Samstag, 27. März 2021
Cassius Dio besaß die bessere Quelle - Aber unser Kombinationstalent ist gefragt
Cassius Dio verfügte wie kein anderer antiker Historiker vor ihm über die zusammen hängenden Kenntnisse und damit aus unserer Sicht über die begehrte Gesamtübersicht zum Schlachtverlauf. Er schilderte uns das Geschehen fasst wie aus einem Guß, zwang uns aber gleichzeitig jedes seiner Worte auf die analytische Goldwaage legen zu müssen um auch seine Botschaften dahinter verstehen zu können. Andererseits vermissen wir bei ihm aber jene kurzen Episoden wodurch das große Ereignis erst an menschlicher Würze gewinnt. Nämlich die berührenden Berichte über die Verhaltensweisen und Reaktionen einzelner, ob sie nun an der Schlacht selbst teilnahmen oder erst sechs Jahre nach der Schlacht die Region aufsuchten. Aber es gibt sie die Überlieferungen die uns einen kleinen Einblick in die Gefühlswelt einiger Protagonisten gewähren, sie verraten uns aber zugleich auch etwas über das Innenleben der jeweiligen Historiker. Beschreibungen wie sie Paterculus, Tacitus und Florus zum Geschehen beisteuerten. Oftmals waren es von ihnen nur eingestreute Halbsätze, insgesamt aber Anhaltspunkte die für die Rekonstruktion und unser Verständnis hilfreich wurden. Um nur das als widerwärtig dargestellte Verhalten von Numonius Vala (Paterculus), die verzweifelte Flucht des blutverschmierten Legionärs samt Legionsadler (Florus) oder die tiefe Betroffenheit des Germanicus angesichts der Knochenbestattung (Tacitus) heraus zu greifen. So musste Cassius Dio der über all dies nichts schrieb sein Wissen einer oder anderen Quellen entnommen haben. Sollten ihm die Schriften von Paterculus, Tacitus und Florus vorgelegen haben so nutzte er sie, warum auch immer, nicht. Vielleicht weil sie sein Konzept störten oder ihn diese Details nicht interessierten. Vielleicht aber auch nur, weil er nicht bei ihnen abschreiben wollte. Wollen wir dem Ursprung seines Wissens auf den Grund gehen, dann stoßen wir auf einen viel zitierten Hinweis, den man schon als nahezu überstrapaziert bezeichnen muss. Eine bedeutsame Quelle die man im Zusammenhang mit seiner politisch hohen Position und den sich daraus abzuleitenden Kompetenzen sehen kann. Mit der Kombination aus beidem lässt sich vieles begründen und rechtfertigen und es bietet uns eine Hilfestellung, wenn wir seiner Glaubwürdigkeit einen Maßstab anlegen möchten. Vielleicht ist auch nur der Wunsch der Vater des Gedanken mit dem wir Cassius Dio zum Allwissenden in Sachen Varusschlacht hoch stilisieren möchten und was schon fasst mythische Züge annimmt. Aber die Faktensammlung und deren Analyse spricht für sich und somit auch für ihn. Denn aufgrund seines gehobenen Standes und Ansehen als römischer Senator und Konsul billigt ihm die Geschichtsforschung seit jeher zu, dass ihm Recht und Privileg zustanden Einblick in die behüteten Senatsakten nehmen zu dürfen. Sozusagen ins Allerheiligste imperialer Dokumentationsbürokratie, nämlich die bibliographische Schatzkammer der kaiserlich römischen Geschichtsschreibung schlechthin. Und die Freiheit darauf zugreifen zu dürfen sollte man ihm auch nicht absprechen, denn er verfügte über diese weit reichende Berechtigung und war offensichtlich auch nur dadurch imstande gewesen den Hergang der Mehrtagesschlacht zumindest in groben Zügen nachvollziehen und darstellen zu können. Und er brachte es unter der Regentschaft vieler nach Varus zeitlichen römischen Kaiser zu Papier. Herrscher, für die die Varusschlacht so weit zurück lag, dass sie sie vielleicht schon gar nicht mehr für wahr hielten. Zeitlich entrückte Dimensionen ähnlich weit, wie es für viele damals auch die Punischen Kriege waren. So darf man sich nach so langer Zeit auch wieder die grundsätzliche Frage stellen was Cassius Dio angetrieben haben könnte, dass fasst Vergessene noch mal zu hinterfragen. Paterculus und Tacitus gelang diese Zusammenfassung noch nicht einmal Ansatzweise, während uns Florus immerhin eine Phase des Geschehens heraus griff und sie uns schilderte. Nämlich jene Kämpfe, wie sie sich im zweiten Marschlager nach Brakel dem "Prima Vari Castra" zugetragen haben könnten. Dieses von Florus stammende Wissen stellt damit eine Einmaligkeit und Besonderheit dar, wie wir es in der Abfolge bei keinem anderen Historiker so detailliert lesen konnten. Und selbst Cassius Dio hinterließ uns dazu nicht jene Details wie es Florus tat. Sollte Cassius Dio sein Wissen den Akten aus dem inneren Zirkel des Machtapparates entnommen haben, so las er darin auch noch manches andere, aber auch manches nicht, weil es nicht drin stand. So las er möglicherweise auch nicht, dass der Statthalter Varus von einem Germanen namens Segestes auf die drohende Gefahr hingewiesen wurde. Dafür las er aber, dass Varus von mehreren Personen gewarnt wurde. Es ist in der Tat ein brisanter Satz, den uns da Cassius Dio auf die warnenden Stimmen bezogen da hinterließ und uns ins historische Gewissen schrieb, dessen Ausmaß und Bedeutung sich auf den ersten Blick kaum erschließen lässt. Denn hätte uns nur dieser eine wortgetreue Bericht von Cassius Dio vorgelegen und nichts anderes, dann hätte sich die Geschichtsforschung auch nie mit der Warnung des Cheruskers Segestes beschäftigen brauchen und wir müssten uns einem völlig anderen Sachverhalt und einer geänderten Ausgangslage stellen. Eine Situation die wir uns bislang gar nicht vorstellen wollten, aber auch nicht mochten. Denn heute wie damals auch wollten die Menschen mit ihrem leichten Hang zur Theatralik immer schon gerne einem Mann wie Segestes Platz und Raum in ihren Visionen einräumen. Denn es war ja eigentlich schon immer allen klar, dass es sich auch hier bei Cassius Dio, wenn auch ohne Namensnennung nur um Segestes den Verräter gehandelt haben konnte. Aber seit Cassius Dio müssen wir umdenken und dürfen es nun grundsätzlich infrage stellen. Führen wir uns aber diesen Satz aus einer angemessenen Distanz zu Gemüte, dann lesen wir möglicherweise etwas völlig anderes in ihm und dann lässt sich der Satz auf eine ganz andere Weise interpretieren. Nämlich eine Analyse die völlig ohne den Germanen Segestes auskommt. Denn Cassius Dio las über das Präludium der Schlacht in den Senatsakten und darin stellte sich möglicherweise die Geschichte vom großen Verrat völlig anders dar. Da Cassius Dio von "allen" spricht, so lässt dies aber auch den Schluss zu, dass es zwei abweichende Varianten zum Geschehen gibt. Aber die Version von Cassius Dio wäre die, die sich den Vorstellungen dieser Theorie anpassen ließe. Lesen wir also diesen bedeutsamen Satz noch einmal völlig unbedarft, so als ob wir den Namen Segestes noch nie gehört hätten und tilgen mithin auch seine Untat aus der Geschichtsschreibung. "Stelle mer uns also ma janz dumm". Heinrich Spoerl der Drehbuchautor der Feuerzangenbowle wird es mir verzeihen. Segestes war demnach ein Fürst der Cherusker, er war der Schwiegervater von Arminius und er war später der Mann der sich Germanicus ergab, aber er war kein Verräter. Varus handelte folglich aus der Position einer vermeintlichen Stärke heraus, wie es nur ein Unwissender tun konnte, der weit und breit keine Gefahr erkannte, da sie ihm keiner deutlich machte. Aber durch die neuerlich entstandene Situation, nämlich die plötzliche Nachricht die ihm aus der Aufrührerregion zugetragen wurde auch ohne das es einen Segestes gab, sah er sich gezwungen seinen Plan zu ändern. Er musste also den herbstlichen Rückzug anders gestalten und organisieren, als er es ursprünglich vorgesehen hatte. So stand er in seinem Befehlsgebäude, beriet sich mit seinen Generälen und diskutierte mit ihnen den militärischen Teil des Rückmarsches zum Rhein samt Abstecher zu den Rebellen. Was aber die Rebellion ausgelöst hatte und wogegen sie letztlich gerichtet war, wird weder bei Cassius Dio noch bei irgend einem anderen Historiker deutlich, da alles letztlich von den Ereignissen überrollt und dies für alle an Bedeutung verlieren musste. Denn erst nach der Schlacht wusste jeder Mann, dass es gar keinen Aufruhr gab, dafür aber einen Hinterhalt. Aber von Florus ableitend und ihn hier hinzuziehend wird erkennbar, dass sich Varus mit der Absicht trug die Rebellen aufzusuchen um sich bei ihnen um eine Lösung des Konfliktes am grünen Tisch, also ohne Waffeneinsatz zu bemühen. Es schwebte ihm dem begnadeten Rechtspfleger möglicherweise eine Schlichtungsverhandlung in Form einer jener "allseits beliebten" Gerichtssitzungen vor. Das aufrührerische Volk siedelte Abseits und in gewisser Distanz zum üblichen und bekannten Marschkorridor von Corvey in Richtung Rhein, was einen Umweg erforderlich machte, bevor man wieder auf die Lippe traf. Varus musste also eine Region aufsuchen. die noch nicht in seinen Herrschaftsraum, also den neuen Siedlungsschwerpunkt, der neuen "Korridor" Provinz am Weserufer integriert war. Wo Germanen lebten, mit denen man auch keinen Vertrag geschlossen hatte. Stämme mit denen man auch keine Bündnisse schließen wollte weil man sie nicht brauchte, da sie außerhalb römischer Interessen lebten. Stämme, deren wirtschaftliches Umfeld für Rom zu diesem Zeitpunkt noch uninteressant war oder keine Bodenschätze wie Blei aufwies. Stämme über deren Strukturen, Machtgefüge und innere Angelegenheiten nur die einheimischen Germanen Kenntnis besaßen, aber kein Römer. Die Lage war für Varus klar, er hatte eine aus seiner Sicht schlagkräftige Armee um sich gesammelt und konnte zudem auf die Unterstützung cheruskischer Hilfstruppen bauen. Wo war also das Problem. So konnte er sich in der Tat wie Cassius Dio es auch anschaulich beschrieb, völlig sicher gewesen sein und brauchte auch kein Unheil befürchten, denn was sollte schon passieren. Aber letztlich zog man in ein Rebellengebiet in dem eine unklare Lage herrschte. Varus schilderte man, besser gesagt gaukelte man möglicherweise vielfache Gründe für den Aufruhr vor, Arminius musste es im Detail offen lassen und im Römerlager dürfte man gerätselt haben was dort wirklich vor sich ging. Stritten sich da nur germanische Stämme untereinander, waren römische Belange betroffen oder gar bedroht, wie hoch war deren Anzahl und wie stark waren sie. Aber auch wie es um das dortige Kräfteverhältnis stand. Gab es auch dort wie es sie scheinbar in allen Fürstenhäusern gab, eine Rom zugeneigte Partei oder nur Rom gegenüber kritische Stimmen. So mag sich dies alles seinem Wissen entzogen haben und Varus kam nicht ohne Arminius aus. Zumal dieser auch ihrer Sprache mächtig war. So ist es insgesamt betrachtet ein normaler Prozess gewesen, dass sich bei einer derartigen Militäraktion auch vollmundige Stimmen zu Wort meldeten, die auf mögliche Gefahren hinweisen, man kennt das. Ein nicht unüblicher Verlauf wie er vor jedem kriegerischen Ereignis im Sinne einer Abwägung statt findet und sogar statt finden muss. Denn es galt die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, die nötigen Voraussetzungen einzuleiten und die erforderlichen Entscheidungen zu treffen und sie den Unterführern bekannt zu geben und sicherlich waren an der Strategiefindung auch seine Kommandanten beteiligt. Dazu gehörte im Vorfeld auch der eindringliche Befehl an seine Männer sich durch germanische Hitzköpfe auf dem Weg zu den dortigen Anführern nicht irritieren zu lassen. Also auf keinen Fall voreilig zu den Waffen zu greifen um keinen Germanen ernsthaft zu erzürnen, solange man sich nicht darüber im klaren war, was bei dem rebellierenden Stamm wirklich vor sich ging. Eine weitere vorkehrende Maßnahme könnte es gewesen sein, den störenden, weil umfänglichen zivilen Tross, samt Beamten und sonstigen kriegsuntauglichen Personen, aber womöglich auch Sklaven, denn das war ein lukrativer Geschäftszweig des Imperiums von der militärischen Aktion abzukoppeln. Zur Sprache gekommene zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen hielt Varus jedoch für übertrieben und überzogen, da er sein militärisches Potenzial für ausreichend hielt. Erfahrene Legionäre auch aus den Zeiten des Immensum Bellum könnten ihn darauf hingewiesen haben, dass sich dort im Bereich der Südegge nahe der Diemel damals auch Völker angesiedelt hatten die im Zuge der Deportationen unter Tiberius dahin ausgewichen, also geflohen waren und daher nicht gut auf das Imperium zu sprechen waren. Denn in diesem Raum vermutet man die neuen Wohngebiete der Marser und die sich ihnen angeschlossenen Sugambrer. Varus hingegen vertraute auf seine Stärke und setzte sich auch über derartige Bedenken hinweg und das zu einer Zeit, als er schon vom Aufruhr wusste. Aber auch eine zweite Variante, die ebenfalls auf Segestes verzichten kann, könnte sich hinter den Worten von Cassius Dio verbergen. Varus fühlte sich in der Tat sicher, denn die Sommermonate verliefen äußerst ruhig, friedlich und zufriedenstellend. Daran hatten bekanntlich die Germanen ihren Anteil, da sie ihn in Sicherheit wogen und sich gerne von seinen Richtersprüchen "beglücken" ließen und eine trügerische Ruhe bewahrten. Ein Hinweis darauf, dass der Tag der Entscheidung bereits von langer Hand vorbereitet gewesen sein könnte. Die Atmosphäre knisterte, wurde aber von Varus als solche nicht wahr genommen. Den Schriften Cassius Dio ließe sich entnehmen, dass es Römer aus der Umgebung von Varus gab, die ihr Ohr stärker im Lager der Germanen hatten als andere und sie berichteten schon zu früher Stunde etwas anderes, denn sie warnten ihn und versuchten ihm bereits vor dem Abzug zum Rhein einen gewissen Ernst der Lage zu verdeutlichen. In diese schon vorher als kriselnd und Besorgnis erregend beschriebene Stimmungslage hinein platzte nun die plötzliche Warnung von Arminius oder anderer Germanen, dass sich im südlichen Nethegau Aufrührer zusammen geschlossen hätten. Für die römischen Herrscher verbargen sich dahinter außer Kontrolle geratene Auswüchse und die bekannte überschäumende Erregung der germanischen Urbevölkerung. Man kannte dies von ihnen und es galt wieder Ruhe herzustellen. Eine von Varus schon mehrfach angewendete Spezialität. Man bedenke auch, dass es hier Germanen waren, die Varus in diesem Fall sogar vor ihren eigenen Landsleuten warnten. Eine heikle Lage die für jeden Menschen ob er nun antiker oder neuzeitlicher Herkunft ist ungewohnt und unüblich klingen muss. Varus musste also den Eindruck gewonnen haben, dass die Cherusker ihm gegenüber über alle Maßen so loyal eingestellt waren, dass sie sich in diesem Fall sogar an die Seite Roms stellten und sich gegen ihr eigenes Volk mit Varus verbündeten. Aber dazu gesellt sich noch ein anderer Betrachtungswinkel. Nämlich der, wie glaubhaft es doch die Cherusker angestellt haben mussten um ihm dem Feldherrn Varus vermitteln zu können warum sie sich, die ebenfalls Germanen waren nun einem etwas weiter entfernt siedelnden Germanenstamm im südlichen Nethegau als Vermittler anbieten wollten, sich als Partner darzustellen, der nötigenfalls sogar dazu bereit war für Rom und Varus auf die eigenen Landsleute einzuschlagen. Wie diffuse und unübersichtlich musste Varus das Beziehungsgeflecht innerhalb der einzelnen Germanenstämme vorgekommen sein, wenn er sich davon überzeugen ließ. So gestattet dies auch einen Blick auf das gesamte Gefüge des Zusammenlebens der unterschiedlichen Germanenstämme in einem doch recht überschaubaren Siedlungsraum. Ging man denn tatsächlich im Römerlager davon aus, dass jeder Germanenstamm mit dem nächsten im Zwist lag, sodass es Varus völlig normal erschien, dass die Cherusker ihm näher standen, als anderen Germanenstämmen obwohl sie gleicher Abstammung waren. Und natürlich gehörte auch dies zum gut durchdachten Plan von Arminius, denn er konnte vorgeben, dass es zum Kampf bei den Aufrührern schließlich nur im äußersten Notfall kommen sollte. Nämlich erst dann, wenn schlussendlich alle angestrebten Schlichtungsbemühungen von Varus erfolglos bleiben würden und auch erst dann, wenn die Germanen dort völlig unerwartet die Waffen gegen Rom erheben sollten. Und dieses gesamte Zusammenspiel innerhalb unseres historischen Wissenstandes wie es sich aus den Berichten der vier antiken Geschichtsschreiber erschließen lässt ermöglicht uns auch erst diesen Verlauf plastisch nachvollziehen und ihn mit Leben erfüllen zu können. Denn demnach unterschätzte Varus möglicherweise ein über Generationen gewachsenes Zusammengehörigkeitsgefühl, das unter den damaligen Stämmen herrschte, die alle in Rom den gemeinsamen Feind sahen. Ob die Aufrührer nun in Arminius mehr den Feind, den Freund oder den Schlichter sahen, zeigt die heikle Lage in die Varus schlitterte und wie schwer es für ihn war, alles richtig zu bewerten. Wie brisant sie war und wie abhängig er nun von den mit ihm befreundeten Cheruskern war. So konnte sich Varus auch zu keiner Zeit vorstellen, wie es denn nur möglich sein könnte, dass es unter diesen Bedingungen überhaupt zu einer Allianz mehrerer Stämme gegen ihn kommen konnte. Stämme eines Volkes die er nun alle für untereinander zerstritten halten musste, die sich dann aber verbünden würden, um sich im Zuge einer Schlacht gegen ihn zu stellen. Aus seiner Sicht eine absurde Vorstellung. Ein Argument dass Varus auf seiner Seite verbuchen konnte, denn wer hätte ihn denn angreifen sollen, wenn die Stämme schon in sich uneins waren. Er sah keine Bündnisgefahr gegen sich, verfolgte die Taktik "divide et impera" und wusste zudem seine germanischen Bündnisgenossen und seine Legionen hinter sich. Betrachtet man nun also die Überlieferungen von Cassius Dio, wie er sie möglicherweise den Senatsakten entnahm, so existierte neben den Aussagen wie wir sie von Paterculus, Tacitus und Florus her kennen noch diese eine wichtige vierte Variante. Eine Interpretation in der ein Segestes nicht vorkommt, weil er sich gar nicht unter denjenigen befand, die Varus gewarnt hatten und von denen er zu erhöhter Vorsichtsmaßnahme aufgefordert wurde. Es lässt sich daraus schließen, das zuerst Paterculus und dann Tacitus und Florus der Informationsschiene folgten wie sie 17 + von Segestes in Rom verbreitet wurde. Cassius Dio wiederum hatte die unverfälschten Originalberichte vor sich aus denen klar und sachlich und ohne das von Segestes Beigemischte erkennbar wurde, welche Stimmung in Germanien an den Vortagen der Schlacht und nach Eingang der Nachricht von rebellierenden Germanen herrschte. Wenn Varus von vielen Personen auf die Gefahr hingewiesen wurde, dann waren es auch keine Einzelpersonen und es war erst recht kein Zwiegespräch mehr zwischen Varus und Segestes. Man sorgte sich und die kritische Lage wurde von mehreren Personen geschildert unter denen sich dann theoretisch auch Überlebende der Schlacht befunden haben könnten, jene die Germanicus später die Schlachtzentren zeigen konnten und die ihre Berichte in Rom erst zeitversetzt einbrachten. Vor diesem Hintergrund klingen die Überlieferungen von Cassius Dio mit Abstand plausibler, als dass was Paterculus, Tacitus und Florus lange Zeit vor ihm berichteten. Gleich ob man nun in Segestes den geschickten Spieler und Taktiker erkennen möchte in dem Paterculus, Tacitus und Florus noch den ehrenhaften Germanen sahen oder Dio, der auf Segestes als Person gar nicht einging. Der Sachverhalt und das Ergebnis bleiben das gleiche. Varus war gewarnt, setzte sich über die wohl gemeinten Ratschläge hin weg und verließ sich auf seine gut ausgebildete Militärmaschinerie. Den Germanen hingegen gelang es Varus in den bekannten Hinterhalt zu locken, denn er sah die Hauptgefahr nur im unmittelbaren Stammesgebiet der Aufrührer, konnte aber nicht ahnen, dass die eigentliche Gefahr schon früher einsetzte, nämlich in dem Moment als sich ihm Arminius schon am zweiten Marschtag auf dem Weg dahin in den Rücken warf bzw. sich ihm entgegen stellte. Es entwickelte sich ein Szenario dessen Verlauf und Ausgang letztlich für beide Seiten unvorhersehbar sein würde. Die Auswirkungen und die Tragweite die diese Schlacht haben würde waren unmittelbar danach nebensächlich, denn man lebte im Jetzt. Ursächlich für die Niederlage waren eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren. Auch herbei geführt durch diverse miteinander verkettete Aktionen. Vorteile die auf einer guten germanischen Bündnispolitik beruhten plus einer Portion günstiger Begleitumstände. So war die Niederlage die logische Konsequenz aus alledem. Und Segestes ? Ja, wer war eigentlich Segestes ? (27.03.2021)