Samstag, 4. November 2017
Alle Wege führen nach Ostwestfalen
Neben dem Wegekorridor von der Wetterau an die Mittelweser den damals schon Tiberius mit dem Chatten Antabagius in recht kurzer Zeit zurück gelegt haben soll, war auch die Streckenführung vom Niederrhein bis Paderborn und darüber hinaus für marschierende Legionen über den berühmten Hellweg vorgegeben. In Ostwestfalen erreichte man nicht nur das Sprungbrett nach Osten, sondern konnte dort im Zusammenspiel mit der lichten Wetterau auch eine sinnvolle Zangenbewegung ansetzen um so die Kontrolle über die Mitte Germaniens an sich zu reißen. Ostwestfalen musste eingegliedert werden und dazu bedurfte es einer guten verkehrstechnischen Erschließung. Teilweise kerzengrade wie man römische Heerstraßen kennt, verbanden die von den Legionären ausgebauten Altstraßen die Zentren römischer Macht, erschloss man über sie neue Räume und nutzte sie sicherlich auch um tief in die Siedlungen und Sitze einheimischer Fürsten vorzudringen. Oftmals waren es aber auch nur jahreszeitlich nutzbare und mittelmäßige Bohlenwege oder Knüppeldämme die angelegt oder wieder hergerichtet werden mussten, um die Infrastruktur mehr recht als schlecht sicher zu stellen. Aber auch über die Ems die parallel dazu verlaufenden Wege, oder die Verbindungen ober – und unterhalb des Weser- und Wiehengebirges konnte man Ostwestfalen gut erreichen und natürlich auch über die Weser auf- und abwärts mittels Schiff. Man könnte auch sagen, alle Wege führten nach Ostwestfalen. Die späteren mittelalterlichen Siedlungszentren am Hellweg von Dortmund bis Salzkotten waren durch die an ihm errichteten Kirchen Leuchttürmen gleich, schon aus großer Entfernung am Horizont gut erkennbar. Das dem auch von den Legionen genutzten Hellweg schon frühere Verkehrsadern zugrunde lagen, dürfte als gesichert gelten. Doch was war zuerst da, der Hellweg oder die Siedlung. Ei oder Henne. Anfänglich werden es Wegeverbindungen aus dem vorgeschichtlichen Netz der Altstraßen gewesen sein, an denen sich dann ab der Jungsteinzeit den Herden folgend erste Rastplätze einstellten, die sich aufgrund geeigneter Geländeformationen anboten. Schätzungen gehen bei ihm von einem Alter von etwa 5.ooo Jahren aus. Die Hellwegtrasse könnte aber auch schon wie vorher angedacht nach dem Kälterückfall der Jüngeren Tundrenzeit ab 11.000 bis 10.000 – in nomadischen Zeiten begangen worden sein. In viel späteren Zeiten werden auch keltische oder germanische Siedlungen richtungsweisend gewesen sein und es bildete sich für diese Wege der Begriff Hellweg heraus, der zum einen auf helle lichte Wege aber auch auf Hallwege sprich Salzstraßen zurück geführt werden könnte. Dem folgte dann die Phase römischer Expansion, bevor es im frühen Mittelalter zur Bildung größerer Siedlungen bis zu den ersten Stadtgründungen kam. Die wie an einer Kette aufgereihten Hellwegstädte sind auffällige Landmarken in deren Mitte Kirchen das jeweilige Zentrum ältester städtischer Keimzellen bildeten. Zur römischen Strategie würde es passen, dass sich theoretisch auch an Stelle dieser Kirchen bereits frühere Vorgängerbauten aus römischer Zeit befunden haben könnten. So ist es denkbar, dass sich wie es bei den mittelalterlichen Burgen auch geschah am Hellweg zivile Ansiedlungen um ehemals römische Wach – oder Signaltürme gruppiert haben könnten, auf deren Fundamentresten sich dann später die christlichen Bauwerke erhoben. Dann wären es die römischen Wach- oder Signaltürme in den kleineren Kastellen gewesen, aus denen sich die Hellwegstädte entwickelten. Und Signaltürme waren nicht nur auf Erhöhungen wie dem Pike Hill am Hadrianswall beschränkt, sondern auch in den Ebenen ohne höhere Bezugspunkte waren sie wichtige Orientierungshilfen. Das römische Kastel Aduatuca verortete man auch erst bei Nideggen, nach dem man sich die Position alter Kirchtürme genauer ansah und sich dadurch eine gewisse Übereinstimmung bei der Wegeführung auftat. Es könnte sein, dass sich auch unter den heutigen Fußgängerzonen der Hellwegstädte teilweise römische Turmfundamente befinden, die sich bis an die Weser fortsetzen würden, was sicherlich kein abwegiger Gedanke ist. So wie es auch der mögliche Fund eines Turmfundamentes am Eggeabstieg östlich von Schwaney bestätigen könnte. In diesem Zusammenhang sei auch an die wie man vermutet Halbrömerin und Seherin Veleda vom Stamm der Brukterer erinnert, die in einem Turm an der dort noch schiffbaren Lippe lebte. Es gab also derartige Bauwerke auch an der Lippe. Die Weser selbst weist bedingt durch den Zulauf der Nethe und deren Sedimentablagerungen im Bereich zwischen Godelheim und Fürstenberg bzw. zwischen Amelunxen und Wehrden seichte Durchgangsmöglichkeiten auf, die wie man so schön sagt, seit Menschengedenken als „halbtrockene“ Furt genutzt werden. Diese Furt fixiert den direkten Fernweg von Paderborn über den Solling ins Leinetal und weiter zum Harz. Dieser Hellweg steigt südöstlich von Bad Driburg vom Eggekamm ab. Römische Marschlager wurden bei Brakel, Bembüren und Holzhausen verortet. Während ein mögliches Lager nahe Brakel – Sudheim nahe der Nethe aber noch auf der Hellwegtrasse liegt, sich ein weiteres nordöstlich Brakel befinden soll, wurden zwei weitere Lager nördlich von Brakel lokalisiert die der Erforschung harren. Dies deutet darauf hin, dass es sowohl von Corvey, als auch von den Nethelagern, oder von der vermutlich keltischen Schiffsanlegestelle bei Wehrden gegenüber von Fürstenberg Wegeverbindungen in Richtung Anreppen gab, die sich bei Amelunxen trafen. Bei Corvey wurden Spuren bzw. Holzreste eines Weserbrückenschlages nach Osten entdeckt und es besteht auch der Verdacht, dass bereits in der römischen Kaiserzeit dort eine Brücke existierte. Wenn bereits 152 Jahre vor der Varusschlacht Kelten stabile Brücken über die Mosel schlagen konnten, wie es sich zwischen dem luxemburgischen Stadtbredimus und dem Rheinland - Pfälzischen Palzem nachweisen ließ, so waren nicht nur Römer versiert im Brückenbau und es dürfte für sie kein großes technischen Problem gewesen sein die Weser bei Corvey zu überbrücken. Zumal sie in Corvey nur eine Zwischenstation zur Elbe bzw. zur Bernsteinstraße sahen. Die Marschlager Bembüren und Holzhausen weisen auch auf einen, wenn auch beschwerlicheren Auf - bzw. Eggeüberstieg bei Altenbeken hin. Zwischen Corvey und Anreppen liegen 56 km. Zwischen Bembüren und Corvey sind es 29 km und zwischen Bembüren und Anreppen 27 km.
Die Marschlager Bembüren und Holzhausen weisen auch auf einen, wenn auch beschwerlicheren Auf - bzw. Eggeüberstieg bei Altenbeken hin. Zwischen Corvey und Anreppen liegen 56 km. Zwischen Bembüren und Corvey sind es 29 km und zwischen Bembüren und Anreppen 27 km. Bembüren wäre demnach eine geeignete Rastetappe zwischen den zwei wichtigen römischen Stützpunkten Corvey an der Weser und Anreppen an der Lippe. Aber bekanntlich war die Verbindung über den alten Hellweg Godelheim - Brakel - Bad Driburg - Schwaney - Paderborn für Trossfahrzeuge leichter passierbar, während man die Route über Bembüren eher als eine schnellere Verbindung möglicherweise für berittene Einheiten ansehen kann. Hellweg genannte Altstraßen sollen für hell und breit stehen und der bekannteste unter ihnen ist der Hellweg in Nordrhein - Westfalen auf dem die Bundesstraße 1 verläuft, die erst 1788 zur Chaussee ausgebaut wurde. Man geht davon aus, dass dieser Weg wegen Fehlens jeglicher anderer befestigter Strecken in jener Zeit die Hauptverbindung vom Rhein zur Weser darstellte und sie führte auch damals schon über Bad Driburg und Brakel nach Höxter und nicht über den beschwerlicheren Abstieg bei Altenbeken. Den Marschlagern Bembüren und Holzhausen fiel folglich auch damals eher die beschriebene Funktion eines Schnellweges zu, während Varus sein Heer meiner Ansicht nach über Schwaney und Brakel nach Höxter geführt hatte. In diesem Zusammenhang fällt die erhebliche Konzentration an kleineren und größeren Marschlagern östlich des Eggekammes und der Weser ins Auge die über die Luftbildarchäologie aufgespürt und teilweise auch mit Funden bestätigt werden konnten und nun auf weitere tiefgreifendere wissenschaftliche Untersuchungen warten. Es gibt Hinweise auf Lager in unterschiedlichen Größen die auch noch oberirdisch erkennbare Reststrukturen aufweisen. Sie befinden sich außer in und bei Corvey oder bei Brakel auch noch bei Peckelsheim, Sommersell, Feldelse, Godelheim, Wehrden, Amelunxen, Lüchtringen und Holzhausen. Die auffällige Häufung kleinerer und größerer Anlagen spricht für einen römischen Siedlungsschwerpunkt in Ostwestfalen und damit für die große Bedeutung die man in Rom diesem Raum auf cheruskischem Herrschaftsgebiet damals beimaß. Römische Artefakte gefunden an Wegeverbindungen, auf Äckern, im Uferschlamm oder im Umfeld von Lagern die sich in öffentlicher Hand bzw. in Museen, in Privatbesitz oder an nicht zugänglichen Orten befinden, sollten nach Möglichkeit vor diesem Hintergrund neu bewertet werden.

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Sonntag, 29. Oktober 2017
In Rom kannte man kein Stoppschild
Was für die strategisch denkende Führungsschicht des Imperiums im Zuge ihres Strebens nach Machterweiterung immer schon völlig zweitrangig war, war ihr Bedürfnis nach tieferem Wissen um Kultur, Tradition, aber auch um die Machtverhältnisse, Stammesstrukturen und Herrschaftsbereiche gegnerischer Völker sofern diese nicht ihren militärischen Zielen und Plänen dienlich waren. Die römischen Schriftsteller berichteten zwar gerne und ausführlich über Land und Leute, aber es waren oft eher Reiseberichte vom Typ Ausonius bzw. Humboldt oder Livingston, oder aber moralische Lektionen für das eigene Volk a` la Tacitus am Beispiel germanischer Tugendhaftigkeit. Im mittelgebirgigen rechtsrheinischen und heutigen Bergischen- Sieger- und Sauerland gegenüber der CCAA bis weit nach Osten dominierten um die Jahrtausendwende ausgedehnte und schwach besiedelte Waldgebiete die erst Jahrhunderte später intensiver erschlossen und stärker besiedelt wurden. Dagegen war das Münsterland zwischen dem Teutoburger Wald und der Ruhr ein Sumpfgebiet mit regionalen Zivilisationsinseln aber dem Vorteil eines von Ost nach West fließenden trägen jedoch schiffbaren Flusses, der Lippe. Zogen die Legionen mal abgesehen von Xanten oder Neuss ab ihren Lagern Bonn oder Köln nach Osten bzw. Nordosten, so störte sie auf diesem Weg immer zuerst ein recht schnell fließender Fluss, der sich auf steiniger Sohle durch zahlreiche Engen und Windungen wippt. Die unbrauchbare Wupper. Sie war nur hinderlich nicht schiffbar, an den Ufern kaum begehbar und ihr Bogen artiger Verlauf war für sie zu allem Überfluss auch noch strategisch gänzlich wertlos. Übrigens hat sich an der Gesamtausgangslage aus Sicht des Rheintales dort immer zuerst die Wupper hinter sich lassen zu müssen bis in unsere Tage nichts geändert. Am Augenscheinlichsten wird dies, wenn man sich auf den Kölner Hauptbahnhof begibt und den Ansagen aus den Lautsprechern zuhört. Kaum einem Personenzug der den Gleisweg über die Hohenzollernbrücke in Richtung Deutz nimmt bleibt es erspart, in Wuppertal - Oberbarmen dem früheren Rittershausen die Wupper passieren zu müssen. Man bevorzugte es daher das eingekerbte Tal der Wupper südlich zu umgehen um es dann bei Wuppertal - Beyenburg im Bereich zahlreicher und noch gut sichtbarer Hohlwege zu queren. Auch an ihr siedelten Gelände bedingt vermutlich zahlenmäßig nicht große Teilstämme der Sugambrer und Marser jener Waldgermanen, die sich in Gefahrenlage schnell zurück ziehen konnten, aber auch genauso schnell wieder zur Stelle waren, wenn sich Gelegenheiten für einträgliche Scharmützel anboten. Immer wieder setzten sie dem Reich Nadelstiche zu bis man römischerseits die Geduld verlor und einen Teil von ihnen kurzerhand mit Gewalt umsiedelte. Andere Sippen rottete man im Zuge von Attacken die uns als recht brutal überliefert wurden nahezu aus. Aber vielen von ihnen gelang doch die Flucht nach Osten und sie konnten sich so dem römischem Zugriff entziehen. Im Fall der Zwangsumsiedlung bekam dieses letztlich Mitteleuropa aber nicht schlecht, wenn wir an den berühmten Satz von Bischof Remigius in Reims gegenüber Chlodwig I denken, der da lautete “beuge still Deinen Nacken Sugambrer, verehre, was Du verfolgtest...”. Ein Beweis dafür, dass die Sugambrer und damit zum Teil auch die späteren Merowinger trotz Zersiedelung und Aufsplitterung nicht unter gingen, bzw. aus der Geschichte verschwanden und auch in ihrer alten und neuen Heimat, gleich wo sie sich befand, alles andere als harmlos auftraten und unbequem blieben. So könnte hier aus römischer Sicht betrachtet möglicherweise auch der bekannte Ausspruch “er ging über die Wupper” seinen Ursprung gehabt haben, gleichbedeutend mit, den sehen wir nicht, oder so schnell nicht mehr wieder. Und dazu kam es in alten Zeiten auch sicherlich oft genug, denn die Region des heutigen Bergischen Landes trug noch im Mittelalter den Namen „die romeriken Berghe“ also die ruhmreichen Berge und Ruhm erwirbt man sich in der Regel im Kampfe. Wohl nicht nur im Bergischen hat sich auch bis in unsere Tage das Schimpfwort Flaves für „der Flachsblonde“ noch sehr gut erhalten. Flaves steht für „Dich kann man ja nicht ernst nehmen“ oder „du Döskopp“ bzw. auf hochdeutsch wohl du Schlafmütze. In jedem Fall aber menschlich herabsetzend und unterschwellig beleidigend. Was allerdings der Flaves Genannte in der Regel Widerspruchs - und Reaktionslos hinnahm, da man es ja nie so meinte. Außerdem wusste ja auch niemand mehr so genau was sich hinter dem Wort Flaves überhaupt verbarg oder was es eigentlich bedeutete. Infolgedessen blieb der Begriff immer Interpretationslos im Raume stehen. Flaves war ja bekanntlich der für die Germanen und deren Nachkommen ehrlose Bruder des Arminius der zum Feind überlief und somit auch noch Jahrhunderte später keinen guten Ruf genoss. Der Volksmund bewahrt eben vieles. Selbst die berühmte Thusnelda blieb uns bis heute im Namen Tussi eine allseits gern benutzte Bezeichnung für die Freundin des Freundes und erfreut sich besonders in Norddeutschland noch großer Beliebtheit. Die Ruhr war ebenso wie die Wupper für Erschließungspläne nach Osten ungeeignet, da ihre beiden Quellflüsse die Lenne und die Volme zu früh nach Süden ins Sauerland abzweigen und über sie zügige Eroberungen und schnelle Vorstöße wenig Sinn machten. Es sei denn man wollte sich im Falle vorgetragener Überraschungsangriffe über Nebenrouten militärische Vorteile verschaffen. Lagen dann für die Römer die sugambrischen oder marsischen Siedlungen hinter ihnen, sofern sie noch existierten gerieten sie in wieder neue Interessensphären wo auch die Uhren wieder anders gingen. Standen die Sugambrer als stärkere Mischbevölkerung vielleicht noch den Kelten am Rhein mental etwas näher, so waren die östlichen Lippe- und Wesergermanen wieder aus anderem Holz geschnitzt. In ihrem ungestümen Drang nach Eroberung stießen sie in immer wieder neue, wechselnde und unbekannte Machtzentren vor. Während oberhalb einer Linie Höxter - Paderborn nennen wir sie mal die “Salzgermanen” vorherrschten, südlich davon die “Waldgermanen “ lebten und im Münsterland die “Bruchgermanen” setzten die Römer hinter dem Teutoburger Wald ihren Fuß auch in ein recht unerforschtes aber potenzielles Unruhegebiet, bestimmt von Grenzstreitigkeiten aller Art. Der Harz trug mit dazu bei, da er alle Bewegungen stoppte und kanalisierte und für den Schmelztiegel der westlichen Vorlandstämme eine natürliche Ostbarriere bildete. Andererseits schützte der Harz diese auch vor zu schnell vorgetragenen Angriffen anderer Stämme aus dem Osten. Als die Römer später resignierten oder sie ihr wirtschaftliches Interesse am germanischen Kernland verloren, bzw. militärisch dazu genötigt wurden, überließ man die Germanen, zumal sich die Eroberer bei ihnen auch nur blutige Nasen holten, letztlich auch sich selbst. Es war eben wie überliefert für das Reich einfacher und bequemer geworden, die Zeit für sich arbeiten zu lassen und sie ihren wohl zahlreichen eigenen Zwistigkeiten zu überlassen. Das germanische Wespennest und eine sich darin befindliche äußerst widerstandsfähige Substanz, übrigens ein Zeichen vieler autochthoner Bevölkerungen ließen die wohl germanisch/keltisch geprägten Menschen zwischen Rhein und Weser wohl auch erst zu zudem werden, was sie wurden. Sie verkörperten für Rom in ihrer Gesamtheit einen unerwarteten aber ernst zu nehmenden Widersacher und dies wie wir heute wissen noch auf einige Jahrhunderte hinaus. Aber in den Wesergermanen den Cheruskern fanden die römischen Besatzer anfänglich einen relativ verlässlichen und kooperativen Partner der sehr gut in ihr Konzept zu passen schien. Dies öffnete ihnen das wichtige Tor nach Osten. (zuletzt bearbeitet 28.10.2017 - 00:29)

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Freitag, 27. Oktober 2017
Auguensischer Gau mit der Marca Huxori
Wenn es keinen konkreten Anlass dafür gibt die Entstehung historisch gewachsener Wortschöpfungen, ihre Entwicklungsstufen und Querverbindungen oder die vielen Abwandlungen zu hinterfragen, sieht man auch keine Notwendigkeit darin. Man greift auf vorhandene Forschungsarbeiten und Texte zurück konkretisiert oder aktualisiert sie in dem einen oder anderen Fall da wo es nötig erscheint und findet sich andernfalls mit dem bekannten Wissensstand ab. Da uns die Altvorderen aber oftmals nur mäßiges Material hinterlassen haben, versiegen die Quellen leider zu oft viel zu früh und neue lassen sich kaum mehr auf tun. Dabei läuft jede Wissenschaft Gefahr zu erstarren und die Lust an weiteren Forschungen trübt sich mit der Zeit ein. Als harmloser Hobbyhistoriker gerät man nicht unter Plagiatsverdacht und kann auf die vielen im Internet frei verfügbaren Quellen zurück greifen um darauf basierend nach neuen und anderen Erklärungen zu forschen. Eröffnen neue Interpretationen Funden gleich den Blick auf interessante Kombinationsmöglichkeiten, oder kommen uns aufgestöberte alte Texte zu Hilfe und liefern neue Impulse, so kommt auch wieder neuer Schwung in verstaubte oder verschüttete Gedankenketten. Vielleicht hilft uns auch noch die Alt - Philologie zu frühen Namensgebungen im Raum Höxter weiter. Nachdem ich versucht habe dem Namen „Selicasa“ andere Bedeutungen zu entlocken in dem ich eine Verbindung zur Bezeichnung Silicat hergestellt habe, tauchen auch noch zwei andere alte Worte in den Überlieferungen auf. So zu lesen in den Schriften über das „Leben des Abtes Eigil von Fulda und der Äbtissin Hathumoda“. Darin ist die Rede davon, dass Abt Adalhard mit seinem Bruder Wala einen Ort aufsuchte, der zu einem Landgut gehörte, dass den Namen „Uxerri“ trug. Leitete man es vielleicht aus dem lateinischen Wort „uxori“ ab, dass den Besitz für eine Gattin oder Ehefrau anzeigt ? Oder existierte zur Zeit der fränkischen Landnahme um das spätere Kloster Corvey schon ein lateinisches Wort namens „Uxerri“ ? Dann stellt sich natürlich die Frage, wie weit und ob die lateinische Sprache im frühen 9. Jahrhundert in Ostwestfalen überhaupt noch präsent war bzw. ab wann man sie wieder benutzte bzw. einführte. In dieser Zeit überwog bzw. dominierte bekanntlich die gängige Umgangssprache bzw. der Dialekt der Einheimischen. So bedurfte es erst eines Konzils von Tours 813, um das Latein über die Klöster wieder zu verbreiten und an römische Traditionen anzuknüpfen. Um Höxter und Corvey bildet die Weser einen großen Winkel ähnlich einer Schulterachsel, wie sie im englischen „oxter“ für Achselhöhle genannt wird. Begünstigt durch die Weserschleifen könnte sich in diesem Bereich in frühen Jahren aber auch eine weitere Furt im Fluss befunden haben, durch die in wasserärmeren Jahreszeiten auch Ochsen getrieben wurden. Der altsächsische Name Ox für Ochse begegnet uns auch in der altsächsischen Stadt Oxford in Südengland die ihren Namen Oxanforda einer „Furt der Ochsen“ verdankt. Uxerri könnte aber auch noch sehr gut älteren Ursprungs sein und aus einer Zeit stammen, als noch das Latein eines J. Cäsar gesprochen wurde. Setzte man es in die Mehrzahl spräche man von „der Uxerri“. So könnte „die Uxerri“ auch eine Landschaft gewesen sein. In Verbindung mit Marca = Mark, dass in vielen indogermanischen Sprachen dem Sinne nach Grenze oder Grenzregion bedeutet. Marken waren im fränkischen Reich wichtige Verwaltungsbezirke in besonders gefährdeten Grenzregionen und diese Grenzlandschaft nannten die Franken umgangsprachlich vielleicht auch die „Uxerrische Mark“. Es gibt aber auch eine Verbindung ins namentlich ähnlich klingende französische Auxerre, dass sich aber in der Antike Autessiodurum nannte. Der heilige Marsus der bereits im 3. Jahrhundert zum Priester geweiht wurde, predigte in der Region Auxerre, war ein römischer Missionar und erfreute sich im alten Sachsenland derartiger Beliebtheit, dass man sogar Reliquien von ihm an die Weser, vermutlich sogar nach Corvey überführte. Demnach hätte man das Landgut Uxerri schon vor dem Eintreffen seiner Reliquien 864, was sicherlich jahrelanger Planung und Vorarbeit bedurfte in frommer Erwartung mit Auxerre in Verbindung bringen können. Aber wann wurde aus Autessiodurum das spätere Auxerre. Das zweite Wort aus der Überlieferung des Eigil von Fulda, das nachdenklich macht ist der Name für die Großregion um Höxter. Dort ist dafür noch heute die alte germanisch klingende Bezeichnung Augau gebräuchlich, aber nicht wie man auch annehmen könnte die Namen Gau Uxorri oder Huxorigau. Der Name Gau ist ein Neutrum. Den flächig größten Anteil am Gau Auga hatte aber genau diese karolingische Grenzmark Huxori, die auch die Kernregion im größeren Gau Auga bildete. Der Mark Uxerri fiel also im Augau in besonderer Weise eine Sonderstellung zu. Der auch Auga oder Augau genannte Bereich erstreckt sich im östlichen Teil bzw. am Ostrand der sächsischen Provinz Engern zwischen der Mündung der Diemel in die Weser und Holzminden. Und hier lag auch die für die Franken wichtige militärische Grenzmark Huxori, was uns verdeutlicht, das auf der anderen Weserseite der karolingische Einfluss geringer war oder wurde. Der Augau umfasste die Region an der Mittelweser in der auch Corvey und Höxter lagen. Der Augau bildete dort einen schmalen Korridor sowohl links als auch rechts der Weser, aber rechts der Weser verlief er nur unterhalb der Höhenlagen. Nichts ist nun leichter als den Namen Augau ins „heutige“ deutsch zu übersetzen, denn das altgermanische Wort Au oder Aue benutzen wir heute noch für eine offene Wiesenlandschaft in Bach- und Flusstälern. Damit ist die Herkunft des Namens Augau auch schon geklärt und bedarf eigentlich keiner weiteren Deutungen mehr. Nun steckt aber in der ältesten Überlieferung der beiden frommen Brüder Adalhard und Wala nicht das zusammengeraffte, verkürzte und an der Weser auch heute noch gebräuchliche Wort „Augau“ sondern eine ungleich gestrecktere Version in Form einer teil lateinisierten Kombination aus zwei Worten in Gestalt des Namens „auguensischer Gau“. Und da machen es sich einige Philologen vielleicht etwas zu einfach in dem sie sagen. Na gut, dann kam es zur Verballhornung und das Wort Gau taucht dann eben zwei Mal in diesem Doppelnamen auf. Einmal im ersten Wort von „auguensischer Gau“ durch die Buchstaben Nr. 3 + 4 nämlich g und u (gu = gau) und dann auch nochmal im Wort Gau selbst. Das Wort Gau wird dann zusätzlich noch mal hinten an gehangen. Man könnte also auch vereinfacht sagen „Augau – Gau“. Wer würde da bei diesem Wortungetüm nicht ins Grübeln kommen. Germanische aber möglicherweise auch Gaunamen keltischen Ursprungs wie vielleicht auch „Uxorri“ die im Zuge fränkischer Herrschaft die Verwaltung erleichterten sind überall im fränkisch dominierten deutschsprachigen Raum anzutreffen. Der Name des Gaus wird aber in der Regel an den Anfang gestellt und dann erst dahinter das Wort Gau gesetzt. wie zbs. Keldachgau, Deutzgau, Allgäu oder Brettachgau und fasst alle anderen auch. Warum sagte oder schrieb man aber damals an der Weser nicht auch Au - Gau sondern Augau Gau. Schauen wir auf die lange Liste der vielen überlieferten Gaunamen in Deutschland so haben wir Mühe Gaunamen aufzuspüren, wenn es sie denn überhaupt gibt, die einen lateinischen Klang oder Ursprung haben könnten. Abgesehen natürlich vom Augstgau an der Schweizer Grenze, dessen Ursprung aber gesichert ist, da Kaiser Augustus den Ort Augst um 45 - als Augusta Raurica, in Schweizerdeutsch Augscht genannt, gründete. Vielleicht kann auch noch der Name Gau Ausicensis (also ausicensischer Gau) im oberen Saanetal in der Schweiz als halb lateinisch angesprochen werden. Spricht man den besagten „auguensischen“ Gau in Ostwestfalen ohne die Endsilbe „ischen“ aus, könnte man ihn auch „Auguensi Gau“ oder einfacher noch „Augenser Gau“ genannt haben. Ganz korrekt überliefert ist er uns in der offiziellen Liste aber als „Pagus Auguensis“. Warum dann wieder diese Zusammenfassung der mittelalterlichen Gaunamen das Wort „auguensischer Gau“ aus dem Jahr der ersten Überlieferung nämlich 822 so wie in der Schreibweise die anderen Gaunamen auch, nicht übernahm, sondern den später verkürzt und abgewandelten mittelalterlichen Namen Augau bevorzugt, entzieht sich meiner Kenntnis. Zudem lokalisiert die weit verbreitete mittelalterliche Gaunamen Liste den Augau irrtümlicherweise nur westlich vom Nethegau statt ihn west - und auch östlich des Nethegaus zu verorten. Der abgekürzte und vereinfachte Name „Augau“ und der vermutlich „lateinische/fränkische“ Name „auguensischer“ Gau umfassen einen sehr großen „Pagis“ an der Weser zwischen Bad – Karlshafen und Holzminden. Zu diesem großen Augau gehörte aber nicht mehr der westlich davon liegende große Nethegau. Und obwohl die namens gebende Nethe für den Nethegau diesen „auguensischen Gau“ sogar durchfließt bevor sie bei Godelheim im besagten „auguensischen Gau“ in die Weser mündet, integrierte man einen Teil ihres Flusslaufes in den wohl dominanteren auguensischen Gau. Welcher Gau war vorher da, der germanisch klingende Nethegau, das ich mit niederem Gau bzw. Untergau übersetze oder der lateinisch anmutende offensichtlich bedeutungsvollere „auguensische Gau“ mit der Marca Huxori in seiner Mitte. Oder existierten Nethegau und Augau immer schon nebeneinander bis sich „plötzlich“ in ihrer Mitte die Marca Huxori in fränkischer Zeit breit machte und eigene Flächen beanspruchte bzw. heraus trennte ? Der Größe nach zu urteilen war hier der „auguensische Gau“ gegenüber dem Nethegau der wohl wichtigere Gau. Stellen wir die „Doppelgau“ These, dass das Wort Gau gleich zwei Mal darin vorkommt in Frage und nehmen die lateinische These an, so lässt sich wegen der Anfangsbuchstaben natürlich auch eine Querverbindung zu dem römischen Kaisernamen Augustus herstellen. Die nach Kaiser Augustus in seiner Regierungszeit benannten und in seinem Auftrag gegründeten Städte in Deutschland kennen wir. Es sind Augusta Raurica (Augst) Augusta Vindelicorum (Augsburg) und Augusta Treverorum (Trier) und Augusta Praetoria, das italienische Aosta. Varus war nur der Konsul des Kaisers und seine Aufgabe bestand auch nur darin ihm eine neue Stadt zu Füßen zu legen. Noch im Aufbau befindliche Städte harrten kaiserlicher Anerkennung und Namensgebung. Der richtige Zeitpunkt Augustus die Nachricht über eine neue Stadt überbringen zu können, sollte gut gewählt sein und sie musste sich den Namen Stadt natürlich auch verdient haben und städtisches Leben vorweisen können. Wehe Varus hätte zu früh, also noch vor den Feierlichkeiten einen Namen für das römische Corvey kreiert, wer weiß wie es ihm ergangen wäre. So musste er folglich das unfertige römische Corvey auch unbenannt und es wie ein Neutrum erscheinen lassen. Das Augusteische Zeitalter hat einen bleibenden Eindruck auch nördlich der Alpen hinterlassen. Sollte sich bestätigen, dass Corvey eine begonnene römische Stadtgründung war, die sich nur als Flur - oder Gaunamen über die Zeiten rettete, so bleibt immer noch die Frage nach der Belastbarkeit diese Theorie. Wie nämlich ließe sich das Wort augu - ensischer Gau zum Wort augu - steischer Gau zurück bilden. Kamen im 9. Jhd. Sachsen in die Verlegenheit in ihrer Sprache das lateinische Zungenbrecherwort „auguensisch“ auszusprechen bzw. wie kamen die Mönche überhaupt auf dieses Wort ? Griffen die Mönche die germanisch klingenden Gaunamen Auganagavvi oder Ahagewe für die Region auf und legten dann ihre eigene lateinische Version fest, so hätten sie diesen germanischen Namen durch ihre lateinischen Versionen und Schreibweisen „Auguensis“ oder „Augensis“ warum auch immer ziemlich unkenntlich gemacht. Nur die ersten drei Buchstaben der germanischen Bezeichnung Aug - anagavvi bzw. Aug - anagau weisen noch zurück auf Augustus. Die Bezeichnung Auganagavvi bzw. Auganagauui für die Region um Corvey macht aber auch deutlich, dass dieses alte Wort recht tief im germanisch/frühmittelalterlichen Sprachraum wurzelt, als das heutige W noch mit zwei UU bzw. VV bzw. UA geschrieben wurde. Aus dem germanischen Gavvi entwickelte sich wohl über das spätere geuui bzw. gewi oder gouwi, das heute noch gebräuchliche Wort Gau. Aber noch fragwürdiger als uns die Bezeichnung des zuvor behandelten und überlieferten Namens auguensischer Gau ist, scheint es die Herkunft des Wortes Augana zu sein. Mit Auganern oder Auguensern könnte  man die Gesamtheit der Aubewohner bezeichnet haben, könnte seinen Ursprung aber auch im germanischen Wort augon für Auge sehen, was möglicherweise auf die große Weserschleife um Corvey zurückzuführen wäre und was sich im isländischen Plural augunum und augnanna nennt. Folgt man dieser Erklärung nicht, bleibt in der Mitte losgelöst die Silbe “gana” ohne einen erkennbaren Bezug stehen und lässt uns wieder rätseln. Welche Bezeichnung hätten die germanischen Altstämme der Region um Corvey gegeben, wollten sie die Erinnerung an die einstigen römischen Besatzer wach halten ? Romgau, Varusgau oder dergleichen kennen wir nicht. Aber Augustus war der Kaiser und Varus und seine Legionen unterstanden ihm und nur ihm und Augustus war die Stätte gewidmet die Varus für ihn urbar machen sollte. 15 Jahre bevor Varus die Weserauen betrat wurde sogar ein Monat nämlich der heutige August nach Kaiser Augustus benannt, was Varus veranlasst haben könnte die ganze Region nach ihm zu benennen. Die Anzahl von etwa zehn bei Kalkriese aufgefundenen Augurenstäben deutet daraufhin, dass das Amt des Auguren scheinbar inflationärer verbreitet war als vermutet. Auch im römischen Corvey könnte es einen Auguren gegeben haben. Ein Augur war ein römischer Beamter, konnte aber auch ein Priester sein. Dieser Logik folgend „gehörte“ die Region auch mal den Auguren, Priestern die den Vogelflug deuteten. In Anlehnung an das germanische Wort Auganagavvi könnte sich auch dieses Wort in nach römischer Zeit ins Bewusstsein der Menschen eingegraben haben. Im frühen Mittelalter waren all diese Ursprünge längst verschüttet und die einheimische Bevölkerung im 9. Jhd. oder früher kürzte alle Varianten ob Auganagavvi oder auguensischer Gau auf das knappe Wort Augau zusammen. Genauso kann man sich nun fragen was Radbertus damit meinte als er schrieb, dass die Klostergründung Corvey 823 gemeinsam mit den Leuten aus dem Nordteil der Stadt statt fand und schrieb, dass diese Stadt im Norden von Corvey mit Türmen und Befestigungsanlagen ausgestattet war. Türme und Befestigungsanlagen im Ostwestfalen des 9. Jhd. klingt befremdlich. Wie sahen sächsische Niederlassungen und Handelszentren vor der fränkischen Eroberung aus. Im Gegensatz zur küstennahen Wikingerstadt Haithabu an der Schlei, die um 770 gegründet wurde, könnten Städte im Inland und auch an der Weser aber sehr wohl, sowohl Befestigungsanlagen in Form stabiler Türme und Palisaden aufgewiesen haben. Der Klosterbezirk von Corvey war also zu Zeiten der Klostergründung noch Bestandteil einer wehrhaften und befestigten Stadt in der sich zu alledem auch noch ein nach „römischer Baukunst gefertigtes Selicasa“ befand, das nahe liegender Weise von den Bewohnern der Nordstadt auch schon vor der Klostergründung sinnvoll mit genutzt und damit vielleicht auch in die Befestigung der Stadt fest integriert war. Diese dort existierende, nennen wir sie engrisch/cheruskisch/sächsische „Nordstadt“ lag in einer Landschaft die zu Beginn des 9. Jhd., also nur 18 Jahre nach dem Ende der Sachsenkriege schon den neuen lateinischen Namen „auguensischer Gau“ trug. Hätte man die Engern, die Nachfahren der Angrivarier um 822 gefragt, warum man denn die Gegend „Auguensis oder auguensischer Gau“ nennt, so hätten sie sicherlich mit den Achseln gezuckt, denn sie kannten ja nur die ihnen geläufigen Namen Auganagavvi oder Ahagewe von Aha = Wasser. Aber sowohl die germanischen als auch die lateinischen Wortreste beginnen mit den drei Buchstaben „AUG“. Spätere Generationen formten die Varianten dann zu Augau um. Vielleicht mied man auch nach der fränkischen Eroberung die Bezeichnungen Auganagavvi oder Ahagewe, wenn diese älteren und damit also heidnischen Ursprungs und keine fränkischen Erfindungen waren und suchte ganz im Sinne der neuen Machthaber nach christlich/lateinischen Worten um speziell in dieser Region von früheren Ereignissen abzulenken. Die ältesten Urkunden nennen übrigens den Namen Gau Auga oder Augau gar nicht oder nicht mehr und auch die erste kaiserliche Urkunde von 822 in der dem Corveyschen Stift die „Villa Huxori“ zugesprochen wurde, nennt einen Namen Gau Auga oder Augau nicht bzw. man benutzte ihn nicht in der gehobenen Umgangssprache. Alle Urkunden nach der Gründung 822 sprechen nur vom „monasterium situm in saxonia super wiseram“. Erst eine bzw. die hier entscheidende Urkunde aus dem Jahr 838 schreibt „quod construximus in pago auguensi“. Einem Land der Auguer, oder auch der Auguenser. Aber kein Wort von einem Land der Augauer, dann doch schon eher dem Land der Auganer oder Augurer ? Greift man diesen Bezug noch mal auf, weist bei allen Kombinationsmöglichkeiten auch immer ein Fingerzeig zurück in die Antike. Und dieser Fingerzeig bestehend aus den drei ersten Buchstaben „AUG“ gewann durch die noch heute aufrecht stehende Bausubstanz des Ur Atriums in jeder Epoche seiner Existenz eine ihr eigene Beweis- und Überzeugungskraft und verfestigte damit immer wieder neu, die vage Erinnerung an einstmals große aber gescheiterte Pläne. Varus war das enttäuschende Werkzeug des „AUG“, aber letztlich gehörte doch alles dem Kaiser, den die wenigsten je zu Gesicht bekamen, der aber sicherlich immer in aller Munde war. So könnte ich das Kapitel nun an dieser Stelle enden lassen, wenn es da nicht doch noch einen bislang unbeachteten Bezug zu Kaiser Augustus und der Weser gäbe. Dazu müssen wir uns aber tief in den Süden Deutschlands begeben. Aus der Region bei Kaiseraugst nahe Basel am Rhein gelegen, dem römischen Augusta Raurica, dass schon im Jahre 45 - gegründet wurde, entstand der spätere Augstgau. Der Augstgau wurde im Jahre 752 erstmals erwähnt. Aus ihm oder auch parallel dazu entwickelten sich dann irgendwann die germanisch/deutschen Namen Augustgouwe bzw. Ougestgouwe oder Ougesgouue. Daraus können wir dann auch leicht die germanisch/deutsche Schreibweise des Namens von Kaiser Augustus heraus lesen. Das sich hinter Ougest oder Ouges der Name Augustus verbirgt, dürfte unstrittig sein. Aus dem Namen Augstgau wandelte sich dann in Süddeutschland später auch die lateinische Gaubezeichnung “Augu - stinsis” bzw. “finis Augustinsis” ab. Ähnlich der lateinischen Bezeichnung “Augu - ensis” an der Weser mit der ich mich hier näher befasse. Aber ist es denn so abwegig, den Pagus Auguensis an der Weser nicht auch in die Nähe zu Kaiser Augustus und seinen Auguren zu rücken ? Ich denke nicht. Halten wir also fest, dass sich der Name Augstgau oder Augustusgau bzw. Pagus Augustinsis eindeutig auf den Namen des römischen Kaisers Augustus bezieht. Kaiser Augustus war also letztlich namensgebend für diesen Gau, dem die Germanen ihre darauf basierenden eigenen Gaunamen Ougestgouwe oder Ougesgouue gaben. Dies bedeutet aber auch, dass es hier schon einen römischen Namen für eine Region gab, bevor die dortigen germanischen Stämme nach dem Abzug der Kelten aus dem Namen Augstgau die Worte Ougestgouwe oder Ougesgouue bildeten. Wir haben es hier ursprünglich also eindeutig mit einer Bezeichnung aus der römischen Kaiserzeit zu tun. Einfach ausgedrückt, der Augstgau war zuerst da. Daraus schlussfolgernd könnte man auch ableiten, dem Auguenser Gau an der Weser lag auch schon eine römische Urform zugrunde, aus der sich erst später das Wort Augau oder auguensischer Gau etc. heraus bildete. Im übertragenden Sinne kehre ich zum Anfang zurück und stelle die These auf, dass zwar der Augau zuerst da war, sich aber nicht wie allgemein angenommen auf eine Auenlandschaft bezog, sondern sich schon im Vorgriff auf zukünftige urbane Strukturen Augustusgau nannte, dann aber eine andere germanische Namensentwicklung durch machte, woraus später die zuvor genannten germanischen Gaubezeichnungen hervor gingen. Zwischen Höxter und Kaiseraugst beträgt die Luftlinie 490 km. Blicken wir also noch ins 395 km südlich von Höxter gelegene ehemalige römische Garnisonslager Augusta Vindelicorum bzw. Augusta Vindelicum am Limes. Wie Kaiseraugst auch eine augusteische Gründung. Auch die Geburtsstunde von Augsburg schlug in antiken Zeiten und ihr Name abgeleitet von Augustusburg sollte wie man heute weiß von Dauer sein. In nach römischer Zeit griff man auf den schon von der Historie vorgegebenen Namen zurück und benannte die Region, also den Gau nach seinem Gründer Kaiser Augustus. Wann die ortsansässige Bevölkerung vielleicht schon in germanischen Zeiten dazu überging dem Gebiet um Augsburg einen Namen zu geben, der sich aus ihrem Selbstverständnis heraus entwickelte und man nicht erst auf Karl den Großen warten wollte, wissen wir nicht. So nutzte man auch im Falle von Augsburg wie in Kaiseraugst geschehen für die späteren Gaubezeichnungen als Grundstock den kaiserlichen Namen Augustus und “germanisierte” ihn. Aus nahe liegenden Gründen lehnte man daher die Wortschöpfungen Ougesgouue, Ougiskauue, Owesgoewe, Ogesgowe, Ogasgauue und Auguskou dem Kaisernamen an. Vermutlich wie auch in der Region um Höxter geschehen, konstruierte man in fränkischer Zeit aus vorhandenen germanischen Namen, die aber nicht zwingend Auganagavvi oder Ahagewe gelautet haben müssen, die neuen Namen Pagi Augensis oder Auguensis. Es konnte demzufolge an der Weser auch Gau Bezeichnungen für den Augau gegeben haben, die nicht überliefert sind. Im frühen "fränkischen" Mittelalter konnte man in Augsburg den lateinischen Bezeichnungen Pagi Augustensis bzw. Augustkowe auch wieder den klaren Personennamen August entnehmen und verabschiedete sich von den zahlreichen dialektischen Namen von August. Auch germanische Gaubezeichnungen können sich demnach und überall gut auf römischen Wurzeln begründet haben, wenn sich keine andere Bezüge anboten. Die für damalige Zeiten großen Distanzen boten aber auch ausreichenden Raum für andere lateinische Sprachformen und Veränderungen durch ortsansässige Lateiner des 8. oder 9. Jhd. (Zuletzt gelesen 19.12.2017 – 20:53)

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