen können. Die Bezeichnung behielt ihre Sinnhaftigkeit noch in eine Zeit hinein als Rom die Rheingrenze schon längst aufgegeben hatte bzw. sie nur noch mit Hilfe ihrer einstigen Gegner aufrecht erhalten konnte. Übertrat man die unsichtbare Grenze ins Hinterland der Fallatores wurden jegliche Einfälle vom Rhein- oder Maintal aus gleich welcher Art sie waren auch wenn es den Legionen wie die Schlacht am Harzhorn zeigte gelang germanische Blockaden erfolgreich zu durchbrechen da die Schlachten zwischen 9 + und 16 + ihre Spuren hinterlassen hatten zum Wagnis. Die cheruskischen Germanen an der Mittelweser werden schon bevor die Völker ab etwa 375 verstärkt zu wandern begannen keine Vorstellungen mehr davon gehabt haben, warum die Legionäre sie „Falsarii“ nannten. Der Name unter dem sie später Geschichte schreiben sollten als die Merowinger ihn übernahmen, ihn auf ihre Nachfahren anwendeten und begannen dem einzelnen Gau oder der lokalen Ansiedlung den Namen zu geben, den sie für die Gesamtheit der eingessenen Bevölkerung nutzten. Eine Theorie die darauf fusst, dass Gaue und Ortschaften mit „Falenbezug“ ihre Namen erst unter karolingischem Einfluss bekamen eine Zeit in der zahlreiche Orte den Karolingern ihre Namen verdanken. Während Gaunamen die aus der Sagenzeit stammten also bevor sie verschriften werden konnten und sich noch „zuraunte“ älteren Datums waren. So erging es den Falen nicht anders als den Sachsen die sich ebenfalls mit einem Exonym arrangieren mussten bis sie es adaptierten und die Geschichte langsam begann die alten Stammesnamen zu vergessen. Aber es dauerte wie etwa beim Namen der „wilden“ Cherusker wie Claudian sie noch um 398 nannte oder Venantius Fortunatus der sie zu Lebzeiten des Bischofs Felix von Nantes, der 582 verstarb noch mit den Sachsen verglich bis sie dank Tacitus im 9. Jahrhundert endgültig wieder auf die zeitgenössische Bühne zurück kehrten bis er vom Sammelbegriff „Falaos“ verdrängt wurde. In diesem Zusammenhang nutzte Venantius Fortunatus auch den Namen Sicambri, den wir von der schälen „Sic“ her kennen um damit die Franken zu bezeichnen, war also der Auffassung, dass die Cherusker die Vorfahren der Sachsen waren als diese von den Merowinger „Falaos“ genannt wurden. Die Forschungsgeschichte der Volksnamen führte zu dem Ergebnis, dass die Franken als sie sich im 3. und 4. Jahrhundert formierten für viele germanischen Stämme und Völker eigene Namen prägten um sich von ihnen abzugrenzen. Wesentlich und deutlich wird in diesem Zusammenhang, dass die Franken lateinische Bezeichnungen weiter führten und auch nach kulturellen oder geografischen Merkmalen unterschieden. Damit brachten sie ihre Macht zum Ausdruck, inszenierten ihre Einzigartigkeit und stärkten ihre Identität, sodass der Name Falaos einen kontinuierlichen Eingang in die spätgermanische bzw. frühmittelalterliche Mundart fand. Die ursprüngliche Bestimmung des Wortes „Falaos“, wechselte seine Bedeutung und veränderte die Wahrnehmung, sodass die Menschen auf die die Franken es anwendeten darin kein Schimpfwort sahen und spätere Generationen es als ihren Eigennamen verstanden. Mit dem Einzug der Verschriftung nahm es von der Mundart beeinflusst auch zwangsläufig andere Schreibweisen an. Wissenschaft war dünn gesät und Informationen wonach es Klosterinsassen gab, die an den Ursprüngen des Wortes „Falaos“ Interesse gezeigt hätten liegen nicht vor, sodass keine anderen älteren Deutungen bekannt wurden. So wurde bislang keine Spur erkennbar, wonach man es mit dem lateinischen Wort „Fallatore“ in Verbindung gebracht hätte. In dem man in der Neuzeit begann das Wort Falen nahezu „Gebetsmühlenhaft“ immer wieder auf flaches Land, Ebenen oder fahle Hautfarben etc. zurück führte und sogar in den jahrtausendealten indogermanischen Sprachwurzeln nach Lösungen suchte ließ es die Forschung letzlich doch rat- und hilflos zurück, da diese Erklärungen nicht überzeugen konnten. So begann nach dieser Theorie alles mit dem Zorn der römischen Besatzer, die für ihre Gegner nach der Varusschlacht nicht anders konnten und das lateinische Wort „Fallere“ bzw. „Fallatore“ für sie prägten. Ein feindseliger Begriff der an ihnen haften blieb und aus dem sich im frühen Mittelalter zunächst das fränkisch/latinisierte und 775 erstmals verschriftete Wort „Falaos“ entwickelte. Es folgten noch in fränkischer Zeit Namen wie „Falai“ bzw. „West- oder Ostfalahi“, bevor es in der Sprache der einheimischen Ostfalen in Verbindung mit der karolingischen Landnahme„seßhaft“ wurde und sich Worte wie „Valen“ bzw. „Phalen“ bildeten, bis es beim Wort Falen stehen blieb. Der karolingischen Renaissance sei gedankt, denn hätte es diese Epoche bzw. Zeitabschnitt nicht gegeben, hätte sich auch kein Bezug zum antiken Wort „Fallere“ bzw. „Fallatore“ erkennbar gemacht und etymologische Deutungsversuche in diese Richtung hätten sich erübrigt. Drei Mal „hätte“ in einem Satz zeigt zu welch kuriosen Schlussfolgerungen die Geschichtsforschung manchmal fähig sein muss um der möglichen Wahrheit näher zu kommen. Teile des fränkischen Adelsgeschlechts der Merowinger die als Salfranken schon ab 420 ins zur Neige gehende Imperium einwanderten entstammten den Sigambrern. Einem germanischen Stamm der wegen seines gegen Rom gerichteteten aggressiven Kampfgeistes von Tiberius 8 – auf die linke Rheinseite zwangsumgesiedelt wurde, in Teilen im alten Stammesgebiet unter römischer Duldung sesshaft bleiben durfte, sich aber auch zur Flucht in den Osten vermutlich zu den Marsern entschied und möglicherweise auch an der Varusschlacht teilnahm. Es beantwortet die Frage wie die seinerzeit von den römischen Zeitgenossen für die vertragsbrüchigen Germanen erdachten Schimpfworte übergangslos von der Antike ins frühe Mittelalter und in den Sprachgebrauch der fränkischen Erben Roms gelangten. Indirekt war der Merowingerkönig Chlodwig da er sigambrischer Abstammung war selbst ein „Falaos“. Denn zu ihren Zeiten siedelten die Sigambrer die links und rechts des Rhein stammten aber urspünglich von der rechten der nun fälischen Rheinseite, sodass die Sigambrer poetisch ausgedrückt mit an der Wiege der Franken und damit auch der Karolinger standen. So war das Wort„Falaos“ vorhanden und bedurfte keiner neuen Wortschöpfung und den Sinn des darin ruhenden antike Urwortes, dass sie übernahmen zu erforschen lag auch ihnen fern. So waren ohne den Hintergrund zu kennen Worte wie etwa „Fallatore“ bzw. „Falaisii“ für ein betrügerisches Volk auch noch im fränkischen Milieu vorherrschend und ließen sich dem Klang nach gut für die neuen Widersacher weiter benutzen. In früheren Schriften der gehobenen antik/lateinischen Literatur sollte sich ein Wort wie „Falaos“ nicht niederschlagen, fuhr nur auf dem Trittbrett der Geschichte mit und führte ohne das man es beim Namen nannte ein Leben zwischen den Zeilen. Bis zur zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts als die karolingischen Franken mit der Verschriftlichung der germanischen Volkssprache begannen fand nur die lateinische Schrift Verwendung aber die Schreibweise des Wortes „Uuestfalaos“ verrät aufgrund des zweifachen „U“ erste althochdeutsche Einflüsse. So überlebte der römischem Zorn entsprungene Begriffe die Zeiten und begann sich um 775 auch im östlichen Frankenreich durchzusetzen bis auch die Nachwelt ihn nutzte und man dem Land und seinen Bewohnern den Namen „Falaos“ und später Falen gab. Ein Wort das sich im Kürzel NRW bis heute erhielt. Nicht zu verkennen ist, dass sich das Imperium nach dem fehl geschlagenen Markomannenfeldzug. dem aufwendigen Pannonienkrieg, der verlorenen Varusschlacht und den darauf folgenden gescheiterten Racheaktionen nur eine vorübergehende Schwächephase leistete, sich aber in den folgenden Jahrzehnten zu neuen Höchstleistungen aufschwang was sie langfristig betrachtet zum Sieger der Zeitgeschichte machte. Obwohl es sich plausibel machen lässt, dass die Empörung über die Niederlage in der Antike explizit nach dem Jahr 16 + ihren Anfang nahm wird man einen eindeutigen also beweiskräftigen Hinweis, wonach zwar die Cherusker bezogen auf ihren Namen der Historie entschwanden, aber als Falen wieder zurück kehrten bzw. sesshaft blieben im Sinne der Falsarii/Fallere/Falen Theorie vergeblich suchen. Die Egge markierte basierend auf den historischen Erkenntnissen einst die Westgrenze der „Falaos cheruskischer Abstammung“ gegenüber den „Falaos brukterischer Abstammung“. Nur diese bei Lübbecke gegen Kal den Großen kämpfenden Nachfahren der Brukterer nannten die Reichschroniken 775 zunächst „Westfalaos“, während man den „Falaos cheruskischer Abstammung“ die im Zuge engrischer Einwanderung über die Weser gedrängt wurden in der Folge den Namen „Ostfalaos“ gab. Beide Völker stießen bevor die Angrivarier im Zuge ihrer Südwärtsbewegung den Namen Engern annahmen im Umfeld der Porta Westfalica an deren einstige Siedlungsgebiete nördlich des Wiehengebirges. Die Ausbreitung der Angrivarier südlich davon in die Wohngebiete der dort siedelnden „cheruskischen Falaos“ als auch der „brukterischen Falaos“ führte in der Konsequenz zur Entstehung des Ostwestfälischen und seinen Unterdialekten und während sich im Lippischen oder im Ravensburger Platt noch eine Urform des angrivarischen Mischdialektes erhalten haben könnte waren die Angrivarier im Sinne der einstigen Geschehnisse für Rom als auch für die Franken keine „Falaos“ und wurden daher einheitlich Engern genannt. Die den Ostfalaos um einige Generationen voraus gegangenen Cherusker hätte die Geschichte schon fasst verschluckt wäre man nicht der Vorgabe Karl des Großen gefolgt und hätte Corvey nicht zu einem geistigen Mittelpunkt der christlichen Ostmission gemacht. Aufgrund dieser Aufwertung wurden 836 die Gebeine des heiligen Vitus nach Corvey überführt und auch eine Abschrift der Bücher 1 – 6 der Tacitus Annalen könnte als Schenkung in Gestalt einer „Morgengabe“ zur Aufwertung der neuen Blüte der Christenheit in diesem Zusammenhang von Fulda nach Corvey gelangt sein. Schriften in denen auf die antiken Vorgänge der Varusschlacht nahe der „Visurgis“ eingegangen wird womit den Ostfalaos erstmals ihre Abstammung bewusst gemacht wurde. Das es die Falaos, pardon die Cherusker waren, die sich damals dem Imperium entgegen stellten und ihm ihre großen Niederlagen zufügten gehörte in der Antike noch zum allgemeinen Wissenstand war aber in fränkischer Zeit erloschen. Opposition gehörte damals wie heute zum gesellschaftlichen Leben und so wie es einen Segestesclan unter den Cheruskern gab, dürfte es auch Germanen jenseits des Rhein respektive im römischen Lager gegeben haben die eine Genugtuung empfanden Rom auf der Verliererseite zu sehen wobei sich nur wenige wagten es öffentlich zur Schau zu stellen. Die gegen Sold verpflichteten römischen Legionäre profitierten nach erfolgreichen Feldzügen noch zusätzlich von Kriegsbeute, sodass ihre Verbitterung wuchs nach dem der Kaiser nach 16 + erneute Feldzüge untersagte. Auch innerhalb der römisch gesinnten Bevölkerung war der Groll über die erlittene Schmach etwa bezogen auf den ausbleibenden Handel mit den Germanen allgegenwärtig. So hatten die mit dem Stigma des Verrats behafteten Cherusker auch den Unwillen von Teilen der Bevölkerung auf sich gezogen, die auf Seiten des Imperiums standen was dazu beitrug für den Wortbruch der Cherusker aufgrund seiner verheerenden Auswirkungen Namen wie „Falsarii bzw. Fallax“ zu prägen. Den Begriff des Wort - bzw. Treuebruchs der mit dem lateinischen Namen „Fidem fallere“ einher geht stilisierte man zur haarsträubendsten Untat aller Zeiten und dem Wort „fallere“ gelang es, sich bis in unsere Tage zu erhalten und vieles was dem in unserem Sprachgebrauch ähnelt wie etwa das Wort „falsch“ hatten darin ihre Wurzel. Aber Rom sah nicht in allen Germanen Betrüger und Wortbrecher da sich unter ihnen auch Stämme befanden, die dem Imperium unkritischer gegen überstanden und auch mit ihm kooperierten. Völker die ihre Unterstützung anboten und sich dadurch Vorteile versprachen. Aufspüren lässt es sich im Verhalten der Angrivarier die in der Geschichte zwiespältig erscheinen. Weder Drusus noch Ahenobarbus kämpften gegen sie und auch an der Varusschlacht nahmen sie nicht teil. Und als Germanicus 16 + gegen die Cherusker zu Felde zog um gegen sie bei Idistaviso zu kämpfen nutzte er dafür den Hellweg vor dem Sandforde der an der Südgrenze des angrivarischen Stammesgebietes vorbei führt. Tacitus berichtete nur von einer „Defection“ und dies beschreibt sowohl einen Aufstand, als auch den Akt des Abtrünnig werdens, sowie das Abfallen von bisherigen Gemeinsamkeiten. General Stertinius konnte es mit seiner Kavallerie auf leichte Weise niederschlagen was auf kein umfängliches Schlachtgeschehen hindeutet. „Defectio“ steht für Abtrünnig bzw. Abfallen, sodass sich die Angrivarier in ihrer Gesamtheit zuvor mit Rom verständigt bzw. dem Durchzug zugestimmt haben könnten und sich dem Geplänkel nur Teilstämme von ihnen angeschlossen hatten. Insgesamt ein Verhalten, das für Mäßigung und Zurückhaltung, aber nicht für eine Konfrontation größeren Ausmaßes spricht. Nach der Niederlage am so genannten Angrivarierwall unterwarfen sie sich vielleicht zu vorschnell und zudem bedingungslos was von den Cheruskern nicht überliefert ist. Schon kurze Zeit nach der Schlacht leisteten sie im Jahr 17 + einen entscheidenden Beitrag bei der Rückführung der gefangenen römischen Flutopfer in dem sie sich für einen Austausch bei Lösegeldzahlung einsetzten und somit an der Übergabe beteiligt waren. Obwohl dies im Rahmen des Prozedere nahe dem Kalkrieser Berg vermutlich aus dem Ruder lief rechneten es ihnen die Römer hoch an und trug in der Folge zur Verbesserung des Verhältnisses bei. Fortan standen sie dem Imperium loyal gegenüber und sollen danach sogar als Vermittler zwischen Römern und Cherusker aufgetreten sein. Dies unterschied sie von den betrügerischen Cheruskern, so dass sie nicht in zweifelhaften Genusskamen als Falsarii sondern Engern in die Geschichte einzugehen. Als Germanicus nach der pattartigen Schlacht gegen die Cherusker seinen Rückzug zur Ems antrat passierte er dazu vermutlich im Raum Lübbecke eine dammartige Struktur über dessen Funktion man geteilter Auffassung sein darf. Ein Bauwerk das vermutlich schon zu Zeiten der Kelten entstand um trockenen Fußes über die Wiehensenke zur Babilonie zu gelangen, also schon existierte als Rom noch nicht germanischen Boden betreten hatte. Es war eine Erdaufschüttung die Tacitus so interpretierte als hätten sie die Angrivarier hinterlassen um sich vom Nachbarstamm der Cherusker abzugrenzen. Germanen errichteten keine steinernen Wallanlagen und auch das Anschütten aufwändiger Erdwallstrukturen passte nicht zu ihren Lebensgewohnheiten. Unabhängig davon bringt Tacitus aber zum Ausdruck, dass den Angrivarier daran gelegen war Distanz zu den Cherusker wahren zu wollen, sie sich also nicht „grün“ waren. Und sollten die Angrivarier wirklich einen derartigen Aufwand nicht gescheut haben, dann klingt das nicht unbedingt nach guter Nachbarschaft. Tacitus könnte damit dem Sprichwort gefolgt sein, wonach der Feind meines Feindes mein Freund ist, man sich also gegen den gemeinsamen Feind Rom zusammen schloss danach aber wieder getrennte Wege ging. Anders ausgedrückt standen die Angrivarier wie es auch die Historie nahe legt dem Imperium positiver gegenüber als die Cherusker. Darin läge dann eine frühe Erklärung dafür, dass später auch die Franken den Stamm der Engern anders einschätzten, sie daher nicht als „Falaos“ bezeichneten aber trotzdem von ihnen bekämpft wurden. Da sich zwischen West – und Ostfalaos die Angrivarier nieder ließen und die aus ihnen hervor gegangenen Engern aus Sicht der Franken die Oberhand besaßen war auch die Frage beantwortet, warum man dieser Region im frühen Mittelalter nicht den Namen „Falaos“ sondern Angarii gab. Und so wie es auch die Franken hielten verspürten auch nur wenige Historiker in der Neuzeit den Wunsch sich auf die Suche nach den „Falaos“ innerhalb der Engern begeben zu wollen. Wie sich dem Verzeichnis über die Grundstücksüberlassungen und Schenkungen an das Kloster Corvey zwischen 822 und 875 entnehmen lässt, sind im Betrachtungsraum diverse Gehöfte und kleinere Dörfer mit Fal bzw. Valnamen wie Valahuson, Valeshuss, Valahus (en), Valahus (un), Falahus, Falohus, Falahusen, Falhusen, Falohus (un), Falha(h)us (un) bezeugt die sich nach den Sachsenkriegen begannen auch literarisch zu verfestigten. Es waren jene Ansiedlungen die sich im Zuge der karolingischen Machtausdehnung als Niederlassungen der Vorbevölkerung innerhalb einer von Angarii dominierten Landschaft identifizieren lassen, aber auch außerhalb davon nachweisbar sind da man Gehöfte namentlich hervor heben wollte in die sich eine selbstbewusste Bevölkerung zurück gezogen hatte. Vielleicht aber auch Anwesen von Menschen die dazu übergegangen waren sich selbst so zu nennen, weil man sie von außerhalb so bezeichnete, die in kleinsten Heimstätten lebten und ihre Namen schon in Zeiten bekamen, als diese sie noch nicht bewohnten. Es war eine Bevölkerung die sich mehr ihrem Gaufürsten verpflichtet sah und nicht danach fragten welchem übergeordneten Volk sie angehörten, oder wie sich dieses nannte. So konnte keiner zurück denken wo ihre Wurzeln lagen und wer ihren Wohnstätten die Namen gab. Brauch und Zeitgeist hatten den „Nachgermanen“ des 8. Jahrhundert schon längst einen Namen gegeben und die Suche danach war überflüssig, da der Mensch den Alltag überstehen musste. So verstanden sich die Bewohner als „Falaos“ ohne zu wissen warum und einen tieferen Wunsch die Gründe erfahren zu wollen dürfte es unter ihnen nicht gegeben haben. Die Ersterwähnung von „Falaos“ im Jahr 775 schließt nicht aus, dass bereits ab dem 7. Jahrhundert als die Merowinger begannen ihre Fühler nach Osten auszustrecken und die Bezeichnung „Falaos“ ihre Fremdartigkeit verloren hatte, Ansiedlungen mit der Vorsilbe „Fal“ entstanden. Schriftliche Überlieferungen setzten erst im frühen Mittelalter ein, sodass die Suffixe also die Endungen die Wissenslücken ihrer Entstehungszeiten schließen sollten. Darauf basierend verständigte sich die Forschung wider besseren Wissens darauf diese Zeitspanne zwischen das 8. und 10. Jahrhundert zu legen. Siedlungen die sich auf die „Falaos“ beziehen und mit „hus“ enden was sich über das Wort „hūsan“ bis in urgermanische Zeiten zurück verfolgen lässt setzt das Vorhandensein von Gebäuden gleich welcher Bauart voraus. „Hus“ galt also als zeitlich gesetzt, sodass darin immer die Anwesenheit von Falen als Bewohner voraus gesetzt werden kann. Orte die mit „hus“ oder dem davon abgeschliffenen „sen“ endeten und von Falen bewohnt wurden lassen sich einer Epoche zuordnen in der ein Entwicklungsprozess sein Ende fand der im Betrachtungsraum seinen Anfang nahm und die Merowinger begannen die dortigen Bewohner mit dem Begriff „Falaos“ vertraut zu machen. Die „Falaos“ ob im Westen oder Osten sahen sich in dieser Zeit nicht als ein eigenständiges Volk und definierten sich nicht namentlich. Aber damit einher gehend wuchs nun die allgemeine Erkenntnis und ein Bewusstsein dafür, dass man sich hinsichtlich Sprache, Identität, Übereinstimmung und Wesensgleichheit verbunden fühlte. So erwachte mit dem Wort „Falaos“ in den Wirren der nachgermanischen Phase auch das Bedürfnis diesem neuen gemeinsamen und übergeordneten Volk angehören zu wollen. Obwohl die Gaugemeinschaften ihre Bedeutung nicht verloren entwickelte sich ein zuvor nicht vorhandenes Verständnis von Zugehörigkeit. Die Volkssprache, das Theodisk verband sie miteinander aber sie waren weder Saxones noch Thoringi und nur weil sich mit dem Erwachen der Schriftlichkeit in Westfalen die „Fal bzw. Val“ Siedlungen in der „sächsischen Epoche“ der ersten Hälfte des 9. Jahrhundert in den Corveyer Traditionen häufen bzw. sich ihnen entnehmen lassen und die Franken der Überzeugung waren es mit den Nachfahren der seeräuberischen Sachsen zu tun zu haben, obwohl sich ihnen in erster Linie Falen bzw. Engern entgegen gestellt hatten, machte aus Falen keine Sachsen. Man hatte den Bezug zu ihren germanischen Vorfahren längst verloren war sich aber im Klaren darüber kein Sachse zu sein und ob man nun weiter im Osten oder im Westen lebte gab man sich als Fale zu erkennen und setzte sich damit sowohl von Sachsen als auch von Franken ab bzw. unterschied sich von ihnen was ihr Selbstwertgefühl steigerte. Die Bewohner östlich der Weser standen in enger Verbindung zum Reich der Thüringer, das quasi über Nacht mit dem Tod von Theoderich dem Großen 526 seine ostgotisch arianische Schutzmacht verloren hat. Dies führte dazu, dass sich die Franken nachdem sie 496 den katholischen Glauben angenommen hatten stärker nach Osten orientierten und schon fünf Jahre nach seinem Tod im Jahr 531 das Reich der Thüringer unterwarfen. Da Ostgoten und Thüringer 451 auf den katalaunischen Feldern gemeinsam mit den Hunnen gegen die Franken kämpften waren die Beziehungen belastet und man darf davon ausgehen, dass sich ihnen auch Stämme bzw. Völker angeschlossen haben die im Einflussbereich der Thüringer, also östlich der Weser lebten. Durch die politischen Verwerfungen gezwungen kam diese in die prekäre Lage sich neu orientieren zu müssen, da sie aus dem Osten keine Unterstützung mehr zu erwarten hatten. So gelang es dem Merowingerkönig Chothar die Stämme der Region 555 Tribut pflichtig zu machen was vermutlich an der Diemel geschah und sah sich erstmals mit den „Falaos“ konfrontiert. So richtete sich der Blick der Menschen zwischen Weser und Fuhse unter den neuen fränkischen Machthabern gezwungenermaßen und zunehmend nach Westen und sie nahmen in der Folge den Namen an unter dem man sie links des Rheins führte. Ein Name der auch in der ausklingenden Antike des 5. Jahrhundert in der „Notitia dignitatum“ erscheint worin man sie „Falchowaren“ nannte. Ein Wort, dass ihre Verbindung zu den germanischen Nachbarstämmen verdeutlicht die sich „varen“ bzw. „varier“ nannten. „Waren“ vergleichbar mit den Amsiwaren bzw. Angriwaren was sich auf den Begriff „Warrior“ gleich Kämpfer zurück führen ließe. Ihr einstiger Name Cherusker, die Tacitus in seinen Annalen „Cherusci“ nannte erschien auf historischer Bühne letztmalig im Zusammenhang mit einem Schriftverkehr zwischen dem Venezianer Venantius Fortunatus und dem 584 verstorbenen Bischof Felix von Nantes und war bis die Schriften von Tacitus im 9. Jahrhundert an der Weser ausgewertet wurden verblasst. Mangels eigener Identität und einem noch nicht vorhandenen Bedürfnis danach, war man nun geneigt die Bezeichnung diee die Franken für sie nutzten umgangssprachlich zu addaptieren und bgann damit zu leben. Man betrachtete es nicht als verwerflich auch eigene Ansiedlungen danach zu benennen und es könnte sich auch zu einem frühen Merkmal entwickelt haben um sich von den Engern zu unterscheiden. Mit der Taufe Widukind der den Westfalaos und nicht den Engern zugerechnet wird, obwohl er in Enger bestattet worden sein soll, schien die Phase des Gegeneinander von Franken und Falaos zunächst überwunden zu sein und es begann ein langwieriger Prozess der Annäherung der sich noch bis weit in die Neuzeit erstreckte und mit deren Auswüchsen sich noch ein separates Kapitel beschäftigen wird. Das Bewusstsein im Land der Falen zu leben begann sich auch in den Köpfen seiner Bewohner niederzuschlagen und es verloren sich die letzten Reste fränkischer Last. Aber erst Kaiser Friedrich Barbarossa etablierte im Jahr 1180 ein Herzogtum Westfalen und schuf damit die Basis für seine feste politische Identität. Aber zurück an die beschauliche Öse und dorthin wo sie das mittelalterliche Städtchen Dringenberg mit seiner historischen Burganlage in der Eggelandschaft umfließt. Nordöstlich von Dringenberg befindet sich möglicherweise eine der sprachlichen Keimzellen, die den Sprung von den Cheruskern die sich der „Fallacia“, also der Täuschung schuldig gemacht hatten über die Falon bis zu den Falen ins heutige Ostwestfalen - Lippe verdeutlichen könnte. Denn in einer Wiesenlandschaft nahe Dringenberg befand sich bis ins Jahr 1318 eine Siedlung die den Namen „Falhusen“ trug und wo demnach die Falen hausten. Dort könnten also noch bis ins hohe Mittelalter die Nachfahren jener „Betrüger“ gelebt haben, die das Imperium von der Bildfläche tilgen wollte in dem man sie nicht mehr Cherusker, sondern nur noch Betrüger nannte. So könnten sich Spuren ihrer einstigen Bewohner die damals auch links der Weser siedelten, bevor sie von den Engern geschluckt wurden erhalten haben können. Aber nach 1318 wurden die Zeiten rauher und die Bewohner von Falhusen zogen sich hinter die sicheren Mauern von Dringenberg zurück der Ort, der 1323 seine Stadtrechte bekam. Falhusen verfiel zur Wüstung und ist heute nur auf alten Parzellenkarten als „Falhuser Feld“ nur noch dann erwähnenswert, wenn man es als Bauland nutzen möchte. Das in diesem „Falhusen“ möglicherweise noch um die Zeit der Sachsenkriege Blutsverwandte der einst vertragsbrüchigen Falen, also der Cherusker lebten, ist schwer vorstellbar aber denkbar. Was aber dabei hilft diese Distanz begründbar zu machen ist die Tatsache, dass man dem Falhuser Feld, nach dem es die alten Falhuser verließen einen anderen doppelsinnigen Namen gab. Einen Namen den ihnen möglicherweise die alt eingesessenen fränkisch geprägten Dringenberger gaben. Denn aus dem „Falhuser Feld“ wurde nach dem die Falhuser in Dringenberg lebten das „Falsche Feld“. Für die Dringenberger des 14. Jahrhundert war möglicherweise die Erinnerung noch lebendig, dass die Nachbarn vor ihrer Haustür einst den Namen „die Falschen“ trugen. Aber selbst für sie war es nach 1300 Jahren nicht mehr möglich zu erklären, wie sich diese Namensveränderung begründen ließe.
(07.06.2026)
(07.06.2026)