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Freitag, 29. Dezember 2017
Arminius schmiedete Pläne - aber welche Option versprach Erfolg.
Wie „befreite“ Arminius Germanien und was mögen seine ersten Schritte und Entscheidungen gewesen sein. Hatte er von Anfang an den Plan, die Legionen des Varus in Gänze zu vernichten, wie weit wurde er von seinem Familienverband beeinflusst, war er am Ende nur eine Marionette im Fürstenhaus der Cherusker, oder hätte den Germanen ein gehöriger Denkzettel an die Adresse des Varus schon gereicht. Er war sich sicher und er hatte eines in seiner Zeit als Halbrömer gelernt. Das Imperium würde eine größere Auseinandersetzung zwischen beiden Völkern, ob erfolgreich für die Germanen oder nicht nie verzeihen. Und damit sollte er auch Recht behalten. Spontane oder unklug vom Zaun gerissene Aufstände hätten keinen Sinn ergeben. Im Gegenteil, einen halbherzig ausgeführten Angriff hätte Rom gar nicht geduldet und nur noch um so mehr heraus gefordert. Darunter hätten die Germanen später schwer zu leiden gehabt. Man hätte alle in die Sklaverei führen können, oder sie günstigenfalls noch nach Gallien umgesiedelt. Eine Methode, die die Sugambrer bereits über sich ergehen lassen mussten und die Karl der Große Jahrhunderte später mit den Sachsen auch erfolgreich anwendete. So gab es auch viele berechtigte Sorgen auf Seiten der Germanen gegenüber einem massiv mit Waffengewalt ausgetragenen Widerstand gegen Rom im Weserland mit ungewissem Ausgang. Er stand folglich unter großem Erwartungsdruck aus dem später Erfolgszwang wurde. Denn eigenes Versagen konnte man damals noch nicht wie heute auf viele politische Schultern gleichmäßig verteilen, letztlich hätte er seinen Kopf hinhalten müssen, ob beim Gegner oder bei seinen eigenen Landsleuten. Auf ihm lastete seinem ganzen Volk gegenüber eine schier übermenschliche Verantwortung sich für die richtige Option zu entscheiden und der Schatten der fehlgeschlagenen Kämpfe bei Arbalo schwebte über allem, was er seinen Landsleuten an Möglichkeiten sich zur Wehr setzen zu können anbieten konnte. Man wird alle Varianten diskutiert haben. Auch ein Lagerüberfall wird darunter gewesen sein, wenn es ihm denn gelingen könnte starke Kräfte unerkannt und punktgenau heran zuführen um bei gleichzeitig geschwächter Lagerbesatzung los schlagen zu können. Arminius wusste auch um die germanischen Schwächen besetzte Lager zu erobern und musste bei längerer Belagerungszeit als Entsatz auch ein Anrücken der zwei Legionen umfassenden Asprenas Armee mit einkalkulieren die irgendwo an der Lippe operierte, ob sie kaserniert oder mit Arbeiten betraut war. Einen Marschzug anzugreifen lässt jedoch größere Rückzugsmöglichkeiten ins Hinterland zu und hätte somit mehr Spielraum gelassen wenn es kritisch geworden wäre. Cassius Dio hinterließ uns bei der Beschreibung des Endszenarios am letzten Kampftag den Hinweis, dass die Germanen größtenteils leicht bewaffnet waren und so die Möglichkeit hatten, ohne Gefahr anzugreifen oder sich eben auch schnell wieder zurück ziehen konnten. Das gilt besonders für Attacken auf einen Marschzug. Auf einen Zug der sich auf einen bekannten Endpunkt zubewegt, kann man an verschiedenen Streckenabschnitten kriegerische Attacken starten, ihn stören und die Koordination dieser zuerst Nadelstich artig vorgetragenen Feindkontakte hätte nicht unbedingt generalstabsmäßig umgesetzt werden brauchen. Ein Lagerüberfall hätte sie immer an die Nähe des Lagers gebunden, wenn der Angriff nicht direkt zum durchschlagenden Erfolg geführt hätte. Gebunden heißt aber auf einen neuen Zeitpunkt oder zusätzliche Kämpfer warten zu müssen und heißt vor allem Geduld aufbringen zu müssen. Warten und gedulden waren für die germanische Seele Fremdworte, darin besaßen sie kein Talent. Eine gewissermaßen naturgegebene unkoordinierte Vorgehensweise auf germanischer Seite offenbaren auch die Überlieferungen von Cassius Dio als er schreibt, dass die Zahl der Feinde in den Stunden als sich Varus tötete noch erheblich zugenommen hatte, denn auch viele andere Barbaren, die vorher noch abgewartet hatten, wären nun erst dazu gestoßen. Nach dem Motto, wer kommt ist da, hing auch damals schon vieles vom Zufall des bloßen Augenblicks ab. Aber wie gelang es Arminius unter diesen Bedingungen erfolgreich zu sein. Man stelle sich vor, er hätte nun einen Lagerüberfall geplant, aber die Kämpfer die er dazu unbedingt gebraucht hätte, kamen erst später weil sie ja noch etwas warten wollten. Wir aber wissen viel zu wenig und schon gar nicht wie viele einzelne Legionslager existierten, oder ob es gar ein Hauptlager an der Weser gab. Obwohl sich auch schon Drusus damit rühmte Wachtposten an der Weser stationiert zu haben. Arminius wurde vermutlich wie alle Germanen gleichen Schicksals als Geisel später automatisch in den römischen Militärdienst übernommen, sprach wohl gebrochen Latein, erlernte die römischen Kampftaktiken, war erfolgreich und behauptete sich lange Jahre in der so genannten Fremde. Das hatte ihn trotz seiner Wurzeln auch verändert und die Cherusker sahen, dass aus dem kleinen Arminius von damals ein respektierter Kämpfer geworden war. Er war nicht mehr der, den man einst weg gab und er konnte die Zeit nicht zurück drehen und so war er auch irgendwie einer von ihnen, den Römern geworden. Wie heißt es so schön, der Prophet im eigenen Land ist nichts wert und gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland. Und hier lag wohl seine größte Baustelle verborgen. Er musste Beweise seiner Qualifikation liefern, denn nicht nur die heutigen Westfalen sind skeptische Menschen. Aber es gelang ihm, er überzeugte und stellte sich mit ganzer Kraft auf die Seite seines Volkes und wurde akzeptiert. Arminius zweifelte vielleicht auch noch lange an sich, denn einen solchen Frontenwechsel vollzieht man nicht über Nacht. In ihm steckte symbolisch betrachtet der römische Stachel und der Zorn allen römischen gegenüber wohl schon länger im Fleisch, aber wie stand es um die westgermanischen Stämme nach den blutigen Niederlagen gegen Rom im Zuge des Immensum Bellum. Es ging schließlich nicht mehr und nicht weniger darum seine Landsleute nach all den Kriegen erneut zu motivieren einen Waffengang gegen Rom zu wagen. Sie mussten ihn allesamt und mehr noch, auch wenn sie waffentechnisch die Unterlegenen waren in seinen Plänen voll und ganz unterstützen, wenn er zahlenmäßig ebenbürtig sein wollte um mitzuhalten. Die ersten Chatten siedelten im Süden der Cherusker ab der Diemel, waren im Fürstenhaus eng mit den Cheruskern verwandt und hatten mit den römischen Streitkräften schon vor längerer Zeit unrühmliche Bekanntschaft gemacht, waren aber wankelmütig. Aber durch ihre Stammesgebiete führten die Durchmarschrouten der Mainzer Legionen unter Drusus nach Norden. Und das Römerlager Hedemünden, dass dort seit etwa bis 8 oder 7 - und wohl auch noch bis in die Jahre der Varusschlacht bestand hatte wurde ihnen, aber auch den Cheruskern schon früh an ihre östliche Stammesgrenze sozusagen statt vor die Stirn hier mal an den Hinterkopf gesetzt. Die Brukterer dürften sich ebenfalls aufgrund der zahlreichen Lippelager schon lange nicht mehr wie die Herren im eigenen Haus gefühlt haben und bei ihnen wird Arminius offene Türen eingelaufen und sie schnell für seine Pläne begeistert haben. Die Marser hatten bereits mit Tiberius ihre negativen Erfahrungen gemacht und hatten mit dem Römerlager Kneblinghausen ihr Anschauungsobjekt römischer Militärarchitektur in Griffweite, dass nach heutigem Forschungsstand in die Zeiten römisch - germanischer Auseinandersetzung zurück reichte. Das gemeinsame Band der herminonischen Wurzeln wurde beschworen und Arminius brauchte jetzt jeden Mann um mit dem römischen Militärapparat fertig zu werden. Für eine erfolgreiche Taktik und Koordination der Germanen war aber nichts hilfreicher, als sich untereinander und das auch über größere Distanzen abstimmen zu können um in engem Kontakt zu bleiben. Nicht nur die Cherusker nutzten reitende Boten zur Nachrichtenübermittlung, auch bei den anderen Stämmen wird es verbreitet gewesen sein, wenn es galt wichtige Informationen zuzustellen. Alles setzte aber auch eine klare sprachliche Verständigung innerhalb der regionalen Stämme voraus. Wir kennen den alten Wortschatz nicht und können seine Facetten, Auslegungsmöglichkeiten und Lautbildungen auch nicht nachvollziehen, wie mag es also um diese damals beschaffen gewesen sein, wie unterhielten sich unsere Vorfahren in Nordwestdeutschland in der Römischen Eisenzeit noch weit vor der Verbreitung des Althochdeutschen untereinander. Runen werfende, wortkarge oder Keulen schwingende Gestalten, wollen da nicht mehr so recht ins Bild passen. Dieses ganze strategische Konstrukt, die Gegner mögen es Komplott nennen unauffällig und hinter dem Rücken von Besatzern und Okkupanten zu betreiben war eine gewaltige Herausforderung für jene Zeiten und erforderte ein Übermaß an Disziplin, Zuverlässigkeit und Vertrauen, was man von „Barbaren“ eigentlich gar nicht erwartet hätte. Sprachliche Missverständnisse aufgrund dialektischer Differenzen hätten die konzertierte Kraftanstrengung schnell zunichte gemacht. Ist man sich aber in den Grundzügen eines geschlossenen Widerstandes einig, so bedarf es bekanntlich nicht vieler Worte um sich zu verständigen. Auch heute noch können wir uns gut in die Welt der wortlosen Kommunikation hinein denken, wo ein Handschlag noch Gesetz war. Wenn das Gegenüber auf einen hohen ausgestoßenen Kehllaut mit einem tiefen Rachenton antwortet, so gilt das übrigens auch heute noch als Frage und Zustimmung. Der Rest war dann nur Formsache. Und mehr bedurfte es auch damals nicht. Den ganzen Einsatzwillen aber allein nur mit dem gemeinsamen Ziel auf reiche Beute zu begründen, greift sicherlich zu kurz. Hier ging es um mehr auch ohne das man das heere Wort Freiheit über strapaziert. Was muss also einer derartigen Großtat so alles voraus gegangen sein, um die Völkerschaften zwischen Prähistorie und frühester Geschichte über recht große Distanzen zu gemeinsamen Handeln zu motivieren die von Natur aus eher zu Kleinkriegen, Reibereien und Kirchturmdenken neigten, als sich Stammes übergreifend zu verbünden. Dieser damals von Rom ausgelöste Druck sich einigen zu müssen, war auch eine der Grundsäulen späterer Zusammenschlüsse als sich in der Völkerwanderungszeit aus Stämmen Völker bildeten. Dieser Methodik folgt man bekanntlich bis in unsere Tage und der europäische Widerstand gegen Napoleon ist nur eines von vielen Beispielen. Wenn sich damals germanische Stämme untereinander bekriegten, so galt noch das alte Sprichwort. “Der Feind meines Feindes ist mein Freund”. Gegen Rom angewendet verlor es in dieser Zeit jedoch seine Gültigkeit, denn obwohl sich die Stämme untereinander nicht immer „grün“ waren, mit den Römern wollte man in Ostwestfalen und den angrenzenden Regionen in dieser Zeit denn doch keine tiefe Freundschaft schließen. Hier standen damals noch keine Minne verwirrten ritterlichen Krieger im Kampfgeschehen, die einem Unterlegenen noch ein Pferd zuführten um ehrenhafte Waffengleichheit herzustellen. Auf den Schlachtfeldern der Antike hat es kein Pardon gegeben und der Barditus des chattischen Fußvolkes gab, wenn sie im Eberkopfkeil angriffen, den unmißverständlichen Schlachtton vor, was nicht den Eindruck von Milde gegenüber dem Feind erzeugt. Und ob sich Germanen vor dem Kampf schwarz anmalten ist nicht klar überlieferten, von den Galliern hingegen weiß man, dass sie sich blaue Körperbemalung zulegten. Alles keine Hinweise auf besondere Nächstenliebe und Rücksichtnahme auf dem Schlachtfeld. Es musste Arminius folglich einiges abverlangt haben, gemeinsam mit seinen Mitstreitern eine schlüssige und für alle plausible Strategie zu entwickeln und diese war sicher nicht aus einer Laune heraus geboren worden, denn es würde um Leben und Tod gehen auch wenn Walhalla schon freundlich winkte. Kaum ein anderer seiner Zeit kannte aber die Mentalität der Menschen so gut wie er, der in zwei Welten aufwuchs. Aber auch die Landschaft zwischen der Egge und der Weser durchflossen von der beschaulichen Nethe war für Arminius Heimat. Übertrieben gesagt, jeder Hügel damals erfreulicherweise noch ohne Windkraftanlagen und jeder Strauch dürften ihm und seinen Mannen bekannt gewesen sein. Und in dem sein Plan langsam Gestalt annahm, wird er sich alle strategisch bedeutsamen Wegeverbindungen, Orientierungspunkte und Geländeformationen auch noch mehrere Male vorher, auch ohne Stoppuhr genau angesehen haben, um so wenig wie möglich dem Zufall zu überlassen. Es mussten dazu im Vorfeld schon Wochen oder gar Monate vorher die Weichen gestellt, Pläne geschmiedet und auch wieder verworfen worden sein. Immer der Gefahr ausgesetzt aufzufallen und damit enttarnt und festgesetzt zu werden, denn wir wissen, dass er nicht nur Freunde unter den Germanen der vier Hauptstämme hatte. Und es sei da der Hinweis auf den Chatten Adgandestrius gestattet, der sich beim römischen Senat später sogar als Mörder von Arminius anbot. Er wird den großen Rat der Sippenältesten wohl mehrfach einberufen haben, um sich der Gefolgschaft aller zu versichern, letzte Einzelheiten zu besprechen und eine gemeinsame Vorgehensweise abzustimmen. Auch Segestes wusste viel, müsste eigentlich an den Gesprächen teil genommen haben und dies offenbart bereits seine dubiose Rolle die er später einnahm. Er hätte Varus am Vorabend der Schlacht eigentlich schon viel mehr Informationen geben können, aber warum auch immer, er tat es nicht. Der Plan musste umsetzbar und glaubhaft sein um auch die letzten Zweifler zu überzeugen, gleich aus welchem Lager sie kamen und welche wahre Gesinnung in Form von Gier oder Rache wem auch immer gegenüber, auch dahinter gestanden haben mochte. Seine Autorität als erfahrener Anführer einer germanischen Kampftruppe in römischen Diensten und seine Stellung ihm germanischen Fürstenhaus der Cherusker sowie als Kenner römischer Verhältnisse half ihm dabei. Für alle beteiligten Stämme stellte sich aber die große Frage wie man denn einen Tag “X” definiert, an dem aus den weit entfernt liegenden Landesteilen zu Fuß oder Pferd dann auch alle zum richtigen Zeitpunkt auf der lang gezogenen Bühne des Geschehens eintreffen könnten. Die Brukterer werden sich gefragt haben, wie man denn unbemerkt an den römischen Posten der Lippe vorbei aus dem Ems - und Lippetal noch rechtzeitig zum Kampfplatz kommen sollte. Den Cheruskern stellte sich die Frage der Erreichbarkeit nicht, da die großen Niederlassungen der Römer auf ihrem Territorium lagen und sie aus Sicht der Römer als eine absolut zuverlässige Kerntruppe galten. Die Waldgermanen der Marser und Chatten müssen sich ebenfalls schon Tage vorher mit Proviant eingedeckt auf den Weg gemacht haben, konnten aber dafür auf genügend Deckung setzen. Die umsichtige Verproviantierung der Chatten auf Kampfzügen hatte uns bekanntlich Tacitus bestätigt. Aber allen musste eines gemein sein, nämlich das Wissen um den genauen Schlachtort die Region und den Zeitpunkt. Der Plan musste allen nach dem alten Motto, getrennt marschieren und vereint schlagen, bestens bekannt gemacht werden, egal was komme. In diesen Zeiten galt jetzt um so mehr das Ehrenwort der Zusage sich an die getroffene Vereinbarung die einem Schwur oder Gelübde gleich kam, zu halten. Und eines war sicher, der Weg zum Ort der Auseinandersetzung musste für alle Kämpfer auch innerhalb einer angemessenen Zeitspanne erreichbar sein. Er hatte für damalige Verhältnisse überschaubar zu bleiben um sich nicht nach zu langen Wegstrecken ausgezehrt und kraftlos in den Kampf werfen zu müssen. Mit anderen Worten mehr als zwei Tagesmärsche sollten es nicht sein, um nicht die ganze Planung zunichte zu machen. Wir wissen um die Bedeutung der richtigen Terminierung und Lokalisierung einer Schlacht oder eines Überfalls, wo selbst der Stand der Sonne, die Wetterlage und die rechtzeitige Zuführung ausgeruhter Kräfte oftmals Schlachten entscheidend sind. Stichwort” „Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen”. Aber an die Spitze dieses Kapitels stellte ich die Frage der Strategie. Wie also gedachte Arminius vorzugehen. Wir wissen nicht, ob Arminius schon als Geisel im Kindesalter oder erst als heran wachsender Krieger in die „Obhut“ Roms kam. Arminius wurde um 17 – geboren und könnte im Zuge der Erfolge des Drusus um 10 - frühestens als sieben Jähriger an den Rhein gekommen sein. Alternativ betrachtet scheint es schlüssiger, dass er 5 + als 22 Jähriger nach den Eroberungen des Tiberius den Weg ins römische Besatzungsgebiet angetreten hat. In einer Zeit also, als Rom Kämpfer brauchte und er dann zwischen 6 + und 9 + mit half innerhalb der 15 Legionen umfassenden Armee, den Aufstand in Pannonien nieder zu schlagen. Sollte er den Weg nach Pannonien über die Römerlager am Rhein genommen haben, so wird er möglicherweise aus den Kreisen dort siedelnder Germanen oder römischer Kampfgefährten erfahren haben, welcher germanische Stamm rechts des Rheins im Jahre 51 – Ambiorix Zuflucht gewährt hatte. Wie von Florus überliefert, konnte der sich noch im letzten Moment dem Zugriff Cäsars nach der Schlacht von Aduatuca entziehen. Das es sich bei dem hilfsbereiten Stamm um die Sugambrer gehandelt haben könnte, ist da recht nahe liegend und würde auch deren mögliches Teil Engagement später auf Seiten des Arminius verständlicher erscheinen lassen. Neben Vercigetorix und Ariovist war Ambiorix der Eburone der dritte Stammesführer dem es gelang Cäsar eine empfindliche Niederlage zuzufügen und der daher sogar noch bis zum heutigen Tage in Belgien großes Ansehen genießt. Es ist nicht bekannt wann Ambiorix im Exil verstarb, jedoch besaß sein Sieg Strahlkraft, aber vor allem überzeugte er mit der Methode wie es ihm gelang eine römische Legion samt weiteren 5 Kohorten zu besiegen. Ambiorix lockte sie panisch aus ihrem Winterlager um sie dann auf dem Marsch in einem Talkessel ohne den Schutz eines Lagers besser bekämpfen zu können. Diese Vorgehensweise und Beschreibung ließ sicherlich Arminius in einer Zeit aufhorchen, als dieser noch nicht annähernd daran dachte, sie später einmal selbst anzuwenden. Aber nicht nur der Kelte Ambiorix wies ihm damit und nur rund 60 Jahre nach Aduatuca seinen Weg zum späteren Erfolg im Jahre 9 + in Ostwestfalen. Auch die Nachrichten die Arminius zur Strategie des Hinterhalts bekam, mit der es den Sugambrern und ihren Verbündeten 16 - unter Fürst Melo gelang die römische Reiterei in der Clades Lolliana in einen Hinterhalt zu locken, gingen nicht spurlos an ihm vorbei. Arminius hatte gute Lehrmeister bevor er später in Ostwestfalen die Geschicke selbst in die Hand nahm und nicht ohne Grund hob ihn die „Edda“ in der Gestalt des Sigurd als den größten Heerkönig, mit dem bezeichnenden Hinweis solange die Welt besteht, hervor. Wohlweislich nannte ihn die Edda Heerkönig und nicht Drachentöter. Das Heer war also der Drachen, woraus ich ableite, dass man in späteren Zeiten allen erfolgreichen Heerführern auch den Ehrentitel Drachentöter gab. Wir haben dazu auch gute Vergleiche aus der Indianersprache oder der der Masai Krieger, denn dort ehrte man besondere Kämpfer auch indem man ihnen entsprechende Beinamen allerdings von realen Tiearten verlieh. Aber auch wenn Tacitus die Erfolge des Arminius indirekt rühmt und ihm und seinen Taten damit seine Hochachtung entgegen brachte, so war Arminius unumstritten römischer Staatsfeind Nummer eins. Und was macht man mit einem Feind, dem man gleich einem Phantom nicht habhaft werden kann. Man ignoriert ihn, schweigt ihn tot und versucht vielleicht sogar später seine ganze Existenz in Frage zu stellen. Eine Gelegenheit dazu bot sich dem römischen Staat als man Thumelicus seinen Sohn in die Finger bekam. Den Stabreimen gehorchend hätte seine Anfangssilbe mit „Seg“ beginnen müssen. Dies wurde vermutlich mit Hilfe des Segestes unterwandert. So baute man stabreimend auf dem Namen seiner Mutter auf, in dem man auf ihre Vorsilbe „Thu“ zurück griff und ihn dann lateinisch mit „melicus“ enden ließ. Eine von mehreren Möglichkeiten um die väterliche Wurzel zu Widersacher Arminius zu kappen, zu tilgen oder zu leugnen. Und spätestens in diesen Zeiten gemeinsamer Abwehrkämpfe gegen Rom dürften sich auch Kelten und Germanen noch näher gekommen sein und Rivalitäten früherer Jahre lösten sich auf. An der Glaubwürdigkeit des Geschichtsschreibers und Dichters Florus der für seine Lobschriften auf die Größe Roms bekannt ist und uns die Auseinandersetzungen im Zuge des Varus Ereignisses als einen Lagerüberfall beschreibt, ließe ein von den Germanen inszenierter erfolgreicher Hinterhalt verbunden mit einer mehrtägigen Schlacht natürlich Zweifel aufkommen. In den milden Sommermonaten des Jahres 9 + lullte er Varus ein und klopfte seine Strategie fest, die im Herbst greifen und im Winter beendet sein sollte und die aus einer Kombination bestehen würde. Nämlich „Hinterhalt konstruieren“ und „Köder auswerfen“ oder umgekehrt. Er entschied sich für einen, wenn auch zermürbenden und sich über Tage hinziehenden Angriff auf einen ziehenden Marschkörper, statt auf ein befestigtes Lager. Er wusste nicht, ob sein Plan aufgehen würde, hatte sich vielleicht schon um Asyl bei den Langobarden bemüht und Aliso und die anderen Lippelager lagen noch weit außerhalb jeglicher strategischer Überlegungen. (zuletzt bearbeitet 29.12.2017 - 18:19 Uhr)

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Rom bekam in Ostwestfalen den Fuß in die Tür
Sondierungen und Vorstöße römischer Feldherren nach Osten dienten immer einem konkreten Ziel und waren weder Sonntagsausflüge noch Freundschaftsbesuche sondern immer klare Machtdemonstrationen gegenüber „Halbwilden“ und Unbelehrbaren. Sie begannen in Germanien unter Drusus bereits 12 Jahre vor der Jahrtausendwende also lange vor der Varusschlacht und endeten in der Regel auf höhere Weisung von Kaiser Augustus erst mit dem Erreichen der Elbe, der einen übertritt des Flusses verbot. Obwohl neuerdings in Abrede gestellt wird, dass Rom überhaupt jemals vor hatte Germanien bis zur Elbe oder sogar darüber hinaus zu besetzen. Dem kann man natürlich die römische Natur entgegen halten. Denn ein Imperium, das man in Germanien überall mit offenen Armen empfangen hätte, hätte selbst an Oder oder Weichsel noch nicht seine Grenzen erreicht. Es war damals wie Cassius Dio überlieferte in einem Engpass nahe einem bislang nicht lokalisierten Arbalo wo es in Ostwestfalen im Frühjahr 11 – erstmals zu einem heftigen Gefecht zwischen römischen Legionen und Germanen, vermutlich aus den Stämmen der Sugambrer, Cherusker und Chatten kam. Dieses Gefecht vermutlich im Bereich der Südegge war im Nachhinein betrachtet zusammen mit der Strafexpedition des Drusus im Jahre 12 – ins rheinnahe Gelderland der Auftakt zu den Germanenkriegen die sich über fasst 3o Jahre bis ins Jahr 16 + erstrecken sollten und im Jahre 9 + einen Wende- und Höhepunkt erreichten. In den 8 Jahren zwischen 11 – und 3 – traten die Legionen in Ostwestfalen nicht Erscheinung. Drusus besiegte in dieser Zeit die Markomannen unter Marbod am Main, die Bauarbeiten für die römische Stadt Waldgirmes begannen 4 -,Tiberius siedelte Sugambrer und Sueben in linksrheinisches Gebiet um und Ahenobarbus errichtete vermutlich in der westfälischen Bucht die „langen Brücken“. Erst im Jahre 3 – stieß der Feldherrn Lucius Domitius Ahenobarbus wieder tiefer nach Osten vor. In diesem Fall mal in “rein friedliebender” Absicht überschritt er kurzzeitig sogar die Elbe, wobei er auch zwangsläufig durch Ostwestfalen ziehen musste. Dies geschah aber, ohne das sie die Stämme an der Elbe beunruhigten, in Aufruhr versetzten oder gar römische Expansionspläne kund taten. In diesem Zusammenhang kam es wohl im rückwärtig gelegenen Stammesgebiet der Cherusker zu Stammeskonflikten. In diesem Zusammenhang wurden Angehörige der Cherusker vermutlich aus einer Wort führenden Oberschicht aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, wurden vertrieben und mussten fliehen. In ihrem Bemühen nach Unterstützung suchten sich diese Ausgestoßenen einen stärkeren Verbündeten und wandten sich an jenen gerade im Lande befindlichen römischen Feldherrn Ahenobarbus um mit seiner Hilfe und unter seinem Schutz wieder in ihr Stammesgebiet integriert zu werden und zurück kehren zu können. Vermutlich erhofften sie sich sogar durch die Legionen auch eine komplette Niederschlagung derer, die nicht auf ihrer Seite gestanden hatten um möglicherweise selbst die Macht zu übernehmen. Wo sich diese Geflüchteten oder Vertriebenen aufhielten, um wie viel es sich handelte und wo Ahenobarbus auf sie traf und weitere Hintergründe sind uns nicht bekannt. Da es allerdings Ahenobarbus nicht gelang ihr Ansinnen zu erfüllen oder Frieden zu stiften, kam es auch nicht zu einer Rückkehr dieser Gruppe und sie wurde ihnen wohl dauerhaft verwehrt. So werden sich die nicht mehr geduldeten Cherusker zwangsläufig einen anderen Aufenthaltsort gesucht haben müssen. Sich anderen Stämmen anzuschließen war wohl nicht angebracht, sodass es denkbar ist, dass diese Schar der Cherusker im linksrheinischen römischen Germanien, man würde heute sagen eine Exilregierung bildeten und in römische Abhängigkeit gerieten. Es mag trotz vieler Befindlichkeiten noch den einen oder anderen Germanenstamm gegeben haben, der ihnen Siedlungsland zugestanden hätte, sollten es aber Cherusker aus einer Oberschicht gewesen sein, so strebten diese sicherlich nach höheren Zielen als danach als Ackerbauer zu enden. Vermutlich passte dies auch besser in die Pläne von Ahenobarbus um die Cherusker zu spalten und er besaß deswegen auch kein großes Interesse an einer Schlichtung mit versöhnlichem Ausgang. Möglicherweise stand der junge Segestes dem Kreis der Ausgestoßenen nahe, denn die dubiose Rolle, die er 12 Jahre später einnahm fügt sich gut in diese Ereignisse. Mehr noch, es wurde für die römische Seite erkennbar, dass sich hier für sie in Ostwestfalen leicht eine Tür öffnen ließ, die für spätere Interessen nützlich sein könnte, da man über sie Einfluss nehmen konnte. Ahenobarbus hatte bei seinem Vorstoß 3 - über die Elbe wieder einiges von den germanischen Machtstrukturen und dem Wesen der Germanen kennen gelernt, bemerkte ihre Zerrissenheit und erkannte die Schwächen. Und natürlich wurde der ungehinderte Durchmarsch der Ahenobarbus Legionen quer durch Germanien von allen Stämmen misstrauisch beäugt und es werden Stimmen laut geworden sein, dieses nicht widerstandslos zu akzeptieren, was die aufgetretenen Unruhen unter den Cheruskern vor dem Immensum Bellum ausgelöst haben könnte. Truppenbewegungen durch Landstriche anderer Stämme möglicherweise ungefragt, sind für alle Anrainer grundsätzlich nicht akzeptabel und bedeuteten auch damals schon einen nicht legalen Akt der Beanspruchung fremden Eigentums. Die Legionen benötigten Fläche für Marschlager und Nahrung für sich, ihre Pferde und Zugtiere, was schnell zu Konflikten und Gereiztheiten aufgrund von begrenzten Ressourcen führen konnte. Die Germanen erkannten im römischen Vorgehen nach den Drususvorstößen die neue Dimension einer zielgerichteteren Vorgehensweise sich neue Provinzen erschließen zu wollen. Eine nun spürbar gewordene unruhige bis aufgeheizte Lage könnte sich nach den Demonstrationsmärschen der Ahenobarbus Legionen zur Elbe und zurück in der Folgezeit in Germanien noch zusätzlich aufgeschaukelt haben die auch Ahenobarbus nicht verborgen blieb. Es hätte zu einem größeren Aufruhr führen können oder hatte sich sogar schon zugetragen, was Rom zu verhindern hatte. Lucius Domitius Ahenobarbus  war Senator stand im engen Verhältnis zum Feldherrn Tiberius und beide beobachteten vom Rhein aus die Szenerie im Osten Germaniens auf eine mögliche Zuspitzung hin. Der Zeitpunkt schien ihnen daher gekommen zu sein sich in Absprache mit Kaiser Augustus dafür entschieden zu haben, nun den gesamten Norden und die Mitte Germaniens endgültig unter dauerhafte Kontrolle zu bekommen. Auf dieser Basis gab Rom den Startschuss für die Vorbereitungen des von 1 + bis 5 + währenden Immensum Bellum in dem auch wieder, wie schon bei Arbalo dem die Römer knapp entgingen erneut die Cherusker im Zentrum gegen die Legionen ankämpften. Vermutlich wegen schlechter und ungestümer Taktik im Zusammenspiel mit den anderen Stämmen hätten sie bei Arbalo einen Sieg erringen können, waren aber am Ende defacto die Unterlegenen, da sie die Schlacht nicht erfolgreich für sich entscheiden konnten. Anders verlief der für Rom letztlich siegreiche Immensum Bellum der im Jahre 7 + die Tür für die Entsendung des Statthalters Varus an die Weser öffnete. Der erste Kontakt mit Varus offenbarte es den Germanen schon und war für sie ein untrügliches Zeichen dafür, dass für Rom nun die Zeit reif war, die einverleibende Provinzialisierung ihres Landes umzusetzen. Nach den Niederlagen im Immensum Bellum wurde aber für die Cherusker auch schmerzhaft deutlich, dass sie weitere mit Waffengewalt ausgetragene Konflikte mit dem Imperium zum Erhalt, im Interesse einer gewissen Restautonomie und im Sinne ihrer eigenen Existenz und Sicherheit zukünftig vermeiden mussten. Im Wissen um die möglichen Konsequenzen wird das Bewusstsein um die kritische Lage auch die spätere Vertragsregelung des Imperiums insbesondere mit der Rom kritischen Oberschicht der Cherusker beeinflusst haben. Die Parteien im Fürstenhaus der Cherusker waren nun gezwungen einen Mittelweg, irgendwo zwischen kriegerischer Auseinandersetzung und kompletter Unterwerfung zu suchen. Es wollte fortan gut durchdacht sein, ob man noch eine langfristige Auseinandersetzung auch auf Partisanenebene mit den römischen Feldherren riskieren wollte, oder besser diplomatisch vorging. Diplomatie war nun mehr gefragt als die blanke Waffe und die Cherusker mussten Männer an die Verhandlungsfront entsenden, die der römischen Zungenfertigkeit halbwegs gewachsen waren. Wer in diesen Jahren von germanischer Seite Geschick bewies, konnte noch was für die Seite der Cherusker heraus schlagen aber ungünstigenfalls auch viel Porzellan zerschlagen. Die Cheruskereliten waren nun gefordert diesen Spagat zu meistern. Der gesunde Menschenverstand rät in diesem Fall jene Cherusker in die Verhandlungskommission zu schicken, die es noch am Besten mit den Römern konnten. Ähnlich wie es später im Pfälzischen Erbfolgekrieg Hans Anton zu Eltz - Üttingen gelang. Er war ein im Rang hoch stehender Offizier, aber im französischen Heer und konnte daher nur deswegen die Burg Eltz vor der Zerstörung bewahren. So wird man auch damals auf die Kräfte der Rom treuen Cheruskerfraktion gesetzt und sie vorgeschickt haben. Und so könnte sich in dieser Zeit Segestes im Zuge der Verhandlungen seine umstrittenen Verdienste um den Cheruskerstamm erworben haben, bevor er dann selbst erkennen musste, dass man ihn über den Tisch gezogen hatte. Aber auch ein Vertrag mit schlechteren Konditionen konnte Angesichts drückender römischer Überlegenheit noch das kleinere Übel sein. Der Feind stand schon im Land die Kriege hatten die Cherusker geschwächt. Zu diesem Zeitpunkt konnte aber noch keiner ahnen, dass dies nicht nur ein schlechter sondern ein harter Knebelvertrag werden würde. Denn es war ein erster Schritt und damit die Basis für den Einmarsch römischer Legionen samt Standlager auch östlich der Egge. (zuletzt bearbeitet 29.12.2017 - 18:19 Uhr)

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Montag, 11. Dezember 2017
Der Cherusker mit den zwei Namen - den Ersten suchen wir noch
Der 30 jährige Krieg Roms gegen die Westgermanen unter ihrem letztlich siegreichen Anführer im feuchten und nebelverhangenen Germanien, dem in der deutschen Geschichte noch zwei 30 jährige Kriege folgen sollten, strahlte aus. Auch an der Bevölkerung des hohen Nordens bis Island, den britischen Inseln aber auch an den Menschen weiter im Osten noch über Ostsee und Oder hinaus, gingen die grössten Schlachten die es wohl jemals in Zentralgermanien gab, nicht ohne deren Kenntnisnahme stillschweigend vorüber. Auch ohne über die jeweilige Kampfstärke zu spekulieren, geht man allein bei Idistaviso davon aus, dass sich hier zwei gewaltige Heere gegenüber standen. Man kann allerdings den Eindruck gewinnen, als ob sich der Informationsfluss aus dem Schlachtenraum stärker und gradliniger nach Norden orientierte und verbreitete um dann von Dänemark über Norwegen Island zu erreichen, als dass er sich wegen der isolierteren Lage bedingt durch die Ostsee in den Osten Skandinaviens bis zu den heutigen Staaten Schweden/Gotland oder Finnland ausbreitete. Die Nachrichten sickerten also wie man so sagt durch und man versuchte sich natürlich bis in die entferntesten Winkel von den Ereignissen an der Front, gemessen an den damaligen Möglichkeiten ein in etwa klares Bild zu verschaffen. Und überall wird man sich in den Fürstenhäusern beratschlagt und auf Neuigkeiten gewartet haben. Im Norden hatte man für die bis dato unumstritten größte germanische Heldengestalt in Person des erfolgreichen Schlachtenlenkers eine Vielfalt germanischer Abstammungsnamen parat. Davon könnte sogar einer sein wirklicher Name gewesen sein. Ostwestfalen lag auch damals schon im kontinentalen Zentrum Mitteleuropas und die Völker des Nordens waren eng mit den Schauplätzen im Weserraum verzahnt. Sie wussten und kannten auch noch die richtigen Namen der alten Recken und griffen daher naturgemäß auch in ihren ersten Schriften auf sie zurück. Namen wie Arminius, aber vor allem die germanischen Namen Segimund, Sigfrid oder Sigurd die mit der cheruskischen Segimer Sippe namensverwandt sind, waren geläufig und in aller Munde und wurden daher, was niemand verwundert im frühen und hohen Mittelalter über die nordische Sagenwelt auch wieder in den Süden zurück gespült. Schreitet man also auf diesem Weg zurück, müsste auch der germanische Originalname von Arminius mit den Anfangsbuchstaben Seg-/Sig begonnen haben. Man blieb damals in der fest gefügten Tradition der Sippensprache indem man zu jener Zeit Familiennamen miteinander staben ließ. Der Name des alten Varusrivalen Arminius aus der Sippe des Segimer geleitet uns daher auch genau in diese Richtung. So birgen die verführerischen Vorsilben Seg-/Sig der Anverwandten von Arminius viele Kombinationsmöglichkeiten in sich und unerschöpfliche Forschungsansätze für die Onomastik. Und einiges spricht in der Tat dafür, dass der germanische Name von Arminius mit dem ihn seine Mutter rief, mit einem Seg-/Sig begann. Die Endsilbe ist uns allerdings unbekannt. Aus den Vorsilben Seg-/Sig bildeten sich in der Welt der Sagen demnach die drei Namensformen Sig - mund, Sig - urd und Sig – frid heraus, die uns inhaltlich über die diversen germanisch/ frühmittelalterlichen Heldenlieder überliefert sind. Sich allein diesen Namen zu widmen, stellt bereits einen eigenen Zweig der Wissenschaft dar. Ein Name des Drachentöters aus den Liedern des Codex Regius (Edda), der Thidrekssaga und des Beowulfliedes lautet Sigmund. Sigmund der Wölsunger hat aber als Vater von Sigurd/Sigfrid als der er in der Sagengeschichte auftritt eine eigenständige Entwicklung genommen. Diesen Namen Sigmund erkennen wir aber auch in seiner römifizierten Form nämlich Segimundus, dem Sohn des germanischen Arminius Widersachers Segestes. Zwei Theorien die sich jedoch nicht verbinden lassen, denn Vater kann nicht gleich Sohn sein. Diesen Namen aus der rivalisierenden Nachbarsippe, also den gleichen Namen dann auch für den Sohn von Segimer zu benutzen, wäre innerhalb der führenden Fürstengeschlechter der Cherusker bestimmt nicht der Fall gewesen. Der Name Sigmund stammt aus der verschlungenen Sagenwelt des germanischen Nordens. Sigmund war darin der Urenkel von Sigi aber auch der Ururenkel von Odin dem germanischen Kriegsgott. Geht man nach der nordischen Sage, so wäre Sigurd/Siegfried des Sigmund Sohn immerhin auch mit dem germanischen Kriegsgott verwandt gewesen und stieg damit schon fasst zum Halbgott auf. Man hob ihn auf göttliches Podest und die Menschen vor 2000 Jahren haben sich, da sie noch kein Bundesverdienstkreuz kannten, für diese zeitgemäße Form der Ehrung entschieden. Eine besondere Art der Hochachtung die die Germanen sicherlich nicht jedem Irdenmenschen zukommen ließen. Sigurd muss nicht nur etwas ganz besonderes gewesen sein, er war es auch wie uns alle, besonders die römischen Quellen bestätigen. Und dieser Held, dass wussten die Nordgermanen stammte aus ihrer Blickrichtung aus Südgermanien, genauer gesagt aus der Region zwischen Osnegge dem heutigen Eggegebirge und dem Wesertal mit dem angrenzenden Solling und damit auch noch aus ihrer Mitte. Jede nachfolgende Generation im Großraum Germaniens wusste um die Dimension der blutigen Aufeinandertreffen beider Völkerschaften. Obwohl aber der klare Blick auf die konkreten Abläufe immer blasser wurde, wuchs von von Jahr zu Jahr die Erkenntnis um die Tragweite der großen Schicksalsschlachten. So stellte sich mit zunehmendem Abstand zu den Ereignissen eine Kultur des sich Erinnerns ein. Die Überlebenden berichteten von ihren Taten und heroisierten sie. Gab es Zeugen musste man wohl mehr bei der Wahrheit bleiben, fehlten diese konnte man auch etwas dicker auftragen. Der Cherusker "A" brüstete sich mit einem Sieg in einer Eggeschlucht gleichzeitig zwei Legionäre nieder gestreckt zu haben, während es dem Angrivarier "B" bei Idistaviso gelang noch einen Römer vom Pferd zu stoßen, obwohl er selbst schon halb im Sumpf der Weserauen feststeckte. Neutrale Kriegsberichterstattung suchte man vergeblich. Jeder hatte seinen persönlichen Erfolg über den er berichten konnte. Die Erlebnisse zusammen gefasst waren endlos und immer wieder kamen neue hinzu und steigerten sich in den Erzählungen der Enkel und Urenkel. Eine Welt des Schreckens hatte sich durch ihre Taten in die Herzen unserer Urbevölkerung eingebrannt und die Zuhörer vergaßen vor staunen die Welt um sich herum und glaubten ihnen jedes Wort ungleich von welcher Örtlichkeit zwischen Ems, Lippe und Weser gerade die Rede war. Germanicus und seinen Männern dürfte es damals nicht gelungen sein anlässlich der zeitlich begrenzten Stippvisite alle noch vorhandenen Knochen aufzufinden und zu bestatten. Bis in die schwer erreichbaren Hanglagen werden sie nicht vorgedrungen sein. Die Schätzungen der an der Varusschlacht beteiligten Kämpfer auf römischer Seite gehen von 15 – 20.000 aus und alle sollen bis auf wenige Überlebende umgekommen sein. Auch noch zahlreiche nicht geborgene also nicht bestattete Germanen dürfte es gegeben haben. Man kann also eine Schätzung wagen, wonach sich auf den Schlachtfelder im Jahre 15 + noch die Knochenreste von annähernd 20.000 Menschen die auch von der damaligen Tierwelt in den sechs Jahren nicht verspeist worden sein können. befunden haben könnten. Der menschliche Knochenanteil liegt bei etwa 8 kg pro Skelett und wenn ein leerer vierachsiger Drehgestell Güterwagen der Deutschen Bundesbahn 22 Tonnen wiegt, kann man sich ausrechnen was hier zusammen gekommen wäre, hätte man sie alle unter einem Tumuli aufgehäuft. Es werden sich also in den versteckten Sümpfen und entlegenen Waldgebieten noch so manche Oberschenkelknochen über die Jahrzehnte und länger erhalten haben. Je nach Bodenbeschaffenheit finden sich auch bei archäologischen Ausgrabungen immer wieder und noch bis in unsere Tage gut erhaltene Skelette an anderen antiken Kriegsschauplätzen. Der Regen wird also auch noch nach sehr vielen Jahren immer mal wieder den einen oder anderen Knochen frei gespült haben. In den Zeit unmittelbar nach der Schlacht konnten die Menschen der Region noch in etwa sagen, hier war es, als dies passierte und dort als jenes geschah. Mit jedem Hügel, Baum, Wasserlauf oder Sumpf ließ sich damals noch ein kriegerischer Akt verbinden. So gingen die Einheimischen noch selbst nach Jahrzehnten an den Wegekreuzungen und Baumstümpfen mit schaudern vorüber und ganz besonders dort, wo es zu den blutigsten Treffen kam. Und da wo sich noch lange die Knochen türmten, war es am schaurigsten für sie. Denn hier fielen in der Schlacht auch viele ihrer engsten Verwandten oder Stammesangehörigen die ihnen noch persönlich bekannt waren. Tacitus der, obwohl er selbst Germanien nie betreten hatte schrieb bekanntlich, dass man in den “heiligen” Heinen die Altäre der Germanen fand, auf denen sie die Tribunen und Centurionen ersten Ranges geopfert hatten. Hier wurde damals der Grundstein für alle späteren Legenden gelegt. Und wen wundert es da, dass man aufgrund dieses mit Knochen und Erinnerungen dicht übersäten Boden eine ganze Großregion, auch ohne gemeinsame Absprache und nur kraft kollektiver Rückbesinnung, zum heiligen sakralen Ort, sozusagen für alle Ewigkeit erklärt hat. Letztlich wurden die Spuren nach jedem Jahreswechsel weniger, aber die Knochenreste beflügelten auch noch die Phantasien späterer Generationen, die nur noch über schwache oder gar keine Erinnerungen mehr verfügten. Für sie boten die weißen blanken Rippenknochen oder die Reste von Schädeldecken immer wieder Stoff für neue Gruselgeschichten. Und was man nicht wusste, reimte man sich zusammen. Woher konnten die Knochen auch anders stammen, als von einem riesigen menschenfressenden Drache der hier einst irgendwo seine Höhle hatte und sein Unwesen trieb, bevor man ihn zur Strecke brachte und den Rest steuerte die lebhafte Mythologie dazu. So verwundert es nicht, dass die Mönche im Zuge der Christianisierung später die größte Mühe hatten, all dies aus den Köpfen der Menschen zu verbannen. Bis in die Neuzeit treibt es den Menschen an die Orte an denen er sich gegenseitig die größten Grausamkeiten zufügte. Morbider Schlachtentourismus ist heute ohne Selfie nicht mehr denkbar und ist immer noch attraktiver denn je. Vergleichbar mit der „Voie Sacrée“ dem heilig genannten Weg von Bar-le-Duc nach Verdun und bis zum Beinhaus von Douaumont wo die Knochen von über 130.000 Gefallenen liegen. Über diese Zuwegung wurde in Frankreich während der Schlacht um Verdun die Truppenversorgung solange sicher gestellt, bis sich der Feind, der damals aus dem Osten kam zurück zog. Auch heute noch ist diese Region an der Maas reich mit Denkmälern an alte Zeiten gut versorgt. Aber hier in Ostwestfalen hatten vor 2000 Jahren die Götter ihre Hand noch unmittelbar im Spiel gehabt oder mussten sie ähnlich wie auf dem Olymp gehabt haben. Und welcher Gott wäre da für unsere leichtgläubigen Vorväter nicht nahe liegender gewesen, als alles dem germanischen Kriegsgott Odin zuzuschreiben, der den Germanen den Sieg schenkte und den die Südgermanen Wodan nannten und den man später kurzerhand zum Urahnen des Sigurd/Sigfrid erklärte. Nach den germanischen Verteidigungsschlachten bei denen der germanische Götterhimmel und die furchtlosen Recken erfolgreich gegen den römischen Kriegsgott Mars zusammen standen und sich gegen ihn durch setzten, legte sich über die ganze Region eine Art unwirklicher und dämmerartiger Schleier, wie man ihn mit dem Ragnarök also der Götterdämmerung vergleichen könnte oder beschrieb. Odin konnte danach auf den Trümmern des ostwestfälischen Weltenbrandes eine neue Welt entstehen lassen, was zur Folge hatte, dass sich die zahlreichen germanischen Kleinstämme zusammen schlossen und miteinander zu großen Völkern verschmolzen. Odins Zögling Sigurd/Sigfrid hatte dazu seinen großen Beitrag geleistet und der neuen Zeit die Tür geöffnet. Dem Landgang der Midgardschlange was große Überflutungen aus löste und ebenfalls der nordischen Mythologie entnommen ist, schrieben die Germanen wohl zu, dass am 23.9.0015 eine schwere Sturmflut die Legionen an der Nordseeküste traf, wodurch weite Küstenlandstriche überschwemmt wurden und viele Römer unter Feldherr Germanicus umkamen. Nach dieser Flutkatastrophe des Jahres 15 + und den Schlachten von Idistaviso und am Angrivarierdamm 16 + war es wieder an der Zeit, dass sich nach den Wanen nun das zweitälteste Göttergeschlecht nämlich die Asen auf dem nahe gelegenen Idafeld treffen konnten um über das Weitere zu beratschlagen. Im Jahre 9 + platzte jedenfalls Walhalla aus allen Nähten und die vollen Tischplatten an denen sich die Asen labten, mussten sich unter dem reichlichen Überangebot aus dem Varustross nahezu nach unten gewölbt haben. So muss es jedenfalls den beteiligten Stämmen damals vorgekommen sein und wohl erst den Nachfolgegenerationen in der Mitte des 1. Jhd. wurden die Geschehnisse begreifbarer und ihre Auswirkungen und Konsequenzen bewusster, auch wenn die Veränderungen noch lange auf sich warten lassen sollten. Man hatte in den langen Winternächten die nötige Zeit um alles aufzuarbeiten und nach Erklärungen für alles suchen. Nach dem Jahre 16 + sind uns jedenfalls über einen sehr langen Zeitraum keine weiteren Schlachten mehr zwischen Römern und Germanen in Ostwestfalen überliefert und es kehrte Schlachtenruhe ein. Für beide, Römer und Germanen griffen damals die Götter noch unmittelbar in die Geschicke und das Geschehen der Sterblichen ein, hier waren sie noch allgegenwärtig, ganz so wie es uns aus allen antiken Götterhimmeln besonders aus Griechenland überliefert ist. Das Heidentum erlebte damals in Ostwestfalen eine Sternstunde, denn nur hier stand man wie an keinem anderen Ort in Germanien mit Asen und Wanen auf Du und Du. Und wo Wodan/Odin die Macht hatte, konnte sinnbildlich gesprochen seine Gefolgschaft auch nicht weit sein. Die Felshänge und Klippen der Egge aber auch die zahlreichen aus der Landschaft empor steigenden mit Wallanlagen gekrönten Kleingebirge wie der Ith oder der Deister wirken auf den Betrachter noch bis heute unnatürlich bis überirdisch. In dieser Region erkannten schon die Altvorderen die geöffneten Tore nach oben, wie im Hlidskjalf Turm des Gylfaginning mit den goldenen Schindeln so schön beschrieben ist. Und hier in der Egge hatten endlich auch die Asen ihr Heimstatt gefunden, hier konnte sie unter und über der Wolkendecke also in Midgard und Asgard gleichermaßen den Sieg feiern und im Zechen sollen die Germanen bekanntlich nicht die schlechtesten gewesen sein. Ich erinnere mich da auch noch an die Worte meiner schlesischen Mutter, wenn damals mein Teller zu voll war, aber der Hunger fehlte. Dann begann ich irgendwann damit, mit der Gabel nur noch lustlos im Essen herum zu stochern. Sie sagte dann, ich solle mit dem Essen nicht so „asen“. Und so stellte man sich die Asen wohl damals vor. Sie schwelgten schon im Überfluss und es wurde immer noch auf großen Platten nachgereicht. Der Namensbezug zwischen den Asen und dem Osning oder der Osnegge wird in der Bezeichnung Asenegge und den vielen gleichklingenden Ortsnamen um nur Asemissen zu nennen, augenscheinlich. Nur hier konnte nach damaliger Vorstellung der Ort gewesen sein, wo sich Odin/Wodan mit seinen Asen nachdem dem großen Schlachten nieder ließ. Im Gegensatz zum Kriegsgott Odin, war aber wohl in der nordischen Mythologie Tuiskon, Tuiston, Teut oder Teutates der Urvater des Volkes schlechthin, der sowohl bei den Kelten als auch den Germanen hohes Ansehen genoss und der ebenfalls in der Mythologie unserer Vorfahren eine wichtige Bedeutung hatte. Tacitus schrieb in seiner Germania über Tuisto, dass die Germanen ihn in alten Liedern als Stammväter und Begründer ihrer Völkerschaft verherrlichen würden. Und auch dieser Name taucht in der Region noch vielerorts auf. Fasst man diese Überlegungen zusammen ist es einleuchtend, dass die Nordgermanen auch eine Verbindung von Sigurd über seinen Vater Sigmund zum Kriegsgott Odin erkannten und herstellen wollten. Die Schicksalfigur des Sigurds des Drachentöters handelte im Auftrag seines Urvaters Odin und konnte daher auch nur als Sieger vom Platz gehen. Und wer einen Kriegsgott in der Verwandtschaft hat wie Sigurd, den kann man auch nur mit Kriegen und Schlachten in Verbindung bringen und der belässt es nicht dabei ein Fabelwesen aus dem Weg zu räumen. Doch in der nordischen Sagenwelt wird auch dem Vater des Sigurd nämlich Sigmund zugeschrieben ein Drachentöter zu sein. Wenn Sigurd mit Siegfried identisch ist und er einen Drachen tötete, aber auch der Vater Sigmund Drachentöter genannt wird, so wirft dies Fragen auf. Ich halte es für denkbar, dass die Bezeichnung „Drachentöter“ später in Anlehnung auf den Urknall in Form der Schlacht des Jahres 9 + auch auf andere siegreiche Feldherrn und Schlachten übertragen und angewendet wurde. Als die Sagen nach langer Zeit nieder geschrieben wurden, blickte man nicht allein auf die Varusschlacht zurück, sondern auf alle kriegerischen Auseinandersetzungen, die die Westgermanen mit den Römern in den 30 langen Jahren führen mussten, bis Kaiser Tiberius den Schlußstrich zog. Man konnte natürlich später nicht mehr die Schlachtenabfolgen zeitlich und örtlich zusammen fügen und wählte somit den Sammelbegriff „Drachentötung“ herrührend vom ersten großen Schlagabtausch gegen Varus mit seinem Heerwurm samt flatterndem Drachensymbol an seiner Spitze, was sie wohl alle beeindruckt hatte. Fragt man heute einen Menschen, ob die Schlacht von Stalingrad vor oder nach der Landung der Alliierten statt fand, so wird man schon nach den wenigen vergangenen Jahrzehnten in viele fragende Gesichter blicken. Und so beließ man es auch in den Zeiten der Völkerwanderung dabei. Die Asenegge lag im Zentrum dieser Betrachtung und wurde daher auch zum Dreh – und Angelpunkt der Geschehnisse. Sigmund war aber der Sage folgend, der Vater des Helden Sigurd, hatte somit eine ungleich andere Position in der Familienhierarchie inne und käme daher aus zweifacher Hinsicht nicht als der gesuchte germanische Name für Arminius in Frage. Folglich klammere ich ihn bei dieser Betrachtung auch aus. Es blieben also noch Sigurd und Siegfried übrig die aber ein und die gleiche Person waren. Von beiden Namen favorisierten jedoch die Nordgermanen den Namen Sigurd der für sie gleichbedeutend mit Siegfried ist. Sie verknüpften aber seinen Namen mit der Norne Urd also mit dem Begriff Urd, der das Schicksal und die Vergangenheit verkörpert. Aber warum entschieden sich die Nordgermanen für Sigurd die nordische Namensvariante des Sigfrid und griffen nicht gleich auf Sigfrid zurück. Sigfrid begegnet uns im Nibelungenlied als der mutige Schlachtenlenker sprich Drachentöter. Die zweite Silbe “frid” im Namen Sigfrid steht für Friede, Schutz und Sicherheit. Als Arminius um 17 – zur Welt kam, begannen die immer schon unruhigen Zeiten noch unruhiger zu werden. Der Römer Lollius unterlag um 17 oder 16 – im Linksrheinischen, den auch teils rechtsrheinischen germanischen Stämmen der Sugambrer, Tenkterer und Usipeter. Um diese Zeiten war weiter oben in Ostwestfalen der Wunsch nach Friede, Schutz und Sicherheit möglicherweise wichtiger. Man war noch an einer Kontaktaufnahme mit den Römern, den neuen starken Nachbarn im Süden interessiert. So war ihnen auch daran gelegen, sich aus den Querelen und dem kölschen Klüngel westlich des Rhein heraus zu halten. Vielleicht hatten sie um diese Zeit sogar noch die Vision, sich mit ihnen irgendwie zu arrangieren, wie es auch viele keltische Stämme taten, die aber am Ende die Verlierer waren und dafür ihre Selbstständigkeit und vieles mehr opferten. Da diese hoch entwickelten Römer bewiesen hatten, wie sie ihre Feinde die Kimbern, Teutonen, oder die gallischen Stämme der keltischen Arverner bezwangen war große Vorsicht geboten. Viele germanischen Völker ließen die besten Männer ihrer Stämme in Auxiliareinheiten für Rom kämpfen um dort ihr Kriegshandwerk zu vervollkommnen oder übergaben die Jüngsten als Geisel und als einseitige Garantieleistung in die römische Obhut, um diese römisch zu infizieren, aber auch um sie zu infiltrieren und ihnen die damalige Leitkultur näher zu bringen. Wie es bei allen Fürsten und Fürstensöhnen und das wohl nicht nur bei den Cherusker üblich schien, setzte man an den Anfang von Namen die Buchstaben zur Sippenerkennung. Seg-/Sig lauteten sie bei den Cheruskern. Aber was folgte danach. Im Namen Sigfrid ging ich auf die Endsilbe „fried“ ein. Beim Namen Segestes entdeckt man eine andere Herkunft. Denn man erkennt hier die sprachliche Nähe des Namens zum germanischen Wort für Macht nämlich “seg es” oder “seg ez”. In die Namen legte man bei den Germanen immer schon die göttliche Fügung und für Segestes war dies ein Vermächtnis. Segestes könnte sich kraft dieses magischen Namens schon als vorbestimmter Machthaber gefühlt haben und beanspruchte innerhalb der cheruskischen Fürstenhäuser von Geburt an die ihm zustehende Führungsrolle, was Rivalität bedeutet. Wie die Reichtümer im Cheruskerland verteilt waren wissen wir nicht, aber bis in unsere Zeit sind es die Großbauern und Sippen, die vieles mit bestimmen. Möglich ist, dass seine Sippe mehr Land und Einfluss besaß, eine größere wirtschaftliche Leistung oder mehr Krieger aufbieten konnte, als die des Fürstenhauses von Segimer. Auch eine Vielzahl gut nutzbarer Salzschürfstellen könnte seine Macht begünstigt haben. Allerdings verfügten auf einem Streifen zwischen Unna, Werl und Soest bis Lüneburg und Salzgitter viele Regionen Westfalens und Norddeutschlands geologisch bedingt über ausgeprägte Salzvorkommen, so dass daraus nicht unbedingt ein herausragender Wohlstand einer einzelnen Sippe abgeleitet werden kann. Der Rom treue und mächtige Segestes bestimmte bis ins Jahr 9 + die Politik der Cherusker in großen Teilen maßgeblich mit. Solange wie man sich am schwächeren Hebel der Macht wähnte, schien dies auch angebracht zu sein. Denn man konnte vor der Rückkehr des Arminius und auch noch nach dessen Eintreffen an der Weser nicht ahnen, dass da einer kam, der das Blatt noch mal wenden würde. Segestes war sicherlich auch maßgeblich am Zustandekommen des Bündnisvertrages mit Rom verantwortlich, der die Römer ermunterte Varus zu entsenden. Um die Machtverhältnisse in die Richtung des Hauses Segimer zu verschieben, lag es wohl in der Absicht von Arminius die Tochter von Segestes zu ehelichen. Nicht umsonst wird spekuliert, dass auch sein Streben nach Königswürde ein Motiv für den Familienmord an ihm war. Spätestens nach der erfolgreichen Varusschlacht schlugen die Sympathien gegen Segestes um, man wollte ihn an der Weser nicht mehr. Segestes musste sich entscheiden, wechselte komplett auf die römische Seite und starb später im gallischen Exil. Aber noch im Jahre 469 deutet der Name Sigismer eines rheinfränkischen Königssohnes darauf hin, dass man sich immer noch diesem alten Namensstrang in Westfalen verpflichtet fühlte. Zu Cheruskerzeiten hätte man Sigismer den Brukterer oder Ripuarier wohl noch Segimer genannt. Urd war in Germanien auch ohne die Verbindung zur Norne Urd bereits zu Arminiuszeiten das Schicksal, so gab man Arminius nach der erfolgreichen Schlacht im Norden Europas auch den Namen Sigurd weil er es war, der in frühesten Zeiten erfolgreich das Schicksal heraus forderte und es mit Hilfe Odins und der Nornen meisterte. Die Nordgermanen betonten also aufgrund seiner Taten mehr den schicksalhaften Bezug. Denn sein Erfolg war ihm natürlich nur dank dazutun der Götter beschieden und alles konnte ihm auch nur mit Segen von oben gelingen. Schließlich war Sigurd auch der nordischen Sage nach direkter Nachkomme des germanischen Göttervater Odins. Man rückte Arminius im Norden damit ganz bewusst nahe an den germanischen Götterhimmel heran, statt es beim menschlichen Namen Sigfrid zu belassen. Denn nur einem späteren Enkel des germanischen Kriegsgottes konnte es auch gelingen die Römer in Gestalt eines Drachens zu bezwingen. Das deutet daraufhin, dass in Nordgermanien der Originalname des Cheruskers nicht bekannt war oder er dort nicht in die heidnische Vorstellungskraft passte. So stehen sich auch bei seinem germanischen Urnamen mit Siegfried oder Sigurd zwei Theorien gegenüber. Aber konnte man zu Zeiten seiner Geburt denn schon ahnen, dass Arminius einmal derart vehement und geradezu schicksalhaft das, und damit auch sein Schicksal heraus forderte und es herauf beschwor ? Dann hätten ihm die Götter bei seiner glorreichen Zukunft auch gleich den Namen “Schicksalbezwinger” mit in die Wiege legen können. Die Nordgermanen waren also keine Hellseher und gaben ihm den Namen auch erst nach seinen Taten. So gehe ich auch davon aus, dass man ihm im Norden Germaniens den Namen Sigurd auch erst nach dem „großen Schlachten“ und seinem schicksalsgleichen Erfolg gab und ihn auch erst danach mit dem Schicksal in Verbindung brachte. Ihm gelang es mit seinen Siegen, die Mitte und vielleicht sogar den Norden Germaniens vor dem schon allseits erwarteten Zugriff Roms zu bewahren und das konnte nur das Schicksal entschieden haben. Das aber konnte die ganze germanische Welt auch erst nach dem Jahr 9 + wissen. Um das Jahr 17 – als der lange Zeit Rom treue Germane Arminius das Licht der Welt erblickte, wusste trotz der Niederlage des Lollius noch keiner genau, was am südlichen Horizont aufziehen würde. Man war noch guter Dinge und setzte vor allem auf Frieden, Schutz und Sicherheit und so entschied man sich bei den Westgermanen bei der Namensauswahl auch für fridu, den germanischen Namen für Frieden und nannte in der Konsequenz den kleinen Arminius Segfridu. Wobei die alte Silbe “Fridu” heute noch im Männernamen Fridolin oder in der italienischen Form Sigfrido enthalten ist. Aber die alten Wunschvorstellungen nach Frieden erfüllten sich bekanntlich nicht und man suchte Friede, Schutz und Sicherheit in Ostwestfalen später leider vergeblich. Aber zu den Zeiten der Geburt des Arminius bzw. des Segfridu konnte man zweifellos noch darauf hoffen. Am Begriff Hoffnung dem ewig gültigen Wunschbild der Menschheit hat sich bis heute nichts geändert. Es waren unsere eigenen Ureinwohner, wen wundert es. Damit setzte sich meines Erachtens der Name Sigfrid/Siegfried bzw. Segfridu bei der Suche nach seinem germanischen Namen durch und nicht der im Norden verwendete Parallelname Sigurd. Der heilige Sigfrid, der Siegfried von Växjö, der 995 aus Glastonbury von den britischen Inseln kommend über Norwegen in Schweden das Christentum verbreitete und 1067 verstarb, nannte sich in Schweden auch nicht heiliger Sigurd. Ungeachtet dessen wird er noch unter allen drei Namensformen Sigfrid, Sigfridus oder Sigurd auch in der schwedischen Historie geführt, aber sein „Nibelungenname“ Siegfried in dem ich den Germanen Arminius identifiziere, wurde bereits in den Vordergrund geschoben. Ungeachtet dessen ist und war der Name Sigurd auch in Schweden ein Begriff, denn die Runen beschriftete „Ramsundritzung“ wird in Schweden wiederum der Sigurd Sage zugeschrieben. Aber wie die folgenden Jahrhunderte zeigen, setzte sich auch die auf Sigfrid/Segfridu basierende Namenstradition nicht nur an Rhein und Weser fort, während Sigurd im Norden seinen Schwerpunkt behielt und in Deutschland nie in Mode kam. Und daran konnten auch die schmalen Sigurd Comic Heftchen die zwischen 1958 und 1960 für 30 Pfenning pro Stück verkauft wurden, nichts ändern. Aus dem 7. Jhd. hingegen sind uns die Namensformen Sigifridus und Sigfridus überliefert, aber einen Namen Sigurd oder gar einen Armin suchen wir zwischen Völkerwanderung und „dunklem“ Mittelalter in unseren Breiten vergeblich. Siegfried aber kam mehr und mehr in aller Munde. Aber wie steht es nun mit der Übersetzung der Vorsilbe „Seg“. Wie selbstverständlich werden die alten “Cheruskervorsilben” die mit „Seg“ beginnen später in Sig und dann in Sieg umgedeutet, da Sieg in althochdeutsch noch Sigu geschrieben wurde. Aber Seg ist nicht Sig. Wie gelangten also die Experten zu der Auffassung, dass aus Seg das spätere Wort Sieg wurde ? Die wissenschaftliche Erklärung dafür ist, dass die Begriffe seg – es, seg – ez, bzw. seg – iz, sig – iz, Macht bedeuten und der althochdeutsche Begriff “segu” auch sig, sigo seit dem 8. Jahrhundert als Sieg belegt ist. Das altisländische Wort “sigr” formuliert es bis auf das fehlende “e” (= Siger) fasst schon aus. Aber wer verleitet uns eigentlich immer das „g“ im Segimer auch wie ein „g“ auszusprechen. Würde unsere Zunge nicht lieber Sächemer oder Sechimer sagen. Auf der Suche nach dem germanischen Urnamen des Arminius kommen wir aber auch nicht umhin ihn im dialektischen auch Seyfried oder Sechfried zu nennen. Und im ostwestfälischen Nethegau sagt man ja auch heute noch Siichfrit wenn man Siegfried meint. Und dazu passend nannte man ihn um 1200 im Nibelungenlied auch Sivrit. Zwischen dem geschriebenen und gesprochenen Wort gab es immer schon große Unterschiede. Und ich kenne da noch eher jene Ruhrpott - Westfalen die sagen, „Siichfrit kommse rin or bliwse druten, dann mak ens de Dör tau“. Auch noch über die Namen der italienisch/langobardischen Schiene des 6. Jhd. wie, Segafredo, Siffredi, Seganfreddo oder Sigfredo hat der Name Siegfried aus der Sagenwelt bis heute überlebt. Macht ging also immer schon mit Sieg einher. So waren die Männer aus dem Stamm der „Seger” oder der Sieger immer die Machthaber und blieben wohl auch am Ende oft die Sieger. Aber auch Herrscher die die Macht besaßen, gingen am Ende nicht immer auch als die Sieger vom Platz. Die indogermanische Ur - Wurzel segh lässt sich nur auf die Begriffe “festhalten”, “halten” bzw. einen Mann “im Kampf überwältigen” zurück führen. Der Mann, der den Gegner überwältigte, war der Mächtige und damit automatisch auch der Sieger. Demnach müssen die Cherusker ein sehr stolzer, kämpferischer, erfolgreicher eben ein zeitgemäßer Stamm gewesen sein, der schon seinen Kindern in der Zweitsilbe die Namen für Macht und Sieg mit in die Wiege legte. Bei Seges- tes in dem Macht und Sieg zugleich lagen, mag man aber eher an einen die Macht inne habenden denken, dem keine Zusatzeigenschaften mitgegeben wurden. Wer die Macht hat, hat auch das Sagen und damit das letzte Wort. Hier könnte in alter Zeit noch eine Verbindung zu beiden Wortstämmen Sieg und Macht gelegen haben. Dieser Verdacht entsteht, wenn man auf die norddeutschen Dialekte blickt und Sätze hört wie: „Ick seg to” ich sage zu, oder: „Ick sech noch” ich sage noch. Zum mächtigen Sieger, nämlich dem der das Sagen hat, führt aber noch ein weiterer Weg, nämlich der, den uns die Nibelungen Sage weist in der zu lesen ist “in alten mæren wunders vil geseit von helden”. Da sagte man noch statt gesagt, geseit und die alten Westfalen sagen heute vielerorts noch „sei”, wenn sie meinen „sag bloß”. Und im englischen liegt uns der Name „say“ ebenfalls noch gut auf der Zunge. Der alte Vorname Seifried bzw. Seyfrid führt uns da also noch in der Vorsilbe die beiden Wortstämme für „sagen“ im Sinne von sprechen und die Nachsilbe „frid“ für den Befrieder vor Augen. Im uns allen bekannten Ruhrpott – Deutsch des westlichen Westfalen ist heute noch das Wort „Seger“ als eine kumpelhafte aber wiederum auch respektable Anrede für männliche Bekannte oder Freunde in vielfachem Gebrauch und seine Verwendung reicht noch darüber hinaus auch bis ins Bergische Land hinein. Die Herkunft dieses Wortes ist unbekannt, aber wer will heute schon sagen ob „Tussi oder Seger“ nicht beides Überreste alter Traditionen oder Volkserinnerungen sind, denn die sind bekanntlich oft langlebiger als man meint. Wäre dieser Verdacht belegbar, spräche diese Anknüpfung an das cheruskische Fürstengeschlecht so kurios es klingen mag, für eine der ältesten Namensüberlieferungen in Westfalen, älter noch, als die Familie der Sattelmeier und andere Geschlechter. Segfridu, wie ich Arminius eher nennen möchte, wurde seinem Geburtsnamen noch gerecht und machte ihm alle Ehre. Beide Namensformen des großen Cheruskerfürsten, sowohl Arminius als auch Segfridu existierten in unterschiedlichen Welten mal real und mal irreal, aber immer parallel auf Augenhöhe zu einander. Arminius gelang es nach seinen Siegen auch über seinen Tod hinaus für einen begrenzten Zeitraum in Ostwestfalen nochmal so etwas wie Frieden einziehen zu lassen. Danach büßte wie Tacitus überlieferte wohl die gesamte Oberschicht der Sippe der „Seger” ihre Stärke ein, rieb sich untereinander auf, wurde von anderen Stämmen dominiert, konnte sich nicht mehr von ihnen abgrenzen und verlor ihre integrierende Kraft. Nach dem Verlust ihrer Führungsschicht schlossen sich die Cherusker im zweiten Jahrhundert anderen noch gefestigten, größeren und in jedem Fall gut geführten Stammesverbänden, vermutlich unter anderem auch den östlich von ihnen siedelnden elbischen Langobarden an, mit denen sie nicht nur immer schon in engem Kontakt standen, sondern in denen sie auch eine Art Schutzmacht hatten. Mit Beginn der ersten Teilabwanderungen im Vorfeld der großen Völkerwanderung, die mit dem Anrennen an den Limes begannen, verschoben sich in Ostwestfalen sowohl die Siedlungsgebiete als auch die Stammesgrenzen. Daheim gebliebene Cherusker in nicht bestimmbarer Größenordnung blieben aber an der Weser bodenständig, bis sie unter sächsischen Einfluss gerieten. 19.12.2017 - 00:38 Uhr)

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Mittwoch, 29. November 2017
Der Cherusker mit den zwei Namen - den Zweiten kennen wir
Stellen wir uns vor, wie Arminius aufgewachsen sein könnte, so denken wir dabei unweigerlich an eine armselige Hütte irgendwo auf einer Lichtung in Ostwestfalen. Aber vielleicht irren wir uns auch, denn er war der Sohn eines „princeps gentis eius“ also eines „Ersten seines Stammes“, folglich ein Fürstensohn und es war keine Hütte, sondern ein für jene Zeiten schon recht stattliches Einzelgehöft auf einem klimatisch angenehmen Bergsporn, dass mit Moos und Rinde sauber abgedichtet, auch Winter- Sturm- und Regen fest war. Der Geruch der Haustiere mag wohl allgegenwärtig gewesen sein und der beißende Qualm von Feuerstellen wird auch immer in der Luft gelegen haben. Soweit mal zur Phantasie. Real haben wir nichts in der Hand, aber wir haben was anderes, nämlich die mündlichen Überlieferungen aus den alten Zeiten. Sie hinzuzuziehen löst allerdings in der Fachwelt meistens Naserümpfen aus, was ich nicht verschweigen möchte. Was man noch vom Hörensagen wusste, wurde dann später auch nieder geschrieben und erhielt sich bis heute in Form von Sagen. Und da greife ich zuerst mal nach der Thidrekssaga, also der Dietrichsage, die nach Dietrich von Bern benannt ist, hinter dem man meint, den Ostgotenkönig Theoderich den Großen erkennen zu können. In der Thidrekssaga sind auch Teile der Nibelungensage enthalten, die mit der Jugend des germanischen Helden beginnen. Dieser Germane ist Siegfried, der in der nordischen Form Sigurd genannt wird. Seine Mutter hieß Hjördis, die der Sage nach zu Unrecht der Untreue verdächtigt wurde. Es gab also zweifellos Probleme in der Ehe mit ihrem Mann Sigmund, der vielleicht auch Segimer oder Sigimer geheißen haben könnte. Hjördis war bereits die zweite Frau des Sigmund und sie war mit dem kleinen Sigurd schwanger als ihr Mann Sigmund im Kampf umkam. Die Mutter sah in ihrer heiklen Situation offenbar keine andere Möglichkeit als den neu geborenen Knaben in etwas Schwimmfähiges zu legen und ihn in einen Fluss, vielleicht in die Weser auszusetzen. In der Hoffnung es möge sich jemand seiner annehmen. Eine übrigens gebräuchliche Methode für die damalige Zeit. Dieses Behältnis trieb den Fluss hinunter bis eine Hirschkuh es fand und den Kleinen versorgte. Hjördis brachte sich noch nach dem Tod ihres Mannes in den Besitz seines zerbrochenen Schwertes. Und um ihr Kind nicht ganz wehrlos in die Welt zu schicken, legte sie wohl die Reste der Waffe mit in das schwimmende Geflecht. Die “Hirschkuh” - wer auch sonst - übergab dann den kleinen Sigurd und natürlich auch die Schwertreste einem Schmied der sich beider annahm. Diese damals berühmt gewordene Hirschkuh wird auch häufig zitiert, wenn man den Ursprungsnamen der Cherusker von Herut = Hirsch ableiten möchte. Wie vorbestimmt machte der Schmied aus dem zerbrochenen Schwert wieder eine zum Kampf geeignete Waffe mit der Sigurd dann den Drachen töten konnte. Da nicht nur ich in Sigurd Arminius sehe, hatte er eine schwierige Kindheit und musste wie alle gesunden Knaben seiner Zeit lernen die Waffen zu führen. Sollte der dem Tode geweihte Knabe in der Nähe einer Hirschkuh ans Ufer getrieben worden sein und der Schmied konnte dies beobachten so erklärt sich der Grund für die Mitwirkung einer Hirschkuh in dieser Sage. Da Neugeborene Milch benötigen, musste man diese Phase mithilfe dieser Hirschkuh solange überbrücken, bis der ruppige Schmied ins Spiel kam. Der Knabe wurde gerettet und von Mimir jenem Schmied erzogen. Hinter Mimir verbarg sich natürlich eine andere Person, denn hinter der "Mimik jenes Mimir" erkannte die germanische Seele bevorzugt göttliche Weichenstellung. Anknüpfend an diese vorstellbare Kindheitsphase verließ der ältere Arminius später als Geisel seine Heimat um sicherlich nicht mit seiner Zustimmung, gegen Frieden ausgetauscht zu werden. Diese verkürzte eingeschobene Sagen Episode möchte ich mal unkommentiert im Raum stehen lassen, zumal Segimer zumindest noch am Anfang an den Kämpfen gegen Varus teilnahm, also im Gegensatz zu Sigurds Vater Sigmund erst in späterer Zeit verstarb und uns auch Sigmund der Vater von Sigurd als Drachentöter oder anders ausgedrückt als Held überliefert ist. Im Vergleich der Sippen und Familien zu Zeiten der Germanen mit den heutigen Bedingungen lässt sich wohl sagen, dass diese in archaischen Zeiten von völlig anderen äußeren Bedingungen geprägt waren. Die Lebenserwartungen insgesamt waren niedriger, die Säuglingssterblichkeit lag höher, viele Mütter überlebten die Geburt nicht. Es dürfte für uns heutzutage unvorstellbar sein, wie man damals bei den ständigen Herausforderungen bedingt durch den Wechsel der Jahreszeiten, die aufwändige Nahrungsgewinnung und deren Bevorratung und alles unter der Betrachtung kriegerischer Aktivitäten, die wohl allgegenwärtig sein konnten einen geregelten Alltag zustande brachte. Überleben war Glückssache. Wenn wir heute lesen Segimer hatte zwei Söhne und einen Onkel et cetera, so verkennen wir die Lage. Kinder ohne Eltern bzw. Elternteile dürften verbreitet gewesen sein und Germanen höheren Standes mussten zur Sicherung des Erbes vermutlich mehrfach Ehen eingehen. All dies verrät uns die Historie nicht, aber man kann es sich denken. So kennen wir auch die genauen Familienverhältnisse innerhalb der Segimersippe nicht, aber dieses Geschehen um den ausgesetzten und vielleicht sogar ungewollten Arminius könnte für sein Schicksal entscheidend gewesen sein. Er musste sich im Leben durchkämpfen, überlebte eine Flußodysee, kam in die rauen Hände eines Schmied, verließ die Heimat in jungen Jahren, man unterstellte ihn als Geisel römischer Obhut und er musste für Rom seinen Kopf hinhalten. Vermutlich erging es seinem Bruder Flavus etwas besser, auch wenn der durch eine Verletzung wie auch immer er sie sich zuzog, ein Auge verloren hatte. Ihm dem Flavus bot man möglicherweise ein angenehmeres Leben, Pannonieneinsätze blieben ihm wohl erspart, er schien sich besser mit dem römischen Leben arrangieren zu können, wurde Offizier und zu ihm könnte sein Vater Segimer der zwischen den Fronten stand im Gegensatz zu Arminius im engeren Kontakt gestanden haben, vor allem wenn Flavus an der Rheingrenze stationiert war. Dieses Zerwürfnis und vielleicht auch mehr Sympathie von Segimer zu seinem möglicherweise leiblichen Sohn Flavus dem Römer, war der Bruderliebe sicherlich abträglich und führte einen frühen Riss zwischen ihnen herbei der im Streitgespräch an der Weser vor der Schlacht von Idistaviso erneut aufbrach. Blutige Familienfehden sind uns von den Cheruskern überliefert. Ob Segimer Arminius gegenüber immer der fürsorgliche Vater war, könnte man also auch bestreiten. Vielleicht steckte Segimer auch selbst hinter Arminius Ausbildung zum Schmied um ihn nicht in seinem Umfeld zu haben, da er einer anderen Frau im Weg stand. Man könnte also sogar so weit gehen und völlig in Abrede stellen, dass die Frau von Segimer, die als Mutter von Flavus und Armenius um 16 + verstarb nicht nur die Stiefmutter von Arminius, sondern gar von beiden gewesen sein könnte. Im Streitgespräch zwischen den Brüdern über die Weser appellierte Arminius bei Flavus an sein Restgefühl von Verbundenheit mit seinem Stamm und seinen Landsleuten. Und brachte dann sogar die Mutter ins Spiel, die seine Meinung teilen würde, dass Flavus die Familie und das ganze Volk nicht verraten dürfe und stattdessen besser als sein Führer auftreten sollte. Arminius zog demnach alle Register um Flavus auf seine Seite zu ziehen. Rom aber war für Flavus letztlich wichtiger als ihre Bitte. Flavus zu erweichen die Fronten zu wechseln, wäre für Arminius und alle sicherlich ein großer moralischer Erfolg gegenüber Germanicus gewesen, aber er scheiterte damit. Der Name der Mutter des historisch belegbaren Arminius, ist uns nicht überliefert und mit Ausnahme, dass Arminius sie als Mutter bezeichnete wissen wir nicht, in welchem Verhältnis die Brüder zu ihr standen und welche Bedeutung sie für sie hatte. Der eine nutzte sie, um den anderen ins Lager der Germanen zurück zu locken und den anderen ließen ihre Bitten letztlich kalt. Ob diese Argumente ausreichen um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass Arminius womöglich seinen germanischen Namen Sigurd bzw. Sigfried der Geburtslinie Sigmund/Hjördis verdankt ist natürlich spekulativ. Und bei alledem was wir uns unter Arminius vorstellen können, war er auch kein charakterliches Leichtgewicht und eher unbequem. Denn wer derartige Taten vollbringt, musste über viele Talente verfügen und machte sich auch nicht immer Freunde. Mit seiner Rückkehr an die Weser trat also eine höchst umstrittene Persönlichkeit wieder in die Mitte seines Familienverbandes und somit ins Rampenlicht der damaligen Weltgeschichte. Keiner konnte auch damals damit rechnen, dass er überhaupt wieder lebend von den Kämpfen in Pannonien zurück kommen würde. Seine Gefährten waren ihm Familienersatz und ob man ihn mit offenen Armen empfing ist fraglich. Vielleicht wäre es Segimer sogar recht gewesen, er wäre gar nicht mehr zurück gekommen, vielleicht war Segimer wie ich andeutete, auch gar nicht sein leiblicher Vater und Arminius wurde deshalb verstoßen, und sein Vater war dieser damals im Kampf gefallene Sigmund, dessen Schwert ihm vererbt wurde. Der auf Hjördis lastende Verdacht der Untreue nährt diese Überlegung. Viel Stoff wenn man seinen Gedanken freien Lauf lässt und den Sagen glauben schenken möchte. Arminius brachte zuerst mal nur Unruhe in die Region. Wie nun nicht anders zu erwarten, geistert er zwangsläufig auch durch nahezu alle Kapitel meiner Veröffentlichung. Arminius der Cherusker ist einer der ganz wenigen “frühen Deutschen” die uns namentlich überliefert wurden. Nur Boiorix der Anführer der Kimbern von der kimbrischen Halbinsel, dem heutigen Dänemark mit der keltisch/germanischen Namensendung „rix“ und Teutobod dessen Namen wie Marbod endet, der aber auch ins fränkische Mero - baudes/bod weist und der der Anführer der Teutonen war. Sie könnten Arminius, da sie etwa hundert Jahre vor ihm lebten und ihre Namen ebenfalls überliefert sind, bei der Altersbestimmung noch Konkurrenz machen. Dadurch wird auch die Erforschung seiner Namensherkunft zu einer bleibenden Aufgabe auch für die Nachwelt werden. Geboren wurde der berühmte Schlachtenlenker von der Weser im vorgeschichtlichen also prähistorisch/schriftlosen Germanien noch vor der Zeitenwende und er schied in geschichtlicher Zeit aus dem Leben. Wer wollte diese einzigartige, historische Figur, die wie keine andere den Anfang unserer Zeitrechnung markiert und symbolisiert und der der Sprung durch die unsichtbare Schallmauer dieser Zeitenwende gelang, da jemals übertreffen. Arminius war schon ein kräftiger Knabe als Jesus geboren wurde, der ihn dann aber noch um etwa 10 Jahre überleben sollte. Auf unterschiedliche Weise wurden beide von ihrer Familie getrennt, aber für beide war es ein unnatürlicher Tod, ausgeübt von Menschenhand. Als Zeitgenosse des Jesus von Nazareth hatten sie in Varus, den man um die Zeit aus Syrien abberief, als Jesus geboren wurde, schon fasst einen gemeinsamen Bekannten gehabt. So klein war damals schon die Welt. Über seinen germanischen Namen wurde schon viel gerätselt, aber wir kennen ihn nicht. Diesen richtigen, also sozusagen den echten germanischen Namen von Arminius zu wissen, würde uns auf der Suche nach dem Varus Schlachtfeld aber auch nicht weiter helfen. Ihn zu enträtseln brächte aber vielleicht etwas mehr Licht in die Hierarchie alter Machtverhältnisse und Familienzugehörigkeiten zu den Zeiten vor und nach der Varusschlacht und könnte uns damit über Umwege dem Ziel etwas näher bringen. Nach seiner Rückkehr aus Pannonien an die Weser dürfte sich auch sein neuer römischer Name Arm(i)nius oder Arm(e)nius bei seinen germanischen Zeitgenossen schnell einbürgert haben. Bislang kannte man einen Arminius nicht oder vielleicht besser gesagt, man wollte ihn unter diesem Namen wohl auch nicht kennen und anfänglich nannte ihn daher auch kein Germane so. Arminius wurde er von jenen genannt, die den Germanen in feindlicher Absicht gegenüberstanden. Und diese feindlich gesinnten Völker verliehen ihm schließlich auch diesen römifizierten Adoptivnamen. Vielleicht hatte der Name auch die Bedeutung eines Ehrentitels oder stammte gar aus dem ägyptisch/äthiopischen Sprachraum, wo man einen Märtyrer mit Namen Armin kennt, der um 304 verstorben sein soll. Aber auch vom lateinischen Wort "arma" für Waffe könnten ihn die Römer übernommen haben. Sogar seine Augenfarbe, die möglicherweise so blau war wie ein Azurit der sich latinisiert Armenium nennt, wird als Erklärung herbei gezogen oder die Ähnlichkeit seines Namens mit dem Volk der Armenier. Diese Auswahl zeigt aber auch sehr anschaulich, wie lebendig immer noch unsere Forschungslandschaft im Bemühen Erklärungen aufzutun ist, und das auch noch nach 2000 Jahren. Ob Arminius sich auch selbst so nannte ist ebenfalls nicht bekannt aber denkbar, zumindest wird er den Kopf gehoben haben, wenn man ihn so rief. Selbst wenn er schon als älteres Kind und damit als Geisel ins Römische kam, wird ihn sein germanisch geprägtes Gedächtnis an seinen ersten Namen nicht verlassen haben. Sein germanischer Name wurde ihm lange vor seiner Zwangsumsiedlung ins Imperium in die Wiege gelegt und dieser erste Name war in der germanischen Welt und vor allem bei seiner Familie und innerhalb seines Stammes natürlich auch noch bestens bekannt, geläufig und in guter Erinnerung geblieben. So konnte er sich wohl auch je nach Gelegenheit aussuchen, welchen der beiden Namen er wann und wo benutzte. Seine Familie, seine Freunde und seine Stammesgenossen werden ihn wohl nie Arminius genannt haben und sie werden mit Sicherheit seinen alten germanischen Geburtsnamen gleich wie er lautete, bevorzugt haben. Viele Historiker ließen sich verlocken den Namen einzudeutschen und machten daraus den uns allseits bekannten Hermann, was aber zwischenzeitlich von der Fachwelt verworfen wird. Durch seine lateinische Endsilbe „ius“ hinter Armin hatte er aber für unsere Ureinwohner nicht mehr den ihnen vertrauten „germanischen Klang“. Die Cherusker könnten aber noch sehr gut Hermin – ius, Ermin - ius oder Irmin – ius heraus gehört haben. Daher verbreitete sich in der späteren Forschung recht schnell und auch plausibel nachvollziehbar die Ansicht, dass sein germanischer Urname auch eigentlich nur Armin gelautet haben kann. Und Hermin wäre da für die Stämme nicht nur im herminonischen Kultraum, wozu auch die Cherusker zählten ein Begriff. Armin der Arminone aber auch der Irminone wäre also auch eine denkbare Alternative. Der von den Römern vergebene Name Arminius, wenn sie ihn denn von Herminius ableiteten, war für sein eigenes Volk wegen der Aussprache der Endsilbe ein Fremdkörper und womöglich nicht beliebt. Es blieb ein ihm von den Fremden möglicherweise auch gegen seinen Willen aufgezwungener Name. Um die Problematik um die Herkunft des Namens Armin nun komplett zu machen kommt man nicht umhin auch einen Blick auf Gaius Plinius Secundus Maior, auch Plinius der Ältere genannt und seine Naturalis historia zu werfen, die um um 77 + entstanden ist. Plinius nennt darin unter der Sammelbezeichnung der Hermionen wohlweislich nicht der Herminonen sondern der Hermionen die Stämme bzw. Völker der Sueben, Hermunduren, Chatten und Cherusker. Er unterscheidet aber die Cherusker aus denen Arminius entstammte von den nördlicher davon siedelnden elbgermanischen Hermunduren, die zum großen Volk der Sueben gerechnet werden. Der Name dieser Ermunduri, was aus den lateinischen Worten Suevi Hermunduri also von den Hermunduren abgeleitet ist, verleitet aber auch noch dazu durch die Anfangssilbe “Ermun” an das Wort Armin anzuknüpfen. Da uns Arminius über die römische Namensschiene begegnet, Arminius aber ein Cherusker und kein Hermundure war, könnte man den Gedanken verwerfen, dass sich die römischen Namenspatronen mit Arminius für einen Namen aus einem anderen germanischen Volksstamm entschieden haben könnten. Allerdings vereint die Namen “Ermun” als auch “Armin” der Bezug zum altdeutschen Begriff “Erm” bzw. „Arm“ , woraus auch Adler oder Adlertöter abgeleitet werden könnte, so dass man auch diese Kombinationsmöglichkeit, wenn auch vielleicht nur auf hinteren Rängen in der Gesamtbetrachtung gelten lassen muss. Diese These wird aber auch durch die Kenntnis gestützt, dass in Germanien der Name Armin auch für Ermin oder Irmin und damit für Worte wie groß, gewaltig und heldenhaft steht. Die für den Cherusker nun neuen “Familienmitglieder” besser gesagt seine ihm nahe stehenden Bezugspersonen auf römischer Seite, die gewiss auch Verantwortung für seine Loyalität übernehmen mussten, konnten sich als Ziehväter bei der Namenssuche auch in der germanischen Welt nach geeigneten Rufnamen umgesehen haben, wurden vielleicht auch fündig und fügten dann nur die lateinische Endsilbe an. Hängen bleibt bei alledem sicherlich die Feststellung, dass der Name Armin, auch wenn man an ihn im römischen Reich die lateinische Endung “ius” anfügte germanischen Ursprungs gewesen sein könnte, ohne das man dies natürlich mit letzter Sicherheit behaupten kann. Der Name als Armin oder gar Arminius geschrieben erlebte trotz seines immensen Erfolges und seines plötzlichen Bekanntheitsgrades dadurch aber keine Konjunktur. Er ist in Germanien in dieser Schreibweise an keiner Stelle nachweisbar und scheint für männliche Nachkommen keine Verwendung bzw. Nachahmer gefunden zu haben. Zumindest kenne ich keine Überlieferungen aus germanischen Zeiten zu weiteren Personen die den Namen Armin mit “A” geschrieben tragen. Erst in der Moderne taucht der Name Armin wieder auf. Anders verhält es sich mit der Schreibweise bzw. Variante des Namens Armin, wenn man an seinen Anfang den Buchstaben “I” statt “A” setzt, nämlich Irmin statt Armin. Es lässt sich heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, ob das gesprochene “Ar” des aus der römischen Sprache überlieferten Wortes Arminius im Germanischen eine Wandlung vollzog und zum “Ir” wurde, jedoch gibt es dafür einen anderen Anhaltspunkt. Aus der indogermanischen Sprachentwicklung kennen wir die Ableitungen aus den Worten pflügen und Pflug. Aus der litauischen Sprache kennen wir das Wort “ariu” für Pflug und in lateinisch die Worte “arō = āre”, dass für “arātrum” also Pflug steht sowie aus dem gotischen das Wort arjan. Im Altenglischen finden wir dann für das Verb pflügen den Namen “erian” und im Althochdeutschen die Namen “erien” und “erran”, erkennen hier also den Wechsel vom “ar” zum “er”. Wenn man diese Beispiele auch auf die Namensverschiebung von Armin zu Ermin anwenden darf bzw. kann, so hätte man unter der römischen Herrschaft demnach für den Namen Armin auf die indogermanische Wurzel zurück gegriffen, die sich im Zuge der Sprachveränderung in Germanien später zum Namen Irmin entwickelte. Verfolgt man diesen Strang können wir ein Bindeglied zum Namen des thüringischen Königs Herminafried greifen. Für ihn gibt es auch die Namensüberlieferung Hermenefred. Aufhorchen lässt uns auch der Name Erminafried mit dem man ihn auch benannte und der sich bereits ohne “H” schreibt. Aber besonders fällt sein weiterer Name Irminfried auf, denn hier vollzieht sich dann der spätere Namenswechsel vom Ermin zum Irmin. Irminfried war arianischen Glaubens, lebte von etwa 485 bis 534 und verstarb in Tolbiacum dem heutigen Zülpich. Er war der Sohn des thüringischen Königs Bisinius, trat 510 dessen Nachfolge an und heiratete Amalaberga die Nichte von Theoderich dem Großen. Man kann annehmen, dass es um diese Zeiten und auch früher weitere uns nicht überlieferte Namen gegeben haben müsste, in denen der Name Irmin in welcher Form auch immer enthalten gewesen sein dürfte. Irminfried wurde 464 Jahre nach Arminius Tod geboren. Das weströmische Reich endete theoretisch mit dem Hunneneinfall 375 + und das frühe Mittelalter begann mit der Langobardenherrschaft in Italien nach 568 +, dazwischen lagen die Zeiten der Völkerwanderungen. Irminfried starb 534 + sein Leben fiel also mitten in diese zeitlichen Wirren. Ich denke, dass zwischen den Schreibweisen von Armin zu Irmin die Namensformen mit Ermin gelegen haben, die man vor die Irminschreibweisen als die Älteren ansprechen könnte und auf die eine Vielzahl anderer germanischer Namen wie zbs. den des berühmten Gotenkönigs Ermenrich der im Jahre 376 verstarb zurück greifen. Der Hinweis auf den männlichen Namen Irminfried führt uns aber mehr in den thüringischen Raum der aber ab dem 6. Jhd. zunehmend unter sächsisch/fränkischen Druck geriet. Die Schreibweise der westfränkischen Königin Ermentrude, über Hermentrude und Irmentrude aus der sich dann der Name Irmtraut entwickelte zeigt, dass sich später die “Irm” Silben durchsetzten. Nach Thüringen weist auch die bekannte Irmina von Oeren oder auch Irmina von Trier genannt, sowie eine Immina bei der es sich vermutlich um deren Tochter handelt. Irmina von Oeren verstarb zwischen 704 und 710 und ihre Geburt könnte, da sie die Mutter von Adela von Pfalzel war die 660 geboren wurde, je nach dem Alter ihrer Mutterschaft vor 648 gelegen haben. Forschungen ergaben, dass sie ursprünglich aus Thüringen gestammt haben könnte und damit enger mit den sächsischen Stammlanden als mit dem fränkischen Austrasien verbunden war. Aus dem Namen Armin könnten sich über den Umweg des Ermin demnach alle weiblichen und männlichen Irminnamen entwickelt haben. Auch dies ist kein einwandfreier Herkunftsbeweis auf eine von den Germanen eigenständig und unabhängig vom großen Armin entwickelte Namenstradition. Denn allen nach dem römischen Arminius, dem großen Schlachtenlenker geborenen Kindern in der germanischen Welt, so könnte man sagen, wäre der Name Armin dann nur deshalb verliehen worden, um damit an seinen großen Namensvetter zu erinnern. Über den späteren Namen Irmin leitet man ihn von Armin ab, könnte sich dann letztlich doch eine germanische Tradition basierend auf dem römischen Namen etabliert haben. So hätte sich damit der Bekanntheitsgrad des Namens Arminius und das Wissen um diese Person und seine Taten verfestigt und ließ sich, zuerst aus der lateinischen Geschichte und später auch aus dem germanischen Sprachraum fortan nicht mehr tilgen. Arminius als Person, war aber nicht nur im römisch beeinflussten Germanien, sondern weit über die in Abhängigkeit zu Rom stehenden Völker hinaus bekannt, auch wenn man die lateinische Namensform Armin nicht als Name für Nachkommen nutzte. Der heutige Großraum der die westfälische Bucht, bis zur Weser einschließlich Südniedersachsen, Nordhessen und das nördliche Sauerland bis zur Diemel umfasst, war Kerngebiet einer Bevölkerung, die noch über viele Generationen das Wissen um die damaligen Ereignisse kannte, weiter gab und mit ins Grab nahm. Dem Namen Arminius und seinen Taten, wohnte eine römisch/germanische Wurzel inne und ihm haftete noch sehr lange ein alle Stämme verbindender germanischer Wiedererkennungswert an. So könnte sich am Nordrand des Sauerlandes auch eine sprachverwandte Verkettung von Armin - ius über Ermin und Irmin bis zur Irminsul durchgesetzt haben worauf ich aber noch zu sprechen komme. Arminius war in die Seelen und Herzen wie einzementiert, und hatte bei den regionalen Germanenstämmen im Götterhimmel schon einen festen Platz gefunden. So überdauerte er problemlos die Jahrhunderte. Arminius hatte in der Großregion überlebt auch wenn die latinisierte Form seines Namens verschwand. Und dieser Ort könnte ohne viel Phantasie zu haben, zum Beispiel auch, aber nicht nur der Obermarsberg gewesen sein, denn da habe ich einen anderen Verdacht. Der Name Ermin/Irmin wurde aber nur als Personenname verwendet wie ich später noch herausstellen möchte, man vergötterte ihn zwar wegen seiner Taten aber vergöttlichen wollte man ihn auch nicht. Was natürlich im scharfen Kontrast zum Imperium steht, wo es die römischen Kaiser allen vormachten, indem sie sich schon zu Lebzeiten mit den Göttern auf eine Stufe stellten oder auf Münzen abbilden ließen. Auf diese profanen Basis gestellt, hatten sich auch die Cherusker und die anderen Stämme der Zeit an seinen neuen römisch/germanischen Zweitnamen Arminius und die Folgenamen Ermin und Irmin gewöhnt. Sie zollten schließlich seiner Person Hochachtung und Respekt gleich wie man ihn rief, aber sie amüsierten sich andererseits auch gleichzeitig über diesen Namen, da der mit Ruhm und Erfolg in Verbindung gebrachte Name Arminius ausgerechnet von jenem Volk vergeben wurde, das ihm später unterlag, ihm dem germanischen Wolf im Schafspelz, der sie alle hinters Licht geführt hatte. Rom verlieh ihm den Namen Arminius möglicherweise auch, weil ihnen sein germanischer Originalname schlechter über die Zunge ging, oder sie ihn möglicherweise auch gar nicht kannten oder kennen wollten. Sie akzeptierten ihn bei sich nur mit einer Identität die sie selbst vergeben hatten. In den römischen Niederschriften der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung erwähnte man den Namen Arminius auch noch. Später belastete man sich im römischen Reich nicht mehr mit ihm und seiner für das Volk von Rom gewisslich negativen Aura. Sein Name geriet in Vergessenheit, aber nicht so in Germanien. Damit verließ die Person Arminius auch langsam die historische Bühne aber nur auf der Ebene der römisch/historischen Überlieferung. Ihn, der er auch noch ein gegnerischer vor allem aber ein erfolgreicher Heerführer war begrub man literarisch unter einer dick “aufgeschichteten Schicht Geschichte”. Und wer lobt außer Tacitus schon seinen Feind in Person des Arminius und macht ihn damit unsterblich. Auch der ihm damals von römischer Seite gegebene Zweitname Arminius in seinen abgewandelten Formen hat die Zeiten überdauert und blieb bis in unsere Tage im Gedächtnis der Bevölkerung haften. Eine letzte Spur zum Namen Arminius in direkter Folge und Anknüpfung an die Antike sehe ich daher in der Arminiussäule, abgekürzt Irminsul die im 8. Jhd. von Karl dem Großen zerstört wurde. In dieser Zeit hatten sich die Franken vorgenommen, alles traditionelle und was sie für heidnisch hielten endgültig aus den Köpfen der Bevölkerung in Westfalen, Falen und Ostfalen zu verbannen und dem fiel auch die Arminius - Erinnerungsstätte zum Opfer und beinahe wäre es den Franken auch gelungen. (zuletzt überarbeitet - 12.2.18 - 18:45 Uhr)

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