Dienstag, 3. April 2018
Zum Frühjahrsfeldzug des Germanicus 15 + und zur Lage des Segestes Herrschaftssitzes
Natürlich ist die Tacitus Überlieferung zum römischen Sommerfeldzug des Jahres 15 + mitsamt der Knochenbeisetzung für die Forschung und die damit verbundene Chance einer Lokalisierung des Varusereignisses ein einzigartiger Glücksfall, der mir letztlich auch half den gesuchten Raum einzugrenzen und teilweise zu fixieren. Jedoch darf dies nicht darüber hinweg täuschen, dass der Frühjahrsfeldzug im gleichen Jahr mit seinen direkten und indirekten Rückschlüssen und Bezügen zum ostwestfälischen Schlachtenhorizont zwar einen ebenso deutlichen Fingerzeig auf das “Prima Vari castra” des Tacitus missen lässt, aber über den Weg der Aktionsraumanalyse sehr nützlich für die Recherche ist und aufgrund seiner Abläufe und der Vorgehensweise von Germanicus weitere neue Anhaltspunkte aufzeigt und diverse Schlussfolgerungen zulässt, die die Grundzüge meiner Hypothesen stützen helfen. Bereits über die Methodik Ausschlusskriterien zu definieren bietet er einige interessante strategische Kombinationen an. Germanicus mangelte es im Verlauf beider Feldzüge offensichtlich weniger an kampffähigen Legionären und Hilfskräften als an einem schlüssigen Konzept, wie er seinen Hauptfeind den Cheruskerfürsten Arminius und seine Getreuen bezwingen konnte. So reichte ihm schon eine Information, wie und von wem auch immer sie zu ihm gelangte aus, es würden sich Machtkämpfe zwischen den beiden Führungsgeschlechtern der Cherusker zuspitzen, um sich davon beeinflussen zu lassen. Er stellte sich möglicherweise vor und wünschte sich insgeheim, dass in “Cheruskien” der Konflikt der beiden Widersacher Arminius und Segestes bereits dabei sein könnte sich aufzuschaukeln und in offene Gewalt umzuschlagen. Diese Gelegenheit wollte er nicht verpassen und den Moment für seine Politik nutzen. Eine bequemere und oft erfolgreich praktizierte Vorgehensweise nach der alten und für Rom unblutigen Methode “Teile und Herrsche” konnte es für ihn nicht geben. Er verwarf folglich über die Wintermonate oder sogar noch kurzfristiger seine ursprünglichen Pläne eines sicherlich besser durchdachten Sommerfeldzuges und entschied sich statt dessen für einen vorgezogenen Frühjahrsfeldzug mit dem für die Nachwelt „offiziellen“ Ziel eines Chattenfeldzuges um die längst fälligen Rachemaßnahmen an ihnen zu vollstrecken. Es war für ihn verlockend bei günstigen Umständen und ohne große Anstrengung sowohl diesen renitenten „Varusschlacht Teilnehmerstamm“ zu bestrafen als auch mit Unterstützung williger Kräfte des Hauses Segestes die alten Zustände der Jahre 8/9 + wieder herzustellen. Germanicus hatte es der Überlieferung nach eilig, was für derartige Operationen immer schädlich ist und Caecina bekam den Befehl mit allen vier niederrheinischen Legionen plus 5ooo Mann Hilfstruppen von Xanten aus über die gewohnte Lippe Ems Region nach Osten vorzustoßen. Germanicus selbst brach mit ebenfalls vier Legionen und sogar der doppelten Zahl an Hilfstruppen allerdings vielsagenderweise nur „leicht gerüstet“ von Mainz auf. Eine in der Tat trotzdem massive Streitmacht, wenn man damit nur einen Germanenstamm züchtigen wollte. Es kann daher angenommen werden, dass er weitreichendere Pläne gehabt haben könnte. Die Chatten wendeten jedoch die Arminius Strategie an und zogen sich zurück. Chattische Widerstände blieben aus und erst im Norden an der Eder stellte sich den Legionen ein chattisches Kontingent in den Weg, dass aber lediglich einen Brückenschlag verhindern wollte. Da die Jahreszeit als auffällig trocken bezeichnet wird, kann die schon nicht sehr breite Eder auch kein großes Hindernis für die Legionen gebildet haben. Eine Entscheidungsschlacht größeren Ausmaßes blieb wohl aus, denn das obligatorische Verwüsten von Siedlungsgebieten stände dazu in keinem Verhältnis. Ob die Cherusker die ernste Absicht hatten wie Tacitus überlieferte, den Chatten zu Hilfe zu kommen ist denkbar und die Gefahr zwischen Germanicus und Caecina in die Zange genommen werden zu können, ließ sie wohl davon abrücken. Und diese Falle könnte man, da Caecina um Paderborn stand, nur im Nethegau oder südlich davon hätte zuschnappen lassen können, denn Germanicus weilte wie ich vermute im Raum zwischen Eder und Hofgeismar. Das sich die schon nach nur einem Jahr unvermutet wieder erstarkten Marser so schnell vom Tamfana Trauma erholen konnten um sich sogar in einer Schlacht der vier Legionen Armee von Caecina entgegen zu stellen, die er dann nur dank Glück für sich entscheiden konnte, klingt nach dem dezimierenden Feldzug des Jahres 14 + gegen ihren Stamm schier unglaublich. Dieser Dissens in der Plausibilität müsste auch Tacitus aufgefallen sein. Aber was uns Tacitus dann überliefert, kommt um so überraschender, denn Germanicus tritt zu einem uns unbekannten Zeitpunkt und scheinbar urplötzlich den Rückzug an. Es muss daher die Frage gestellt werden, was Germanicus in Nordhessen überhaupt erreicht hat bzw. wofür er den Aufwand trieb. Er startete zum einen seinen Feldzug nur „leicht gerüstet“, ließ zudem für den Wegebau noch dazu viele Legionäre unter Lucius Apronius zurück und schien insgesamt betrachtet dadurch auch nur bedingt angriffsfähig gewesen zu sein. Aus der Begrifflichkeit nur „leicht gerüstet“ lässt sich heraus lesen, dass man nicht Feldzugsmäßig und jahreszeitlich geeignet ausgestattet, vermutlich schwach Verproviantiert war und wenig schwer gewichte Kampfausrüstung mitführte. Kurz gesagt, man war für sich über längere Zeit angelegte und heftige Auseinandersetzungen nicht genügend vorbereitet. Germanicus startete seinen Frühjahrsfeldzug wie vermutet unter völlig falschen Voraussetzungen. Aber von seiner immerhin noch großen Streitmacht im Zusammenwirken mit Caecina hätte man trotzdem mehr erwarten können, als das in Schach halten der Cherusker und die Verwüstung chattischer Siedlungsgebiete einschließlich ihres Hauptortes. Warum bricht ein Feldherr einen Frühjahrsfeldzug so früh wieder ab. Vermutlich traf er bei den Cheruskern nicht die erhofften Zustände an, oder fand keinen Gegner der sich ihm entgegen stellen wollte, so sehr er sich infolge seiner Anwesenheit auch um die Provokation der Cherusker bemüht haben könnte. Zudem wäre ihm das Verwüsten von cheruskischen Siedlungsgebieten auch schwer gefallen, da er nicht die Segestes Dörfer abfackeln wollte und durfte und die Trennlinie beider Stämme und die Tendenz der Bewohner sicherlich auch nicht im Detail kannte. Viele Schlussfolgerungen sind möglich. Eine davon könnte auch sein, dass Caecina nicht nur von den Marsern, sondern auch von mehreren anderen Stämmen angegriffen wurde und sich daher nur mit größter Mühe und viel Glück, wie auch historisch angedeutet ist, in Sicherheit bringen konnte. Die fünf jährige Kampfpause die nach der Varusschlacht verging und das Tamfana Debakel könnte zu einem erheblichen personellen und moralischen Erstarken unter den Westgermanen geführt haben und so hatten sie gegen Caecina, gewarnt durch die Ereignisse des Vorjahres ein großes Aufgebot im Raum Paderborn zusammen ziehen können. Die damit verbundenen kritischen Umstände zwangen daraufhin Germanicus sich ebenfalls vom Krisengebiet abzusetzen. Dann erreichte Germanicus aber irgendwo unterwegs auf seinem Rückzug nach Mainz unvermittelt der Hilferuf des Segestes aus seiner Burg, dem er zwar nachkam was ihn aber zur Kursänderung zwang und ihn vermutlich auch in eine strategisch unsichere Lage führte. Tacitus formulierte es geschickt mit den Worten, es wäre ihm wohl „die Mühe Wert“ gewesen. Beide römischen Heere standen in Kontakt miteinander und Caecina war unterdessen parallel dazu wohl auch schon wieder auf dem Rückzug nach Xanten und so nutzte ein wohl nicht sehr umfänglicher Teil der Arminiusstreitmacht, da der Großteil noch auf Caecina fixiert war das plötzliche Vakuum aus, um den Herrensitz des Segestes zu belagern. Um Segestes zu befreien fühlte sich Germanicus wohl noch stark genug. Tacitus spricht in diesem Zusammenhang interessanterweise von einer Seitwärtsbewegung des Germanicus, er schreibt also nicht, dass Germanicus noch mal zurück ritt. Germanicus musste also einen anderen folglich abweichenden Weg zu Segestes eingeschlagen haben, als den bzw. zurück in die Richtung aus der er kam. Will man diese Spur aufgreifen, muss man wissen, von wo aus Germanicus seinen Rückweg antrat sich also zur Umkehr entschloss bzw. wie weit er bereits in den Norden vorgedrungen war, bevor er den Seitenschwenk vollzog. Er kam etwa bei Fritzlar über die Eder, blieb aber meines Erachtens auf chattischem Boden und drang aufgrund der Gemengelage nicht auf cheruskisches Terrain vor. Er könnte sich noch bis in die Region Hofgeismar vorgewagt bzw. vorgearbeitet haben, als ihn die Nachricht vom sicherlich nicht unspektakulären Aufeinandertreffen der Caecina Legionen auf die Marser erreichte. Oft wird spekuliert wo sich der Herrensitz von Segestes befunden haben könnte. Favoriten sind der Obermarsberg an der Diemel oder der Desenberg bei Warburg. Beide Örtlichkeiten schließe ich jedoch aus. Denn der Obermarsberg liegt nicht nur auf marsischem Stammesgebiet, sondern auch in einer Region, die unbestritten nie zum cheruskischen Territorium gerechnet wurde bzw. wird. Für den Desenberg in einem Grenzgebiet nahe zu den Chatten gelegen, hätte sich Segestes ebenfalls nicht entschieden. Die cheruskischen Stammlande werden allgemein im Raum zwischen Weser, Solling und Nordharz verortet. Und nicht nur ein Stammesfürst wie Segestes hätte sich immer für einen Herrschaftssitz entschieden, der inmitten seines Stammesgebietes lag und nie an seinem äußeren Rande. Damit fallen sämtliche Grenzzonen weg und nicht nur die nahe den Chatten oder Marsern, sondern auch jene, die zu weit nach Westen in die Nähe der Herrschaftsgebiete der Brukterer reichen. Segestes, aber auch Segimer/Arminius konnten demzufolge ihre Herrschaftssitze auch nur zwischen Weser, Solling und Harz heranreichend an Hildesheim gehabt haben. Was Tacitus also unter einer Seitenbewegung verstand kann demzufolge nur ein Schwenk nach Nordosten gewesen sein, denn dort gab es außer den Cheruskern bis auf weiteres keine anderen Stämme mehr. Cheruskerfürsten deren Namen oder Territorien wir nicht kennen und die möglicherweise im Raum Goslar oder Salzgitter lagen finden auch in den Tacitus Schriften keine Erwähnung. Ich schließe natürlich nicht aus, dass es weitere cheruskische Fürstengeschlechter auch weiter östlich gegeben haben könnte. In die Varusschlacht griffen meines Erachtens aber nur jene Cherusker ein, die noch im relativen Nahbereich zum Schlachtenraum, also im Umkreis von 50 Kilometern aber eher wesentlich geringer, siedelten. Arminius und seine Sippe halte ich im Zuge der Varusschlacht für die damals hauptsächlich Betroffene, also den Teil des cheruskischen Fürstenhauses, der den westlichen Teil nahe bzw. im weiteren Umfeld von Höxter besiedelte. Das Stammesgebiet und der Herrensitz des Segestes kann sich nach meiner Ansicht also nur östlich von Höxter und Solling befunden haben. Germanicus vollführte folglich seinen Richtungswechsel in die nordöstliche Richtung, als er in etwa in der Region um Hofgeismar von der Bedrängnis erfuhr. Segestes war durch die von der Weser abgewandte östliche Lage seiner Besitztümer von den Ereignissen und den Expansionsbestrebungen des Varus weitaus weniger betroffen als jene Cherusker die ihre Wohnstätten unmittelbar an der Weser hatten. Diese Distanz führte zwangsläufig auch dazu, dass Segestes sich gegenüber Varus völlig anders verhalten konnte als Segimer oder Arminius. Segestes pokerte, denn er konnte in seiner Siedlungsnische östlich des Solling ganz andere geostrategische Interessen verfolgt haben, als der Segimerclan, der defacto sein Stammesgebiet für die neuen Machthaber komplett hergeben musste und er selbst konnte ruhig und gelassen den Dingen zuwarten. Er konnte aber wiederum in relativ kurzer Zeit das Sommerlager des Varus in Corvey erreichen, um an seinem Tisch platz zu nehmen um seinen Intrigen nachzugehen. Germanicus dirigierte seine Legionen also von Hofgeismar nach Nordosten ins Leinetal. Diese Region etwa 35 Kilometer östlich von Höxter gelegen, wird in einer fruchtbaren Siedlungskammer heute durch die Stadt Einbeck geprägt. Ich plädiere daher auch den Herrensitz des Segestes in dieser Region anzusiedeln. Die Leine ist seit längerem als Marschkorridor auch in Richtung des Marschlagers Hemmingen - Wilkenburg für die römischen Legionen identifiziert und führt an Einbeck vorbei. Betrachtet man die Ortschaften um Einbeck unmittelbar an der Leine, so wird man im Einbecker Ortsteil Vogelbeck, etwa 24 Kilometer südlich des kleinen Ortes Segeste bei Almstedt an der Alme fündig und zwar dort wo man 1984 im Zuge von Notgrabungen an der Leine auf eine cheruskische Siedlung stieß. Es fand sich dort in einer Grube verziegelter Hüttenlehm mit Abdrücken von Flechtwerk, das auf der anderen Seite glatt verstrichen und gewölbt war. Eisenschlacken und die Reste eines Messers weisen auf die Verarbeitung von Eisen innerhalb dieser Siedlung hin. Die Siedlung konnte wegen der umfangreichen Keramikfunde in die eisenzeitliche Epoche um die Jahrtausendwende, also die römische Kaiserzeit datiert werden. Als einen bezeichnenden Einzelfund kann man die im Februar 1994 in der Gemarkung Vogelbeck westlich der Vogelsburg im Boden entdeckte Münze werten. Diese in augusteischen Zeiten im römischen Nimes geprägte Nemausus Münze lässt sich auch in den Kontext der Germanenkriege seit Drusus einbeziehen und fügt sich zudem in den Schlachtenhorzont der Clades Variana ein. Wann sich römische Legionen nach den Rachefeldzügen des Germanicus wieder wagten durchs Leinetal zu ziehen und diese sich zudem noch im Besitz augusteischer Münzen befanden bleibt ungewiss. Der Fund lässt viele Spekulationen zu und ist ein weiterer Mosaikstein im Zusammenhang mit den römischen germanischen Konflikten oder den folgenden germanischen Raubzügen ins Imperium die sich noch über Jahrhunderte erstreckten. Da man den Herrensitz eines Cheruskerfürsten nicht in einer ungesicherten ebenen Siedlung vermutet, sollte man in der Umgebung Untersuchungen anstellen, ob sich dort eine repräsentativere Anlage möglichst in Höhenlage befinden könnte. Dabei fällt ganz in der Nähe die alte Vogelsburg ins Auge die nur 40 Kilometer östlich von Höxter liegt und von der man annimmt, dass eine derart große Anlage auch nur errichtet werden konnte, wenn sich im Umkreis eine größere Besiedelungsdichte nachweisen ließe, was durch die Funde im Ortsteil Vogelbeck Bestätigung fand. Denn dort lässt sich eben diese größere Bevölkerungsanzahl für die Spätlatènezeit, also die Zeit um das Jahr Null nachweisen. Eisenzeitliche Keramik die unter den Wällen der Vogelsburg gefunden wurde, deuten auf eine Befestigungsanlage in dieser Zeit hin. Auch in der Umgebung von Vogelbeck so in Hohnstedt und Salzderhelden ließen sich eisenzeitliche Siedlungen nachweisen. Die Vogelsburg besteht aus zwei ringförmigen 2,5 bzw. 6,5 Meter hohen Erdwällen und hat einen Durchmesser von 250 Metern. Es fanden sich dort auch keramische Spuren aus der Latènezeit. Ich halte daher die Vogelsburg für den Herrensitz des Segestes. Ob es sich übrigens bei der Sagengestalt, nämlich der weißen Jungfrau von der Vogelsburg um Thusnelda handelte, konnte leider noch nicht abschließend geklärt werden, aber wir bleiben dran. Die Vogelsburg war zudem und auch danach noch eine bedeutsame Anlage. Auf der Vogelsburg soll auch der Sachsenherzog Heinrich, später genannt der Vogler die Nachricht bekommen haben, dass er 919 in Fritzlar zum ostfränkischen König ernannt werden sollte. Heinrich der Sachsenherzog gehörte zum sächsischen Geschlecht der Liudolfinger deren Besitztümer in den westlichen Ausläufern des Harzes und im Leinetal lagen. Historisch interessant ist in diesem Zusammenhang noch seine Bemerkung, nach dem ihm der Mainzer Erzbischof die Salbung angeboten hatte. Denn er sagte „Es genügt mir vor meinen Vorfahren das voraus zu haben, dass ich König heiße und dazu ernannt worden bin, Salbung und Krönung sollten Würdigeren vorbehalten bleiben“. In guter Tradition, dass man im alten Sachsen Könige für suspekt hielt und wohl nur Herzöge in Kriegszeiten akzeptierte oder duldete, übte sich Heinrich in einer dem angemessenen Demut. Sein plötzlicher Machtzugewinn sollte nicht ins Gegenteil umschlagen. Wie man vermutet könnte es damals auch Arminius ähnlich ergangen sein, denn auch ihm unterstellte man schon, dass er sich wie Marbod zum König krönen lassen wollte, was seine Familie dann verhindert haben soll. Heinrich der Sachsenherzog der in der Nachfolge der cheruskischen Germanen stand, fühlte sich offensichtlich auf dem alten Herrensitz von Segestes immer noch sehr wohl. Blicken wir zurück auf die germanische Geschichte so wissen wir, dass letztlich das Herrschergeschlecht des Arminius dank Italicus dem Sohn seines romtreuen Bruders Flavus, der auch den Segen Roms hatte, also seinem Neffen und folglich dem Enkel seines Vaters Segimer noch bis ins 2. Jhd. die Macht inne hatte. Sowohl Flavus und Italicus blieben dem Imperium treu und möglicherweise fühlte sich auch noch der Sachsenherzg Heinrich dieser alten Traditionsgeschichte verbunden und pflegte ein gutes Verhältnis zu den dem Imperium nachfolgenden Franken. Als Germanicus Segestes befreite, musste er wohl wenn auch zähneknirschend zur Kenntnis genommen haben, wie viele der anwesenden Männer des Segestes Siegeszeichen von der Niederlage des Varus vorzeigen konnten, die ihnen damals als Beute zugefallen waren. Denn ihm gegenüber verstecken wollten sie sie offensichtlich auch nicht. Im Nachhinein betrachtet kann der Frühjahrsfeldzug auch nur als ein Desaster des Germanicus bezeichnet werden, denn kaum am Rhein angelangt konnte er letztlich auch den folgenden Sommerfeldzug nicht vermeiden, den er zur Bestattung der Knochenreste im Saltus nutzte und der ebenfalls für ihn im Debakel gegen die Cherusker an der Weser endete. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit der Legionen der schon unter Varus gebrochen wurde, setzte sich damit im Jahr 15 + fort. Zuletzt am 3.4.2018 um 17:54 Uhr bearbeitet.